mini|Pergamenthandschrift der Komödie Phormio des Terenz. Biblioteca Apostolica Vaticana Phormio ist eine Komödie des römischen Dichters Terenz. Sie wurde 161 v. Chr. bei den ludi Romani aufgeführt. Phormio gilt als das fünfte Stück des Terenz und beruht auf der Komödie Epidikazomenos (, Der einen Anspruch stellt) des Apollodor von Karystos.

Übersicht

Personen – Dramatis Personae mini|Charaktere des Phormio In der Reihenfolge des Auftretens: Davos, Sklave Geta, Sklave des Demipho Antipho, Sohn des Demipho, Liebhaber der Phanium Phaedria, Sohn des Chremes, Liebhaber einer Musikerin Demipho, Bürger von Athen, Vater von Antipho Phormio, ein „Parasit“ Hegio, Berater und Freund des Demipho Cratinus, Berater und Freund des Demipho Crito, Berater und Freund des Demipho Dorio, Zuhälter und Sklavenhändler Chremes, Bürger von Athen, Bruder des Demipho, Vater des Phaedria und der Phanium, wie sich herausstellen wird. Sophrona, Amme der Phanium, der Tochter des Chremes Nausistrata, Frau des Chremes

Ort der Handlung Ort der Handlung ist Athen. Die Bühne stellt eine Straße in Athen dar, auf der sich drei Häuser befinden, die Demipho, Chremes und dem Zuhälter Dorio gehören. Der Abgang auf der rechten Seite des Publikums führt zum Forum und zum Haus des Phormio, der auf der linken zum Hafen.

Inhalt Die verwendeten Versangaben und Akteinteilungen beruhen auf der Edition von John Barsby (2001). Prolog (V. 1–34) Terenz nutzt den Prolog zur literarischen Auseinandersetzung mit einem „alten“ Dichter, gemeint ist Luscius Lanuvinus, der den jungen Dichter Terenz hart kritisiert und verleumdet. Doch der junge Dichter gibt nicht nach, im Gegenteil, er schlägt zurück mit einem ganz neuen Stück. Der Originaltitel im Griechischen Epidicazomenos, Der einen Anspruch stellt, heißt auf Lateinisch Phormio, denn der Schmarotzer Phormio sei der Hauptdarsteller, der die Handlung am stärksten vorantreibt. Dann ergeht die Aufforderung ans Publikum, still und freundlich zuzuhören, nicht wie vor kurzem, als Störer die Aufführung unmöglicht machten.

Akt I (V. 35–231) Davos tritt auf und erzählt, dass er seinem besten Freund Geta seine Schulden bezahlen wolle. Antipho, Sohn des Demipho, Getas Herrn, habe geheiratet. Dafür brauche er das Geld. (V. 35-50) Davos trifft Geta, der einiges zu erzählen hat. Chremes und Demipho seien verreist, Chremes nach Lemnos, Demipho nach Kilikien. Beide hätten ihn zum Betreuer ihrer Söhne, Antipho und Phaedrias gemacht. Probleme ergaben sich, als beide sich verliebten. Chremes Sohn, Phaedria verliebte sich in eine Harfenistin, allein es fehlte ihm das Geld für eine Mitgift, und Antipho in ein Mädchen, das seine Mutter bestatten musste. Auch Antipho fehlte das Geld für die Mitgift, sein Vater würde außerdem eine Braut aus einem niederen Stand nicht akzeptieren. Geta berichtet, dass Phormio das Problem für Antipho lösen wollte. Gesetz sei es, dass der am nächsten stehende Verwandte eine verwaiste Erbin heiraten soll. Er wollte für Antiphon die Papiere als angeblicher Freund des Vaters des Mädchens besorgen. Vor Gericht hatten sie Erfolg und Antiphon konnte das Mädchen jetzt heiraten. Phaedria hat noch keine Frau. Die beiden Väter sind von ihren Reisen noch nicht zurückgekehrt. Davos geht davon, Geta bringt das Geld ins Haus und strebt zum Hafen. (V. 51–152) Antipho und Phaedria sprechen miteinander über ihr „Unglück“. Antipho beklagt sich, dass er Phormio zu schnell gefolgt sei und nun darauf warten müsse, was sein Vater für ihn entscheide. Phaedria äußert sein Unverständnis, denn schließlich sei Antipho mit seiner Liebe zusammen. Ihm selbst fehle seine Liebe. Antipho antwortet ihm, dass er immerhin die freie Entscheidung habe, ob er weiterhin mit seinem Mädchen zusammenbleiben wolle, er habe diese nicht. Da sieht er nervös Geta kommen. (V. 153–178) mini|Geta, Antipho und Phaedria Geta spricht zu sich. Er hatte im Hafen erfahren, dass sein Herr Demipho zurückgekehrt sei. So ist er recht verzweifelt, weil er das Vorgefallene erklären müsse, ohne es zu können. Fliehen würde er, wenn nicht Antipho wäre. Er sucht nach einem Ausweg, als ihn Antipho und Phaedria reden hören. Antipho spricht ihn an und Geta erzählt von der Rückkehr des Demipho, der jeden Moment eintreffen werde. Als sie in der Ferne Demipho sehen, verschwindet Antipho, der nicht den Mut hat, Demipho gegenüberzutreten. Geta und Phaedria bleiben und sehen nur einen Weg, das Geschehene zu verteidigen, nämlich mutig, denn dem Tapferen hilft das Glück. Geta bleibt erst einmal im Hintergrund. (V. 179–231)

Akt II (V. 231–464) mini|Demipho, Phaedria und GetaPhaedrias und Geta beobachten Demipho, der, mittlerweile in Hörweite, sich ihnen nähert. Demipho spricht zu sich selbst und beklagt sich darüber, dass Antipho auf Grundlage einer rechtlichen Verpflichtung als Verwandter heiratete. Demipho bestreitet die Verwandtschaft und sucht empört seinen Sohn. Geta und Phaedria, bisher im Hintergrund, entscheiden, dass Phaedria Demipho begrüßen und ablenken solle, indem er die Partei Antiphos ergreift und sein Handeln erklärt, was allerdings nicht gelingt. Demipho lässt sich nicht besänftigen. Er will Phormio kennenlernen. Schließlich sucht Geta Phormio und Phaedria Antipho. Demipho geht in sein Haus. (V. 232–314) mini|Demipho, Phormio, Geta, Hegio, Cratinus, CritoGeta findet Phormio und erklärt ihm die Lage, der schnell vorgibt, einen Plan zu haben, wie er dem wütenden Demipho Antiphos Handeln erklären könne. Phormio bleibt gelassen, da er sich nie mit gefährlichen Menschen einlasse, sondern nur mit „harmlosen“ Menschen. Bald nähert sich der immer noch aufgebrachte Demipho mit seinen Freunden und Beratern Hegio, Cratinus und Crito. Phormio tut so, als sähe er Demipho nicht und redet laut auf Geta ein, dass er sich verwundere sich, dass Demipho von der Verwandtschaft nichts wisse. Er wirft Demipho Habgier vor und setzt dabei auf Mitleid, dass das arme Mädchen behütet werden musste. Geta tut die ganze Zeit so, als würde er Phormio widersprechen. (V. 315–347) Demipho, bisher als Lauscher im Hintergrund, wird es zu bunt und greift ein. Er tritt Phormio entgegen und fordert eine Erklärung für die angebliche Verwandtschaft. Phormio hält ihm entgegen, dass er ihn sehr wohl kenne. Als Phormio den Namen Stilpo rausrückt, beharrt Demipho darauf, ihn nicht zu kennen. Phormio entgegnet, es den Richtern genau erklärt zu haben. Dort möge Demipho nachfragen. Phormio ändert den Ton, indem er ihn auffordert, Freundschaft zu schließen, das wäre für alle positiver. Demipho aber verschärft den Ton und droht, die junge Ehefrau aus dem Haus zu werfen, während Phormio als Antwort mit einem weiteren Prozess droht und nach Hause geht. Geta soll Antipho suchen. (V. 348–441) Demipho berät sich mit seinen Freunden. Cratinus empfiehlt ihm, den Streit mit seinem Sohn gütlich beizulegen. Demipho dankt für den Ratschlag und ist sich nicht sicher. Er will auf seinen bisher verreisten Bruder Chremes warten und ihn um Rat fragen. (V. 442–464)

Akt III (V. 465–567) Geta trifft Antipho, der sich Verwürfe macht, sich verdrückt zu haben, als sein Vater zurückkehrte. Geta behauptet zwar, sein Vater wisse noch nichts, doch erzählt er, dass Phaedria, Phormio und er selbst ihn verteidigt hätten. Antipho ist froh, als er Phaedria sieht, der gerade mit dem Sklavenhändler Dorio aus dessen Haus tritt. (V. 465–484) mini|Phaedria, Antipho, Geta und DorioPhaedria bittet Dorio verzweifelt und vergeblich um einen Aufschub beim Verkauf seiner geliebten Pamphila. Als Antipho hinzukommt, stellt sich heraus, dass der Käufer tatsächlich erst am folgenden Tag bezahlen muss. So kann Dorio Phaedria zugestehen, dass er nur vor dem Käufer zahlen muss, um Pamphila zu erhalten. (V. 485–533) Phaedria, Antipho und Geta beraten. Um das nötige Geld zu besorgen, soll Geta das Geld aus dem Haus des Demipho stehlen, so Antipho, schließlich fühlte er sich Phaedria verpflichtet. Geta allerdings sieht seine Lage so schon als schlecht an. Phaedria will dann das Mädchen entführen lassen, er werde ihr folgen. Geta überlegt dann, Geld für Phaedria zu besorgen. Phormio soll ihm dabei helfen. Antipho soll nach Haus zurückkehren und Phaedria und Geta suchen Phormio. (V. 534–567)

Akt IV (V. 568–727) Nach Chremes’ Rückkehr können sich die beiden Brüder endlich unterhalten. Chremes gibt zu, dass er seine Tochter von Lemnos nicht mitbringen konnte, da sie schon nach Athen gereist war. Chremes wirkt unzufrieden, da er seine Angelegenheiten in Lemnos nicht klären konnte. Obendrein hat er Angst, dass sein Doppelleben auffliegt. (V. 568–590) Geta tritt auf, zufrieden über sein Gespräch mit Phormio, den er mit Chremes auf dem Marktplatz wiedertreffen will. Als er die beiden Väter sieht, nennt er sie zwei Opfer seiner List. Einer von beiden wird ihm schon ins Netz gehen. (V. 591–605) Antipho kommt hinzu, bleibt aber im Hintergrund. Geta tritt zu den beiden Alten und trägt ihnen planvoll vor, dass Phormio bereit wäre, die Braut des Antipho zu heiraten, wenn die beiden Alten die Mitgift übernähmen. Obgleich Demipho sich zuerst sträubte, will man so verfahren. Den größten Anteil sollte dann Chremes zahlen, aber Antipho wäre von den Verpflichtungen aus der Heirat frei. (V. 606–681) Antipho hat die Strategie des Geta nicht verstanden und beschwert sich bei Geta. Geta muss ihm den Dreh erklären, dass jetzt sogar eine Mitgift da wäre, denn Phormio wolle Phanium gar nicht heiraten. Als er die beiden Alten erblickt, schickt er Antipho mit der Nachricht zu Phaedria, das Geld sei da. (V. 682–712) Demipho und Chremes treten auf und Demipho lässt sich von Geta zum Markt begleiten, um die Mitgift an Phormio zu übergeben. Chremes rät Demipho noch, die bevorstehende Hochzeit durch Chremes’ Ehefrau der Phanium erklären zu lassen. Nach erstem Zögern stimmt Demipho zu. (V. 713–727)

Akt V (V. 728–1056) mini|Sophrona und Chremes Sophrona, die das Haus Demiphos verlässt, analysiert die Haltung Demiphos und weiß nicht, an wen sie sich um Hilfe wenden soll. Da erkennt Chremes sie als Amme seiner Tochter. Schließlich spricht er sie an. Sie wiederum nennt ihn Stilpo, dem Namen unter dem man ihn in Lemnos kennt. Er möchte aber seine doppelte Identität nicht enthüllen und bittet sie leiser zu reden. Sophrona erzählt vom Tod der Mutter und der Heirat mit Antipho. Chremes glaubt zuerst, dass Antipho doppelt verheiratet sei, dann klärt Sophrona ihn auf. Chremes ist hochzufrieden über diese Hochzeit. Chremes bittet die Amme, Chremes’ Vaterschaft nicht zu verraten. Sie gehen in Demiphos Haus. (V. 728–765) Demipho beklagt sich bei Geta, wie dumm er war, sich betrügen zu lassen. Geta verunsichert ihn, indem er Zweifel sät, ob Phormio sein Versprechen einhält. Demipho will darauf so schnell wie möglich mit Nausistrata reden, die das Mädchen überreden soll. Geta dagegen will mit Phanium sprechen, dass sie keine Angst haben müsse vor Phormio und Nausistrata. (V. 766–783) Demipho und Nausistrata verlassen das Haus des Chremes. Nausistrata soll die junge Frau dazu bringen, aus freiem Willen das Gebotene zu tun. Sie will helfen, wie auch vor kurzem, als Demipho Geld benötigte. Sie klagt, dass Chremes ihre Mitgift, die wohlerworbenen Güter ihres Vaters nicht gut verwalte. Doch Demipho drängt sie, mit Phanium zu sprechen. Da tritt Chremes, ohne seine Frau zu sehen, aus dem Hause Demiphos und fragt, ob Phormio schon das Geld erhielt. Demipho bestätigt, worauf Chremes, für Demipho unverständlich, „Verkehrt“ antwortet. Chremes versucht jetzt, Demipho beizubringen, dass die Braut bei Antipho bleiben solle. Allerdings spricht er vor seiner Frau nicht alles aus, so dass Demipho erst nicht viel versteht. Schließlich wird nach einigen Wirrungen Demipho verstehen, dass Phanium bleiben kann, da wirklich eine Verwandtschaft vorliegt. Nausistrata kann also zurückkehren und Chremes zieht Demipho zu dessen Haus, wo er ihm das Geheimnis mitteilen kann, ohne dass ihre Söhne etwas mitkriegen. (V. 784–819)