mini|Pulau Penyengat Pulau Penyengat ( ‚Wespeninsel‘) mit dem Beinamen Indera-Sakti (Indras Shakti) ist eine kleine hügelige Insel auf dem Stadtgebiet von Tanjung Pinang, der Hauptstadt der indonesischen Provinz Kepulauan Riau. Im 19. Jahrhundert war sie Residenz der buginesischen Unter-Könige des Riau-Lingga-Sultanats und eines der wichtigsten Zentren der malaiisch-islamischen Kultur. In europäischen Schriften des 19. Jahrhunderts wurde die Insel Mars bzw. Marsch genannt.Matheson/Watson Andaya: The Precious Gift (Tuhfat al-Nafis). 1982, S. 320.
Lage und Größe { "type": "FeatureCollection", "features": [ { "type": "Feature", "properties": { "marker-color": "C00000", "marker-size": "small", "marker-symbol": "circle-stroked", "description": "Penyengat" }, "geometry": { "type": "Point", "coordinates": [ 104.417778, 0.928331 ]
] } Pulau Penyengat liegt direkt gegenüber von Tanjung Pinang, Hauptstadt der Insel Bintan, der größten Insel des Riau-Archipels. Die Insel ist weniger als zwei Kilometer lang und an ihrer breitesten Stelle etwa 750 Meter breit. Wege ermöglichen einen einfachen und schnellen Zugang zu ihren Siedlungen, Gräbern und historischen Stätten.
Geschichte mini|links|Landung niederländischer Truppen auf der Insel im 18. Jahrhundert Zum Verständnis der historischen Bedeutung von Pulau Penyengat ist es wichtig zu wissen, dass Johor, der unmittelbare Nachfolger des Sultanats von Malakka, im frühen 18. Jahrhundert die Riau-Lingga-Inseln zu seinem Regierungssitz gemacht hatte. Zwar wurde Pulau Penyengat erst im frühen 19. Jahrhundert besiedelt, doch war die Insel aufgrund ihrer Lage vor der Küste von Tanjung Pinang schon vorher von strategischer Bedeutung. So war sie in den Jahren 1721 und 1753 Schauplatz von Land- und Seeschlachten zwischen Raja Kecik und den Bugis. Raja Haji, ein Bugis-Unterkönig (Yamtuan Muda; YTM) des Riau-Johor-Sultanats, ließ auf der Insel Palisaden errichten, die mit Männern aus Siantan besetzt wurden.Raja Ali Haji: The Precious Gift (Tuhfat al-Nafis). 1982, S. 168. Die Insel wurde als Verteidigungsposten für die Hauptstadt von Riau genutzt, aber 1783 von den Niederländern angegriffen. Bei dieser Gelegenheit stellte die niederländische Streitmacht fest, dass Penyengat und Tanjung Pinang zu gut verteidigt waren, und zog sich nach Malakka zurück. Noch heute sieht man auf der Insel Gräben und Verteidigungsanlagen, die wahrscheinlich aus der Zeit dieses Krieges gegen die Holländer stammen. Auf der Karte sind sie mit benteng gekennzeichnet. Die Verteidigungsanlage auf der Ostseite der Insel sollen aus Korallen erbaut sein.
Die Insel als buginesischer Herrschersitz des Riau-Lingga-Sultanats mini|Das Grab von Raja Hamidah mit dem Beinamen Engku Puteri Die Geschichte von Penyengat als einer permanenten Wohnsiedlung begann erst mit Raja Hamidah, der Tochter von Raja Haji, der 1784 im Kampf gegen die Holländer in Malakka fiel. Nach Raja Hajis Tod kam sie mit den meisten anderen ihrer Geschwister in die Obhut des malaiischen Sultans von Riau, Sultan Mahmud, und wurde später dessen vierte Ehefrau. Im Zusammenhang mit der Eheschließung befahl Sultan Mahmud, die Insel, auf der es damals nur vier oder fünf Häuser gab, zu räumen und eine königliche Residenz mit Befestigungsanlagen, einer Moschee und einem Audienzsaal zu errichten. Als die Arbeiten abgeschlossen waren, installierte der Sultan seine Frau Raja Hamidah mit dem Beinamen Engku Puteri mit ihrem Gefolge auf der Insel. Am 13. Februar 1804 wurde eine formale Zeremonie abgehalten, bei der der Sultan die Insel seiner Frau als nachträgliche Brautgabe übereignete. Sie sollte für alle Ewigkeit im Besitz ihrer Nachkommen bleiben.Andaya: “Gender, Islam and the Bugis Diaspora in Nineteenth-and Twentieth-Century Riau”. 2003, S. 86.
Nach der Bugis-Chronik Tuhfat an-Nafīs von Raja Ali Haji soll der Sultan bei dieser Gelegenheit sein Königreich auch in ein Bugis-Gebiet und ein malaiisches Gebiet aufgeteilt haben: Die Riau-Inseln und ihre Einnahmen sollten Raja Hamidah, ihren Brüdern und Schwestern sowie allen Nachkommen von Raja Haji gehören, ohne dass der Sultan sich in ihre Angelegenheit einmischen würde, während Lingga-Inseln den Nachkommen des Sultan gehören sollten, ohne dass die Familie von Raja Hamidah auf die Einnahmen dieser Gebiete erheben würde. Nach Raja Ali Haji war dies der Anfang der Aufteilung von Einnahmen und Steuern zwischen dem buginesischen Unter-König (Yang Tuan Muda; YTM) und dem malaiischen Ober-König (Yang Tuan Besar).Raja Ali Haji: The Precious Gift (Tuhfat al-Nafis). 1982, S. 212.
Als im Jahre 1805 der alte Unter-König Raja Ali starb, wurde Raja Hamidahs zweiter Bruder Raja Jaafar von seinem Lehen in Selangor gerufen wurde, um neuer YTM zu werden und auf Penyengat zu leben. Penyengat war zwar Raja Hamidahs eigener Besitz, wurde aber von ihrem Bruder Raja Jaafar und später von dessen Söhnen verwaltet. Ihr anderer Bruder, Raja Ahmad, war ihr Begleiter und fungierte als Berater von YTM Jaafar.Matheson: “Pulau Penyengat. Nineteenth century Islamic centre of Riau”. 1989, S. 156. Unter YTM Jaafar, der bis 1831 regierte, wurde Penyengat zum Verwaltungszentrum der Riau-Region. YTM Jaafar verfügte offensichtlich über einigen Einfluss und Reichtum. Seine Soldaten schickte er zum militärischen Training in das niederländische Malakka,Matheson: “Pulau Penyengat. Nineteenth century Islamic centre of Riau”. 1989, S. 158f. und die Insel war so gut ausgestattet, dass im Jahr 1823 in dem Audienzsaal von Penyengat in Anwesenheit malaiischer, buginesischer und niederländischer Vertreter die Amtseinführung von Sultan Abdul Rahman, dem Nachfolger von Sultan Mahmud, gefeiert werden konnte.Matheson: “Pulau Penyengat. Nineteenth century Islamic centre of Riau”. 1989, S. 159. Allerdings war seit 1818 in Tanjung Pinang, gegenüber von Penyengat, ein niederländischer Resident ansässig.Alijah Gordon: “Riau: The Milieu of Syed Shaykh’s Formative Years & the Aspirations of the Subjugated Umma” in Gordon: The real cry of Syed Sheikh al-Hady. 1999, S. 1–68. Hier S. 4.
mini|links|Die Mitte der 1840er Jahre erbaute Sultansmoschee Nach Raja Jaafars Tod im Jahre 1831 folgt ihm sein Sohn Raja Abdul Rahman als YTM nach. Während seiner Herrschaft, die bis 1844 dauerte, festigte er die Position der Insel als führendes religiöses Zentrum und initiierte den Bau der Moschee, die bis heute ein markantes Wahrzeichen von Penyengat ist. Nach lokalen Berichten zufolge arbeitete die gesamte Bevölkerung von Penyengat, sowohl Männer als auch Frauen, zusammen, um ein erhöhtes Stück Land zu schaffen, auf dem die Moschee gebaut werden konnte.Matheson: “Pulau Penyengat. Nineteenth century Islamic centre of Riau”. 1989, S. 159f. Der Herrscher Abdul Rahman war auch selbst gelehrt und fromm und verbot den Bewohnern von Penyengat, Gebete an Gräbern abzuhalten. In seiner Frömmigkeit wurde Raja Abdul Rahman noch durch seinen Bruder Raja Ali übertroffen, der ihm 1844 als YTM nachfolgte und bis 1857Nach Raja Ali Haji: The Precious Gift (Tuhfat al-Nafis). 1982, S. 289, starb er am 25. Juni 1857. herrschte. Er soll allen Beamten von Penyengat befohlen haben, religiösen Studien nachzugehen und ihre Rezitation des Korans zu verbessern. Außerdem verbot er das Tragen von Gold und Seide und untersagte Glücksspiele und Hahnenkämpfe. Muslime, die sich nicht an diese Verbote hielten, wurden bestraft.Raja Ali Haji: The Precious Gift (Tuhfat al-Nafis). 1982, S. 283.
Während der Herrschaft von YTM Muhammad Yusuf, die von 1858 bis 1899 währte, begann die Aufteilung des Riau-Königreichs in die Gebiete des bugisinischen Riau-Penyengat und malaiischen Lingga zu verschwimmen. Als Sultan Sulaiman von Lingga 1884 starb, folgte ihm Raja Muhammad Yusufs Ehefrau Tengku Embung Fatimah, die selbst Tochter eines Sultans war, auf den Thron. Embung Fatimah regierte zwei Jahre lang in Lingga, bis ihr Sohn Abdul Rahman als Sultan eingesetzt wurde. YTM Muhammad Yusuf reiste deswegen häufig zwischen Penyengat und Lingga hin und her.Matheson: “Pulau Penyengat. Nineteenth century Islamic centre of Riau”. 1989, S. 161.
Nach dem Tod von Muhammad Yusuf im Jahr 1899 übernahm sein Sohn Abdul Rahman die Position des YTM und verschmolz sie mit dem Sultanat. Im Jahre 1900 verließ er Lingga, wo die früheren malaiischen Sultane residiert hatten, und ließ sich im Palat seines verstorbenen Vaters auf Penyengat nieder.G. F. de Bruyn Kops: “Riouw en Onderhoorigheden” in Encyclopædie van Nederlandsch Indië. 2. Aufl. Nijhoff, s-Gravenhage und Brill, Leiden 1919. Bd. III, S. 605–626. Hier S. 621b. Digitalisat Dadurch gewann die Insel noch einmal an politischer Bedeutung.Alwi bin Sheikh Alhady: Malay Customs and Traditions. Reprint Donald Moore Press, Singapur 1967. S. XI–XII. Als aber 1905 die Position des Yamtuan Muda (YTM) offiziell abgeschafft wurde, rief dies bei vielen Honoratioren der Insel Unmut hervor.Putten: “Printing in Riau; two steps toward modernity”. 1997, S. 730. Es bildete sich eine anti-niederländische Widerstandspartei mit Radja Ali Kelana, dem Halbbruder des Sultans, an der Spitze, der sich der Sohn und mutmaßliche Thronfolger des Sultans, der Tengku Besar, anschloss.G. F. de Bruyn Kops: “Riouw en Onderhoorigheden” in Encyclopædie van Nederlandsch Indië. 2. Aufl. Nijhoff, s-Gravenhage und Brill, Leiden 1919. Bd. III, S. 605–626. Hier S. 622a. Digitalisat Dies führte das Ende des Sultanats herbei. Im Februar 1911 landete eine Truppe niederländischer Soldaten auf der Insel und umzingelte die Residenz des Sultans.Linda Tan: Syed Shaykh: His Life and Times in Gordon (Hrsg.): The real cry of Syed Sheikh al-Hady. 1999, S. 109–162. Hier S. 129. Sultan Abdul Rahman wurde von den Niederländern abgesetzt, mit der Begründung, dass er nicht mit ihrer Regierung kooperiert habe. 1913 schafften die Niederländer das Königreich Riau-Lingga offiziell ab.Matheson: “Pulau Penyengat. Nineteenth century Islamic centre of Riau”. 1989, S. 163.
Gesellschaftliche Entwicklung Aufgrund seiner besonderen historischen Entwicklung waren die Verwandtschaftsnetzwerke auf Penyengat immer sehr eng. Kreuzcousinenheiraten zwischen den Rajas waren die Regel. Ein Großteil der Penyengat-Bevölkerung, die gesamten Rajas, führte ihre Abstammung auf den Kriegerhelden Raja Haji zurück.Matheson: “Pulau Penyengat. Nineteenth century Islamic centre of Riau”. 1989, S. 168.
Im 19. Jahrhundert befand sich der bewohnte, geschäftige Bereich von Penyengat auf der Südseite von Penyengat in Kota Rentang, der von Sultan Mahmud für Raja Hamidah erbauten Siedlung. Ursprünglich war diese Seite der Insel, die von Tanjung Pinang abgewandt und dem offenen Meer zugewandt ist, der Hauptlandeplatz und das zentrale Gebiet der Geschäftigkeit. Die Nord- und Westseite der Insel waren unbebaut und mit Gestrüpp bedeckt.G. F. De Bruyn Kops: “Sketch of the Rhio-Lingga Archipelago (Continuation)” in Journal of the Indian Archipelago and East Asia 9 (1855) 96–108. Hier S. 98. Digitalisat Später bestanden die Niederländer jedoch darauf, dass alle Boote, die in Penyengat anlegten, von ihrem Posten in Tanjung Pinang aus sichtbar sein sollten, und so verlagerte sich der Schwerpunkt der Insel auf die Seite der Moschee. Das ist der Grund, warum sich heute die Hauptsiedlung im nördlichen Teil der Insel rund um den Landungssteg in der Nähe der Sultan-Moschee befindet, wo die Boote aus Tanjung Pinang ihre Passagiere ausladen.Matheson: “Pulau Penyengat. Nineteenth century Islamic centre of Riau”. 1989, S. 158.