Der ELIZA-Effekt (auch Eliza-Effekt) bezeichnet das Verhalten einer Person, textbasierten Dialogsystemen (z. B. Chatbots) menschliche Eigenschaften wie Gefühle, Verstehen und Empathie zuzuschreiben. Der Effekt ist nach dem Chatbot ELIZA benannt. Dessen Entwickler Joseph Weizenbaum war überrascht über die Reaktion einiger Personen auf das Computerprogramm und beschrieb diesen Effekt.
ELIZA-Effekt nach Weizenbaum Joseph Weizenbaum hatte ursprünglich die Unmöglichkeit tiefgründiger Kommunikation zwischen Mensch und Maschine zeigen wollen, beobachtete allerdings das Gegenteil:
Dieser Wahn bestand in erster Linie darin, dem Computerskript menschliche Eigenschaften zuzuschreiben, d. h. geistige Fähigkeiten anzunehmen, die nicht vorhanden und auch vom Programm nicht beabsichtigt waren. Insbesondere wurden dem Programm persönliche Absichten unterstellt, obwohl das von Weizenbaum benutzte System noch sehr einfach und auch relativ leicht durchschaubar war. Mit dieser Verwechslung von Mensch und Maschine diente ELIZA als Inspirationsquelle, mit welchen „Tricks“ ein Computerprogramm den Turing-Test bestehen könnte; ELIZA selbst besteht den Turing-Test jedoch nicht.
Chatbot-Boom seit 2022 Im November 2022 brachte die Firma OpenAI den Dienst ChatGPT auf den Markt, der rasch größere Beliebtheit erlangte und durch fortschrittliche sprachliche Fähigkeiten aufgrund des Einsatzes großer Sprachmodelle (Large Language Models) für alle Arten von Fragen geeignet zu sein scheint.
Mittlerweile können diese und ähnliche Systeme nicht nur rasch schriftliche Anfragen mehr oder weniger sinnvoll als Text beantworten, sondern auf Wunsch auch gesprochene Sprache verstehen, sowie mittels computergenerierter Sprachsysteme auch selbst sprechen (siehe Liste von ChatBots). Hiermit verstärkt sich auch drastisch der ELIZA-Effekt.
Häufig nutzen Menschen diese Chatbots als persönlichen Freund, Berater oder Psychotherapeuten, ganz ähnlich wie ursprünglich in der ELIZA – Version „DOCTOR“ von Weizenbaum. Einige Nutzer fühlten sich mit ihren individualisierten KI-Gesprächspartnern so verbunden, dass sie sich in sie verliebten und diese mitunter sogar „heirateten“. Andere gerieten durch solche anthropomorphisierende Gespräche tief in eine (latent vorhandene) Psychose, wahrscheinlich, weil sie von ihrem „Gesprächspartner“, einem KI-Chatbot, konstant darin bestärkt wurden.
Mittlerweile existieren mehrere Firmen, die den ELIZA-Effekt als Geschäftsmodell nutzen. Sie bewerben und vermarkten auf ihren Plattformen bewusst Freundschaften mit eigens generierten KI-Partenrinnen und -Partnern und bewerben sie als Alternative zu echten menschlichen Beziehungen.
Adaptationen in der Kunst Das Staatsschauspiel Dresden zeigte im Jahr 2022 das Stück Eliza Effekt.
Siehe auch Anthropomorphismus
Weblinks Erklärung des ELIZA-Effekts in einem Video des RBB-Formats „Menschen und Muster“ vom 17. Januar 2024
Einzelnachweise
Kategorie:Mensch-Computer-Interaktion Kategorie:Künstliche Intelligenz