mini|270px|Ortsansicht

Geilsheim ist ein Gemeindeteil der Stadt Wassertrüdingen im Landkreis Ansbach (Mittelfranken, Bayern). Die Gemarkung Geilsheim hat eine Fläche von 12,454 km². Sie ist in 1276 Flurstücke aufgeteilt, die eine durchschnittliche Fläche von 9760,63 m² haben. In ihr liegt neben dem namensgebenden Ort der Gemeindeteil Oberaumühle. In der Gemarkung gibt es 614 Einwohner (Stand Dez. 2025).

Geografie Das Pfarrdorf liegt etwa drei Kilometer südöstlich von Wassertrüdingen am Grundbach, einem linken Zufluss der Wörnitz. Am östlichen Ortsende fließt der Sulzbach zu, in der Ortsmitte ein weiterer, teils verrohrter Bach. Alle drei entspringen auf dem nordöstlich gelegenen bewaldeten Wachtlerberg (). Der Ort ist von Acker- und Grünland mit vereinzeltem Baumbestand umgeben. Im Nordwesten heißt die Flur Pitelberg, im Nordosten Streng, im Osten Altenbühl, im Süden Röte, Fuchsloch und Hart, im Südwesten Mühlberg und im Westen Hoher Buck und Hoher Berg.

Die Staatsstraße 2218 führt nach Zollhaus zur Staatsstraße 2221 (2,5 km westlich) bzw. nach Ostheim zur Bundesstraße 466 (3,2 km östlich). Gemeindeverbindungsstraßen führen nach Obermögersheim (2,8 km nördlich) und zur Staatsstraße 2221 (2,5 km südwestlich).

Geschichte Von 1198 bis Ende des 15. Jahrhunderts ist eine niederadelige Familie von Geilsheim nachweisbar, 1198 und 1208: Marquardus de Giselsheim Franz Heidingsfelder, Die Regesten der Bischöfe von Eichstätt, 1938, Nr. 511 und Nr. 539. . 1471 bestätigte Ulrich von Geilsheim, dass er acht Hofstätten zu Laubenzedel, Ortsteil von Gunzenhausen, als kloster-ellwangische Lehen erhalten hat. Staatsarchiv Nürnberg, Hochstift Eichstätt, Lehenurkunden Nr. 14411. Das Wappen der Herren von Geilsheim befindet sich auf dem Epitaph des Hans von Haldermannstetten, genannt Stettner (gest. 19. Juni 1502) in der Schwanenritterkapelle in St. Gumbertus in Ansbach, denn seine Mutter war Margaretha, geb. von Geilsheim, genannt 1481. Heinrich Weißbecker, Geschichte des Franziskanerklosters und seiner Kirche in Rothenburg ob der Tauber, 1882, S. 23. Das Wappen zeigt eine auf einer Spitze stehende quadratische Gürtelschnalle mit waagrechtem Dorn. In der Helmzier befindet sich die Gürtelschnalle zwischen zwei Büffelhörnern.

1273 wurde ein Ortsadeliger erwähnt: Friedrich von Geilsheim verkaufte seine Güter zu „Phlunuelt“ (Pflaumfeld) der Deutschordenskommende Eschenbach. Geilsheim wurde nach einem adeligen Gutsbesitzer namens Gisel „Giselshaim“ benannt. Ursprünglich bestand der Ort aus zwei eigenständigen Dörfern (Geilsheim und das südlich davon gelegene Bühl) mit jeweils einer eigenen Pfarrei, die 1313 zusammengelegt wurden. Von dieser ehemaligen Eigenständigkeit zeugen noch zwei Kirchen, die evangelische Heilig-Kreuz-Kirche als Hauptkirche und die in Bühl gelegene, ebenfalls evangelische Andreaskapelle, die zu besonderen Anlässen noch in gottesdienstlichem Gebrauch ist und sich durch ihr hohes Alter und die mittelalterlichen Fresken im Chorraum auszeichnet.

Im Dreißigjährigen Krieg wurde die Geilsheimer Kirche 1646 von schwedischen Truppen in Brand gesteckt, wobei zahlreiche Bewohner des Ortes starben, die sich dorthin geflüchtet hatten. Zum Wiederaufstieg des Ortes trugen rund 130 Glaubensflüchtlinge (Exulanten) aus Österreich bei, die hier nach Kriegsende eine neue Heimat fanden.

Geilsheim lag im Fraischbezirk des ansbachischen Oberamtes Hohentrüdingen. Das ansbachische Kastenamt Hohentrüdingen übte die Dorf- und Gemeindeherrschaft aus. Gegen Ende des 18. Jahrhunderts gab es in Geilsheim 114 Anwesen. Außerdem gab es eine Kapelle, ein Pfarrhaus, ein Schulhaus und ein Fallhaus. Grundherren waren das Fürstentum Ansbach (92 Anwesen; Verwalteramt Auhausen: 9 Lehengüter, 6 Söldengüter, 4 Sölden, 5 Söldenhäuser, 2 Halbhäuser; Kastenamt Gunzenhausen: 1 Lehengut; Verwalteramt Heidenheim: 7 Sölden, 1 Söldenhaus, zur Hälfte mit Kastenamt Hohentrüdingen: 1 halber Meierhof, 2 Viertelmeierhöfe, 1 Halbhof, 2 Halbhöfe; Kastenamt Hohentrüdingen: 1 Braustatt, 4 Sölden, 2 Häuser, zur Hälfte mit Verwalteramt Heidenheim: 1 halber Meierhof, 2 Viertelmeierhöfe, 1 Hof, 2 Halbhöfe, zur Hälfte mit Kloster Rebdorf: 2 Höfe, 2 Halbhöfe, 3 Huben, 1 Zweidrittelhube, 1 Drittelhube; Verwalteramt Rechenberg: 1 Wirtschaft mit Braurecht, 2 Lehengüter, 11 Sölden, 1 Sölde mit Badrecht, 12 Söldenhäuser, 2 Söldenhäuser mit Schmiedrecht, 1 Söldenhaus mit Wirtschaft, 1 Söldengut mit Brau- und Branntweinrecht, 2 Häuslein, 2 Halbsölden, 6 halbe Söldenhäuser) das Fürstentum Oettingen-Spielberg (3 Anwesen; Evangelisches Oberamt Oettingen: 1 Sölde, 2 Halbsölden) das Hochstift Eichstätt (9 Anwesen; Kollegiatstift Herrieden: 1 Hof, 4 Halbhöfe, 1 Viertelhof, 1 Haus; Stadtvogteiamt Herrieden und Propsteiamt Herrieden: 2 Halbhöfe) das Kloster Rebdorf (6 Anwesen; 1 Widemhof, zur Hälfte mit Kastenamt Hohentrüdingen: 2 Höfe, 2 Halbhöfe, 3 Huben, 1 Zweidrittelhube, 1 Drittelhube) das Rittergut Wald-Laufenbürg (1 Söldengut) Freieigen waren 2 Häuser.T. Neumeyer: Dinkelsbühl: der ehemalige Landkreis, S. 417f. (=J. K. Bundschuh, Bd. 2, Sp. 288.) Hiernach gab es nur 101 Untertansfamilien, von denen 85 ansbachisch waren und 11 eichstättisch. Von 1797 bis 1808 unterstand der Ort dem Justiz- und Kammeramt Heidenheim.T. Neumeyer: Dinkelsbühl: der ehemalige Landkreis, S. 560.

1806 kam Geilsheim an das Königreich Bayern. Infolge des Gemeindeedikts wurde 1809 der Steuerdistrikt und die Ruralgemeinde Geilsheim gebildet, zu dem bzw. zu der Oberaumühle, Schobdach und Zollhaus gehörten.T. Neumeyer: Dinkelsbühl: der ehemalige Landkreis, S. 534. Mit dem Zweiten Gemeindeedikt (1818) wurden zwei Ruralgemeinden gebildet: Geilsheim mit Oberaumühle, Schobdach mit Zollhaus.T. Neumeyer: Dinkelsbühl: der ehemalige Landkreis, S. 540.

Die Gemeinde Geilsheim war in Verwaltung und Gerichtsbarkeit dem Landgericht Wassertrüdingen zugeordnet und in der Finanzverwaltung dem Rentamt Wassertrüdingen (1919 in Finanzamt Wassertrüdingen umbenannt, 1932–1973 Finanzamt Gunzenhausen, seit 1973 Finanzamt Ansbach). Die Verwaltung übernahm 1862 das neu geschaffene Bezirksamt Dinkelsbühl (1939 in Landkreis Dinkelsbühl umbenannt). Die Gerichtsbarkeit blieb beim Landgericht Wassertrüdingen (1879 in das Amtsgericht Wassertrüdingen umgewandelt), von 1956 bis 1970 war das Amtsgericht Gunzenhausen zuständig und von 1970 bis 1973 das Amtsgericht Dinkelsbühl, das seit 1973 eine Zweigstelle des Amtsgerichtes Ansbach ist. Die Gemeinde Geilsheim hatte 1964 eine Gebietsfläche von 12,466 km². Mit der Auflösung des Landkreises Dinkelsbühl im Jahr 1972 kam Geilsheim an den Landkreis Ansbach. Im Zuge der Gebietsreform in Bayern wurde die Gemeinde am 1. Mai 1978 nach Wassertrüdingen eingegliedert.

Baudenkmäler mini|Heilig-Kreuz-Kirche mini|St. Andreas In Geilsheim gibt es fünf Baudenkmäler: Geilsheim 62: Widenbauernhof: Dreiseithof, ursprünglich eingeschossiges Fachwerkhaus, (dendrochronologisch datiert) 1647, Errichtung des Obergeschosses (dendrochronologisch datiert) 1679, weitgehender Ersatz des ursprünglichen Fachwerkgefüges in Bruchsteinmauerwerk mit Wappenstein des Klosters Rebdorf, (dendrochronologisch datiert) bezeichnet „1738“; Scheune, breitgelagerter verputzter Satteldachbau, (dendrochronologisch datiert) 1867; ehemaliger Schweinestall, kleiner Putzbau mit Satteldach, Bruchsteinmauerwerk, 19. Jahrhundert; Teilstücke der massiven Einfriedung Geilsheim 64: Ehemaliger Pfarrhof: Pfarrhaus, zweigeschossiger Putzbau mit Steildach, 18. Jahrhundert; Nebengebäude, kleiner verputzter Satteldachbau, gleichzeitig; Einfriedung, barocke Sandsteinpfeiler mit Kugelbekrönung und Werksteinmauer, gleichzeitig; ehemalige Scheune, verputzter Satteldachbau, gleichzeitig Geilsheim 68: Evangelische Pfarrkirche, ehemals Heilig Kreuz, gotische Chorturmkirche, im Kern 14. Jahrhundert, angefügtes Langhaus Anfang 16. Jahrhundert, Turmoktogon und Glockenhaube 1727; mit Ausstattung; Friedhofsmauer, spätmittelalterliche Bruchsteinmauer mit eingelassenen Grabsteinen Evangelische Kapelle, ehemals St. Andreas, gotische Chorturmkirche des 14. Jahrhunderts mit angefügtem Langhaus von 1746; mit Ausstattung; Friedhofsmauer, spätmittelalterliche Bruchsteinmauer mit Treppenaufgang Scheune, sogenannter Seestadel, breitgelagerter doppeltoriger Halbwalmdachbau, bez. 1784

Bodendenkmäler In der Gemarkung Geilsheim gibt es 17 Bodendenkmäler.

Einwohnerentwicklung Gemeinde Geilsheim Jahr 1818 1840 1852 1855 1861 1867 1871 1875 1880 1885 1890 1895 1900 1905 1910 1919 1925 1933 1939 1946 1950 1952 1961 1970 Einwohner 785 740 733 712 715 718 738 691 708 702 681 670 689 680 661 649 692 660 624 912 911 837 688 653HäuserEs sind nur bewohnte Häuser angegeben. 1818 werden diese als Feuerstellen bezeichnet, 1840 als Häuser, 1871 bis 1987 als Wohngebäude. 127 127 152 165 163 160 146 143 145 Quelle Für die Gemeinde Gailsheim zuzüglich der Einwohner und Gebäude von Aumühl (S. 7).

Ort Geilsheim Jahr 1818 1840 1861 1871 1885 1900 1925 1950 1961 1970 1987 2006 2016 2023 2025Einwohner 729 740 701 728 691 682 685 905 683 648 618 539 504 588 614Häuser 126 127 163 158 145 142 144 169 Quelle

Religion Der Ort ist seit der Reformation evangelisch-lutherisch geprägt und Sitz der Pfarrei Heilig Kreuz. Die Einwohner römisch-katholischer Konfession waren ursprünglich nach St. Maria Magdalena (Cronheim) gepfarrt, heute ist die Pfarrei Heilig Geist (Wassertrüdingen) zuständig.

Bildung und Kultur Die Grundschule wurde bereits in den 1980er Jahren geschlossen. Danach war im ehemaligen Schulgebäude eine Einrichtung für Kinder mit Sprachschwächen (SVE – Schulvorbereitende Einrichtung) untergebracht. Im Jahre 2007 wurde das Gebäude erheblich verändert. Das neue Feuerwehrhaus wurde angebaut, die Pausenhalle abgerissen und diverse Räumlichkeiten renoviert. Als „Dorfgemeinschaftshaus“ wird die Fläche der ehemaligen Klassenräume heute vielfältig von der Dorfgemeinschaft genutzt (bspw. Theater, Versammlungen). mini|Geilsheim Dorfgemeinschaftshaus und Spielplatz

Der örtliche Kindergarten wurde 2004 geschlossen und das Gebäude zur Nutzung als Wohnhaus verkauft. Außer dem Sportgelände mit Fußballplatz und Tennisplatz gibt es seit 2008 auch das Ultraleichtfluggelände Geilsheim. mini|Ultraleichtfluggelände Geilsheim, Luftaufnahme (2016)

Beim Wettbewerb „Unser Dorf soll schöner werden“ erhielt Geilsheim 1981 die Goldmedaille der Bayerischen Staatsregierung. Der Ort wird durch ein reichhaltiges kulturelles Leben sowie den großen Zusammenhalt unter den Einwohnern geprägt. So ist es auch nicht verwunderlich, dass die Theateraufführungen des Geilsheimer Kulturvereins im Gemeinschaftshaus alljährlich zu den Höhepunkten in der Adventszeit zählen. Der nahe Turtelberg ist ebenfalls jährlicher Veranstaltungsort des Kulturvereins (Turtelbergfest im August). Von hier aus hat man eine Aussicht bis in den Jura, ins Oberland und ins Wörnitztal. Die römische Geschichte hat auch bei Geilsheim ihre Spuren hinterlassen: Am Fuße des Turtelberges befinden sich die Überreste einer „Villa rustica“ unter der Erdoberfläche.

Persönlichkeiten In Geilsheim wurde am 9. Dezember 1862 Georg Bickel geboren. Er starb am 13. Juli 1924 in Mönchsroth, wo er Pfarrer war. Er wird als „Malerpfarrer“ bezeichnet.Susanne Finckh, Gunther Reese: Georg Bickel. Der Malerpfarrer von Mönchsroth. Aus dem Leben eines Dorfpfarrers um die Jahrhundertwende. Begleitbuch zur Ausstellung in der Klosterkirche Mönchsroth vom 19. Juni bis 15. August 1994. Mönchsroth 1994.Ludwig Schneller: Georg Bickel, ein fränkisches Pfarr-Original. 1938.

Literatur

Weblinks

Fußnoten

Kategorie:Ort im Landkreis Ansbach Kategorie:Ortsteil von Wassertrüdingen Kategorie:Ehemalige Gemeinde (Landkreis Ansbach) Kategorie:Gemeindegründung 1809 Kategorie:Gemeindeauflösung 1978 Kategorie:Kirchdorf (Siedlungstyp) Kategorie:Gemarkung im Landkreis Ansbach