Das Schloss Sigmaringen, auch Hohenzollernschloss, ist ein ehemaliges fürstliches Residenzschloss und Verwaltungssitz der Fürsten von Hohenzollern-Sigmaringen in der baden-württembergischen Stadt Sigmaringen.
mini|hochkant=1.7|Schloss Sigmaringen – Nordwestansicht
Lage mini|Schloss Sigmaringen auf dem Schlossberg – Nordseite, Ansicht vom Aussichtspunkt Mühlberg Sigmaringen liegt am südlichen Rand der Schwäbischen Alb. Die Stadt und das Schloss liegen am Ausgang des engen Durchbruchstals der Donau im heutigen Naturpark Obere Donau. Das Schloss thront auf einem die Donau einengenden, lang gestreckten Kalkfelsen des Weißjuras, dem „Schlossberg“. Der Felsrücken ist rund 200 Meter lang und erhebt sich bis zu 35 Meter über die Donau. Das auf dem freistehenden Felsen erbaute Schloss ist das größte aller Donautal-Schlösser. Der Felsen fällt nördlich und östlich zur Donau steil ab und bot einer mittelalterlichen Burg strategischen Schutz. Das Schloss befindet sich auf rund 605 Meter über Meereshöhe, die Donau auf 570 Meter.
Geschichte Mittelalter mini|Schloss Sigmaringen – Südansicht mini|Hauptportal mini|hochkant|Ansicht Innenhof Im 11. Jahrhundert, am Ende des Frühmittelalters, entstand die erste Burganlage auf dem talabriegelnden Felsen. Sie wurde erstmals 1077 nach der vergeblichen Belagerung der Burg Sigmaringen durch Rudolf von Schwaben im Krieg gegen Kaiser Heinrich IV. erwähnt.Bericht in der Chronik des Klosters Petershausen: Von dort zog König Rudolf von Schwaben nach Burg Sigimaringin und belagerte sie. Als er aber erfuhr, dass König Heinrich IV. mit einem Heer über die Alpenpässe herannahte, um die Festung zu entsetzen, zog er ab und ging nach Sachsen. Im Jahr 1083 wurde erstmals in Heratskirch (bei Saulgau) als Zeugen einer Urkunde für das Kloster Königseggwald das Brüderpaar Ludwig und Manegold von Sigmaringen bezeugt. Ludwig von Sigmaringen war mit Richinza von Spitzenberg, Tochter des Berthold I. von Zähringen, verheiratet.Nach Heinz Bühler als vidua de Spitzenberg erwähnt Er erbaute Ende des 11. Jahrhunderts auf dem Spitzenberg bei Kuchen eine Burg. Der Spitzenberg und das dazugehörende Gebiet war ein Erbgut dieser Richinza. Aus dieser Ehe entstammen die vier Kinder Mathilde von Spitzenberg, die Gemahlin des Aribo von Wertingen, der Geistliche Ulrich von Sigmaringen, Ludwig II. von Sigmaringen-Spitzenberg und Manegold von Sigmaringen-Spitzenberg.um 1110 Die drei Brüder Ulrich, Ludwig und Mangold von Sigmaringen sind im 11. Jahrhundert als Stifter des Klosters Sankt Georgen im Schwarzwald genannt.
Von 1133 bis 1170 wird Rudolf von Sigmaringen-Spitzenberg, Sohn des Ludwig II. von Sigmaringen-Spitzenberg, im Jahr 1183 Graf Ludwig von Sigmaringen-Spitzenberg-Helfenstein, Sohn Rudolfs, genannt. Bereits 1147 wurde Ludwig in einer Urkunde Walters von Dillingen, Bischof von Augsburg, zusammen mit seinem Vater Rudolf und seinen Brüdern Ulrich II. von Sigmaringen-Spitzenberg und Gottfried von Spitzenberg, Bischof von Würzburg, als Herr von Spitzenberg-Sigmaringen erwähnt. Unter den Grafen von Helfenstein ließ man um 1200 die Burg Sigmaringen umbauen bzw. sie völlig neu in Buckelquaderbauweise bauen. Zwischen 1209 und 1258 ist Graf Gottfried von Sigmaringen-Helfenstein und dessen Sohn Graf Gebhard von Sigmaringen-Pietengau bezeugt. 1258 tritt der Vetter Graf Gebhards, nämlich Graf Ulrich II. von Helfenstein, als Besitzer der Burg von Sigmaringen auf. Graf Ulrichs II. Tochter Agnes heiratete Graf Ulrich I. von Montfort. Damit ging im Jahr 1272 Sigmaringen an die Grafen von Montfort. Graf Hugo V. von Montfort, Sohn des Grafen Ulrich I. von Montfort, verkaufte im Jahre 1290 die Burg mit der Grafschaft, der Stadt Sigmaringen, an Albrecht und Rudolf von Habsburg.
Vor 1325 verpfändete Herzog Luipold von Habsburg die Burg und die Grafschaft Sigmaringen an die Grafen von Württemberg, später ging beides in deren Besitz. Im Jahr 1399 schließlich übergab Graf Eberhard von Württemberg seinen Eigenbesitz, die Burg und Grafschaft Sigmaringen und die österreichische Pfandschaft Veringen seinem Onkel und Vertrauten, dem Grafen Eberhard III. von Werdenberg (1387–1416), genannt zu Heiligenberg, zu Lehen. Dessen Sohn Graf Johann IV. von Werdenberg (1416–1465) und seine Gemahlin Gräfin von Württemberg (ohne Zustimmung Württembergs verheiratet) erwarben 1459 die Grafschaft Sigmaringen samt Burg. Als geschickter Schachzug und zur Sicherung seines Besitzes erklärte er dieses bereits im Folgejahr als österreichisches Lehen. Zwischen 1460 und 1500, unter den Grafen von Werdenberg, erfuhr die Burg Umbau und Erweiterung zum Schloss Sigmaringen, dessen Ausdehnung sich bis heute erhielt.
Frühe Neuzeit Hugo IX. zu Sigmaringen (1459–1508), Sohn des Johann IV., starb ohne männlichen Nachkommen. Seine Schwester Anna von Werdenberg heiratete 1516 Graf Friedrich von Fürstenberg. Im Jahr 1521 wurde Christoph (1494–1534) mit seinen Brüdern Johann VI. und Felix I. von Werdenberg von Kaiser Karl V. zum letzten Mal mit Sigmaringen belehnt. Graf Christoph heiratete, nachdem seine erste Ehe mit Eleonore Gonzaga kinderlos blieb, 1526 Johanna von Bröseln, Witwe des Grafen Eitel Friedrich III. von Hohenzollern. Bis auf Christophs Tochter Anna, Gemahlin Friedrichs II. von Fürstenberg, verstarben alle seine Kinder sehr früh.
Laut Zimmerischer ChronikZimmerische Chronik, Band 3, S. 82. Zugleich als da grave Felix von Werdenberg einest im schloß zu Sigmaringen mit der Leonora Werdenbergere badet, wardt das feur dermaßen verwarloset, das nit allain dieselbig badstub, sonder auch das ganz hünderhaus abbran und großer schad an briefen geschach, dergleichen an den allerschönesten hürßgehürnen, darvon man weit und brait hat gesagt. Aber grave Felix hat solch verbronnen haus hernach widerumb ufbawen, darvon es noch heutigs tags den namen von ime behalten und nur grave Felixen haus genennt wurt. kam es vor 1530, als Graf Felix I. und Leonora Werdenberg (die uneheliche Tochter Hugos IX. und Mätresse Felix’ und Christophs von WerdenbergZimmerische Chronik, Band 2, S. 267.) im Badhaus dem dortigen Feuer zu wenig Beachtung schenkten, zu einem Brand, der sich auf das gesamte „hünderhaus“ ausweitete.
Im Jahr 1534, nach dem Tod des letzten männlichen Werdenbergers, erhob Graf Friedrich von Fürstenberg Anspruch auf das Erbe. König Ferdinand I. belehnte jedoch 1535 Karl (1516–1576), den Sohn aus Johanna von Bröselns erster Ehe mit Eitel Friedrich III. von Hohenzollern, mit den Grafschaften Sigmaringen und Veringen. Karl I. war der erste Hohenzoller, der über Sigmaringen herrschte.
Im Jahr 1539 kam es zu einem weiteren Schlossbrand.
1540 gelangten Sigmaringen und Veringen über den sogenannten „Pfullendorfer Vertrag“ endgültig an das Haus Hohenzollern. Graf Karl I. von Hohenzollern zog in das Schloss. Karl II. von Hohenzollern-Sigmaringen (1547–1606), Sohn von Karl I. von Hohenzollern, war von 1576 bis 1606 Graf von Hohenzollern-Sigmaringen. Karl II. war Stammvater der Sigmaringer-Linie seit 1575. Er ließ das Schloss umbauen. Zwischen 1576 und 1606 ließ er die Überwölbung der Burgeinfahrt errichten und ordnete den Neubau der Kirche neben dem Schloss an. Im Jahr 1576 teilte sich das hohenzollerische Stammhaus in die vier Linien Hohenzollern (erlosch 1602), Hohenzollern-Haigerloch (erlosch 1634), Hohenzollern-Hechingen (erlosch 1869) und Hohenzollern-Sigmaringen. Sigmaringen war von da an bis 1850 Haupt- und Residenzstadt des Fürstentums Hohenzollern-Sigmaringen. mini|links|Im Schloss Sigmaringen gezeigtes Wappen der Hohenzollern-Sigmaringen mini|links|Um 1750 Johann von Hohenzollern-Sigmaringen (1578–1638), Sohn des Grafen Karl II., war von 1606 bis 1623 Graf von Hohenzollern-Sigmaringen. Die Familie wurde 1623 in den Reichsfürstenstand erhoben. Johann war somit 1623 bis 1638 der erste Fürst von Hohenzollern-Sigmaringen.
Barock bis 1848 Die Verwüstungen des Dreißigjährigen Kriegs machten aber auch vor Sigmaringen nicht halt. Das Schloss wurde 1632 von den Schweden besetzt und im Folgejahr von den Kaiserlichen wieder befreit. Johann selbst hielt sich in Bayern auf, wo er dann auch 1638, vier Jahre nach seiner Frau, im Alter von 60 Jahren starb. Johanns Sohn Meinrad I. von Hohenzollern-Sigmaringen (1605–1681) war von 1638 bis 1681 Fürst. Nachdem es 1633 bei der Zurückeroberung unter General Horn durch Brand zur Zerstörung des östlichen Teiles des Schlosses gekommen war, ließ Meinrad I. die abgebrannten Teile 1658 und 1659 durch Michael Beer wieder aufbauen und die beiden werdenbergischen Ostbauten unter einem Dach verbinden. Maximilian (1636–1689), Sohn des Fürsten Meinrad I., war von 1681 bis 1689 Fürst von Hohenzollern-Sigmaringen. Dessen Sohn Meinrad II. (1673–1715) herrschte von 1689 bis 1715 als Fürst. Er regierte ab 1698 in Haigerloch. Joseph (1702–1769) regierte von 1715 bis 1769 und ordnete 1724 den Neubau des Marstalles an. Zudem ließ er im Jahre 1736 das Schloss Sigmaringen modernisieren und umbauen und den Rittersaal zum Ahnensaal ausgestalten. Der sogenannte Fürst-Josephs-Bau erinnert an diese Zeit. Dessen Sohn Karl Friedrich von Hohenzollern-Sigmaringen regierte von 1769 bis 1785. Sein Sohn Anton Aloys (1762–1831), der von 1785 bis 1831 regierte, ließ zwischen 1815 und 1817 den sogenannten Fruchtkasten zum fünfgeschossigen Kavaliersbau, dem sogenannten Wilhelmsbau, umbauen.
mini|Der Französische Saal/Speisesaal Fürst Karl von Hohenzollern-Sigmaringen (1785–1853), Sohn des Anton Aloys, herrschte von 1831 bis 1848. 1833 berief Karl einen konstituierenden Landtag ein und proklamierte dabei eine Verfassungsurkunde als Grundgesetz für das Fürstentum. Er begründete das Landeskrankenhaus und ließ das Ständehaus am Leopoldsplatz in Sigmaringen bauen (heute Sitz der Hohenzollerischen Landesbank). Karls Verdienst war auch die Aufhebung der Leibeigenschaft und verschiedener Grundlasten. Seine Frau Antoinette (1793–1847) begann damit, die fürstliche Residenz nach französischem Chic neu einzurichten, angefangen bei der Möblierung über die Tapeten bis zu den Spiegeln für den Speisesaal.Von Paris nach Krauchenwies – Migration im Dienst der Dynastie am Beispiel von Antoinette Murat. Vortrag von Carmen Ziwes am 25. November 2010 in Krauchenwies. Sie öffnete dem Haus Hohenzollern den Zugang in die europäische Aristokratie. So verweilte als Gast der Fürstin der spätere französische Kaiser Napoleon III. mehrmals in Sigmaringen.Allgemeine deutsche Real-Enzyklopädie für die gebildeten Stände: Conversations-Lexikon, Band 10, F. A. Brockhaus, 1867, S. 579 (Digitalisat).
Das Schloss Sigmaringen wurde als erstes Gebäude in Deutschland 1842 mit einer von Johannes Haag konstruierten Dampfheizung ausgerüstet.
Gründerzeit und Kaiserreich Im Zuge der deutschen Revolution von 1848 dankte Karl zu Gunsten seines liberaler eingestellten Sohnes Karl Anton (1848–1885) ab. Dieser gab nach kurzer Zeit die Souveränität an das Königreich Preußen ab. 1857 wurde nach ihm das Spital in „Fürst-Carl-Landesspital“ umbenannt. 1869 wurde er nach dem Tod des letzten Fürsten von Hohenzollern-Hechingen Konstantin und der Angliederung dieses Gebiets Fürst von Hohenzollern. Karl Anton wurde bekannt als „Baumeister der Hohenzollern“, er baute das Schloss zu einem Treffpunkt des europäischen Hochadels aus. Hierzu ließ er 1855 Wände im Obergeschoss entfernen und den sogenannten Altdeutschen Saal einbauen. 1864 schuf er durch die Umgestaltung des Gewölberaumes über der südlichen Umfassungsmauer die Waffenhalle. Von 1862 bis 1867 wurde der Neubau der Kunsthalle als Galeriebau (heute Museum) errichtet. Um den Repräsentationspflichten als Mitglied des deutschen Hochadels gerecht zu werden, ließ er im Jahr 1872 den Speisesaal durch den Pariser Architekten Lambert zu einem französischen Salon umgestalten. 1877 ließ er den Bergfried erhöhen, die welsche Haube entfernen und einen spitzen Helm aufsetzen. Im Jahr darauf wurde der Ahnensaal umgestaltet.