Die Geschichte des Olivenöls umfasst die Entwicklung der Nutzung des Olivenbaums, vom Neolithikum bis zur Gegenwart. Es ist vermutlich der Menschheit bekannt, seit im östlichen Mittelmeer vor ca. 8000 Jahren die Menschen begannen Oliven zu sammeln und zu pressen. Fassbare kulturelle Bedeutung gewann das Olivenöl in der griechischen Antike.

Domestizierung in der nördlichen Levante (ab 6000 v. Chr.), Verbreitung durch frühe Bauern Selbst während der letzten Kaltzeit und seiner maximalen Ausdehnung der Eismassen im Norden Europas konnte sich die Wildform des Olivenbaums im Mittelmeerraum halten.Yolanda Carrión, Maria Ntinou, Ernestina Badal: Olea europaea L. in the North Mediterranean Basin during the Pleniglacial and the Early–Middle Holocene, in: Quaternary Science Reviews 29 (2010) 952–968. Die Kultivierung erfolgte jedoch erst sehr viel später.

Am israelischen Karmel an der Fundstätte Nahal Zehora wurden Olivenkerne aus der Zeit um 8000 v. Chr. entdeckt.Daniel Zohary, Maria Hopf, Ehud Weiss: Domestication of Plants in the Old World. The Origin and Spread of Domesticated Plants in Southwest Asia, Europe, and the Mediterranean Basin. 4. Auflage, Oxford University Press, 2012, ISBN 978-0-19-968817-3, S. 120. Daneben wurden Mutmaßungen für die Zeit um 6000 v. Chr. auch über das Gebiet südlich des Kaukasus und westlich des Irans angestellt.Giorgio Bartolini, Raffaella Petruccelli: Classification, Origin, Diffusion, and History of the Olive, Food and Agriculture Organization of the United Nations, Rom 2002, ISBN 978-92-5-104831-3, S. 27. Ähnliches gilt für das Jordantal, wo sich Olivengewinnung für das Chalkolithikum an den Fundstätten Tell Ghassual und Abu Hamid belegen lässt.Nabil Ali: Olive Oil Production in a Semi-Arid Area: Evidence from Roman Tell Es-Sukhnah, Jordan. In: Mediterranean Archaeology and Archaeometry 14,2 (2014), S. 337–348, hier: S. 338. Der Nachweis von Olivenkernen, die gesammelt worden waren, ließ sich auch für Zypern (am Kap Andreas) für die Zeit vom 7. bis zum 6. Jahrtausend v. Chr. erbringen.Dušanka Kučan: Zur Ernährung und dem Gebrauch von Pflanzen im Heraion von Samos im 7. Jahrhundert v.Chr., in: Jahrbuch des Deutschen Archäologischen Instituts 110 (1995) 1–64, hier: S. 25 f.

Die Frage nach der frühesten Domestizierung des Olivenbaums lässt sich auf der Grundlage genetischer Untersuchungen beantworten. So kann festgestellt werden, dass über alle Klimaveränderungen hinweg drei Refugia für den Olivenbaum blieben, nämlich das Gebiet um Gibraltar, die Ägäis und der Nahe Osten einschließlich Zypern. Diese drei Genpools der Wildform hätten den Ausgangspunkt für die domestizierten Formen bilden können. Allerdings stammen die heutigen Formen ausschließlich aus der nördlichen Levante und sie wurden mit den menschlichen Migrationen im Mittelmeerraum verbreitet.G. Besnard, B. Khadari, M. Navascués, M. Fernández-Mazuecos, A. El Bakkali, N. Arrigo, D. Baali-Cherif, V. Brunini-Bronzini de Caraffa, S. Santoni, P. Vargas, V. Savolainen: The complex history of the olive tree: from Late Quaternary diversification of Mediterranean lineages to primary domestication in the northern Levant, in: Proceedings of the Royal Society B Bd. 280, Nr. 1756, 2013, doi:10.1098/rspb.2012.2833. In Byblos im heutigen Libanon fand man Belege aus der Zeit um 3000 v. Chr.Giorgio Bartolini, Raffaella Petruccelli: Classification, Origin, Diffusion, and History of the Olive. Rom 2002, S. 27.

Ölgewinnung (spätestens ab 3500 v. Chr.), südliche Ägäis, Süditalien, Anatolien Olivenöl wurde bereits im 6. Jahrtausend v. Chr. in Galiläa gelagert und in großem Umfang gehandelt und konsumiert. Der früheste gezielte Anbau von Olivenbäumen zum Zweck der Ölgewinnung wurde für Kreta in der Zeit um 3500 v. Chr. vermutet,Gerald Rimbach, Jennifer Möhring, Helmut F. Erbersdobler: Speiseöle. Lebensmittel-Warenkunde für Einsteiger. Springer-Lehrbuch, 2010, ISBN 978-3-662-46279-9. In die südliche Ägäis kam die Kultivierung jedoch bereits im Neolithikum, während sie in die nördliche Ägäis erst in der Bronzezeit gelangte, wohl mit der Gründung von Kolonien.Soultana Maria Valamoti, Eugenia Gkatzogia, Maria Ntinou: Did Greek colonisation bring olive growing to the north? An integrated archaeobotanical investigation of the spread of Olea europaea in Greece from the 7th to the 1st millennium bc, in: Vegetation History and Archaeobotany 27 (2018) 177–195. In Tilbeşar III B, einer 30 Hektar umfassenden Siedlung aus dem 3. Jahrtausend v. Chr. in Anatolien, wurde Olivenöl hergestellt.Ayşe Tuba Ökse: The Early Bronze Age in Southeastern Anatolia, in: Sharon R. Steadman, Gregory McMahon (Hrsg.): The Oxford Handbook of Ancient Anatolia, Oxford University Press, 2011, S. 260–289, hier: S. 270.

Ob die bei Nola, 25 km östlich von Neapel, gefundenen Olivenkerne, die dort zwischen 1880 und 1680 v. Chr. ausgespuckt wurden, als Beleg für die Ölgewinnung hinreichen, ist unklar. Durch gaschromatographische Analysen an Gefäßfragmenten aus dem apulischen Coppa Nevigata konnte Olivenöl für das 18. Jahrhundert v. Chr. nachgewiesen werden; etwas jünger sind ähnliche Befunde für die Insel Vivara. An der Fundstätte Punta di Zambrone an der tyrrhenischen Küste Kalabriens ließ sich eine kurzlebige Olivenkultur für das 21. bis 18. Jahrhundert belegen, ebenso für das 13. und 12. Jahrhundert v. Chr.Alessia D’Auria, Mauro Paolo Buonincontri, Emilia Allevato, Antonio Saracino, Reinhard Jung, Marco Pacciarelli, Gaetano Di Pasquale: Evidence of a short-lived episode of olive (Olea europaea L.) cultivation during the Early Bronze Age in western Mediterranean (southern Italy), in: The Holocene 27 (2017).

Phönizier, Ägypter Die Phönizier dürften zur Verbreitung der Frucht in den westlichen Mittelmeerraum beigetragen haben, während die Assyrer daran kein Interesse hatten. Deren Oliven galten laut Plinius dem Älteren als klein, aber sehr schmackhaft, doch wurde ihr Öl meist als Salbe oder zur Beleuchtung eingesetzt. Perser, Assyrer, Babylonier und Nabatäer bevorzugten hingegen Sesam- und Rizinusöl. Auf älteste semitische Wurzeln und auf die Wanderungen der Hebräer, welche die Olive zait nannten, geht auch das heutige arabische Wort zeitun zurück, wie die Olive in Nordafrika genannt wird. Der Name einer sizilianischen Sorte und das spanische Wort aceite gehen gleichfalls hierauf zurück. Phönizier brachten im 16. Jahrhundert v. Chr. Olivenöl auch nach Zypern.Sophocles Hadjisavvas: Olive Oil Processing in Cyprus. From the Bronze Age to the Byzantine Period. Dissertation, Göteborg 1992, P. Åströms Förlag, 1992. Auch in Ägypten wurden Olivenbäume, die dort tat hießen, früh angepflanzt.D. B. Sandy: The production and use of vegetable oils in Ptolemaic Egypt. In: Bulletin of the American Society of Papyrologists. Supplement 6, 1989, ISBN 978-1-55540-075-0, S. 1–136. Sie wurden möglicherweise aus Palästina mitgebracht, aber auch Syrien und Kreta wurden hier genannt. Unter Ramses III. wurden Olivenbäume bereits in großem Maßstab angepflanzt, so etwa 2750 ha für den Sonnengott Ra. Olivenöl wurde zu rituellen Zwecken in Form einer Ölung eingesetzt. Wie griechische und römische Autoren berichten, war der Anbau allerdings nur in wenigen Regionen des Landes möglich, so dass Ägypten seinen Ölbedarf meist durch Einfuhren deckte. Dabei wurde das Öl seit dem 16. oder 15. Jahrhundert v. Chr. auch in Nubien und Äthiopien gewonnen.Giorgio Bartolini, Raffaella Petruccelli: Classification, Origin, Diffusion, and History of the Olive. Rom 2002, S. 30. In Nordwestafrika, wo eine Olivenölkultur wohl schon vor der Gründung phönizischer Städte ab etwa 800 v. Chr. bestand, war vor allem Karthago führend. Die Phönizier übernahmen dabei die Olivenkultur der einheimischen Berber. Dort förderten ab dem zweiten Jahrhundert v. Chr. die Römer gezielt den Anbau, um Rom mit Öl zu versorgen. Zudem siedelte Kaiser Trajan dort Kolonisten mit der Verpflichtung an, Olivenbäume anzupflanzen. Ältere schriftliche Quellen sind der Codex Hammurapi und ägyptische Papyri aus der Zeit um 2300 v. Chr.

Antikes Griechenland mini|Minoische Ölmühle im Westhof der Villa Vathypetro, um 1550 v. Chr. mini|Gedenkplatte mit Motiv die Olivenölproduktion mini|Sportler entfernen sich gegenseitig das Olivenöl, mit dem sie sich vor dem Wettkampf eingerieben hatten. Keramik aus Griechenland, 340 v. Chr. mini|Der Kotinos genannte Olivenkranz ersetzte das Olivenöl als Siegerprämie

Das älteste schriftliche Zeugnis für die Verwendung von Olivenöl in Griechenland findet sich bei Homer, Öl und Olivenbaum werden in der Ilias und Odyssee zahlreich erwähnt. Den Griechen galt der Olivenbaum als heilig, weil er ein Geschenk der Götter war. Zahlreiche griechische Stadtstaaten verboten gesetzlich, Olivenbäume zu fällen. In Athen galt auf die willkürliche Fällung eines Olivenbaums die Todesstrafe.

Bei sportlichen Wettkämpfen wurde Olivenöl als Siegerprämie gegeben. Später erhielten Sportler nach den Siegen in ihrer Heimatstadt (Polis) erhebliche Ehrungen und Privilegien, darunter lebenslange Freikarten für öffentliche Einrichtungen, besondere Plätze im Theater und Stadion und als Höhepunkt der Körper des Sportlers als Marmorstatue oder gar in Bronze gegossen. Die Veranstalter der Wettkämpfe verwiesen auf solche Sachleistungen und gingen dazu über, die Siegerprämie auf Kränze aus Olivenzweigen (fälschlicherweise häufig für Lorbeerkränze gehalten) zu begrenzen, der sogenannte Kotinos, und auf den Ruhm und ideellen Wert zu verweisen.Dirk Husemann: Spiele, Siege und Skandale Campus Verlag, 2007, S. 95.

Die Griechen haben auch in Süditalien ihre Pflanz-, Pflege und Ölgewinnungstechnik eingeführt. Von dort wanderte der Anbau nordwärts, spätestens im siebten Jahrhundert v. Chr. zu den Etruskern, wie Plinius der Ältere berichtet. Über Ligurien breitete sich der Anbau um 600 v. Chr. an die Rhone aus. In Spanien weist die neben aceite bestehende Bezeichnung oleos santos auf römische Ursprünge. Später wurde es auf Rhodos und Samos gewonnen, das Sophokles im Ödipus auf Kolonos geradezu als Oliveninsel bezeichnete, aber auch auf Delos, in Lykien und in Milet. Möglicherweise noch erheblich früher erschien der Olivenanbau auf dem Festland, vielleicht bereits im Neolithikum. hochkant=1.2|mini|Ein Trapetum zum Zerkleinern und Entkernen von Oliven (Pompeji, 79 n. Chr.)

Weiterhin fand Olivenöl neben der Verwendung in der Küche Anwendung in Seifen, mit Honig gemischt als Kosmetikum und zu Beleuchtungszwecken. Olivenöl war auch ein bedeutendes Handelsgut, dessen Produktionsstufen im sechsten Jahrhundert v. Chr. in verschiedenen Händen liegen konnten. So mietete Thales von Milet (um 624 bis 546 v. Chr.) alle Olivenpressen auf Chios und in Milet, um sie zur Erntezeit teuer auszuleihen, was aber offenbar zu dieser Zeit ein Einzelfall war.Dieter Hägermann, Helmuth Schneider: Landbau und Handwerk 750 v. Chr. bis 1000 n. Chr. Propyläen Verlag, 1991, S. 95.

Die Römer importierten das Olivenöl, das als sehr hochwertig galt, aus Attika.Merryl Rebello: Antike – Schlag Nach! Vandenhoeck & Ruprecht, 2009, ISBN 978-3-647-71057-0, S. 27. Neben dem Weinbau wies die Gewinnung von Olivenöl einen hohen Mechanisierungsgrad auf. In Attika wurden je Baum 20 kg Oliven geerntet, aus denen drei Liter Öl gewonnen wurden. Der Mechanisierung waren allerdings auch Grenzen gesteckt, denn beim Pressvorgang durften die Kerne nicht zerbrochen werden, da dies die Qualität des Öls gemindert hätte.Helmuth Schneider: Geschichte der antiken Technik, 2. Auflage, C. H. Beck, München 2007, ISBN 978-3-406-53632-8, S. 41.