mini|Stammwappen am Castello di Avio mini|Gemehrtes Wappen der Grafen Castelbarco di Milano Castelbarco-Albani-Visconti-Simonetta, auch Castelbarco di Milano, (deutsch Castelbarck, bzw. Castelbarch, Kastelwarg) ist der Name eines bedeutenden, ursprünglich aus dem Hochstift Trient stammenden Adelsgeschlechts, welches in den erblichen Freiherren- und Grafenstand erhoben wurde. Mit dem Seitenzweig der Fürsten von Montignano a. d. H. Castelbarco () stieg die Familie in den Hochadel auf. Verschiedene Linien der Castelbarco bestehen bis heute in Italien fort.

Geschichte Die Castelbarco waren zwischen dem 12. und 15. Jahrhundert das bedeutendste Herrschergeschlecht im Hochstift Trient. Ihr Herrschaftsgebiet erstreckte sich zur Zeit ihrer größten Ausdehnung in der Mitte des 14. Jahrhunderts vom nördlichen Rand des Lagertales bis zur Veroneser Klause vor den Toren Veronas. Nach Westen dehnte es sich bis zum Ufer des Gardasees aus und reichte im Osten bis in das Tal des Flusses Astico vor den Toren der Stadt Vicenza. Aufgrund der Lage ihres Herrschaftsgebietes an der Grenze zum italienischen Reichsteil des Heiligen Römischen Reiches kam dem Geschlecht eine bedeutende Schlüsselrolle zu.Walter Landi: Castelbarco. S. 361.

Anfänge Die Familiengeschichte der Castelbarco lässt sich bis in die zweite Hälfte des 12. Jahrhunderts zurückverfolgen. Ihr Aufstieg als Adelsgeschlecht ist eng mit dem Disput zwischen Papst Alexander III. und dem Stauferkaiser Friedrich I. Barbarossa und dem daraus folgenden Schisma verbunden.

Der Bau ihrer erstmals 1171 erwähnten Stammburg Castel Barco, war eine direkte Folge der Auseinandersetzung zwischen Papst und Kaiser. Die namensgebende Burg war vermutlich von einem gewissen Briano zwischen Nomi und Pomarolo im Lagertal erbaut worden.Walter Landi: I Castelbarco nel Trecento e nel Quattrocento: apogeo è disfacimento di una signoria di valle. S. 172. Briano, auch als Abriano vermerkt, ist erstmals 1155 noch ohne den Namenszusatz Castelbarco im Gefolge des Bischofs dokumentiert. Da der Vorname sehr selten war und später in der Familie Castelbarco wieder auftaucht, kann nach Castagnetti davon ausgegangen werden, dass Briano der Familie angehörte.Andrea Castagnetti. Governo vescovile, feudalità, ‘communitas’ cittadina e qualifica capitaneale a Trento fra XII e XIII secolo. S. 202–205. Seine Herkunft liegt ebenso im Dunkeln, wie die der Familie. Ein in der Vergangenheit vermuteter böhmischer Ursprung des Geschlechts, gehört zur Legendenbildung um die Castelbarco und war bereits von Giuseppe Gerola zu Beginn des 20. Jahrhunderts als solcher aufgedeckt worden.Gian Maria Varanini: I Castelbarco dal Duecento al Quattrocento. Punti fermi e problemi aperti. S. 21. Einer anderen Legende zufolge soll das Geschlecht von einem gewissen Engelbert von Castelvarch abstammen. Letzterer soll von Lothar III. mit der Kontrolle der Engstelle im Lagertal betraut worden sein, an der die Stammburg Castel Barco später errichtet wurde.Aldo Gorfer: I castelli del Trentino: Rovereto e la Valle Lagarina. S. 235.

Castel Barco war ohne Erlaubnis des Trienter Fürstbischofs erbaut worden.Walter Landi: L’incastellamento di fronte al diritto feudale. Il caso dell’episcopato di Trento fra XII e XIII secolo. S. 139–141. Wie die Grafen von Eppan im Norden des Bistums widersetzten sich die Castelbarco im Süden offen dem Willen des Bischofs. Ihren Höhenpunkt fand die Auseinandersetzung mit der Ermordung Bischofs Adalbert II. durch die Hand Aldrighetto I. von Castelbarco am 20. September 1172.Andrea Castagnetti. Governo vescovile, feudalità, ‘communitas’ cittadina e qualifica capitaneale a Trento fra XII e XIII secolo. S. 205–212. Ob der Bischof zuvor die Burg des Castelbarco belagert hatte, wie der Chronist Bartholomaeus Tridentinus berichtet, ist nicht weiter belegt.Iginio Rogger: Vita, morte e miracoli del beato Adelpreto (1156–1172), nella narrazione dell’agiografo Bartolomeo da Trento. S. 360.

Aldrighetto I. flüchtete nach der Tat nach Verona. Dort machte er neue Bekanntschaften und baute Verbindungen auf, die den Castelbarco später zu nutzen kamen. Der Konflikt mit dem Bischof schwellte auch nach der Aussöhnung des Papstes mit dem deutschen Kaiser 1177 in Venedig weiter. Er wurde offiziell erst drei Jahre nach dem Tod Aldrighetto I. in Verona durch seinen Sohn Briano I. beigelegt. Letzterer trat 1198 Castel Barco an Bischof Konrad II. von Beseno ab. Im Gegenzug erhielt der Castelbarco die Burg als Lehen.Franz Huter (Bearb.): Tiroler Urkundenbuch. Herausgegeben von der historischen Kommission des Landesmuseums Ferdinandeum in Innsbruck. I. Abteilung: Die Urkunden zur Geschichte des deutschen Etschlandes und des Vintschgaus. I. Band: Bis zum Jahre 1200. Universitätsverlag Wagner, Innsbruck 1937 S. 286 (Digitalisat). Dass Letzterer zugleich eine nicht unbeträchtliche Summe erhielt, unterstreicht nach Landi, dass vor allem der Bischof eine Beilegung des Konfliktes suchte.Walter Landi: L’incastellamento di fronte al diritto feudale. Il caso dell’episcopato di Trento fra XII e XIII secolo. S. 141. Nach Castagnetti lässt sich aufgrund der wenigen vorliegenden Informationen nicht festlegen, was Briano dazu bewegte die Burg an den Bischof abzutreten. Briano könnte unter anderem auch aus politischem Kalkül gehandelt haben.Andrea Castagnetti. Governo vescovile, feudalità, ‘communitas’ cittadina e qualifica capitaneale a Trento fra XII e XIII secolo. S. 242.

Aufstieg und Blütezeit Briano I., nachgewiesen zwischen 1192 und 1234, gilt als der Gründer der Signoria der Castelbarco. Die Investitur durch den Fürstbischof schuf die Grundlage für den Aufbau seiner Signoria und für die Erweiterung seines Herrschaftsgebietes. Auch nach der Investitur blieb das Verhältnis zwischen dem Castelbarco und Konrad II. von Beseno angespannt. Nachdem er dem Bischof zu Beginn des 13. Jahrhunderts beim Versuch den Aufstand der Stadt Trient zu unterdrücken unterstützt hatte, versprach ihm Konrad II. von Beseno das Lehen Ala. Allerdings konnte er seine damit verbundenen volle Rechte erst nach Einschaltung eines Schiedsgerichtes 1203 durchsetzen.Andrea Castagnetti. Governo vescovile, feudalità, ‘communitas’ cittadina e qualifica capitaneale a Trento fra XII e XIII secolo. S. 242, 248–259.

1211 erhielt Briano I. vom Bischof von Verona die Erlaubnis eine Burg in der Pieve von Brentonico zu errichten, die dem Bistum Verona unterstand. 1218 war mit Castel Saiori nördlich von Ala eine weitere Burg in den Besitz des Castelbarco gelangt. Zudem besaß die Familie Ländereien und Güter in Avio, bei Mori, in Nago und am Gardasee. Zum Reichtum der Castelbarco trug vor allem die von ihnen kontrollierte Holzflößerei auf der Etsch vom Hochstift Trient bis nach Verona bei. Außerdem unterlag ihnen die Kontrolle der Handelswege im Lagertal sowie die der wichtigen Verbindung zwischen dem Hafen von Torbole am Gardasee und der Zollstation Ravazzone bei Mori an der Etsch.Walter Landi: Castelbarco. S. 361–362.

Während der Herrschaft von Ezzelino III. da Romano von 1255 bis 1259 übernahmen die Söhne Briano I., Azzone I. und Aldrighetto II. von Castelbarco, eine opportunistische Haltung ein und wechselten mehrmals das Lager. Schlugen sich die Castelbarco zunächst auf die Seite des Ghibellinen Ezzelino III. und unterstützten dessen Statthalter Sodegerio di Tito in Trient, setzten sie sich 1256 für die Interessen des Bischofs Egno von Eppan bei seinem Konflikt mit dem Tiroler Landesfürsten Meinhard I. von Tirol ein. 1258 gehörten sie wieder dem ezzelinischen Lager an, um nach dem Tod Ezzelino III. 1259 wieder den Bischof zu unterstützen. Nach Gian Maria Varanini war die Rolle, die die Castelbarco nach dem Sturz Ezzelino III. einnahmen, entscheidend für die Konsolidierung ihrer Herrschaft. Die turbulenten Ereignisse dieser Jahre zeigen, wie der Trienter Fürstbischof letztendlich vom Willen des Adels abhing.Gian Maria Varanini: I Castelbarco dal Duecento al Quattrocento. Punti fermi e problemi aperti. S. 25–26. Vom Eppaner Bischof wurde Azzone I. nach seinem Umschwenken mit der Investitur weiterer Burgen im Lagertal – Castel Serravalle und Castelcorno – belohnt. Letzterer starb 1265 im Exil in Verona, nachdem sich die Castelbarco 1262 erneut vom Bischof abgewandt und sich auf die Seite von Meinhard I. geschlagen hatten.Walter Landi: I Castelbarco nel Trecento e nel Quattrocento: apogeo e disfacimento di una signoria di valle. S. 173. Für ihre vermeintliche Unterstützung des 1265 Trient plündernden Scaligers Mastino I. della Scala wurden die Castelbarco sogar exkommuniziert.Josef Riedmann: Die Beziehungen der Grafen und Landesfürsten von Tirol zu Italien bis zum Jahre 1335. S. 80. Erst vier Jahre später kamen sie wieder in den formalen Besitz ihrer Lehen, nachdem sie Egno von Eppan den Treueid geleistet hatten.

Unter Guglielmo II. von Castelbarco, auch als der Große bezeichnet, erfuhr die Signoria der Castelbarco ihre Blütezeit. Dazu trug auch die seit dem 12. Jahrhundert betriebene Heiratspolitik des Geschlechts bei. So bestanden verwandtschaftliche Beziehungen unter anderem zu den Grafen von Flavon, zu denen von Arco zu den Tiroler Adelsgeschlechtern Enn, Matsch, Schlandersberg und Brunnenberg. Im Laufe des 13. Jahrhunderts wurden Ehen vor allem mit dem italienischen Adel geschlossen, unter anderem mit den Gonzaga, Correggio, Della Scala und den Malaspina.Walter Landi: Castelbarco. S. 362–363. Guglielmo war der jüngste von vier Söhnen des Azzone. Einige für ihn glückliche Umstände, wie der Tod von zwei kinderlos gebliebenen Brüdern, führten dazu, dass sich der Besitz der Familie in seinen Händen konzentrierte.

Guglielmo hielt vor allem Beziehungen mit den Scaligern und den Grafen von Tirol aufrecht. Der Bischof von Trient spielte dagegen eine immer unbedeutendere politische Rolle.Gian Maria Varanini: I Castelbarco dal Duecento al Quattrocento. Punti fermi e problemi aperti. S. 26. Zu Beginn des 14. Jahrhunderts kontrollierte der Castelbarco praktisch das gesamte Lagertal von Castel Beseno – erworben mit dem benachbarten Castel Pietra im Jahr 1303 – bis nach Avio sowie die angrenzenden Seitentäler.Walter Landi: I Castelbarco nel Trecento e nel Quattrocento: apogeo e disfacimento di una signoria di valle. S. 174. Am Nordufer des Gardasees war er zudem in den Besitz von Castel Penede gelangt und im Osten hatte er größere Ländereien bei Schio erworben. Nachdem er 1285 unter Alberto I. della Scala zum Podestà von Verona ernannt worden war, spielte er in seiner zweiten Heimat als Mann von Hof, Feldherr und nicht zuletzt Mäzen eine wichtige Rolle auch unter dessen Nachfolgern Bartolomeo I., Alboino und vor allem unter Cangrande I. della Scala.Gian Maria Varanini: I Castelbarco dal Duecento al Quattrocento. Punti fermi e problemi aperti. S. 27.

Familienzweige Wenige Monate vor seinem Tod im Januar 1320 teilte der kinderlos gebliebene Guglielmo von Castelbarco seinen Besitz testamentarisch auf die fünf Söhne seines Bruders Federico II. auf. Aus der Aufteilung ergaben sich folgende Linien:

Linie Ala – Avio – Brentonico – Tierno, Stammvater Guglielmo (III.) († 1357); die Linie teilte sich später nochmals in zwei Linien auf: Linie Dossomaggiore (Ala – Avio – Brentonico) Linie Tierno Linie Castelbarco – Castellano – Castelnuovo, Stammvater Aldrighetto (III.) († um 1342) Linie Lizzana – Beseno, Stammvater Azzone (II.) († 1363); die Linie teilte sich später ebenfalls in zwei Linien auf: Linie Lizzana Linie Beseno Linie Albano – Gresta – Nomesino, Stammvater Federico (IV.) († 1354); die Linie teilte sich ebenfalls in zwei Linien auf Linie Albano Linie GrestaGian Maria Varanini: I Castelbarco dal Duecento al Quattrocento. Punti fermi e problemi aperti. S. 18–20.

Bereits einige Jahrzehnte zuvor hatte sich die Linie Rovione – Stammvater Bonifacio (II.) († 1284) – abgespalten.