mini|Blick durch die Kreuzgangstraße von Süden nach Norden, 2020 Die Kreuzgangstraße ist eine Straße in Magdeburg in Sachsen-Anhalt.
Lage und Verlauf Die Straße befindet sich in der Magdeburger Altstadt. Sie beginnt im Süden am Domplatz, wo von Westen auch die Arthur-Ruppin-Straße einmündet und verläuft von dort aus über etwa 100 Meter nach Nordosten bis zum Erhard-Hübener-Platz.
Eine Hausnummerierung besteht nicht, die angrenzenden Gebäude gehören jeweils zu anderen Straßen oder Plätzen, obwohl Zugänge auch von der Kreuzgangstraße aus bestehen. Auf der Westseite der Kreuzgangstraße erstreckt sich die Grüne Zitadelle, auf der Ostseite der Gebäudekomplex des Landtages von Sachsen-Anhalt.
Historisch verlief die Straße jedoch nicht in Nord-Süd-Richtung, sondern in West-Ost-Richtung vom Breiten Weg bis zur Regierungsstraße. Von Süden mündeten zwei Durchgänge vom Domplatz her ein. Auf der Nordseite traf die Poststraße auf die Kreuzgangstraße. Die Hausnummerierung verlief von der Südwestecke mit der Nummer 1 an zunächst auf der Südseite nach Osten. Nach der Einmündung eines Durchgangs zum Domplatz, der in etwa dem heutigen südlichen Teil der Kreuzgangstraße entspricht, folgte auf der Südseite noch die Nummer 2. Die Nummer 3 befand sich schon auf der Nordseite im Osten an der Einmündung der Regierungsstraße. Dort verlief die Hausnummerierung aufsteigend nach Westen bis zur Nummer 5. Nach der Einmündung der Poststraße folgten die weiteren Nummern 6 bis 11.
Geschichte mini|Blick in die Kreuzgangstraße in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts; links die Häuser der Kreuzgangstraße noch als nördliche Bebauung des Domplatzes, rechts die Möllendorfsche Kurie (heute Domplatz 6) mini|Blick durch die Kreuzgangstraße von Osten nach Westen, vor 1945 mini|Blick von Osten in den westlichen Teil der Kreuzgangstraße, 1910 mini|Einmündung der Kreuzgangstraße auf den Breiten Weg (rechts) Ältester Teil der Straße war ein bereits 1401 für den westlichsten Teil genannter Schling. Er führte vom Breiten Weg aus nach Osten bis zum Westportal der damals hier bestehende Nikolaikirche. Während sich südlich die Nikolaikirche befand, erstreckte sich auf der Nordseite das Dormitorium der Stiftsherren von St. Nikolai. Zuletzt wurde dieses Schlafhaus im Jahr 1504 erwähnt. Es wird angenommen, dass dieser Bereich schon vor der Zerstörung der Stadt im Jahr 1631 wüst gelegen hatte und dort mehrere kleine Häuser errichtet worden waren. Der in diesem Bereich ebenfalls befindliche Kreuzgang des Nikolaistifts, der der Straße den Namen gab, war wohl so massiv gebaut, dass er die Zerstörung der Stadt überstand. Im 18. Jahrhundert war jedoch die Nordseite des Kreuzgangs zum Teil eingestürzt. Oberhalb des Kreuzgangs befanden sich große Böden, die vom Nikolaikapitel als Kornspeicher genutzt worden. Während der Herrenmesse verpachtete das Kapitel den Kreuzgang an auswärtige Händler. 1545 entstand ein Streit, da der Marktmeister für die im Kreuzgang untergebrachten Verkaufsstellen versuchte das Stättegeld zur Messezeit einzuziehen. Das Kapitel protestierte hiergegen und macht geltend, dass schon in alter Zeit, und somit wohl auch vor der Reformation, die Verpachtung so erfolgt sei und die Stadt kein Recht habe, für die Stellen im Kreuzgang Stättegeld einzuziehen. Der Streit dauerte letztlich noch bis 1684 an und wurde dann vom Administrator Augustus von Sachsen zugunsten des Kapitels entschieden.
Der Zugang zum östlichen Teil der Kreuzgangstraße erfolgte vom westlich gelegenen Breiten Weg her, durch den Kreuzgang. Man musste zunächst mehrere Stufen hinab und dann nach Osten wieder hinauf.
In der Zeit nach der Zerstörung der Stadt von 1631 muss der Bereich unsauber, verwinkelt und insgesamt unangenehm sein. Der Stiftssenior Stephan Lentke wollte 1680 hier ein wüstes Grundstück kaufen, damit nicht Unflat und ein Hurenwinkel entstünde.
Fürst Leopold von Dessau beabsichtigte dann durch den Bereich des Kreuzgangs vom Breiten Weg nach Osten bis zum dort entstandenen Posthaus eine neue Straße anzulegen. Dechant Stilcke und das Kapitel wandten sich dagegen und führten an, dass der Kreuzgang fest mit der wiederhergestellten Nikolaikirche verbunden wäre und beim Abriss des Kreuzgangs eine Beschädigung der Kirche zu befürchten sei. Vermutlich auf Betreiben Leopolds erging dann jedoch am 5. Juli 1723 eine Königliche Ordre eine neue Gasse anzulegen und mit Häusern zu versehen. Der Geheime Rat von Kraut und Regierungsrat Nappius wurden beauftragt, mit dem Kapitel des Nikolaistifts zu einer Einigung zu gelangen. Das Stift wehrte sich trotzdem weiter. Es wies auf die Stabilität des Kreuzganges und die dort vom Stift genutzten Kornböden hin. Außerdem wurde kritisiert, dass für den beabsichtigten Bau der Häuser, der neben dem Kreuzgang befindliche und seit der Zeit der Pest stark belegte Friedhof, genutzt werden müsste. Am 22. Mai 1724 ließ Leopold dem Stift übermitteln, dass, wenn das Stift nicht bis 2 Uhr beginne, den Kreuzgang abzubrechen, 20 Steinbrecher geschickt würden. Tatsächlich gingen sie dann pünktlich um 2 Uhr an den Abbruch. So wurde dann eine vom Breiten Weg aus durchgehende Kreuzgangstraße angelegt.
Der westliche Teil zwischen damaliger Poststraße und Regierungsstraße war zunächst nur auf der Nordseite bebaut und bildete so den nördlichen Abschluss des Domplatzes. Erst Anfang der 1720er Jahre wurden dann die Häuser Domplatz 7, 8 und 9 südlich davor gesetzt, so dass auch in diesem Bereich eine Straße entstand. Aufgrund der unterschiedlichen Entstehungsgeschichte wichen zunächst auch die Namen voneinander ab. Der westliche Teil wurde als Im Kreuzgang und 1798 Den Kreuzgang bezeichnet. Der östliche Teil hieß zunächst Poststraße, mit Bezug auf das im Haus Nummer 6 untergebrachte Postamt. Den Namen trug erst später die von Norden dort einmündende Straße. Vom Ende des 18. Jahrhunderts bis Anfang des 19. Jahrhunderts war für diesen Teil der Name Alte Poststraße gebräuchlich. In der Zeit bis 1817 erhielt dann auch der östliche Teil den Namen Kreuzgang.Ernst Neubauer, Häuserbuch der Stadt Magdeburg 1631–1720, Teil 1, Herausgeber: Historische Kommission für die Provinz Sachsen und für Anhalt, Magdeburg 1931, Seite 258 f. Nach der Zerstörung des Bereichs im Zweiten Weltkrieg wurde die Stadt in der Zeit der DDR abweichend von der historischen Stadtstruktur wieder aufgebaut. Im westlichen Teil entstand ein Wohngebäude in Plattenbauweise. Der östliche Teil wurde als Fachschule für Wasserwirtschaft genutzt und mit entsprechenden Gebäuden überbaut. Die in West-Ost-Richtung verlaufende Kreuzgangstraße war damit weitgehend überbaut. Bestehen blieb jedoch der Zugang zum Domplatz an der Nordwestecke des Platzes, der nur in einem sehr kleinen Abschnitt genau auf dem ursprünglichen Verlauf der Straße liegt. Für diesen jetzt allerdings in Nord-Süd-Richtung verlaufenden Teil blieb der Name Kreuzgangstraße erhalten. Nach politischen Wende des Jahres 1989 wurde die Fachschule dann Sitz des Landtages. 2005 trat an die Stelle des Wohnblocks auf der Westseite die von Friedensreich Hundertwasser entworfene Grüne Zitadelle.
Historische Häuser der Kreuzgangstraße Folgende Häuser befanden sich am ursprünglichen Verlauf der Kreuzgangstraße: