mini|hochkant|St-Sauveur, Portalfassade im Osten mini|hochkant|Südseite Die Basilika Saint-Sauveur de Rennes ist eine römisch-katholische Basilica minor, die auch unter dem Namen Notre-Dame des Miracles et Vertus bekannt ist. Sie liegt im Herzen des historischen Stadtzentrums von Rennes und wurde unter dem Namen St-Sauveur zu Beginn des 12. Jahrhunderts gegründet. In mehreren Etappen vergrößert und zu Beginn des 18. Jahrhunderts rekonstruiert, war die Basilika ungefähr drei Jahrhunderte lang bis zum Zweiten Weltkrieg Sitz einer Pfarrgemeinde, aufs Neue dann seit 2002. In der Folge mehrerer Begebenheiten, die im 14. und im 18. Jahrhundert als Wunder eingestuft wurden, entwickelte sich hier die starke Verehrung der Notre-Dame des Miracles, die 1916 mit Erfolg die Erhebung zur Basilika erreichte. Im Klassizistischen Barock errichtet, ist das Gebäude vor allem durch seine Innenausstattung bemerkenswert: der Baldachin des Hochaltars, die Kanzel aus Schmiedeeisen, die Orgel und die zahlreichen von den Gläubigen gespendeten Votivgaben. Sie wurde am 2. März 1942 in die Liste der Monuments historiques aufgenommen.
Lage Die Basilika befindet sich im nordwestlichen Zentrum von Rennes, im Herzen der historischen Altstadt. Am Place Saint-Sauveur gelegen, befindet sie sich am Ende einer Sichtachse, die am Place du Parlement-de-Bretagne beginnt und sich über die Rues de Brilhac, de l’Hermine und du Guesclin erstreckt. Nur ihre Ost- und Südfassade sind sichtbar, der Rest ist von anderen Gebäuden verdeckt, darunter das Pfarrhaus im Westen (2, Rue Saint-Sauveur). Die Hauptfassade wendet sich nach Osten auf die Place Saint-Sauveur, die Südfassade zum Garten des Hôtel de Blossac hin.
Geschichte
Ursprünge mini|Plan von «Rennes, Hauptstadt der Bretagne und Sitz des Parlement 1616», 3. Auflage von 1618. Die Kirche St-Sauveur ist mit der Nummer 19 bezeichnet. Das heutige Kirchengebäude wurde am Beginn des 18. Jahrhunderts errichtet und ersetzte eine Kapelle, deren Ursprünge sich mit denen der Stadt selbst vermischen. Nach einer Hypothese des aus Rennes stammenden Historikers Louis Pape stimmt die Lage dieser Kapelle an der Kreuzung von Cardo und Decumanus mit der Basilika des dem Mars Mullo geweihten Tempels auf dem Forum der gallo-römischen Stadt Condate überein.
Die ersten schriftlichen Quellen, die in Rennes eine Kapelle mit dem Patrozinium Saint-Sauveur erwähnen, stammen aus dem 12. Jahrhundert. Zu jener Zeit war sie an die Pfarrei Allerheiligen (französisch Toussaints) angeschlossen. Das Domkapitel von Rennes schenkte die Kapelle im Januar 1230 der Äbtissin Mathée de Corcop der Benediktinerinnenabtei Saint-Georges in Rennes. Die Kirche entwickelte sich in den folgenden Jahrhunderten im Rhythmus der Stadt und erfuhr zahlreiche Ergänzungen an Mobiliar, Erweiterungsbauten und Renovierungen. So wurden unter anderem eine Dachlaterne aufgesetzt, die Altäre erneuert, ein Triumphkreuz eingesetzt und zusätzliche Pfeiler für eine Erweiterung des Gebäudes aufgeführt. Mit dem Wunderereignis von 1357 (siehe Abschnitt „Wunder“) entwickelte sich die besondere Verehrung der Notre-Dame des Miracles et Vertus.
Mit der Bevölkerungszunahme von Rennes wurde die Notwendigkeit fühlbar, die Pfarrei Allerheiligen, zu der Saint-Sauveur nach wie vor als Filialkirche gehörte, aufzuspalten. In Erfüllung einer Bitte der Pfarrangehörigen von 1632 errichtete der Bischof von Rennes Charles-François de La Vieuville 1667 die Pfarrgemeinde Saint-Sauveur und erhob die Kirche zur Pfarrkirche. Diese Entscheidung wurde durch einen Entscheid vom 7. Oktober 1667 vom Parlement de Bretagne bestätigt, trotz des Widerstands des Pfarrers der Pfarrei Allerheiligen. Im Jahr 1670 wurde auf Initiative des später heiliggesprochenen Johannes Eudes zu Ehren der Notre-Dame des Miracles et Vertus und des Unbefleckten Herzens Mariä eine Bruderschaft gegründet.
Neubau Am 7. März 1682 brach der westliche Giebel des Gebäudes zusammen, was die Kirche für den Gottesdienst untauglich machte. Nach einigen Monaten, während derer das eucharistische Brot in der Kapelle Saint-James aufbewahrt wurde, wurde die Feier der Messe in der teilweise zerstörten Kirche wieder aufgenommen. Der Pfarrverwaltungsrat schlug den Wiederaufbau der Kirche vor. Doch es waren 19 Jahre nötig, um die Geldmittel aufzutreiben und die angrenzenden Landparzellen aufzukaufen. Die erste Beratung mit der Absicht, die Baustelle für den Wiederaufbau einzurichten, fand am 12. Juni 1701 statt. Der Grundstein wurde am 24. Juli 1703 durch den Intendanten der Bretagne Louis Béchameil de Nointel gelegt. 1710 wurde eine königliche Lotterie organisiert, um zu versuchen, Livres für den Wiederaufbau einzuspielen.
mini|Kapitell des 12. Jahrhunderts, das aus der früheren Kirche stammt und im Musée de Bretagne aufbewahrt wird. Die Pläne wurden durch den Architekten François Huguet ausgeführt, der zur gleichen Zeit auch für die Turmbekrönungen der benachbarten Kathedrale St-Pierre und ein Konventgebäude des Hôpital Saint-Yves verantwortlich war. Nach dem Wunsch des Pfarrverwaltungsrats sollte das Feiern der Gottesdienste während der Bauarbeiten weiter möglich sein. Der Architekt entschied sich, die neue Kirche von Osten nach Westen zu orientieren, also entgegengesetzt zur bisherigen Ostung. Die neue Ausrichtung erlaubte es, die Fassade an der Place du grand Bout de la Cohue zu platzieren, auf der ein Markt stattfand (im bretonischen Französisch cohue genannt). Dieser Markt nahm bis 1720 die Stelle der heutigen Rue de Clisson und der Place Saint-Sauveur ein. Die Bauarbeiten begannen mit dem Chor. Nachdem dieser vollendet war, wurde das Allerheiligste dahin übertragen und der Rest der bisherigen Kirche endgültig abgerissen. Von dieser überdauerte nur ein skulptiertes Kapitell, auf dem eine stehende Person abgebildet ist; es wird ins 12. Jahrhundert datiert und im Musée de Bretagne aufbewahrt.Das Kapitell ist an der Rückseite in einem Winkel ausgehöhlt. Die Abmessungen betragen 31 cm × 28 cm × 47 cm, sein Gewicht 69 kg. Es stammt aus einer Schenkung von Monseigneur Godefroy Brossay-Saint-Marc im Jahre 1856.
Der neue Kirchenbau wurde am 5. August 1719 geweiht, obwohl zu diesem Zeitpunkt nur der Chor und ein Langhaus-Joch fertiggestellt waren. Der Stadtbrand von Rennes 1720 zerstörte das Mobiliar und den ursprünglichen Dachstuhl, der dabei einstürzte, unterbrach aber nicht die Bauarbeiten. Im Wesentlichen waren diese Arbeiten 1728 vollendet. François Huguet starb 1730; ihm folgten mehrere Architekten, um das Bauwerk endgültig fertigzustellen.
François-André Forestier de Villeneuve, genannt Forestier l’Aîné, nahm eine bedeutende Änderung an den Plänen vor: Er zerstörte zum einen die Place du grand Bout de la Cohue und ersetzte sie durch die Rue de Clisson und die Place Saint-Sauveur und er schuf den Durchbruch der Rue du Guesclin in der Sichtachse zur Kirche. Dies erlaubte ihm, einen Neuentwurf der Fassade zu planen, der in diese neue Achse integriert wurde. Er schuf auch den Entwurf des Portals und seiner Flügel. Aus ökonomischen Gründen fiel das Ergebnis dennoch weniger ehrgeizig aus als von Huguet projektiert. Antoine Forestier le Jeune entwarf seinerseits die Turmkuppel, während Daniel Chocat de Grandmaison 1741 diejenige des Belfrieds entwarf. Die Fortführung der Arbeiten durch Forestier ist für 1758 beglaubigt. Der Hauptaltar wurde 1768 geweiht, was den Abschluss aller Arbeiten kennzeichnet.
Französische Revolution Die Französische Revolution unterbrach die Arbeiten am Wiederaufbau der 1768 zerstörten Kathedrale von Rennes. Daher verlegte der Konstitutionelle Bischof Claude Le Coz den Bischofssitz von dort in die Kirche Saint-Sauveur. Mit dem Beginn der Terrorherrschaft und der Ankunft von Jean-Baptiste Carrier in Rennes am 1. September 1793 endeten die Gottesdienste der Konstitutionellen Kirche und Claude Le Coz wurde ins Gefängnis geworfen. Die Kirche Saint-Sauveur wurde daraufhin zu einem Tempel der Vernunft, später 1794 zu einem Tempel des höchsten Wesens. Die wundertätige Statue der Notre-Dame des Miracles wurde während dieser Zeitspanne zerstört. Das Kirchengebäude wurde für öffentliche Versammlungen benutzt, z. B. wurde hier die Bestätigung von Jean Leperdit als Bürgermeister der Stadt nach dem Ende der Terrorherrschaft verkündet. 1795 verlangte eine Petition der Bürgerschaft – nach der Genehmigung durch den Nationalkonvent, wieder katholische Gottesdienste öffentlich abzuhalten – erfolglos die Wiederherstellung des Gebäudes als Kirche. Trotzdem erhielt Bischof Le Coz, der sich wieder in Rennes aufhielt, vom Distrikt am 27. März 1795 einen Pachtvertrag über das Gebäude. Jedoch wurde die Basilika Saint-Sauveur erst am 30. September 1802 durch den Präfekten des Département Ille-et-Vilaine, Jean-Joseph Mounier, wieder offiziell für den Gottesdienst freigegeben.
Jüngere Geschichte
Im Verlauf des 19. Jahrhunderts wurde ein neuer Hochaltar errichtet (1827–1829), ein Leuchter für die Osterkerze (1846), Kreuzwegstationen (ca. 1860) und eine Chororgel angeschafft (1894). Der Architekt Leroux führte ab 1842 eine erste Restaurierung mit dem Ziel durch, den Innenraum aufzufrischen und einige Nachbearbeitungen vorzunehmen. Die Statuen der hll. Peter und Paul an den beiden Seiten des Chors wurden von Jean-Baptiste Barré geschaffen. Die Altäre des Heiligsten Herzens Jesu, des hl. Ludwig und der hl. Anna wurden neu errichtet und erhielten neue Tafelbilder.
Unter Marie-Joseph Brune wurde ab 1870 eine zweite Restaurierung durchgeführt, die zur Aufstellung der Altäre des Querschiffs führte. Er schuf 1875 den der Notre-Dame des Miracles et Vertus gewidmeten Altar im nördlichen Seitenschiff. 1876 wurden drei Glocken im Turm aufgehängt und schließlich ersetzte 1886 ein keramisches Bodenpflaster den Originalbelag aus Tometten. Zwischen 1832 und 1855 trug die Kirche einen optischen Telegrafen nach dem System von Claude Chappe; er war die Nummer 10 auf der Linie Avranches-Nantes. mini|Gravierte Votivtafeln an den Wänden um die Kapelle der Notre-Dame des Miracles
Mit der Reaktivierung der Verehrung der Notre-Dame des Miracles wurde die Kirche am 12. Oktober 1912 von Papst Pius X. unter ihr Patrozinium gestellt. Von Papst Benedikt XV. wurde sie am 27. April 1916 zur Basilica minor erhoben. Während der Besetzung von Rennes im Zweiten Weltkrieg stand die Kirche den katholischen Einwohnern zur Verfügung und wurde am 2. März 1942 in die Liste der Monuments historiques aufgenommen.
Wunder Vier Berichte von Wundern, die Unserer Lieben Frau zugeschrieben werden, sind mit der Kirche verbunden und die Quelle einer speziellen Verehrung. Pfarrer Bernard Heudré, Dekan der Pfarrei 2013, meinte: En période trouble ou la veille des périodes d’examen, il y a une hausse significative des demandes [de guérison, de succès]. C’est compréhensible. Lorsque l’on vit des épreuves ou lorsque l’on a besoin d’aide, on s’en remet au ciel. („In einer unruhigen Zeit oder am Vorabend von Zeiten der Prüfung gibt es einen signifikanten Anstieg von Wünschen [nach Heilung oder Erfolg]. Das ist verständlich. Wenn man mit Schwierigkeiten konfrontiert ist oder wenn man Hilfe braucht, wendet man sich damit an den Himmel.“)Die Mauern rund um die Kapelle, die Notre-Dame des Miracles gewidmet ist, sind vollständig mit Votivtafeln in Form gravierter Marmorplatten bedeckt. Das Anbringen weiterer Votivtafeln ist heute untersagt, doch die Gläubigen legen Blumen und geschriebene Wünsche in der Nähe der Statue ab.
Entdeckung des englischen Tunnels 1357 mini|Gedenkfenster der Kirche Notre-Dame-de-Beauvais in Le Theil de Bretagne: Darstellung der Notre-Dame des Miracles, die mit dem Zeigefinger auf den Boden deutet