Bei der Burg Schmitthof handelt es sich um eine ehemalige Wasserburg im Gleental nordwestlich des Ortsteils Lehrbach der Stadt Kirtorf im Vogelsbergkreis in Hessen. Die Anlage ist heute ein hessisches Kulturdenkmal.

Geschichte Die Anlage liegt auf dem Gelände des seit dem 14. Jahrhundert urkundlich nachgewiesenen Reisdorf.Georg Landau: Historisch-topographische Beschreibung der wüsten Ortschaften im Kurfürstentum Hessen und den großherzoglich hessischen Antheilen am Hessengaue, am Oberlahngau und am Ittergau. Kassel 1858, S. 265. Der Ort wurde wohl um 1300 in einem Kopiar urkundlich erstmals als „Reyssdorff“ erwähntStephan Alexander Würdtwein: Dioecesis Moguntina in Archidiaconatus distincta et commentationibus diplomaticis illustrata, Band 3, Mannheim 1777, S. 284. Laut Lutz Reichardt kann der Ortsname Reisdorf aufgrund der erst spät einsetzenden Überlieferung nicht mehr eindeutig bestimmt werden. Die Teilwüstung wurde angeblich nach der dort befindlichen Schmiede nun Schmitthof genannt.Lutz Reichardt: Die Siedlungsnamen der Kreise Gießen, Alsfeld und Lauterbach in Hessen. Namenbuch. Dissertation, Göppingen 1973, S. 334. Das Dorf selbst fiel um 1427 wüst.

Um 1538 errichtete hier ein Zweig der Schenck zu Schweinsberg durch Georg Freiherr Schenck zu Schweinsberg die Wasserburg. 1543 wurde festgehalten, dass „Reisdorf“ nun die „Schmitt hievor Reistorff geheissen ...“ genannt wurde Die Burganlage war 1787 als alleiniger Besitz des Freiherrn Schenk von Schweinsberg dem Eußergericht im Amt Kirtorf, Oberamt Alsfeld, in der Landgrafschaft Hessen-Darmstadt verwaltungstechnisch eingegliedert. Im 17. und 19. Jahrhundert wurde die Anlage, die wohl nie eine kriegerische Auseinandersetzung erfahren hatte, mehrfach erneuert.Rudolf Knappe: Mittelalterliche Burgen in Hessen. 800 Burgen, Burgruinen und Burgstätten. S. 242.

1977/79 wurde die Anlage restauriert und befindet sich heute in Privatbesitz.

Beschreibung Die Burganlage besteht aus einem zweigeschossigen Herrenhaus mit nicht abgesetztem Sockelgeschoss und zweigeschossigem Krüppelwalmdach. Das massive Erdgeschoss mit einzelnen beziehungsweise gekuppelten Fenstern und mit Falz und Kehle profiliert, ist mit Bruchsteinen gemauert und weist eine Eckquaderung auf; das Obergeschoss ist aus Fachwerk. Das drei Gefache hohe Fachwerk des Obergeschosses zeigt eine gleichmäßige Ständerfolge, einfache Streben und Kopfknaggen. Das Fachwerk gehört den Verstrebungen nach in das späte 17. Jahrhundert. Der innere Grundriss des Herrenhauses ist dreigeteilt, so dass sich in der Mitte des Gebäudes ein hallenartiger Raum ergibt, von dem aus die Beheizung der Seitenräume erfolgte.

Aus der linken westlichen Giebelseite kragen am oberen Ende des Erdgeschosses drei, wohl Reste eines früheren Erkers bildende, Steinkonsolen. Der Erker selbst wurde wohl bei Erneuerungsarbeiten im 17. Jahrhundert entfernt. Mittig der nach Norden gerichteten Traufseite befindet sich ein spitzbogiges Portal aus Sandstein mit vorgelegter Freitreppe. Über dem Portal ist ein Wappenstein der Schenck zu Schweinsberg mit der bereits genannten Jahreszahl 1538 angebracht. Links des Portals befand sich ehemals ein Treppenturm, zum größeren Teil in das Innere des Herrenhauses integriert, der im 19. Jahrhundert niedergelegt wurde und im späten 19. Jahrhundert durch eine einfache Treppe im südöstlichen Teil des Herrenhauses ersetzt wurde.

Südlich des Herrenhauses befand sich bis zu dessen grundlegender Restaurierung in der zweiten Hälfte der 1970er Jahre ein ebenfalls zweistöckiger Erweiterungsbau, der sich aus einem massiven Erdgeschoss mit in Fachwerk ausgeführtem Obergeschoss zusammensetzte.

Das Wohnanlage war umgeben von einer heute nach Nordosten offenen nahezu quadratischen Umfassungsmauer mit vier Ecktürmen, von denen drei, jeweils zweigeschossig, erhalten sind. Die Ecktürme bestehen aus einem zum Teil mit Schießscharten versehenen Bruchstein-Erdgeschoss und besitzen einen polygonalen, zwei Gefache hohen Fachwerkstock als zweites Geschoss.

Der davor liegende ehemalige Wassergraben wurde mittlerweile zugeschüttet bzw. ist verlandet.

Literatur Elmar Brohl: Festungen in Hessen. Herausgegeben von der Deutschen Gesellschaft für Festungsforschung e. V., Wesel, Schnell und Steiner, Regensburg 2013 (= Deutsche Festungen 2), ISBN 978-3-7954-2534-0, S. 167–170. Rudolf Knappe: Mittelalterliche Burgen in Hessen. 800 Burgen, Burgruinen und Burgstätten. 3. Auflage. Wartberg, Gudensberg-Gleichen 2000, ISBN 3-86134-228-6, S. 242. Rolf Müller (Hrsg.): Schlösser, Burgen, alte Mauern. Herausgegeben vom Hessendienst der Staatskanzlei, Wiesbaden 1990, ISBN 3-89214-017-0, S. 216.

Weblinks

Kirtorf-Lehrbach, Wasserburg Schmitthof im Wiki des Projekts „Renaissanceschlösser in Hessen“ am Germanischen Nationalmuseum Burg Schmitthof auf burgenwelt.org

Einzelnachweise

Schmitthof Kategorie:Bauwerk in Kirtorf Schmitthof Schmitthof Kategorie:Kulturdenkmal in Kirtorf