Åsgårdsreien (wörtlich Die Reiter von Asgard, auch Die Wilde Jagd) ist ein Gemälde des norwegischen Historienmalers Peter Nicolai Arbo aus dem Jahr 1872, das als sein Hauptwerk aufgefasst wird. Es zeigt in dramatischer Komposition und Beleuchtung die mittwinterliche Wilde Jagd in einer romantisch-folkloristischen Weise. Das großformatige Bild enthält Motive der norwegischen Mythologie und zeigt Einflüsse der nationalen Poesie jener Zeit. Es gehört zur Sammlung Bildende Kunst des norwegischen Nationalmuseums für Kunst, Architektur und Design, Oslo.
Beschreibung mini|Ähnliche Darstellung (1868), Drammens MuseumÅsgårdsreien, Inventarnr. DFG.0003 digitaltmuseum.no (norwegisch). Das monumentale Gemälde hat die Maße 166 × 240 cm, ist in der Maltechnik Öl auf Leinwand ausgeführt und ist im Osloer Nationalmuseum unter der Inventarnummer NG.M.00258 registriert.
In einer dramatisch beleuchteten nächtlichen Landschaft mit niedrigem Horizont jagen zahllose Gestalten, im Bildvordergrund auch Reiter, durch die Luft. Zu erkennen sind Männer und, besonders herausgehoben, nackte und halbnackte Frauen, die teilweise als Beute männlicher Reiter erscheinen. Es sind die Geister und ruhelosen Seelen der Toten. Angeführt werden sie von Sigurd Fåvnesbane, dem Drachentöter, mit den Attributen Schwert und geflügeltem Helm und der Trollhexe Gyro Ryssetova, die einen Speer schwingt und um deren linke Hand sich eine Schlange windet. Begleitet wird die Horde von Raben, die symbolisch auf den Gott Odin hinweisen. In einer herausragenden Position mit Krone, Hammer und wehendem Umhang wird Thor in der Menge dargestellt, wie er auf seinem Wagen steht und die beiden Ziegen Tanngnjostr und Tanngrisnir antreibt. Er bildet mit den beiden bewaffneten Reiterinnen im Vordergrund ein Dreieck im Zentrum des Bildes. Die Kunsthistorikerin Gertrud Serner (1906–1996) schrieb 1972 zu dem Gemälde:
Als erster Entwurf dieses Bildes gilt ein Aquarell, das 1861 in Düsseldorf gemalt wurde.Glenny Alfsen: Peter Nicolai Arbo. In: Norsk biografisk leksikon. Band 1: Abel–Bruusgaard. 1999 (darauf basierende Onlineversion, Stand 2022, snl.no). In der ersten Version des Bildes (1868) waren die Körper der im Vordergrund hell hervorgehobenen Personen unbekleidet. Es gibt dort auch mehrere weiße Pferde, während die weiblichen Figuren wie durchscheinende Geister im rechten Bildhintergrund zu schweben scheinen und Thor in der Bildmitte mit dem erhobenen Hammer in der rechten Hand auf einem schwarzen Hengst reitet.
Hintergrund mini|hochkant=0.8|Valkyrie (1865) Nationalmuseum Stockholm Arbo war von Johan Sebastian Welhavens romantischer Dichtung beeinflusst. Dessen Werk Nyere Digte (Neue Gedichte) von 1844 ist eine der Grundlagen dieses Gemäldes. Eines der Gedichte trägt den Titel Asgårdsreien.Johan Sebastian Welhaven: Asgårdsreien Fabritius & Sønner, Oslo 1971 (Gedicht, 16 Seiten mit Illustrationen). Darin heißt es zu Beginn:
Die Kuratorin des Nationalmuseums, Ellen Johanne Lerberg, vermutet, dass der offenbar durch Feuerschein erleuchtete Himmel im Hintergrund des Bildes auf Helheim, das Reich der Totengöttin Hel, hinweist.Internetseite des Osloer Nationalmuseums mit ausführlicher Beschreibung Arbo fertigte mehrere Arbeiten zu diesem Themenbereich an, wie 1865 die Valkyrie (Walküre), Schwedisches Nationalmuseum, StockholmInternetseite des Schwedischen Nationalmuseums mit Beschreibung der Valkyrie, und eine Skizze vom 14. Juni 1870 (Aquarell, Pinsel und Bleistift auf Papier 465 × 605 mm) zu diesem Gemälde, ebenfalls im Osloer Nationalmuseum.Åsgårdsreien nasjonalmuseet.no (norwegisch).
Ausstellungen (Auswahl) 1872: Skandinavische (oder Nordische) Kunstausstellung in Kopenhagen. Hier wurde das Gemälde für das Kunstmuseum in Oslo angekauft.Jens Thiis: Norske malere og billedhuggere : en fremstilling af norsk billedkunsts historie i det nittende århundrede med oversigter over samtidig fremmed kunst. Band 1: Malerkunsten i de første 80 År. John Griegs Forlag, Bergen 1904, S. 234–235 (). 1986: Peter Nicolai Arbo 1831–1892 im Drammens Museum, Fylkesmuseum for Buskerud, 3. Juni bis 28. September 1986. 2007–2011: Kunst 3. Verk fra samlingen 1814–1950 Dauerausstellung in der Nationalgalerie vom 17. März 2007 bis 28. April 2011.
Rezeption mini|hochkant=0.8|Blood Fire Death Album Das Gemälde diente der schwedischen Metal-Band Bathory 1988 als Cover für ihr Album Blood Fire Death.Internetseite zum vierten Album von Bathory. Im Jahr 2009 wurde es für das Cover einer Aufnahme der Asgaardsreien Op. 10 des Komponisten Ole Olsen mit dem Lettischen Nationalen Symphonieorchester unter der Leitung des Dirigenten Terje Mikkelsen verwendet, die am 28. bis 29. Juli 2009 aufgenommen wurde.Ole Olsen (2) – Latvian National Symphony Orchestra – Terje Mikkelsen – Asgaardsreien, Op. 10 discogs.com. Das Gemälde wurde auch als Buchcover für John Lindow: Old Norse Mythology – World Mythology in Theory and Everyday Life. Oxford University Press, Oxford 2020, ISBN 978-0-19-755448-7 ausgewählt.
Literatur Marit Ingeborg Lange, Anne Berit Skaug (Hrsg.): Peter Nicolai Arbo 1831–1892. Drammens Museum, Drammen 1986, (Ausstellungskatalog). Knut Ljøgodt: Peter Nicolai Arbo (1831–1892). In: Historien fremstilt i bilder. Pax Forlag, Oslo 2011, ISBN 978-82-530-3321-1 (PDF), S. 17–18. Vibeke Waallann Hansen, Ellen Lerberg, Marianne Yvenes (Hrsg.): Nasjonalmuseet. Høydepunkter. Kunst fra antikken til 1945. Nasjonalmuseet for kunst, arkitektur och design, Oslo 2014, ISBN 978-82-8154-084-2.
Weblinks
The wild Hunt of Odin – Peter Nicolai Arbo – 1872 Internetseite des Osloer Nationalmuseums mit ausführlicher Beschreibung (englisch)
Einzelnachweise
Kategorie:Gemälde (19. Jahrhundert) Kategorie:Gemälde des Nationalmuseums Oslo Kategorie:Germanische Mythologie