mini|Schloss Riede von der Straßenseite (2017) mini|Schloss Riede von der Gartenseite (2005) Das Schloss Riede ist ein Renaissancebau in Riede, einem Ortsteil von Bad Emstal im nordhessischen Landkreis Kassel. Es steht an der Stelle einer vormaligen Burg am westlichen Ortsrand von Riede unterhalb des Klauskopfes.

Geschichte mini|Die Kapelle beim Schloss Riede Die erste urkundliche Erwähnung der Ortschaft Riede stammt aus dem Jahr 1074. Das Schloss wurde vermutlich auf den Grundmauern eines Hofs des Augustinerklosters Merxhausen gebaut. Nachweisbar scheint diese ursprüngliche Bausubstanz durch eine romanische Kapelle noch bis ins 19. Jahrhundert (beim Anbau des Südflügels 1886 wurde die Kapelle abgebrochen).

Im Jahr 1443 verkaufte der erste belegbare Besitzer, Henne von Wehren, der es als Lehen der Landgrafen von Hessen hielt, das Anwesen an das hessische Adelsgeschlecht derer von Meysenbug. 1563 wurde unter Verwendung umfangreicher Teile des bereits bestehenden Baus das Schloss im Weser-Renaissancestil errichtet, mit einem Rittersaal im Zentrum. Aus dem Jahr 1574 stammen die Renaissance-Eisengussplatten im Erkerzimmer, geschaffen nach den Entwürfen des hessischen Eisengießers Philipp Soldan.

1674 wurde dem Schloss durch Wolrad von Meysenbug (1632–1702) ein Gutshof angegliedert, ein einfacher Saalbau mit Fachwerktürmchen. Ebenfalls im 17. Jahrhundert wurde ein noch heute existierender Kräutergarten angelegt. Im Auftrag von Leo von Meysenbug wurde 1695 das Dachgeschoss umgebaut und erhielt dabei barocke Gestaltungselemente. Bei weiteren Umbauten im 18. Jahrhundert ging die Geschlossenheit der Anlage verloren. Um 1770 wurde die Schlossanlage durch Heinrich von Meysenbug (1742–1810) mit einem frühromantischen englischen Landschaftsgarten ergänzt. Sein Gartenbaumeister Johann Heinrich Müntz wurde 1798 im Garten des Schlosses Riede beigesetzt.Hugo Brunner: Geschichte der Residenzstadt Cassel. Verlag Pillardy und Augustin, Cassel 1913 S. 298.

Im Jahr 1810 starb die Familie Meysenbug mit Heinrich von Meysenbug aus, und das Lehen fiel zurück an den damaligen Landesherren, Jérôme Bonaparte, König des napoleonischen Königreichs Westphalen, der es bereits sieben Wochen später seinem Großstallmeister, dem zum Grafen von Ried(e) ernannten General Philippe François Maurice d’Albignac schenkte. Dieser sah Riede allerdings nie persönlich und erfreute sich des Besitzes auch nicht lange, denn er fiel schon bald bei Jérôme in Ungnade, kehrte nach Frankreich zurück und starb 1824 in Paris.

Nach der Restitution des Kurfürstentums Hessen-Kassel im Jahre 1813 zog Kurfürst Wilhelm I. die Herrschaft Riede als erledigtes Lehen ein und bot sie dem Generalleutnant Wilhelm Engelhard an, dem Sohn des hessischen Historiographen Regnerus Engelhard, mit gleichzeitiger Verleihung des erloschenen Meysenbugschen Adelstitels. Engelhard lehnte jedoch ab. 1815 übertrug Wilhelm I. das Schloss seinem Sohn, dem Kurprinzen Wilhelm II., den er 1819 für vier Wochen mit seiner Mätresse Emilie Ortlöpp dorthin verbannte. Erbittert bot der Kurprinz Riede, das er bis dahin sorgsam gepflegt und in Stand gehalten hatte, dem Lombardassessor Reusch für 40.000 Taler an, der aber ablehnte. Schloss, Park, Wirtschaftsgebäude und Gut kamen daraufhin für 34.000 Taler an den Kammerherrn Rudolf von Buttlar zu Elberberg (1802–1875), der 1825 ein Familienfideikommiss daraus machte. Dieser hatte das Anwesen bis zum Verkauf im Jahre 2007 in Besitz. Im Jahre 1886 wurde der heutige Südflügel in Fachwerkkonstruktion angebaut.

Das inzwischen schwer vernachlässigte Schloss samt Gutshof wurde im Jahre 2007 an neue Privatbesitzer verkauft und von 2008 bis 2014 totalrenoviert. Dieses Unternehmen, auch mit öffentlichen Fördermitteln und vom Verein zur Förderung des Schlosses Riede unterstützt, wurde 2012 mit dem Deutschen Preis für Denkmalschutz ausgezeichnet.Deutsches Nationalkomitee für Denkmalschutz: 2012 Silberne Halbkugel Das Schloss enthält heute auf drei Etagen drei separate Wohnungen, wobei nur ein Teil der insgesamt 62 Räume des Baus dafür genutzt werden. Auch der große Schlosspark mit seiner historischen Kaskadenanlage wurde renaturiert und restauriert, und als letztes werden nun die Wirtschaftsgebäude des angeschlossenen einstigen Guts renoviert.Schloss Riede erstrahlt wieder im neuen Glanz; HNA, 4. September 2014Sanierung beendet: Schloss Riede strahlt wieder, Burgerbe.de, 5. September 2014

Das Schloss ist der Öffentlichkeit nicht zugänglich.

Baubeschreibung Das Äußere Das Schloss ist ein rechteckiger Bau mit schmalem, turmartigem westlichen Anbau, über Eck gestelltem Risalit an der Nordostecke und rundem Treppenturm an der Ostseite. Der dreigeschossige Massivbau mit Steinsockel ist bis auf den westlichen Anbau verputzt. Die südliche Erweiterung ist ein verputzter Fachwerkanbau von 1878.

Der Haupteingang befindet sich rechts neben dem Treppenturm. Das segmentbogige Portal mit getrenntem Oberlicht und Doppelwappen in rechteckigem Rahmen ist von kannelierten Pilastern gerahmt. Das Doppelwappen zeigt das Wappen des Leo von Meysenbug († 1593) und der von Gladebeck. Der Türsturz ist 1563 bezeichnet. Der Treppenturm mit Untergeschoss ist viergeschossig; das oberste Geschoss befindet sich auf Höhe des Daches und weist rechteckige Fenster auf. In den unteren Geschossen sind die Fenster schräg gestellt und entsprechend dem Treppenlauf der Wendeltreppe linksläufig. Die Fenster haben Falz und Kehle, wie dies auch die einzelnen oder gekuppelten Fenster des übrigen Baues, die unregelmäßig angeordnet sind, aufweisen. Der Eckrisalit besteht aus Bruchquadern, unter den Fenstern befindet sich jeweils umlaufendes Gesims.

Das barocke Mansarddach ist mit Zwerchgiebeln ausgebaut.

Zum Schloss gehört ein großer Wirtschaftshof mit Scheunen und massivem Verwaltungsgebäude. Ein Bau ist zur Kirche ausgestaltet.

Im Innern Der Keller im südlichen Raum hat einen Rundpfeiler. Das Erdgeschoss ist dreigeteilt: eine mittlere Halle mit gotischer Tür zum Raum nach rechts und einer Renaissancetür zum Raum links und zum Treppenturm. Der rechte Saal auf der Nordseite hat eine gotische Balkendecke auf Unterzug sowie ein später abgeteiltes Erkerzimmer mit Eichenholztäfelung. An der Eingangswand über der Tür finden sich Waffenembleme und gotisches Blendmaßwerk. In der Nordwand ist ein Wandschrank mit altem Eisenschloss eingebaut, vermutlich aus dem 16. Jahrhundert. Der von Wolrad von Meysenbug errichtete Westanbau enthält ein kleines Barockzimmer mit Eckkamin. An der Stelle der ehemaligen Kapelle ist heute eine Küche. Die Dreiteilung des Grundrisses setzt sich im Obergeschoss fort.

Schlosspark mini|150px|Der gärtnerische Kernbereich des Parks. Blick von Süden, aus dem Schloss Riede, nach Norden. (2019) Heinrich von Meysenbug, der damalige Eigentümer des Schlosses, begann um 1770 damit, einen Park im neuen Stil des Englischen Landschaftsparks anzulegen. Dies geschah nach Vorbild des Kasseler Bergparks Wilhelmshöhe, in dem diese neuen Ideen damals aufgegriffen wurden. Landgräfliche Architekten und Gartengestalter aus Kassel wie Heinrich Christoph Jussow, Karl Steinhofer und Daniel August Schwartzkopf waren auch in Riede planend oder beratend tätig. Einen großen Einfluss auf die Gestaltung des neuen Landschaftsparks in Riede hatte insbesondere Johann Heinrich Müntz, der 1786 nach Kassel kam, nachdem er mehrere Jahre in England verbracht hatte.Absatz nach Maren Brechmacher-Ihnen: Gärten, Parkanlagen und Gebäude des Schlossgutes Riede, in: Verein zur Förderung des Schlosses in Riede e. V. (Hrsg.): Landschaftsgärten - Gartenlandschaften Schloss und Dorf Riede, Bad Emstal - Riede, 2017, S. 10–15

Der Landschaftspark entstand am Osthang des Klauskopf (der Bergpark Wilhelmshöhe am Osthang des Habichtswaldes) und zieht sich (wie in Kassel) nach Osten hinunter bis zum Schloss. Aufgrund der Verbindungen und Ähnlichkeiten zu Kassel gilt der Schlosspark in Riede auch als die „Kleine Wilhelmshöhe“. Die Entwicklung des Parks endete mit dem Tod Meysenbugs 1810.

Der Landschaftspark im frühromantisch-sentimentalen Stil wurde mit zahlreichen einheimischen und exotischen Bäumen und Sträuchern bepflanzt und mit Denkmälern und Parkarchitekturen bebaut, die durch Wege und Achsen miteinander verbunden waren. Gestaltung und Bepflanzung ermöglichten Ausblicke in die umliegende Landschaft. Typisch für den frühromantischen Stil ist, dass Denkmäler und Parkarchitekturen mit den Themen Freundschaft, Liebe, Tod und Trauer besetzt wurden.

1976 unternahm Lucius Burckhardt mit Studenten der damaligen Gesamthochschule Kassel seinen Urspaziergang im ehemaligen Landschaftspark und begründete damit die Promenadologie.

2001 wurde mit ersten gartendenkmalpflegerischen Maßnahmen im Park begonnen. Mit dem „Heinrich von Meysenbug-Pfad“ wurde seinem geistigen Schöpfer gedacht. Der Meysenbugsche Landschaftspark ist nicht mehr als Gesamtwerk erhalten, aber etliche interessante Fragmente erinnern an seine Existenz.

Heutiges Bild mini|240px|Blick vom Waldrand nach Westen, über den Tiergarten zum Schloss Riede mit dem Westrand des eindrucksvollen Baumbestandes (2019) Der historische Landschaftspark in Riede lässt sich heute grob in 3 Bereiche gliedern:

Der Schlosspark, oder Schlossgarten, als gärtnerischer Kernbereich des Parks, der direkt nördlich an das Schlossgebäude anschließt. Dort findet sich noch heute ein bemerkenswerter Baumbestand. Nach Restaurierungsarbeiten wurden dort 2010 die Wasserspiele wieder in Funktion gebracht und der ursprüngliche Basaltsteinverbund der „Teufelsbrücke“ wieder hergestellt. Die Offenlandfläche westlich des Schlosses, mit dem Tiergarten, vor dem Waldrand.Dort findet sich das gartenarchitektonische Element des Patte d’oie (Krähenfuß). Gemeint ist ein Y-artiger Wegeverlauf, mit einer zentralen Sichtachse, grob in Ost-West-Richtung, und zwei abknickenden „Zehen“. Den nördlichen bildet eine Allee aus Pyramideneichen, den südlichen eine aus Kopflinden.vgl. Maren Brechmacher-Ihnen: Gärten, Parkanlagen und Gebäude des Schlossgutes Riede, in: Verein zur Förderung des Schlosses in Riede e. V. (Hrsg.): Landschaftsgärten - Gartenlandschaften Schloss und Dorf Riede, Bad Emstal - Riede, 2017, S. 14Im Tiergarten wurde in den Jahren 2008 bis 2010 mit der Pflanzung von 150 Apfel-, Birn- und Zwetschgenbäumen alter Sorten aus Nordhessen und dem angrenzenden Westfalen die entstandenen Lücken im Bestand geschlossen.vgl. Dr. Johannes Kahl und Jan Bode: Historische Obstsorten im Rieder „Tiergarten“, in: Verein zur Förderung des Schlosses in Riede e. V. (Hrsg.): Landschaftsgärten - Gartenlandschaften Schloss und Dorf Riede, Bad Emstal - Riede, 2017, S. 62–68 Wald und Waldrand (Waldpark) am Klauskopf mit den Resten der Staffagebauten und Parkarchitekturen des Landschaftsparks. Dieser Waldpark wurde im Jahr 2005 vom Gesamtbesitz des Schlossgebietes abgetrennt.Satz zum Waldeigentum nach Norbert Zimmermann: Künstler & Philosophen in Riede, in Verein zur Förderung des Schlosses in Riede e. V. (Hrsg.): „Die Kleine Wilhelmshöhe“ Schloss & Park Riede, Bad Emstal – Riede, 2011, S. 56

Schloss und Schlosspark mit Tiergarten sind in Privatbesitz und nicht ohne weiteres betretbar. Die Reste des Landschaftsparks im Wald und am Waldrand sind über Wege zugänglich, seit 2016 über die beiden aneinander grenzenden und mit einer gelben Ziffer markierten Rundwege 1 und 2. Der Rundweg 1 verläuft südlich des Klauskopf, über die Ried’sche Tränke. Der nördliche Rundweg 2 verläuft um den Klauskopf und am Rand des Tiergarten entlang, mit Blick auf Schloss Riede und den Westrand des eindrucksvollen Baumbestandes beim Schloss.

Bauwerke und Parkarchitekturen rahmenlos