mini|hochkant=1.3|Innenraum der Kirche mini|hochkant=1.3|Stadtkirche Trebsen Die Stadtkirche Trebsen ist der Sakralbau der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Sachsens in Trebsen/Mulde nahe Grimma im sächsischen Landkreis Leipzig.
Geschichte und Ausstattung
Die Stadtkirche Trebsen ist eine große romanische Saalkirche aus dem 12. Jahrhundert mit eingezogenem spätgotischem Chor mit Dreiachtelschluss aus dem Jahr 1518. Der Baukörper ist ein verputzter Bruchsteinbau mit Strebepfeilern, Maßwerkfenstern und hohem Satteldach. Der Sakralbau ist steinernes Zeugnis für neun Jahrhunderte christlicher Bau-, Kultur- und Kirchengeschichte der Region. Er ist geprägt von Romanik, Gotik, Barock, Klassizismus und Historismus. alternativtext=Johann Gebhard hat als Zimmermann die Kirche mitgestaltet. Foto September 2025..|mini|Erinnerung an den Zimmermann Johann Gebhard, der die Kirche wesentlich mitgestaltet hat. Foto September 2025.. Der Kirchturm entstand 1552 an der Westseite der Kirche und brannte 1729 ab, wobei auch das Pfarrhaus Feuerbeschädigungen erlitt. Er bekam 1731 die vom Zimmermeister Johann Gebhard aus Trebsen erbaute Zwiebelhaube. An Johann Gebhard erinnert eine kleine Tafel in der Kirche.
Der Innenraum des Gotteshauses wurde nach 1700 barock ausgestattet. Eine Besonderheit ist das großformatige ovale Deckengemälde von 1701 mit der Himmelfahrt des Elia; Schöpfer dieses Kunstwerks war Johann Nikolaus Wilke.
Zu sehen sind zahlreiche Epitaphe, so etwa die aus der ersten Hälfte des 12. Jahrhunderts stammende Reliefgrabplatte der Judita von Trebissen, figürliche Grabmäler von Patronsherren und Pfarrfamilien und ein lebensgroßes Kruzifix (um 1500).
Die Glasmalereien im Altarraum von 1912 zeigen den Auferstandenen sowie die Stifter-Fabrikantenfamilie Wiede. Die einstige Sakristei beherbergt ein Kriegergedächtnis mit einer Pieta von 1923 und mit einem Glasmalereifenster von 1953.
Die Platte (Mensa) des Altars gehörte seit 1686 zur Klosterkirche Grimma und ist seit den 1990er Jahren in der Evangelisch-lutherischen Stadtkirche zu Trebsen zuhause.Rudolf Priemer: Das Schicksal der Klosterkirche in Grimma. In: Der Rundblick 1/1990, S. 32–33
Orgel mini|hochkant=1.3|Orgel von Hermann Eule Die erste Orgel gab es in der Zeit um 1600, im Jahr 1833 baute Beyer aus Großzschocher ein neues Instrument ein.Rittergüter und Schlösser im Königreiche Sachsen: Trebsen aus dem Jahr 1860, Wikisource
Die jetzige Orgel schuf Hermann Eule Orgelbau Bautzen als Opus 161; sie wurde 1926 gestiftet. Das Instrument hat 19 Register, zwei Manuale und Pedal.
Geläut Die älteste überlieferte Glocke der Stadtkirche Trebsen, eine Bronzeglocke mit dem Schlagton b′, goss im Jahr 1897 die Gießerei C. Albert Bierling aus Dresden; sie hat einen Durchmesser von 840 Millimeter und ein Gewicht von 240 Kilogramm. Die größeren und schwereren Glocken mussten im Ersten Weltkrieg als sogenannte Metallspende des deutschen Volkes für Rüstungszwecke abgegeben werden und wurden eingeschmolzen.
Das Geläut konnte erst 1950 mit zwei Bronzeglocken aus der Glockengießerei Schilling in Apolda wieder vervollständigt werden; sie haben die Schlagtöne es′ (unterer Durchmesser 1200 mm; ca. 975 kg) und g′ (unterer Durchmesser 1050 mm; ca. 490 kg).Rainer Thümmel: Glocken in Sachsen – Klang zwischen Himmel und Erde. Leipzig 2015, S. 365, ISBN 978-3-374-02871-9
Außenbereich Auf dem Pfarrhof sind das Diakonat aus dem 16. Jahrhundert mit Doppelportal aus Rochlitzer Porphyrtuff und das Pfarrhaus aus dem 16. und 18. Jahrhundert mit Sitznischenportal (um 1520) zu sehen.
Verschiedenes mini|hochkant|Sonnenuhr an der Stadtkirche Trebsen Die einseitig gebaute zweite Empore hat die architektonische Besonderheit, dass sie an der Kirchendecke befestigt ist – und nicht wie sonst üblich auf Bodensäulen ruht. Auf dieser Empore stehen die ursprünglichen Männerbänke ohne Rückenlehnen von 1755: Die Männer saßen damals in Kirchen oben, die Frauen unten – mit Gerade-aus-Blick zu Kanzel und Altar sowie mit Rückenlehnen an den Bänken. Eine Besonderheit ist die Sonnenuhr, deren Anschaffung in der Zeit des Dreißigjährigen Kriegs belegt ist. Sie trägt – stark verwittert – die Aufschrift: „Meine Zeit steht in deinen Händen“ (Psalm 31,16). Die ehemalige Sakristei, vom Altarraum links, wurde als Gedächtniskapelle eingerichtet. Unter dem kleinen Buntglasfenster wird an die Gefallenen des Krieges 1870–71 erinnert. Unter den Namen der Gefallenen des 2. Weltkrieges befindet sich eine PietaStadtkirche Trebsen bei Grimma, auf leipziger-denkmalstiftung.de von 1923. In der Kirche hat sich eine Piscina erhalten. Früher diente sie z. B. zum Ausschütten des Wassers der Taufe. Das ist ein Hinweis darauf, dass diese Kirche sehr alt ist. Piscinas sind im Laufe der Jahrhunderte selten erhalten geblieben. Die Stadtkirche Trebsen ist eine Station des Lutherwegs.alternativtext=Erinnerung an die Gefallenen verschiedener Kriege. Foto September 2025|mini|Blick in die Gedächtniskapelle. Foto September 2025..alternativtext=Erinnerung an die Gefallenen des 2. Weltkrieges und eine Pieta. Foto September 2025..|mini|Unter der Tafel mit den Namen der Soldaten, die Opfer des 2. Weltkrieges wurden, befindet sich eine Pieta. Foto September 2025..alternativtext=Piscina |mini|Piscina in der Kirche. Foto September 2025..Der Sakralbau ist unter der Nummer 08966137 auf der Liste der Kulturdenkmale in Trebsen/Mulde eingetragen.Kulturdenkmale im Freistadt Sachsen - Denkmaldokument Obj.-Dok.-Nr. 08966137 (PDF), auf denkmalliste.denkmalpflege.sachsen.de
Pfarrer seit 1521 1521: Zeuner, Kasper d. Ä. 1539: Ruß, Johann 1540: Braun, Konrad 1556: Fehmel, Wolfgang 1559: Osianus, Paul 1559: Pfeiffer, Anton 1581: Petermann, Matthäus 1582: Großkopf, Martin 1593: Müller, Lorenz 1631: Reichel, Martin 1638: Stolle, Simon 1680: Stolle, Christian 1696: Barthel, Christian 1717: Barthel, Christian Gottlieb 1742: Seyler, Johann Gottlieb 1751: Seyler, Christian Gottfried 1752: Köchly, Johann August 1780: Kaulwell, Ludwig Wilhelm 1828: Köhler, Johann August 1839: Behr, Moritz August 1856: Conradi, Rudolf August 1889: Zimmermann, Heinrich Oskar 1892: Hofmeister, Hugo *Rudolf 1898: Scheumann, Heinrich Maximilian Emmanuel 1909: Hoppe, Gustav *Karl 1923: Gersdorf, Paul Gustav 1953: Schormann, Walter (1920–2012; 2006: Ehrenbürgerschaft von Trebsen) 1988: Richter, Michael
Literatur Lutz Heydieck: Der Landkreis Leipzig – Historischer Führer. Sax-Verlag Beucha Markkleeberg, 2014. Stadtkirche Trebsen. Texte: Heiko Jadatz, Walter Schormann. Fotos: Frank Schmidt. Hrsg. im Auftrag der Ev.-Luth. Kirchgemeinde Trebsen-Neichen. 32 Seiten, Format A5, mit Literaturverzeichnis. Sax-Verlag, Beucha 2005, ISBN 978-3-934544-80-2. Walter Schormann: Die Stadtkirche Trebsen. S. 307–319 in: Zur Kirchen- und Siedlungsgeschichte des Leipziger Raumes. Hrsg. Lutz Heydick, Sax-Verlag, Beucha 2001, ISBN 978-3-934544-22-2. Georg Dehio: Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler, Sachsen II, Regierungsbezirke Leipzig und Chemnitz. Deutscher Kunstverlag München Berlin, 1998.
Weblinks
Homepage der Kirchgemeinde Infos, Lage und Anschrift der Kirche auf Leipzig Travel
Einzelnachweise
Kategorie:Kirchengebäude im Landkreis Leipzig Stadtkirche Kategorie:Kirche in der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Sachsens Kategorie:Saalkirche in Sachsen Kategorie:Romanische Kirche Kategorie:Bauwerk der Romanik in Sachsen Kategorie:Barockisierte Kirche Kategorie:Barockbauwerk in Sachsen Kategorie:Erbaut im 12. Jahrhundert Kategorie:Geläut Kategorie:Kirchengebäude in Europa