mini|Kochkiste, spätes 19. Jhd.

Unter einer Kochkiste versteht man ein wärmedämmend ausgekleidetes Behältnis, in das einzelne Töpfe mit erhitzten Speisen eingestellt werden können, damit diese dann ohne weitere Energiezufuhr, über einen Zeitraum von Stunden, fertig garen. Dank der Wärmedämmung kann eine Kochkiste auch als einfacher Eisschrank genutzt werden.

mini|Kochkiste Dänisches Design 2009 mini|Kochkiste aus der Frankfurter Küche, 1926–1930, geöffneter Deckel.

Geschichte Die Kochkiste verdankt ihre Entstehung und ihre Verbreitung dem gegen Ende des 19. Jahrhunderts verbreiteten Bemühen, breiten Schichten der Bevölkerung Möglichkeiten zu sparsamem Wirtschaften zu zeigen. Sie erleichterte auch die Haushaltsführung berufstätiger Frauen, die morgens die Speisen kurz aufkochen und diese während ihrer Abwesenheit in der Kochkiste fertig garen lassen konnten. (S. 6)

In Zeiten knappen Brenn- und Heizmaterials sicherte die Kochkiste mit einem Minimalverbrauch des Heizmaterials die Zubereitung warmer Speisen, was zu ihrem verstärkten Einsatz in Kriegs(mangel)zeiten führte. So wurde in der Zeit des Ersten Weltkriegs in verschiedenen Kochbüchern die Nutzung der Kochkiste speziell behandelt und ihre Nutzung propagiert. (S. 6; PDF; 4,2 MB) (S. 94; PDF; 545 kB) Und noch nach dem Zweiten Weltkrieg wurden die Kochkisten z. B. während der Berlin-Blockade genutzt, um mit dem nur nachts kurz verfügbaren Strom Essen anzukochen und bis mittags fertig garen zu lassen.Kochkiste während der Berlinblockade

In der 1926 entworfenen Frankfurter Küche, der auf Arbeitseffizienz ausgerichteten Vorläuferin der modernen Einbauküche, wurde aus arbeitsökonomischen Gründen ebenfalls eine Kochkiste eingeplant.

Heute mini|links|Moderne DIY-Kochkiste Die Kochkiste wird zunehmend als ökologische und ökonomische Methode der Essenszubereitung eingesetzt. Die langsame Garung ist auch besonders schonend für die Lebensmittel. In jüngerer Zeit wurde die Idee der Kochkiste durch an die Topfformen angepasste Isolationsbehälter neu aufgegriffen.Kochen in der Kiste, Die Zeit, 5. März 1993Comeback der Kochkiste Behelfsmäßig reicht auch ein Bananenkarton ausgestopft mit Kissen oder einer Wolldecke. Altbewährt ist die Idee, eine flexible Hülle für den Topf zu benutzen, um eine flexiblere Nutzung von verschiedenen Topfgrößen zu ermöglichen. Früher hat man den Topf einfach ins Bett gestellt. Ein „Kochsack“ ist einfacher zwischenzulagern als eine starre Box.Informationen über Kochsäcke und eine Bauanleitung.

Konstruktion Kochkiste Kochkisten gab es entweder als Eigenbau (aus einem Korb, einer Truhe oder einer Kiste, die mit einer Decke ausgelegt und Zeitungspapier, Stroh, Heu, oder ähnlichem ausgestopft wurde) oder auch seit 1900 industriell hergestellt. Als möglicher Erfinder gilt Karl Drais.Hans-Erhard Lessing: Automobilität Karl Drais und die unglaublichen Anfänge. Maxime Verlag, 2003, S. 456 ff.

Moderne Kochkisten haben noch immer den gleichen Aufbau. Dabei werden, neben den oben genannten Materialien, häufig moderne Dämmstoffe zur Isolierung verwendet. Neben expandiertem Polystyrol (EPS, Handelsname Styropor), kommen extrudiertes Polystyrol (XPS, Handelsnamen u. a. Austrotherm XPS, Styrodur®, Swisspor XPS), Polypropylen-Schaum (EPP) oder Melaminharzschaum zur Anwendungtoepfe.org.

Thermotopf mini|Thermotopf aus Finnland Mittlerweile werden im Handel auch Thermotöpfe angeboten. Dabei handelt es sich um Kochtöpfe, für die eine passende Isolierung angefertigt wurde. Eine stabile Isolierung umschließt den Topf, Kisten oder andere Behälter sind dabei nicht nötig.

Kochsack mini|Moderner Kochsack Eine weitere Variante ist der Kochsack. Das Behältnis besteht aus zwei unterschiedlich großen aus Stoff genähten Zylindern. Der Zwischenraum ist mit Dämmmaterial, z. B. Holzwolle gefüllt.Die Kochkiste und der Kochsack, ihre praktische Benutzung und Anfertigung sowie 25 Rezepte. – Potsdam : Stiftungsverlag, (Schriften d. Frauenhülfe ; H. 8).

Siehe auch Isolierkanne Solarkocher Sonnendörrer

Literatur Kurt Versmolt: Die Kochkiste nebst einer reichen Auswahl dazu passender Speisen. S. Schnurpfeil, Leipzig 1900, , Open Library: OL2670556M Kochet in der Kiste! Das Kochbuch für die Kochkiste, aus der Praxis / herausgegeben von einer Landfrau. Verlag von Fr. Bahn, 1904, , Open Library: OL2670604M Luise Holle: Die Kochkiste; ein unentbehrliches Hilfsmittel jeder Küche. H. Hillger, Berlin 1907, Marie Buchmeier: Neues Kochbuch für kleine Haushaltungen. 3 Personen. 809 Originalrezepte. Jungen Hausfrauen und Köchinnen gewidmet. Josef Habbel, Regensburg ca. 1908, mit einer kleinen Abhandlung zur Kochkiste. Ida Schuppli, Betty Hinterer: Grabnerhof-Kochbuch – Mit besonderer Berücksichtigung der Kochkiste – Zum Gebrauche für Hausfrauen des Mittelstandes. Wien 1913.

Ursula Bremm-Gerhards: Chancen solarer Kochkisten als angepasste Technologie in Entwicklungsländern, Fort Lauderdale – Breitenbach, Saarbrücken 1991, ISBN 3-88156-521-3.

Einzelnachweise

Weblinks

Umweltberatung.at - Anleitung zum Bau einer Kochkiste, Garzeiten, Hinweise und Rezepte Fotodokumentation zum Bau einer Kochkiste Bauanleitung, Rezepte und Hinweise, 1918, Ida Bock Anleitung für einen Kochsack mit Korkisolierung ecoact(PDF, 2 Seiten; 18,8 MB) Informationen und Nähanleitung Kochsäcke Kategorie:Gargerät Kategorie:Kochen Kategorie:Energieeinsparung Kategorie:Geschichte (Essen und Trinken) Kategorie:Sozialgeschichte Kategorie:Geschichte der Wärmetechnik Kategorie:Geschichte des Mobiliars