mini|Mauerporträt East Side Gallery (1990) Sozialistischer Bruderkuss von Leonid Breschnew und Erich Honecker Die Außenpolitik der DDR war von ihrer engen Anlehnung an den Ostblock geprägt. Wichtigster außenpolitischer Partner war Zeit ihres Bestehens die Sowjetunion (UdSSR), die als Schutzmacht und wichtigster Handels- und Wirtschaftspartner fungierte, weshalb die DDR auch als Satellitenstaat bezeichnet wurde. Über Organisationen wie den Warschauer Pakt und den Rat für gegenseitige Wirtschaftshilfe blieb die DDR eng an die anderen realsozialistischen Staaten angebunden. War die DDR in den ersten zwei Jahrzehnten durch die Hallstein-Doktrin der Bundesrepublik Deutschland außerhalb der kommunistischen Welt noch relativ isoliert gewesen, erfolgte mit der Annäherung an die Bundesrepublik unter der neuen Ostpolitik von Bundeskanzler Willy Brandt in den 1970er-Jahren eine Wende in den DDR-Außenbeziehungen.

Infolgedessen konnte die DDR an internationalem Status gewinnen und diplomatische Beziehungen zu knapp 130 Ländern etablieren. Während die marxistisch-leninistische Staatsideologie eine große Rolle in der nach außen gerichteten Politik und Rhetorik der DDR-Staatsführung spielte (was auch in der engen Anlehnung an die sozialistischen Bruderstaaten und die Unterstützung antiwestlicher Rebellenbewegungen in der Dritten Welt zum Ausdruck kam), wurde diese allerdings auch von den eigenen ökonomischen und politischen Interessen beeinflusst.

Ab den 1970er Jahren emanzipierte sich die DDR zunehmend von der Sowjetunion und verfolgte eine eigenständige Deutschlandpolitik, da Kredite aus dem Westen für die DDR überlebenswichtig wurden. In den 1980er Jahren weigerte sich Erich Honecker Reformen durchzuführen, was die DDR von der UdSSR unter Michail Gorbatschow entfremdete. Nach den Revolutionen im Jahr 1989 kam es schließlich zum Zusammenbruch des Ostblocks und der Wiedervereinigung Deutschlands, womit die Periode einer eigenständigen ostdeutschen Außenpolitik endete.

Grundlagen der Außenpolitik Aufgrund der großen Abhängigkeit von der Sowjetunion war die Souveränität der DDR beschränkt und diese in ihrem Handelsspielraum stark eingeschränkt. Im Rahmen der Breschnew-Doktrin behielt sich die Sowjetunion vor, in ihrem Einflussbereich zu intervenieren, sollte von der von ihr vorgegebenen Linie zu stark abgewichen werden. So intervenierte sie in Ungarn 1956 und der Tschechoslowakei 1968 militärisch, als sie ihre Interessen bedroht sah. Diese Doktrin wurde erst unter Gorbatschow in den 1980er Jahren aufgeben.

Die DDR-Außenpolitik orientierte sich an den Grundsätzen des Marxismus-Leninismus. Oberstes ideologisches Primat war die internationale Solidarität mit anderen sozialistischen Staaten und Bewegungen. Entsprechend wurde politisch zwischen den Beziehungen zu anderen sozialistischen Staaten, denen mit den westlichen kapitalistischen Staaten und zu den blockfreien Staaten („Dritte Welt“) unterschieden. Entsprechend der Staatsideologie hatte die Außenpolitik dem weltweiten Aufbau des Sozialismus und der Verwirklichung der Weltrevolution zu dienen. Zur Umsetzung dieser Ziele wurde eng mit den befreundeten Staaten des „sozialistischen Weltsystems“ kooperiert. Zur Errichtung einer weltweiten „klassenlosen Gesellschaft“ wurden friedliche und subversive Methoden verwendet. Zu den friedlichen Methoden zählte die Finanzierung von kommunistischen Parteien im Ausland sowie die technische und wirtschaftliche Unterstützung für befreundete Staaten. Zu den subversiven Methoden gehörte die politische und militärische Unterstützung für bewaffnete Bewegungen und die Spionageaktivitäten des Auslandsnachrichtendienstes Hauptverwaltung A des Ministeriums für Staatssicherheit. Da der mögliche Ausbruch eines Dritten Weltkriegs für die sich direkt an der Grenze zwischen Ost und West befindende DDR eine existenzielle Bedrohung war, versuchte diese eine konstruktive Rolle in internationalen Verhandlungen über Abrüstung und die Wahrung des Weltfriedens einzunehmen. So startete die DDR Abrüstungsinitiativen für Zonen frei von chemischen und nuklearen Waffen in ihrer unmittelbaren Umgebung.

Ein gewisses Spannungsverhältnis bestand zwischen den ideologischen Grundzielen und der Verfolgung eigener Interesse. Insbesondere die Beziehungen zur Bundesrepublik wurden für die DDR-Führungsriege als Frage des Prestige empfunden, weshalb sie versuchte, eigene Akzente in die deutsch-deutschen Beziehungen einzubringen. Es bestanden aber auch handfeste eigene wirtschaftliche Interessen im Verhältnis mit der Bundesrepublik. Deshalb war die DDR in den 1970er und 1980er Jahren auch bereit, die Beziehungen zum sozialistischen Lager zu vernachlässigen, als sie bilaterale Verträge mit der Bundesrepublik gegen den Willen der Sowjets unterzeichnete. mini|Ministerium für Auswärtige Angelegenheiten am Marx-Engels-Platz, 1972

Institutionen und Organe der auswärtigen Politik In ihrer Anfangszeit wurde die DDR-Außenpolitik, insofern sie überhaupt bestand, von der Sowjetunion dominiert. Die Sowjetische Kontrollkommission bestand bis 1955 als Kontrollinstanz. Mit der Erlangung der Souveränität der DDR verblieb noch die sowjetische Botschaft in Ostberlin, die über den KGB die Politik der DDR überwachte und Moskau Bericht erstattete.

Das Ministerium für Auswärtige Angelegenheiten (MfAA) war mit der Durchführung der Außenbeziehungen beauftragt. Eine Rolle in der staatlichen Außenpolitik spielten daneben auch noch das Ministerium für Innerdeutschen Handel, Außenhandel und Materialversorgung und das Ministerium für Nationale Verteidigung (MfNV). Der Staatsrat war für die Unterzeichnung internationaler Verträge zuständig, bis seine außenpolitischen Befugnisse mit der DDR-Verfassung von 1974 zum größten Teil auf den Ministerrat übertragen wurden. Die Entscheidungen über alle außenpolitischen Fragen wurden genau wie in der Innenpolitik von der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands (SED) getroffen, welche als Blockpartei ohne Gewaltenteilung das politische System dominierte. Aufgrund der hohen Bedeutung der Regierungsparteien in den sozialistischen Staaten spielten auch die Beziehungen der SED zu anderen sozialistischen Regierungsparteien eine wichtige Rolle auf der informellen Ebene, neben den „offiziellen“ bilateralen staatlichen Beziehungen. Dies wurde auch als „Ersatzaußenpolitik“ bezeichnet.

Unter der Ägide von Erich Honecker soll es auch zu einer starken Konzentration der außenpolitischen Entscheidungskompetenz auf seine eigene Person gekommen sein. Laut Frank-Joachim Herrmann galt ihm diese als „Herzensangelegenheit“. Er genoss es dabei, sich selbst zu inszenieren.

In der DDR bestanden zahlreiche „Freundschaftsgesellschaften“ zur Pflege der Beziehungen mit einzelnen Staaten, die 1961 zur Dachorganisation Liga für Völkerfreundschaft zusammengeschlossenen wurden. Gerade vor der internationalen Anerkennung der DDR spielten diese Organisationen eine große Rolle. Die DDR betrieb auch extensive Auslandspropaganda,⁣ mit der auf der Parteiebene die ZK-Abteilung für Auslandsinformation, Propaganda und Agitation und auf der Staatsebene das MfAA beauftragt waren. Über den Friedensrat der DDR übte die DDR auch Einfluss auf den kommunistisch unterwanderten Weltfriedensrat und die weltweite Friedensbewegung aus. Über zwischengesellschaftliche Organisationen und ihren Geheimdienst unterhielt die DDR Kontakte zur Kommunistischen Partei Deutschlands (KPD) bis zum KPD-Verbot 1956 und auch zur westdeutschen Studentenbewegung. Sie versuchte auch die Regierungsebene der Bundesrepublik zu infiltrieren, so führte die Enttarnung des DDR-Spions Günter Guillaume in der Guillaume-Affäre 1974 zum Sturz der Brandt-Regierung.

Geschichte

Vorgeschichte (1945–1949) Die DDR entstand aus der sowjetischen Besatzungszone als Folge der Deutschen Teilung nach dem Zweiten Weltkrieg, als die Sowjetunion begann, ihr eigenes System in der besetzten Zone Deutschlands aufzubauen. Josef Stalin beauftragte dafür den deutschen Exilkommunisten Walter Ulbricht und seine Gruppe Ulbricht, neue staatliche Strukturen aufzubauen. Infolgedessen überwachten die Sowjets 1946 auch den Zusammenschluss der SPD mit der KPD zur neuen sozialistischen Einheitspartei SED. Nachdem dieser vollzogen war, führte Ulbricht im Auftrag Stalins parteiinterne Säuberungen gegen die vorhandenen Überreste der Sozialdemokratie durch, womit er von den Sowjets mit der Rolle als führender Politiker in der 1949 ausgerufenen Deutschen Demokratischen Republik belohnt wurde, nachdem eine Ost-West-Verständigung gescheitert war und der Kalte Krieg begonnen hatte.

Frühe Jahre der DDR (1949–1961) mini|Mao, Bulganin, Stalin, Ulbricht und Tsedenbal 1949 Nach ihrer Gründung blieb die DDR durch den Beitritt zum Rat für gegenseitige Wirtschaftshilfe eng an die Sowjetunion angebunden und fungierte zuerst noch als Verhandlungsmasse für eine mögliche Neutralität eines vereinigten Deutschlands. 1952 lehnten der westdeutsche Bundeskanzler Konrad Adenauer und die Westmächte die in den Stalin-Noten gemachten Angebote für eine Wiedervereinigung Deutschlands ab, da der Westen Stalin misstraute. Infolgedessen verstärkte die DDR ihren sozialistischen Aufbau und der Aufstand vom 17. Juni 1953 wurde von sowjetischen Streitkräften niedergeschlagen. Am 25. März 1954 erklärte die Sowjetregierung die Anerkennung der Souveränität der DDR, welche von nun an „nach eigenem Ermessen über ihre inneren und äußeren Angelegenheiten“ entscheiden sollte, dabei aber über den 1955 gegründeten Warschauer Pakt eng an den Ostblock gebunden blieb. Dieser schränkte die außenpolitische Souveränität seiner Mitglieder ein und band die DDR militärisch und sicherheitspolitisch an die Sowjets. Die Bundesrepublik verabschiedete 1955 die Hallstein-Doktrin, die diplomatische Beziehungen anderer Staaten mit der DDR als „unfreundlichen Akt“ einstuften und mit dem Abbruch diplomatischer Kontakte sanktionierte. Die Bundesrepublik wollte so eine internationale Anerkennung von zwei deutschen Staaten vermeiden. Infolge blieben die diplomatischen Kontakte der DDR auf die sozialistischen Staaten und einige Länder der dritten Welt beschränkt, da die meisten Länder den Beziehungen zur Bundesrepublik den Vorrang einräumten. Erfolge für die DDR stellten die Aufnahme diplomatischer Beziehungen zu Jugoslawien (1957), der von Seiten der Bundesrepublik als Reaktion zum Abbruch der Beziehungen mit Jugoslawien führte, und eine verstärkte wirtschaftliche Kooperation mit Staaten der dritten Welt dar. Die untergeordnete Rolle der DDR gegenüber den Sowjets während der Berlin-Krise (1958) und bei der von Nikita Chruschtschow angeordneten Absperrung der innerdeutschen Grenze (1961) demonstrierte die anhaltende Dominanz der Sowjetunion über die DDR-Außenbeziehungen dieser Zeit.

Professionalisierung der Außenpolitik und Bemühung um internationale Anerkennung (1962–1968) mini|Staaten, die die DDR bis 1970 anerkannten