mini|Alte Ansicht von Weiden (Merian)

Die Geschichte der Stadt Weiden in der Oberpfalz reicht von der Entstehung als kleine Siedlung etwa um das Jahr 1150 und ihrer erstmaligen urkundlichen Erwähnung im Jahr 1247 über den Verlust an Bedeutung nach der mittelalterlichen Blütezeit im 15. Jahrhundert durch die Zerstörung des Dreißigjährigen Krieges und den Aufstieg als Industriestadt bedingt durch den Eisenbahnbau im 19. Jahrhundert bis in die Zeit des Nationalsozialismus und in die Gegenwart. Überblick

1150: Vermutete Entstehung einer kleinen Siedlung entlang einer Handelsstraße 1241: Erste urkundliche Erwähnung Um 1300: Die Gründungsstadt entsteht als planmäßige Stadterweiterung 1329: Mit dem Hausvertrag von Pavia wird die Oberpfalz (und damit Weiden) den Wittelsbachern zugewiesen. 1347: Urkunde von Karl IV überliefert, dass Weiden befestigt werden soll. 1382: Erbauung des Spitals 1383: Weiden wird als „des Reiches Stadt“ bezeichnet und ist 1397 am Reichstag vertreten. 1397: Erwähnung einer städtischen Währung 1427: Weiden dient als Lagerort und Treffpunkt für Abgesandte des Reichsheeres zur Beratung über die Hussiten 1482: Weiden wird zur eigenständigen Pfarrei erhoben und das bisher eigenständige Neunkirchen wird zur Filiale. 1522: Die "neue Lehre" (Reformation) wird erstmals in Weiden gepredigt. 1536: Erster großer Stadtbrand 1540: Zweiter großer Stadtbrand 1542: Reformation führt dazu, dass die katholische Bevölkerung die Stadt verlassen muss. 1585–1593: Weiden wird durch Pfalzgraf Friedrich von Parkstein kurzzeitig Residenzstadt. 1627: Rekatholisierung bedingt durch die Gegenreformation 1663: Simultaneum wird eingeführt. Die Kirche St. Michael bleibt bis 1899 Simultankirche Ab 1714: Weiden gehört zum Herzogtum Pfalz-Sulzbach. 1863: Anschluss Weidens an das Eisenbahnnetz 1919: Weiden wird zur kreisfreien Stadt erhoben 1994: Mit der Gründung der Ostbayerische Technische Hochschule Amberg-Weiden wird Weiden Hochschulstadt Entstehung und Stadtgründung Namensherkunft Der Name der Stadt leitet sich entweder von dem Vorkommen des Weidenbaumes (althochdeutsch wida, mittelniederdeutsch wide) oder von einem „Ort zum Weiden, Futter suchen“ (althochdeutsch weida, mittelhochdeutsch weitha) ab und bedeutet „Platz bei den Weiden oder Platz zum Weiden“.Friedrich Kluge: Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache. 19. Auflage. Walter de Gruyter Verlag, Berlin 1963, S. 848.

Entstehung Über die Entstehung von Weiden ist sehr wenig bekannt. Fest steht jedoch, dass Weiden bereits vor der Ersterwähnung 1241 entstanden ist. Es wird davon ausgegangen, dass bereits um das Jahr 1000 Ansiedlungen in der Waldnaabaue bestanden. Es entstanden zwei Burgen. Die Westburg nahe dem Übergang über den Weidingbach und danach die Ostburg beim Übergang über die Waldnaab. Beide waren wahrscheinlich mit Palisaden befestigte Ansiedelungen, die von einem Wall umgeben waren. An der Stelle der Westburg entstand später das Weidener Schloss. Dieses bestand noch bis Ende des 15. Jahrhunderts. Zudem kam es hier zu Ansiedlungen außerhalb des Burgwalls. Diese befanden sich an der Stelle des heutigen Pfarrwinkels. Somit bilden diese den ältesten Kern Weidens. Gebäude aus dieser Zeit sind aber nicht mehr erhalten.

Südlich des ältesten Kerns entstand eine kleine Marktanlage. Die Form dieser Siedlung ist weitestgehend quadratisch. In der Mitte dieser ist ein Platz, auf den viele Häuser ausgerichtet sind. Besonders auffällig ist das Haus, welches in dessen Mitte steht. Es wird oft als Vorgänger des Alten Rathauses gedeutet. Der Grundriss weist auf eine Gründung der Hohenstaufen hin. Da die Gründung einer Marktanlage Königliches Vorrecht war, scheidet der Sulzbacher Graf Gebhart aus. Indem Kaiser Barbarossa Floß, Parkstein erworben und letzteres gegründet hatte, wollte die Region als Brückenpfeiler zwischen den Reichsländern Nürnberg und Eger ausbauen. Weil er für Markt- und Städtegründungen bekannt ist, wird vermutet, dass er die Marktanlage 1189 gegründet hat.

Ersterwähnung Die Ersterwähnung Weidens fand im Jahr 1241 statt. Die Urkunde von König Konrad IV. wurde in Weiden ausgestellt. Weiden ist in dieser mit der Formulierung „Datum apud Weiden XVI July (indictione) XIIII“ genannt. Somit handelt es sich nicht um eine Gründungsurkunde des Ortes, sondern lediglich um eine Urkunde, die in Weiden ausgestellt wurde. Das Original ist verschollen. Jedoch bewahrt das Kloster Speinshart eine Abschrift aus dem 18. Jahrhundert auf.

Stadtgründung Da in Weiden keine Gründungsurkunde vorliegt, kann die eigentliche Stadtgründung nicht sicher datiert werden. Da sich bei der Gründungsstadt die Bedeutung des Ortes vergrößert hat, müsste er nun einen anderen Titel tragen. Das Nürnberger Salbüchlein, etwa von 1300, verwendet erstmals den Begriff „Stadt“. Durch weitere Forschung geht man davon aus, dass die Gründungsstadt etwa um 1296 entstanden ist. Es wird davon ausgegangen, dass diese Planungstadt von der damaligen Reichsstadt Nürnberg erfolgt ist.

14. bis 15. Jahrhundert Dieser Zeitraum stellt die Blüte Weidens im Mittelalter dar. Zu Beginn des 14. Jahrhunderts ist Weiden erst seit weniger Zeit mit der Planungsstadt zu einer Stadt herangewachsen. Die Stadt befand sich auf Reichsland und hatte einige Privilegien, welche auch Reichsstädte hatten. Als solche wurde sie dreimal erwähnt. Obwohl auch Gesandte aus Weiden am Reichstag 1397 anwesend waren, wird sie keine große Rolle gespielt haben und somit dem Charakter einer Reichsstadt wohl nicht entsprochen haben. Mittelalterliche Stadtmauer (ab 1300) Aus dem Jahr 1347 ist aus einer Urkunde von Karl IV überliefert, dass die Stadt Weiden befestigt werden sollte. Spätestens zu diesem Zeitpunkt, als die Gründungsstadt schon 50 Jahre bestand, bekam Weiden seine erste Mauer. Anfangs war dies eine 1,8 Meter breite Mauer ohne Vorbauten. Diese hatte vier Tore. Vermutlich durch die Hussitenkriege veranlasst, wurde diese Befestigung durch eine Zwingermauer verstärkt. Diese war kaum halb so hoch wie die große Stadtmauer. Nun entstanden an den vier Ecken der Stadt große Wehrtürme. Zwei davon dienten zusätzlich als Durchlauf für den Stadtbach. Zusammen mit den Toren entstanden daraus acht Abschnitte. Zum weiteren Schutz der Stadt wurde im 15. Jahrhundert an der westlichen Seite der Stadt ein Graben gezogen, welcher wahrscheinlich mit Wasser gefüllt war. Dieses kam von der Naab und vom Stadtbach.

Untere Vorstadt (Lederer Vorstadt) Im Jahr 1416 bekam Weiden zahlreiche neue Privilegien. Mit diesen entstand auch die erste Vorstadt. Diese wurde in einer Urkunde nach der wahrscheinlich 1357 zerstörten Burg mit dem Namen Burgstall benannt. Sie bestand aus zwölf Häusern, die sich beidseitig einer Straße anreihten. Heute ist von dieser nichts mehr erhalten, da sie im Dreißigjährigen Krieg zerstört wurde.

16. bis 18. Jahrhundert mini|Stadtbefestigung um 1600

Stadtbrände Weiden wurde im 16. Jahrhundert von zwei Stadtbränden zerstört. Der erste, welcher 1536 war, ließ nur sieben Häuser in der Stadt übrig. Mitten im Wiederaufbau kam es 1540 jedoch bereits zum zweiten Stadtbrand. Er vernichtete mehr als die halbe Stadt und das Spital. Nach zwei Stadtbränden fehlte vielen Bürgern das Geld, welches sie für den erneuten Wiederaufbau benötigten. Die nach dem Stadtbrand im Stil der Renaissance aufgebaute Stadt prägt bis heute das Stadtbild. Jedoch veranlassten die Stadtbrände somit, dass fast keine mittelalterliche Bausubstanz vorhanden ist.

Stadterweiterung Auch nach den Stadtbränden wuchs die Stadt noch. Mitte des 16. Jahrhunderts war sie groß genug, dass sie neuen Platz brauchte. So wurde der bisherige Plankenzaun durch eine Vorstadtmauer ersetzt. Neben der seit 1416 bestehenden Lederervorstadt entstanden nun die Nikolaus- und die Siechenvorstadt. Im Jahr 1575 war die äußere Stadtmauer komplett vollendet. Dreißigjähriger Krieg mini|Stadtansicht aus dem Dreißigjährigen Krieg Mit dem Dreißigjährigen Krieg verlor Weiden seine Bedeutung. Zwischen 1634 und 1635 und wiederum von 1648 bis 1650 war Weiden von schwedischen Truppen besetzt, zuletzt unter dem Heerführer Königsmarck. Außerdem litt die Bevölkerung unter der Pest, welche viele sterben ließ. Von diesen Rückschlägen erholte sich die Stadt erst am Ende des 18. Jahrhunderts. Im Dreißigjährigen Krieg wurden bei einer Belagerung durch Schweden alle Vorstädte abgebrannt und nachher zerstört. Dadurch konnten Schanzen mit freiem Schussfeld errichtet werden. So bekam die Stadt 1634 und 1641 neue Schanzen. Diese wurden im 18. Jahrhundert zerstört und überbaut.

19. Jahrhundert – Industrialisierung Frühes 19. Jahrhundert Ohne die Existenz einer Eisenbahn konnte die Wirtschaft nicht wachsen. So veränderte sich im frühen 19. Jahrhundert nicht viel. Die Stadt hatte etwa gleich viele Einwohner, wie sie im Spätmittelalter hatte.

Bahnanschluss Am 6. Oktober 1856 schrieb der Magistrat einen Brief an den König, in welchem er ihn bat, die Eisenbahn in die Nordoberpfalz zu bringen. Er forderte den Bau einer Eisenbahnstrecke, welche Böhmen mit der Oberpfalz verbinden und über Weiden laufen sollte.

1856 wurde ein Plan aufgeworfen, eine Eisenbahnstrecke von Amberg nach Bayreuth sowie von Amberg über Schwarzenfeld und Waidhaus nach Pilsen zu bauen.

Im Dezember 1860 entschied sich der bayrische Landtag für den Bau einer Eisenbahnstrecke von Schwandorf über Weiden nach Bayreuth. Diese Streckenführung war nur durch viele Bitten der Stadt Weiden und die Unterstützung des Ministers Gustav von Schlör möglich.

Der königliche Landrichter schrieb am 10. März 1861 an die Stadt Weiden, dass ein Bau des Bahnhofs nur außerhalb der Stadt an der Regensburger Straße möglich ist. Er erklärte, dass bei einem Bahnhof in der Stadt kein großer Verkehr zu erwarten sei, da dorthin bereits aus allen Teilen der Stadt Wege hinführen. Dieser Brief regte eine heftige Diskussion in der Bevölkerung an, ob der Bahnhof nun im Stadtteil Scheibe oder außerhalb der Stadt gebaut werden sollte.

Schließlich nahm die Direktion der bayrischen Ostbahn auf das Thema Bezug. Sie erklärte, dass es für den Bau der Bahnstrecke Schwandorf-Weiden-Bayreuth nicht möglich ist, einen Bahnhof in West-Ost-Ausrichtung zu bauen, da die Strecke von Süden nach Norden verläuft. Am 26. September 1861 erklärte auch Gustav von Schlör der Stadt, dass ein Bahnhof im Stadtteil Scheibe nicht möglich ist, weil hierfür ein Kopfbahnhof errichtet werden müsste.

Am 26. März 1862 machte der Weidner Magistrat den Vorschlag, den Bahnhof bei der Rehmühle zu errichten. Einen Monat später wurde der Vorschlag von der Regierung jedoch zurückgewiesen.

Bei Baubeginn wehrten sich einige Bürger zuerst, ihren Grund herzugeben. Im Herbst 1862 begann der Gleisbau an der Bahnstrecke.

mini|Ansichtskarte 1918 Am 1. Oktober 1863 fuhr der erste Personenzug in Weiden ein und zwei Monate später erreichte er auch Bayreuth. Am 15. August 1864 wurde die Strecke bis Mitterteich, am 1. Oktober 1865 bis Eger weitergeführt, worauf auch der Anschluss nach Oberkotzau über Asch folgte. Das nächste Problem war der Streckenbau von Weiden nach Nürnberg und Amberg über Vilseck und Neunkirchen bei Sulzbach. Erst zehn Jahre später wurde diese Strecke errichtet, obwohl sie Gustav von Schlör schon Anfang der 1860er Jahre gefordert hatte. Inzwischen wurde in der Nordoberpfalz 1872 die Strecke Wiesau–Tirschenreuth in Betrieb genommen, während die Verbindung mit Vohenstrauß erst 1896 anlief und 1900 bis Eslarn fortgesetzt wurde. Zur Weiterführung von Waidhaus nach Pilsen kam es nicht mehr, obwohl dies schon 1871 zur Erörterung stand. Zu den letzten Entschließungen zählten die Strecke von Pressath nach Kirchenthumbach und von Reuth nach Erbendorf. Alle der damals gebauten Stichstrecken sind heute stillgelegt.

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