mini|George Herbert, 5. Earl of Carnarvon (Lord Carnarvon)

George Edward Stanhope Molyneux Herbert, 5. Earl of Carnarvon (* 26. Juni 1866 in Highclere Castle,Highclere Castle Auf: highclerecastle.co.uk; zuletzt abgerufen am 5. November 2022. Hampshire; † 5. April 1923 in Kairo), für gewöhnlich einfach als Lord Carnarvon bezeichnet, war ein britischer Aristokrat, der vor allem als Finanzier für die Ausgrabung des altägyptischen Grabes von Pharao Tutanchamun im Tal der Könige bekannt wurde.

Kindheit und Schule George Herbert gehörte der anglo-walisischen Dynastie Herbert an und konnte seine Ahnenreihe bis auf König Eduard III. und Heinrich VII. zurückverfolgen. Als einziger Sohn und Erbe (Heir apparent) seines Vaters Henry Herbert, 4. Earl of Carnarvon, neben drei Schwestern, führte er den Höflichkeitstitel Lord Porchester und wurde in der Familie „Porchy“ genannt. Seine Mutter, Lady Evelyn Stanhope, Tochter von George Stanhope, dem 6. Earl of Chesterfield, starb am 25. Januar 1875, als er acht Jahre alt war. Sein Vater heiratete am 26. Dezember 1878 in zweiter Ehe Elizabeth Catherine Howard. Aus dieser Ehe gingen zwei weitere Söhne hervor. Seine Tanten halfen nun bei der Erziehung von „Porchy“ und seine Cousins aus Devon machten ihn mit seiner ersten Leidenschaft, den Pferden, bekannt.

Seine Hauslehrer bezeichneten ihn als faul und er wurde als „zurückgeblieben“ angesehen. Allerdings hat er sich schon als 10-Jähriger mit seiner Mutter und seinen Erziehern auf Französisch unterhalten, und nebenbei beherrschte er Deutsch, die lateinische Grammatik und Grundzüge der griechischen Sprache.

Während seiner Schulzeit am Eton College brach dort eine Masern-Epidemie aus und die Jungen überlebten, indem sie sich gegenseitig mit Wasser aus Kannen überschütteten, um das Fieber zu senken. Er kritisierte in Eton sowohl das Essen als auch den Standard des Unterrichts, jedoch nicht seine Mitschüler. Porchester verabscheute jedoch die Klassik, die in Eton unterrichtet wurde. So erhielt er einige Zeit Privatunterricht. Er verbrachte einige Monate in Embleton bei Dr. Mandell Creighton, dem späteren Bischof von London. Es folgte die Arbeit mit Lehrern in England und Hannover mit dem Ziel, der Armee beizutreten. Jedoch erwachte in ihm plötzlich wissenschaftliches Interesse und er trat 1885 in das Trinity College der University of Cambridge ein. Es ist allerdings nicht ganz geklärt, ob er hier auch wirklich den akademischen Grad erhielt. In Cambridge begann er zudem, französische Drucke und Zeichnungen zu sammeln, besonders von Félicien Rops.

Der junge Abenteurer Während der Ferien lernte er bei der Familienvilla Altachiara (italienisch für Highclere), die 1874 von seinem Vater in Portofino erbaut worden war, das Segeln.Italianpropertyforum: Villa Altachiara in Portofino. Auf: italianpropertyforum.blogspot.com vom 18 June 2010; zuletzt abgerufen am 5. November 2022. Er liebte das Segeln so sehr, dass er 1887, nachdem er Cambridge verlassen hatte, seine erste Reise auf seinem Segelschiff „Aphrodite“ mit einem Kapitän und einer kompletten Mannschaft unternahm. Er plante eine Weltumsegelung. Von Vigo ging es über die Kapverden, Westindies nach Pernambuco und dann in 42 Tagen nach Rio de Janeiro. Auf diesem langen Törn entdeckte er die Lust am Lesen. In Buenos Aires überzeugte ihn Admiral Kennedy, die Umsegelung des Kap Hoorn als zu dieser Jahreszeit selbstmörderisch aufzugeben.

1890 bereiste er Südafrika, Australien und Japan. Bei seiner Rückkehr nach England wurde er mit dem Tod seines Vaters am 28. Juni 1890 konfrontiert, so dass er mit 23 Jahren dessen Adelstitel als 5. Earl of Carnarvon und 5. Baron Porchester erbte.

Auch danach setzte er seine Reisen fort, wobei er seinen Leidenschaften frönte, dem Sport und dem Studium der Geschichte. 1894 charterte er die Yacht „Catarina“ und unternahm mit seinem Freund Prinz Victor Duleep Singh eine zweite Reise nach Südamerika.Howard Carter, Arthur Cruttenden Mace: The discovery of the tomb of Tutankhamen. Cassell, London 1923, Neuauflage: Dover Pubn Inc. 1985, ISBN 978-0-486-23500-4 – Introduction by Winifred Anne Henrietta Christine Herbert Gardner Burghclere, einer Schwester des Lords.

Das Erbe „Bretby Hall“ Da sein Onkel 1871 und seine Mutter 1875 verstorben waren, erbte Lord Porchester als einziger männlicher Nachfahre nach dem Tod seiner Großmutter, Anne Elizabeth, Dowager Countess of Chesterfield, 1885 den Familiensitz der Chesterfields, Bretby Hall, in Derbyshire. Sein Großvater, der 6. Earl of Chesterfield, hatte hier 1840 ein Gestüt für Rennpferde eingerichtet, ebenso wie eine kleine Galopprennbahn von 2 Meilen zum Training. (PDF; 1,6 MB)

Carnarvon ließ die alten Ställe und das Brauhaus neben dem Haus abreißen und neue gegenüber der Gartenmauer errichten. Er ließ ein Nebengleis von der Burton-Leicester Eisenbahnlinie bis zur Wurft von Stanhope Bretby legen und einen Bahnsteig bauen. Gäste fuhren bis hier mit dem Zug und weiter mit Pferd und Kutsche nach Bretby Hall. Der riesige Park war voller Wild, so dass alljährlich zur Jagd eingeladen wurde. Lord und Lady Carnarvon erschienen regelmäßig zur Jagdsaison, lebten jedoch in Highclere.

Während des Ersten Weltkriegs begann der 5. Earl Carnarvon damit, Bretby aufzulösen. 1916 wurde das Wild abgeschossen, das zur Ernährung benötigt wurde, und auch viele der wertvollen Bäume im Park wurden gefällt. 1918 ließ er Einrichtungsgegenstände auf der Auktion von Christie’s unter „Bretby Erbstücke“ versteigern.Christie’s mit Hinweis auf Versteigerung 1918 Auf: christies.com; zuletzt abgerufen am 5. November 2022.

Schließlich verkaufte er den Besitz 1920 an J. D. Wragg, einen Industriellen der Umgebung. Es wurde vermutet, dass der Lord mit dem Verkauf von Bretby Hall Howard Carters Ausgrabungen finanzieren wollte.

Heirat mini|hochkant|Almina, Countess of Carnarvon (1902)

Als er von seiner zweiten Südamerika-Reise zurückkehrte, heiratete er am 26. Juni 1895 – an seinem 29. Geburtstag – Almina Victoria Maria Alexandra Wombwell in der Margaret’s Church in Westminster. Almina war die uneheliche Tochter von Alfred de Rothschild (1842–1918), einem Sohn von Lionel de Rothschild. Die Mitgift betrug die Summe von einer halben Million Pfund und ermöglichte Carnarvon eine aufwendige Lebensführung. Almina gebar Herbert am 7. November 1898 den gewünschten Erben, Henry, sowie eine Tochter Evelyn, geboren am 15. August 1901, die spätere Reisebegleiterin ihres Vaters und, wenn er krank war, seine Pflegerin. Nach Alfred Rothschilds Tod 1918 wurde Lady Carnarvon dessen Alleinerbin. Abgerufen am 23. November 2015.

Die nächsten acht bis zehn Jahre führten sie das unbeschwerte Leben der upper class. So verbrachten sie die Jagdsaison in Brenton Hall und die Opernsaison in London. Er liebte seine Kinder und war ihnen ein guter Vater. Es gab aber immer wieder plötzliche Reisen nach Paris, Istanbul, Schweden, Italien und Berlin. Er war Kunstsammler und hatte sich eine Sammlung seltener (illuminierter) Bücher zugelegt.

Der Autounfall 1901 und seine Folgen Das dritte in England zugelassene Auto gehörte Herbert. Der Lord besaß bereits ein Auto in Frankreich, wo es sie früher zu kaufen gab als in England. Er fuhr gern selbst und er fuhr gern schnell. So auch 1901 auf der Bäderstraße oberhalb von HeimbachBericht der hessenschau vom 30. April 2011. bei Langenschwalbach in Hessen, wo ihn seine Frau erwartete. Als hinter einer Hügelkuppe ein Ochsenkarren seinen Weg kreuzte, wich Herbert zur Seite aus und überschlug sich. Er wurde so schwer verletzt, dass Trotman, sein Chauffeur auf dem Beifahrersitz, der aus dem Auto geschleudert wurde, ihn wiederbeleben musste. Er hatte eine schwere Gehirnerschütterung, seine Beine waren verbrannt, das Handgelenk gebrochen, zeitweilig war er blind und der Gaumen sowie sein Kiefer waren verletzt. Seine Frau sorgte umgehend für die beste ärztliche Versorgung, jedoch hatte er für den Rest seines Lebens unter sich ständig wiederholenden Operationen und gefährlichen Krankheiten zu leiden.

Er versuchte, sich seine Beschwerden nicht anmerken zu lassen. Wenn quälende Kopfschmerzen ihm das Schießen unmöglich machten, wechselte er zum Golfspielen, wo er ein Scratchspieler wurde. Als die Kraft für Golf nicht mehr reichte, wandte er sich der Fotografie zu, wo er in kurzer Zeit ein Meister wurde. 1916 wurde er zum Präsidenten des Camera Club gewählt.

1902 richtete Herbert auf Highclere ein Gestüt ein, um Rennpferde zu züchten. 1905 wurde er zu einem der „High Stewards“ auf der neuen Rennbahn in Newbury ernannt. Seitdem ist die Familie mit Newbury verbunden und sein Enkel, Henry Herbert, 7. Earl of Carnarvon, war 1969 noch Rennleiter von Königin Elisabeth II.The Earl of Carnarvon. Nachruf im Independent. vom 15. September 2001.

Während des Ersten Weltkrieges – Herbert war untauglich – wurde er zum Hauptquartier des Royal Flying Corps gerufen, um dort in drei Tagen über Luftaufnahmen zu unterrichten. Seine schwere Mund- und Kieferverletzung sprach in seinen Augen dagegen, wie sein Vater in die Politik zu gehen und vor der Öffentlichkeit Reden zu halten, ebenso wie seine häufigen Krankheiten. Er hatte sich schon immer für mechanische Erfindungen interessiert, und so ist es nicht verwunderlich, dass Captain Geoffrey de Havilland auf Herberts Grundstück in Beacon Hill das erste Flugzeug konstruierte, das dann zur D.H. 9 weiterentwickelt und zu einem der Haupt-Kampfflugzeuge während des Krieges wurde.

Zusammenarbeit Carnarvon und Howard Carter miniatur|hochkant|Panorama-Blick über das Tal von Deir-el-Bahari (1910). Deutlich zu sehen die neunzehn Stätten, die in diesem Teil der Nekropole in den Jahren 1909 und 1910 untersucht wurden. A Gelände des „Taltempels“ B und C Korridore (Dromos) mit Abladehalden miniatur|hochkant|Grab des Tetiky (XVIII. Dynastie). Oben: rechte Wand, unten: linke Wand der bemalten Nischen

Aufgrund seines schlechten Gesundheitszustands verbrachte Lord Carnarvon die Wintermonate gerne in Ägypten. Hier fand er alsbald Interesse an der Archäologie. Da ihm die nötigen Fachkenntnisse fehlten, war er auf der Suche nach einem Grabungsleiter. Der Direktor der ägyptischen Altertümerverwaltung in Kairo, Gaston Maspero, empfahl ihm für diese Aufgabe Howard Carter. Im Jahr 1907 begann ihre Zusammenarbeit.

In der Nekropole des Tals von Deir el-Bahari liegen die neunzehn Orte, die in den Jahren 1909 und 1910 von beiden gemeinsam untersucht wurden. Es war ihnen ein besonderes Anliegen und viele Versuche wert, dort ein verstecktes Grab zu entdecken. Carnarvon schreibt: „Meine Aufmerksamkeit war auf den Teil der Nekropole gerichtet, der zwischen dem Dromos, der nach Der el Bahari führt, und der großen Schlucht, die zum Tal der Könige führt.“ Diese drei Orte waren: ein Punkt einige Meter nördlich von der Moschee des Dorfes, wo – den Einheimischen zufolge – ein verstecktes Grab liegt die Birabi (Grabgewölbe), nahe der Wüste, zwischen den Hügeln von Drah abu el Nagga und den bebauten Feldern und angrenzend an den Dromos von Hatschepsuts berühmten Terrassentempel und der Teil des Friedhofs der XI. Dynastie, der sich entlang des Abhangs an der nördlichen Seite des Der el Bahari-Tals befindet.Carnarvon in Five Years’ Explorations at Thebes, a record of work done 1907-1911. Einleitung