Die Elmalı Ovası, das Becken von Elmalı, liegt im Südwesten der Türkei im westlichen Ausläufer des Taurusgebirges in der Provinz Antalya. Sie ist innerhalb der Kurve von Isparta eine typische Schwemmlandebene und Polje-Senke im Hochland auf der Teke-Halbinsel und stammt in ihrer vorliegenden Form aus dem Holozän. Die Koordinaten der Nordost-Südwest verlaufenden intramontanen Senke sind in Süd-Nord-Richtung 36°32' – 36°54' N und in West-Ost-Richtung 29°40' – 30°05' E. Die Elmalı Ovası deckt sich in etwa mit dem Kreis İlçe Elmalı und der Gemeinde Gömbe (Kreis İlçe Kaş) in der Provinz İl Antalya. Die antike Bezeichnung war Milyas.

Lage und Gliederung links|mini|400x400px|Die Kartenskizze zeigt die rezente geographische Situation der Elmalı Ovası mit historischen Zusatz-Informationen.

So beschrieb Carl Ritter Mitte des 19. Jh. die Situation der Elmalı Ovası anhand der Berichte europäischer Reisender. Die Elmalı Ovası liegt in einem Gebiet, das in der Antike als Nordlykien bezeichnet wurde. Es handelt sich um eine typische Schwemmlandsenke in einer Höhe von etwas über 1000 Metern in einer Übergangszone zwischen der Küste Lykiens und dem südwestlichen Kamm des zentralanatolischen Hochlandes. In der Antike wurde die historische Landschaft der Elmalı Ovası als Milyas bezeichnet, im engeren Sinne die fruchtbare, durch hohe Berge von den Nachbarregionen getrennte Hochebene von Elmalı im Norden Lykiens. Darüber hinaus wird auch bisweilen das sich im Nordosten anschließende, weite Gebiet des westlichen Pisidien von antiken Geographen Milyas genannt. Der Name der Landschaft Milyas ist darüber hinaus im Stadiasmus Patarensis aus Patara auch für die römische Zeit durch den Landschaftshinweis „Μυλιάδος“ (Myliados) im Zusammenhang mit den antiken Orten Kodopa, Khoma (auch Choma), Podalia und Akarassos überliefert. In schriftlichen Quellen grenzte die historische Milyas an bzw. hatte Überschneidungen mit den Landschaften Lykien, Phrygien, Pamphylien und Pisidien, und es gibt Einschätzungen, dass das in hethitischen Keilschrifttafeln erwähnte Land Lukka auch die Elmalı-Ebene umfasste.

links|mini|Blick über Teile der Elmalı Ovası bei Elmalı auf die westliche Kette der Bey Dağları. mini|Die Elmalı Ovası wurde durch Drainage- und Bewässerungssysteme seit Ende der 1990er Jahre hochproduktiv gemacht. Die Ebene hat eine Südwest-Nordost-Ausrichtung zwischen den hufeisenförmigen Bergmassiven des Ak Dağ (auch Akdağ, Ak Dağlar) im Westen und der Bey Dağları (auch Beydağları) im Osten und bildet eine der Hauptverbindungen zwischen der ökologisch besonderen Region der südwestanatolischen Küstenregion des antiken Lykien zwischen Finike und Fethiye und dem nördlich gelegenen Hochland, dem antiken Zentral- und Nordlykien. Die Hochlandebene wurde durch Drainage- und Bewässerungs-Systeme hochproduktiv gemacht und eignet sich klimatisch für das Wachstum einer Vielzahl landwirtschaftlicher Produkte. Die Stadt Elmalı als größte Siedlung in der intramontanen Senke und Zentrum des gleichnamigen Landkreises bietet mit dem größten regionalen Markt eine Absatzmöglichkeiten für landwirtschaftliche Produkte aus dem Hinterland. Weitere größere Orte in der Ebene sind Yuva (2125 Ew.), Akçay (1309 Ew.) und Gömbe (1260 Ew.). Die Statistik der Volkszählung von 1997 des Devlet Istatistik Enstitüsü in Ankara gibt für die Stadt lediglich 13.202 Bewohner an und für den Kreis Elmalı eine Gesamtbevölkerung von 35.662 Einwohnern.

links|mini|Im Norden der Avlan Ovası erhebt sich der 2505 m hohe Elmalı Dağı über die Elmalı Ovası. Die Elmalı-Ebene liegt auf einer Höhe von 1050 Metern, wobei ihre Fläche nach Osten und Süden leicht abfällt. Dabei liegen die (früheren) Oberflächenniveaus der beiden Seen der Hochebene, Karagöl und Avlan Gölü, auf einer Höhe von 1030 Metern. Das Hochplateau besteht aus zwei großen Poljen, die von Westen her durch den Bergzug des Nohutlu Dağı (1707 m) voneinander getrennt sind. Die größere Polje ist die Elmalı-Polje. Im Nordosten schließt sich die Polje von Müğren (heute Gölova) an, die von Söğle (Soklai) bis Gilevgi reicht. Der südliche Teil der Ebene, die eigentliche Elmalı Ovası, liegt mit ca. 230 km² Fläche auf einer Höhe zwischen 1030 und 1050 m, der Beckenboden selbst nimmt eine Fläche von etwa 180 km² ein. Das Becken wird von folgenden Bergen begrenzt: Im Nordwesten erhebt sich der Elmalı Dağı (2505 m). Im Westen liegen İbisdağ (2604 m), Yumrudağ (2741 m) und Ak Dağ (3024 m, der antike Kragos). Der südliche Rand der Ebene wird vom Susuz Dağı (2465 m) begrenzt, der auf das Massiv der Beydağları trifft (antik: Massikytos), auch bekannt als Östlicher Ak Dağ. Das Beydağları-Massiv hat mehrere Gipfel, der höchste erreicht 3070 m. Östlich der Ebene grenzt der Nohutlu Dağı ebenfalls an die Bey Dağları. Der nördliche Teil der Ebene, das Polje von Müğren (heute Gölova), liegt in Form einer schmalen Talschaft nördlich der Stadt Elmalı und grenzt im Osten an das Beydağları-Massiv. Auch hierbei handelt es sich um eine Polje-Senke aus dem Holozän, die als Gölova oder Gilevgi Polje bekannt ist, benannt nach ihrem größten Ort Gilevgi am nordöstlichen Rand der Ebene. Das Gilevgi-Hochlandbecken liegt 60–70 Meter höher als die Elmalı Ovası.

Verkehrsanbindung links|mini|Die einfachste Verbindung aus der Elmalı Ovası nach Inneranatolien führt über den 1290 m hohen Karamanbeli-Pass mit klassischem Blick auf den 2774 m hohen Eren Tepesi (Bey Dağları). Im Vordergrund erstrecken sich abgeerntete Getreidefelder der Göl Ovası.

Obwohl die Hochebene von Elmalı von einer Reihe von gewaltigen Gebirgszügen umgeben ist, verfügt sie über mehrere Zugänge. Die wichtigsten modernen Verbindungswege, die möglicherweise alle bereits in der Antike existierten, haben sich entlang natürlicher Durchgänge entwickelt. Der von Inneranatolien beste Zugang zur Ebene ist über den 1290 m hohen Karamanbeli-Pass via Gölova-Senke. Diese schmale Karstsenke des Gilevgi-Poljes bietet eine der einfachsten Verbindungen mit der Kreisstadt Korkuteli im Norden sowie mit den Regionen Pisidiens und dem südlichen Rand des anatolischen Hochlandes. Sie war möglicherweise bereits in der Antike der Hauptzugang. Die kürzlich ausgebaute Strecke über Korkuteli nach Antalya im Westen hat zugleich eine gute Verbindung zwischen Elmalı und der türkischen Riviera geschaffen. Eine von Fethiye im Südwesten kommende Anbindung macht rezent immer noch einen Umweg um den Elbis Dağı und den Elmalı Dağı oder erreicht die Elmalı-Ebene ebenfalls über Korkuteli.

mini|Blick vom 1852 m hohen Güğübeli-Pass in die Senke von Mendan (Mendan Ovası). Eine szenenreiche westliche Route verlässt die Elmalı Ovası bei Eskihisar, einem Dorf mit Resten einer antiken, möglicherweise lydischen Siedlung, und passiert das etwas östlich abgelegene Dorf Yörenler. Der Name der Siedlung Yörenler wird auf der Karte von Elmalı aus dem Jahr 1911 noch als Örenler (Wüstung) angegeben, erhielt offenbar diesen Namen vaufgrund der hier gefundenen Ruinen. In der Nähe dieses Dorfes stößt man bei 36°49'26,89" Nord und 29°49'50,70" Ost auf die sogenannten Elmalı-Felsbilder aus 9 Figuren, die in Schabe- und Hacktechnik auf einem Kalksteinblock gezeichnet wurden. Es handelt sich u. a. um eine Jagdszene, die einen speerschwingenden Jäger, fünf Bergziegen, einen Fuchs, einen Hund und ein Sonnenscheibenmotiv. Die historische Zuordnung ist bislang nicht eindeutig geklärt. Die Abbildungen werden u. a. mit einem prähistorischen Nomadismus in Verbindung gebracht. Nordwestlich von Yapraklı (Güğü), einem Dorf mit Ruinen des antiken Orpenna, erreicht die Straße den höchsten Übergang über das Ak Dağ-Massiv am Güğübeli-Pass (auch Göğübeli Gecidi 1852 Meter), führt zur Seki-Senke (Seki Ovası) und weiter südwestwärts nach Fethiye an der Küste. Eine weitere westliche Straße verlässt die Ebene beim Dorf Yuva und windet sich am Elbis Dağı hinauf, trifft auf den Girdev-See und führt ebenfalls hinab in die Seki-Ebene.

links|mini|Blick vom 1548 m hohen Sinekçibeli-Pass nordwestwärts auf das 3024 m hohe Massiv des Ak Dağ. Die südlichste Alternative im Westen verlässt die Ebene zwischen Gömbe und Akçay und erreicht auf 1727 m Höhe ebenfalls die Girdev-Ebene, führt nach Norden um den Girdev-See herum und verbindet sich mit der Route von Yuva und der Seki Ovası. Entlang dieser südwestlichen Route über das Girdev Polje stößt man auf Überreste einer befestigten Siedlung und auf eine Reihe von Sarkophagen mit „Löwendeckeln“. Der Ort wurde von Bean als das antike Elbessus identifiziert. Der Name Elbessus weist Ähnlichkeiten mit dem modernen Namen des Elbis Dağı auf, an dessen Rand der Ort liegt.

Im Süden und Südwesten der Elmalı-Ebene führen zwei weitere wichtigen Passagen zur Küste der Teke-Halbinsel (Teke yarımadası = Ziegenbock-Halbinsel): durch das Ak Dağ-Massiv über Gömbe und den Sinekçibeli-Pass (1548 m) sowie den Karaovabeli-Pass (1490 m) nach Kaş (Antiphellos) und durch die Bey Dağları über den Avlanbeli-Pass (1120 m) sowie der Karamanbeli-Pass (1290 m) vorbei am antiken Arikanda nach Finike. Der von den Beydağları begrenzt östliche Teil der Elmalı Ovası verhindert wegen der Gebirgsbarriere jede feste Verbindung zu benachbarten Regionen im Osten. Dortige Straßen und Fahrwege verbinden die Ebene eher mit höher gelegenen saisonalen Yayla-Siedlungen.

Geologisch-morphologische Aspekte Bei der Elmalı Ovası handelt es sich um ein Polje, ein Karstbecken mit innerer (unterirdischer) Entwässerung, das sich innerhalb der Karsttopographie des Westlichen Taurus (Lykischer Taurus) gebildet hat. Die umrahmenden Gebirgszüge stammen aus dem Mesozoikum und dem Tertiär und wurden durch jüngste tektonische Bewegungen angehoben. Ihre ältesten Formationen sind die mesozoischen Teke-Küstenketten der Elmalı-Ak Dağ-Gebirgsgruppe nördlich von Kaş zwischen Fethiye, dem Unterlauf des Esen Çay (der antike Xanthos) und Finike. Sie bilden die Fortsetzung der weiter östlichen Formationen der Beydağları und Bergbereiche um Korkuteli. Diese älteren mesozoischen und frühtertiären Kalksteinformationen gingen jüngeren tektonischen Decken (Überschiebungsfalten) voraus, denen wiederum eozäne Flyschsedimente folgten. Diese Gebirgsketten des Ak Dağ und der Beydağları verlaufen nicht parallel zu den weitgehend West-Ost gerichteten Hauptgebirgszügen des Taurus-Gebirges, sondern als eine komplizierte orogene Struktur annähernd senkrecht dazu mit einer Nordost-Südwest-Ausrichtung, die als „Kurve von Isparta“ bezeichnet wird.

Hier erstrecken sich zwischen İsparta im Norden, Kumluca und Fethiye im Süden gewaltige Bergmassive aus mesozoischem Kalkstein mit einer Reihe von zwischengeschalteten Karst-Senken (Poljen), die durch Passagen voneinander getrennt sind. Die Elmalı-Ebene bildet den südlichsten Teil dieser Karstsenken. Der südwestliche Part der Ebene hat geologisch gesehen sowohl eine Nordost-Südwest- als auch eine Nordwest-Südost-Ausrichtung, wobei die Ausdehnung in beide Richtungen in etwa 30 km erreicht. Die tatsächliche Breite der Ebene variiert zwischen 2 und 15 km. Diese entgegengesetzten geologischen Ausrichtungen weisen auf Hauptlinien von Falten und Brüchen hin, die bei früheren orogenen Prozessen entstanden. Die umrahmenden Gesteinspakete der Elmalı Ovası bestehen größtenteils aus Kalkstein und Dolomit, aber auch aus Schiefer und Sandstein, die seit dem Miozän über dem Meeresspiegel liegen und der Erosion in wärmeren und feuchteren Klimabedingungen als heute ausgesetzt waren. Vor allem massiver Kalkstein, Dolomit und Schiefer weisen tendenziell eine geringe Wasser-Durchlässigkeit auf. Deshalb erfolgten die meisten Versickerungen des Regenwassers entlang von Brüchen, wobei die Auflösung der Kalke und Dolomitgesteine zu Dolinen, Höhlen und unterirdischen Entwässerungen anstelle von Oberflächenentwässerungen geführt hat, was auf starke Karstaktivität in der Region hinweist.