Bakterien der Gattung Pasteurella sind gramnegative fakultative (also nicht obligate) Anaerobier, die nach dem bekannten Mikrobiologen Louis Pasteur benannt worden sind. Dieser hatte im Jahr 1880 die Spezies Pasteurella multocida als Auslöser der Geflügelcholera entdeckt. Pasteurellen weisen häufig eine hohe Wirtsspezifität auf, das heißt, dass sie sich eng an ihre jeweiligen Wirte angepasst haben. Sie sind, anders als viele andere Bakterien, keine Kommensalen des den Menschen. Das heißt, dass sie anders als zum Beispiel Staphylococcus epidermidis, nicht dauerhaft zur Normalflora des Menschen gehören. Bei Tieren verhält sich dies anders, dort kommen sie als Kommensale aber auch als Pathogene (Krankheitsauslöser) in Mundhöhle und Gastrointestinaltrakt vor.

Morphologie und Eigenschaften Individuen der Gattung Pasteurella erscheinen mikroskopisch als kleine gramnegative Stäbchenbakterien, die unbeweglich sind. Sie sind nicht-sporenbildend und zeigen sich im Grampräparat oft vereinzelt. Sie gedeihen gut bei 37 °C, also bei sogenannter mittlerer Temperatur, weshalb sie als mesophile Organismen bezeichnet werden. Optimal wachsen sie auf Blutagar in Form opaker, 1–2 mm großer, grauer Kolonien. Sie wachsen gelegentlich unter Ausbildung kleiner α-Hämolysen. Weitere wichtige biochemische Ergebnisse sind positive Katalase- und Oxidase-Reaktionen. Vor der weiten Verbreitung von MALDI-TOF in mikrobiologischen Laboren war ein wichtiges diagnostisches Kriterium, dass Pasteurellen, anders als die meisten gramnegativen Stäbchen, in der Regel nicht auf MacConkey-Agar kultiviert werden können. Nichtwachstum auf MacConkey engt die Auswahl möglicher gramnegativer Bakterien stark ein. Wenn hierzu noch eine passende Anamnese existierte (zum Beispiel Tierbiss), konnten Verdachtsdiagnosen gestellt werden. Wichtige Virulenzfaktoren der Gattung stellen u. a. die Ausbildung verschiedener Kapseln dar, sowie LPS (Lipopolysaccharide), Adhäsine, Hyaluronidase und P. multocida-Toxin. Mit diesen Faktoren ist es den Bakterien u. a. möglich an Wirtszellen anzuhaften, in den Wirt einzudringen und der Wirtsabwehr zu entgehen.

Spezies Für die Gattung Pasteurella wurden bisher (Stand im 7. September 2026, Quelle: LPSN) folgende Spezies beschrieben:

Pasteurella aerogenes 1974 Pasteurella bettyae corrig. 1990 Pasteurella caballi et al. 1990 Pasteurella caecimuris et al. 2016 Pasteurella canis et al. 1985 Pasteurella dagmatis et al. 1985 „Pasteurella ellingeri“ et al. 1953 Pasteurella mairii corrig. 1990 Pasteurella multocida corrig. 1939 (Approved Lists 1980) – Typusart Pasteurella oralis et al. 2012 Pasteurella pantherarum et al. 2026 „Pasteurella phocoenarum“ et al. 2002 „Pasteurella piscicida“ 1968 Pasteurella pneumotropica 1950 (Approved Lists 1980) Pasteurella skyensis et al. 2002 Pasteurella stomatis et al. 1985 „"Pasteurella suilla“ 1887 Pasteurella testudinis 1982

Verschiebungen: Pasteurella anatis et al. 1985<br />⇒ Gallibacterium anatis ( et al. 1985) et al. 2003 Pasteurella avium et al. 1985<br />⇒ Haemophilus avium 1977 (Approved Lists 1980) Pasteurella gallinarum et al. 1955<br />⇒ Avibacterium gallinarum ( et al. 1955) et al. 2005 Pasteurella granulomatis et al. 1990<br />⇒ Mannheimia granulomatis ( et al. 1990) et al. 1999 Pasteurella haemolytica corrig. 1932<br />⇒ Mannheimia haemolytica et al. 1999 Pasteurella langaaensis corrig. et al. 1985<br />⇒ Alitibacter langaaensis ( et al. 1985) 2025 Pasteurella lymphangitidis 1990<br />⇒ Yersinia pseudotuberculosis corrig. ( 1889) 1965 (Approved Lists 1980) Pasteurella trehalosi 1990<br />⇒ Bibersteinia trehalosi et al. 2007 Pasteurella ureae 1962<br />⇒ Actinobacillus ureae et al. 1986 Pasteurella volantium et al. 1985<br />⇒ Avibacterium volantium ( et al. 1985) et al. 2005

Medizinische Bedeutung Da Pasteurellen nicht zur menschlichen Normalflora gehören, ist ihrer Isolation aus menschlichem Probenmaterial (z. B. Wundabstrich) in der Regel eine Bedeutung beizumessen. Nachweise sind oft mit Infektionen verknüpft und auf direkten oder indirekten Kontakt mit Tieren zurückzuführen. Zu nennen sind in erster Linie Kratzer, Bisse oder Ablecken. Bedeutend ist vor allem P. multocida ssp. multocida, eine weitere wichtige Spezies ist P. canis. Als wichtige Erkrankungen sind Wundinfektionen, Meningitis, Osteomyelitis, Endocarditis und Sepsis bis hin zum septischen Schock zu nennen. Assoziiert mit menschlichen Infektionen sind in der Regel Hunde und Katzen.

Die veterinärmedizinische Relevanz der Gattung Pasteurella besteht darin, dass sowohl primäre Pasteurellosen wie auch sekundäre Erkrankungen ausgelöst werden können. Betroffene Tiere können Rinder, Schweine, Kaninchen und Geflügel sein.

In Tieren ausgelöste Erkrankungen Rinder: Rindergrippe, BRTD (Bovine Respiratory Tract Disease) Schweine: Rhinitis atrophicans Kaninchen: Sepsis, Kaninchenschnupfen (Mitbeteiligung anderer Erreger) Geflügel: Geflügelcholera (zwei Verlaufsformen, keine davon ist eine Durchfallerkrankung) Schafe: Pasteurellose (vor allem unter Stress entstehende Erkrankungen des Atemtrakts und Sepsis)

Pasteurella-Arten wie Pasteurella multocida werden für das Massensterben Afrikanischer Elefanten (Loxodonta africana) im Okavangodelta (Botswana) im Jahr 2020 verantwortlich gemacht, wie auch für ein Massensterben von Flamingos in Tansania 2011.

Relevante Arten Als humanpathogene Arten aus oben genannter Auflistung sind bekannt: Pasteurella aerogenes, P. bettyae, P. caballi, P. canis, P. dagmatis, P. multocida, P. pneumotropica und P. stomatis; sowie die heute reklassifizierten Art P. anatis [Gallibacterium anatis].

Als veterinärmedizinisch relevante Arten aus obengenannter Auflistung sind bekannt: P. canis, P. mairii und P. multocida; sowie die heute reklassifizierten Arten P. anatis [Gallibacterium anatis], P. gallinarum [Avibacterium gallinarum], P. granulomatis [Mannheimia granulomatis], P. haemolytica [Mannheimia haemolytica], P. lymphangitidis [Yersinia pseudotuberculosis] und P. trehalosi [Bibersteinia trehalosi].

Diagnostik Die mikrobiologische Diagnostik beginnt regulär mit der Kultivierung des Erregers aus Material, das dem krankheitsverdächtigen Situs entnommen wird. Beispielsweise geschieht dies in Form eines Wundabstrichs bei Verdacht auf eine infizierte Wunde oder Entnahme von Material aus dem Respirationstrakt (Atemwege) bei entsprechend verdächtigen Symptomen. Zeigt sich nach 24 bzw. 48 Stunden ein Wachstum auf den genutzten Medien (z. B. Columbia Blut-Agar oder Kochblutagar), wird die Identifikation mittels biochemischer Tests oder PCR (Polymerasekettenreaktion) oder MALDI-TOF initiiert. Unabhängig davon wird eine weitere kulturelle Anlage der Bakterien auf Festnährmedien vorgenommen, um ein Resistogramm zu erstellen, also die Suszeptibilität (Empfindlichkeit) des Erregers für eine Auswahl an Antibiotika zu ermitteln.

Therapie Humanmedizinisch kommen abseits chirurgischer Maßnahmen, wie zum Beispiel Wundsanierung (Entfernung abgestorbenen Gewebes und Verschmutzungen) einer Wunde bzw. Wundrevision (erneute Behandlung einer Wunde, wenn Vorbehandlungen nicht ausgereicht haben), u. a. folgende Antibiotika therapeutisch zum Einsatz: Cephalosporine, Aminopenicilline, Piperacillin-Tazobactam, Doxycyclin und Penicillin oder andere gemäß Resistogramm. Falls die ermittelten Pasteurellen als penicillinsensibel ermittelt wurden, ist Penicillin in der Regel das Medikament der Wahl, da es schmalbandiger wirkt als viele andere Antibiotika, also weniger schadvoll für die Normalflora von Menschen ist.

Veterinärmedizinisch müssen die Maßnahmen u. U. deutlich komplexer ausfallen. Sind beispielsweise Schafe betroffen, dann ist eine antibiotische Therapie alleine nicht hinreichend. Hier müssen auch die Stressoren minimiert werden, die die Erkrankung mitverursachen. Ebenso kann geimpft werden, um einen Schutz gegen Pasteurellose zu erreichen. Prinzipiell ist die Empfindlichkeit der Erreger gegen bestimmte Antibiotika die gleiche wie bei Menschen, frühe Gaben und ausreichende Dosen sind von erheblicher Relevanz. Allerdings ist es teilweise unklar, wie lange Antibiotikatherapien andauern sollen.

Literatur Patrick R. Murray, Ellen Jo Baron, Michael A. Pfaller, Fred C. Tenover, Robert H. Yolken: Manual of Clinical Microbiology. 7th Edition. American Society for Microbiology, 2005, ISBN 1-55581-126-4 (). Birgid Neumeister, Heinrich K. Geiss, Rüdiger W. Braun, Peter Kimmig: Mikrobiologische Diagnostik: Bakteriologie – Mykologie – Virologie – Parasitologie, Begründet von Friedrich Burkhardt. 2., vollständig überarbeitete Ausgabe, 2009, ISBN 978-3-13-743602-7. Patrick R. Murray, Ken Rosenthal, Michael A. Pfaller: Medical Microbiology. 8th Edition. Elsevier, 2015, ISBN 978-0-323-29956-5 ().

Weblinks

Einzelnachweise C. M. Foggin, Laura E. Rosen, Marijke M. Henton, Angela Buys, Toby Floyd, Andrew D. Turner, Jonathan Tarbin, Antony S. Lloyd, Columbas Chaitezvi, Richard J. Ellis, Helen C. Roberts, Akbar Dastjerdi, Alejandro Nunez, Arnoud H. M. van Vliet, Falko Steinbach : ​Pasteurella sp. associated with fatal septicaemia in six African elephants. In: Nature Communications, Band 15, Nr. 6398, 25. Oktober 2023; (). Davide Lomeo, Emma J. Tebbs, Nlingisisi D. Babayani, Michael A. Chadwick, Mangaliso J. Gondwe, Anne D. Jungblut, Graham P. McCulloch, Eric R. Morgan, Daniel N. Schillereff, Stefan G. H. Simis, Anna C. Songhurst: Remote sensing and spatial analysis reveal unprecedented cyanobacteria bloom dynamics associated with elephant mass mortality. In: Science of The Total Environment, Band 957, 20. Dezember 2024, Nr. 177525; doi:10.1016/j.scitotenv.2024.177525, Epub Anfang Dezember 2024 ().

Kategorie:Pasteurellales Kategorie:Pasteurellales (Ordnung) Kategorie:Louis Pasteur als Namensgeber