Piesbach (im örtlichen, moselfränkischen Dialekt Pejsbach) liegt im Saarland an der unteren Prims, einem Nebenfluss der Saar. Der Ort hat 2160 Einwohner und ist mit der Fläche von 5,35 km² der zweitgrößte Ortsteil der Gemeinde Nalbach.
Geschichte mini|Blick vom Körpricher Hoxberg aus auf das Nalbacher Tal mit Piesbach vor dem Litermont mini|Blick vom Bilsdorfer Steinberg auf den Litermont und Piesbach Vor- und Frühgeschichte Im Jahr 1953 wurde unterhalb der Piesbacher Dorflage in einer Kiesgrube an der Prims eine Lanzenspitze aus Bronze gefunden. Die Waffe aus der Bronzezeit, die heute im Saarlouiser Museum aufbewahrt wird, ist 15,4 cm lang und an den Rändern stark beschädigt.Georg Colesie: Geschichte des Nalbacher Tales, Eine saarländische Heimatgeschichte, 2. Aufl. Nalbach 1990; S. 14.
Antike Im Jahr 1824 entdeckte Nicolas Bernard Motte bei Bettstadt (Flur 7, Römerweg, Gemarkung Piesbach) Reste römischer Bauwerke. Es handelt sich dabei vermutlich um eine Villa rustica, die sich nach und nach zu einem Vicus erweitert hatte. Spuren von Brandschutt lassen eine gewaltsame Zerstörung vermuten. Die Siedlung lag an einer Römerstraße, die das antike Pachten über die Höhen hinter Diefflen und Nalbach nach Bettstadt über das Schloss La Motte mit einer römischen Siedlung bei Lebach (Gemarkung Lebach, Flur 12, „Auf den Erdhäusern“) verband.Landeshauptarchiv Koblenz, Abteilung 215, Nr. 1500. Der Dillinger Archäologe und Pfarrer Philipp Schmitt und Friedrich Schröder untersuchten die gleiche Fundstelle. Die Funde wurden weiter von Hermann Maisant untersucht. Aufgefunden wurden Grundmauern, Kellergewölbe, Ziegelsteine, Dachziegel, Wasserleitungen aus Baumstämmen und Tonröhren, Tongefäße, römische Münzen, Knochenreste sowie Teile einer römischen Straße.Hermann Maisant: Der Kreis Saarlouis in vor- und frühgeschichtlicher Zeit, Saarlouis 1971.Georg Colesie: Geschichte des Nalbacher Tales, Eine saarländische Heimatgeschichte, 2. Aufl. Nalbach 1990; S. 19.
Mittelalter Piesbach erscheint im Jahr 1324 als Pedesbach und im Jahr 1327 als Pedinsbach. Im Jahr 1331 wird der Ort Pedenspach geschrieben. Der Ortsname leitet sich von dem gleichnamigen Bach her, der hier, gespeist von zwei Quellbächen, in die Prims mündet.Georg Colesie: Vogteien und Vögte im Nalbacher Tal, in: Zeitschrift für die Geschichte der Saargegend, 20, 1972, S. 36. Historische Schriftbilder PiesbachsGeorg Colesie: Geschichte des Nalbacher Tales, Eine saarländische Heimatgeschichte, 2. Aufl. Nalbach 1990; S. 23.
Jahr 1324 1327 ca. 1340 1341 1444 1522 1595 ca. 1600 1623 1690 1748 veränderter Name im Laufe von Jahren Pedesbach Pedinsbach Pedysbach Pedenßbach Pedeßbach Pedesbach und Pedeßbach Piesbach Peßbach Pießbach Pesbach Piesbach
Seit seiner mittelalterlichen Gründung ist Piesbach mit den Talgemeinden des unteren Primstales Bilsdorf, Diefflen und Körprich dem Hauptort Nalbach unterstellt.
Wie Piesbach wird sein Nachbarort bzw. Teilort Bettstadt erstmals im Nalbacher Weistum von 1324 erwähnt. Bettstadt heißt im Mittelalter Betscheid. Der Name, der heute mundartlich „Bettschd“ ausgesprochen wird, deutet auf eine mittelalterliche Waldrodung hin. Historische Schriftbilder BettstadtsGeorg Colesie: Geschichte des Nalbacher Tales, Eine saarländische Heimatgeschichte, 2. Aufl. Nalbach 1990; S. 23.
Jahr 1324 1327 1522 1535 ca. 1600 1633 nach 1700 veränderter Name imLaufe von Jahren Betscheidt Betscheit Betscheit und Betzscheidt Betzet Bedstad Betstad und Betstat Betstadt und Bettstadt
Im Jahr 1327 wird die Bettstadter Mühle (mundartlich „Bettschder Mill“) erstmals erwähnt. Die Mühle war damals im Besitz des Vogtes der obersten und untersten Nalbacher Vogtei. Herr der Mühle war damals Nikolaus von Kastel.Colesie, Georg: Geschichte des Nalbacher Tales, Eine saarländische Heimatgeschichte, 2. Aufl., Nalbach 1990, S. 43, 83. mini|Nalbacher Weistumsurkunde aus dem Jahr 1324 mit der Ersterwähnung von Diefflen, Bettstadt, Piesbach sowie der Nalbacher Mühle (Staatsarchiv Koblenz, Abt. 215, Nr. 1441) Das Nalbacher Tal war eine Gemeinherrschaft, die mehreren Herren unterstand. Grundherr war ab dem Jahr 1048 das Kollegiatstift St. Simeon in der Trierer Porta Nigra. Obervogtherr und Landesherr war der Erzbischof und Kurfürst von Trier. Im Jahr 1358 übertrug das Trierer Stift St. Simeon die Schirmherrschaft über das Nalbacher Tal dem Grafen Heinrich von Veldenz. Als Mitvogtherren erscheinen seit dem 15. Jahrhundert die kurfürstlichen Pfalzgrafen bei Rhein (Dynastie Wittelsbach). Für das Jahr 1478 ist eine erste Belehnung eines Vogtes durch die Pfalzgrafen bei Rhein (Kurpfalz) belegt: Pfalzgraf Ludwig der Schwarze belehnte den Ritter Heinrich von Rathsamshausen, dessen Herrschaft am Fuß des unterelsässischen Odilienberges lag, mit der obersten und untersten Vogtei. Die Lehenshoheit der Pfalzgrafen bei Rhein dürfte von derjenigen der Grafen von Veldenz erbmäßig (seit 1444) herzuleiten sein.Hans Peter Klauck: Die Einwohner des Nalbacher Tales vor 1803, Bettstadt, Bilsdorf, Diefflen, Körprich, Nalbach, Piesbach, Mitteilungen der Arbeitsgemeinschaft für saarländische Familienkunde e. V., 26. Sonderband, hrsg. von Werner Habicht, Saarbrücken 1989, S. 16.Johnn Mathias Sittel: Geschichte und Beschreibung der Vierherrschaft des Nalbacher Tales, Handschrift im Landeshauptarchiv Koblenz, Abteilung 704, Nr. 486. Dementsprechend war der Herrschaftsbereich in zwei Vogteien aufgeteilt. Die kurtrierische oder mittelste Vogtei umschloss das Oberdorf Nalbach, Bildorf, Piesbach und halb Bettstadt. Die kurpfälzische Vogtei bestand aus zwei Halbvogteien, die durch die mittelste Vogtei gebietsmäßig getrennt wurden. Dabei bestand die oberste Vogtei aus Körprich und halb Bettstadt. Die unterste Vogtei bestand aus Diefflen und dem Nalbacher Unterdorf bis zum Fußbach. Diese Vogtei bildete rechtlich eine Einheit und war als Lehen an Untervögte aus dem niederen Landadel vergeben.
Die Vögte übten die Hochgerichtsbarkeit aus und nannten sich deshalb auch Hochrichter.Colesie, Georg: Geschichte des Nalbacher Tales, Eine saarländische Heimatgeschichte, 2. Aufl., Nalbach 1990, S. 32f.
mini|Siedlungsbild des Nalbacher Tales um das Jahr 1522, Die Häuser des Trierer Stiftes St. Simeon (sogenannte Mittelste Vogtei) sind als Punkte markiert. Die Häuser des Vogtes (sogenannte Unterste und Oberste Vogtei) sind als Rechtecke dargestellt. Zeichnung: Georg Colesie, Kreisarchiv Saarlouis
Im Jahr 1327 wird erstmals das Dorf Theter urkundlich erwähnt.Stadtarchiv Trier, Urkunde V, 24. Im Jahr 1393 schenken der Vogt Nikolaus von Kastel und dessen Gemahlin Margarete dem Trierer Stift St. Simeon in der Porta Nigra das Dorf, um für ihr Seelenheil zu sorgen:Landeshauptarchiv Koblenz, Abteilung 215, Nr. 561. mini|links|Schenkungsurkunde des Vogtes Nikolaus von Kastel und dessen Gemahlin Margarete aus dem Jahr 1393 an das Trierer Stift St. Simeon in der Porta Nigra bezüglich des Dorfes Theter (Landeshauptarchiv Koblenz, Abteilung 215, Nr. 561)
Nikolaus’ Gemahlin Margarete erklärt in der Urkunde überdies:
Der Gewannname des heutigen Piesbacher Kirchberges „Auf dem Schank“ (Gemarkung Piesbach, Flur 4) erinnert noch heute an diese Schenkung an das Trierer Simeonsstift.
Die Schenkung von Nikolaus und Margarete von Kastel übergab das Stift im Jahr 1701 wiederum an die Pfarrei Nalbach. Das Dorf Theter bzw. „Theter auf dem Schank“ (seit 1522), gelegen zwischen Piesbach und Bettstadt, erlebte zwischen 1522 und 1701 einen sichtbaren Niedergang und verfiel. Der Siedlungsbereich des Dorfes Theter ging im 19. Jahrhundert im sich ausdehnenden Siedlungsraum von Piesbach auf. Im Gefolge der Übertragung von Theter an die Pfarrei Nalbach verbreitete sich im Nalbacher Tal die Überlieferung der „Margarete von Litermont“ und deren wilden Sohn Maldix. Vermutlich ist Margarete von Kastel das historische Vorbild der Sagengestalt Margarete von Litermont, die als fromme Witwe des Burgherrn auf dem Litermont und als gütige Wohltäterin der Nalbacher Kirche vorbildhaft dargestellt wird. Im Gegensatz dazu konstruiert die volkstümliche Überlieferung ihren legendären Sohn Maldix als gottlos, pflichtvergessen und roh.Georg Colesie: Geschichte des Nalbacher Tales, Eine saarländische Heimatgeschichte, 2. Auflage, Nalbach 1990, S. 122–125.
Frühe Neuzeit mini|Darstellung des Nalbacher Tales auf einem Ausschnitt aus der Lothringen-Karte (nördlicher Teil) des Gerhard Mercator von 1564–1585 (Landesarchiv Saarbrücken, Sammlung Hellwig) Die „Descriptio villarum“, das Zinsregister des Nalbacher Tales von 1514 bis 1522Landeshauptarchiv Koblenz, Abteilung 215, Nr. 1453. nennt auch das Dorf Theter, das zwischen Bettstadt und Piesbach lag. Der Ort lag auf dem Gewann „Auf dem Schank“, wo heute die Piesbacher Kirche mit dem Friedhof und die Schulgebäude liegen. Bettstadt umfasst laut der „Descriptio villarum“ vier Häuser, Theter ebenfalls vier Häuser und Piesbach neun Häuser.
Hexenprozesse mini|Nalbacher Galgenberg (Gälgesberg) mit Josefskapelle (errichtet 1946 zur Erinnerung an das Ende des Zweiten Weltkrieges) Mit dem Beginn der frühen Neuzeit breitete sich auch im Nalbacher Tal der Hexenwahn aus, der besonders in den Jahren 1570 bis 1634 stark wütete. Besonders der herzoglich lothringische Oberrichter Nikolaus Remigius gelangte bei der Ausrottung der vermeintlichen Hexen und Teufelsanbeter zu trauriger Berühmtheit. Im Gebiet des heutigen Saarlandes waren nachweislich ca. 500 Menschen in einen Hexenprozess verwickelt.Kurt Hoppstädter: Die Hexenverfolgungen im saarländischen Raum, Zeitschrift für die Geschichte der Saargegend, IX, 1959, S. 215, S. 257–267.
Hochrichter im Nalbacher Tal waren zu der Zeit der Prozesse der Herr zu Dillingen und der kurtrierische Amtmann der Grimburg. Angeschuldigte wurden vom Hochgerichtsmeier verhaftet und dem Meier der Grundherren übergeben. Dieser führte den Angeschuldigten unter Bewachung in das Dillinger Schloss.LHA Koblenz, Abt. 215, Nr. 1491. Im Dillinger Schloss wurden dann auch alle Vernehmungen, Zeugenanhörungen und Folterungen binnen 45 Tagen (sechs Wochen und 3 Tage) durchgeführt. Konnte der Angeschuldigte in dieser Zeit nicht überführt werden, mussten die Hochrichter die entstandenen Mehrkosten tragen. Deshalb war man bestrebt, stets einen „kurzen Prozess“ zu machen.
Im Falle eines Geständnisses, wurde der Termin der Hinrichtung auf dem Nalbacher Galgenberg festgesetzt. Am Tag der Hinrichtung wurde der Verurteilte von den Dillinger Schützen bis zur Dieffler Banngrenze (heute Judenfriedhof) gebracht und dort den Nalbacher Schützen übergeben. Auf einem Wagen wurde der Delinquent dann von den beiden Schützengruppen über Diefflen nach Nalbach gefahren, wo er am Pranger öffentlich ausgestellt wurde. Nach einer öffentlichen Verlesung des Urteils wurde der Delinquent zum Galgenberg geführt und dort getötet.Déclaration des droits, juridictions, rentes et revenues du val de Nalbach consistant en six villages, appartenant à Monsieur L’Electeur de Trèves e au Seigneur de Dilling par invidis (AD. Nancy, Titres feodaux 1524ff, E 135), Abschrift im Pfarrarchiv Nalbach. Die Nalbacher Straße „Am Gälgesberg“ erinnert bis heute an die Hinrichtungsstätte.
Folgende Hexenprozesse des Nalbacher Tales sind urkundlich überliefert:
1575: sowie 1591/1592 mehrere Personen des Nalbacher Tales / unbekannter Ausgang des Verfahrens 1595: ein Mann (Theisen Johann alias Keuch Johann, Schöffe im Nalbacher Tal) aus Diefflen 1595: eine Frau (Schmits Anna) aus Piesbach (Das Testament der Frau des Nalbacher Schöffen Schmitz Matheiß aus Piesbach ist im Nalbacher Schöffenbuch eingeheftet)Landeshauptarchiv Koblenz, Abteilung 215, Nr. 1465. 1602: ein Mann (Ciriakus) aus Körprich ca. 1605: ein Mann aus Piesbach (Heinsen Michel) und eine Frau (die alte Kremers) aus Körprich