Die Meder (Mad-ai, Mād-y, Mand-a, ) waren ein altorientalisches Volk des Altertums, das im Nordwesten des heutigen Iran zu lokalisieren ist. Nach ihnen ist die antike Landschaft Medien benannt, die etwa das Gebiet der heutigen iranischen Regionen Aserbeidschan (im Altertum Media Atropatene genannt), und Dschibal bzw. Iraq 'Adschami (nicht zu verwechseln mit dem modernen Staat Irak, siehe dazu den Artikel Beide Irak) einnimmt. Die Meder waren ein Teil des Bündnisses, das den Untergang des Assyrischen Reichs herbeiführte und gründeten nach oftmals vertretener Ansicht im Anschluss daran im Hochland von Iran, im Südkaukasusgebiet und Ostanatolien bis hin zum Kızılırmak, dem antiken Fluss Halys, ein Großreich, das später Grundlage des Perserreichs werden sollte. Diese sogenannte Meder-Konföderation bestand von 715 bis 550 v. Chr. Die Ansicht, dass ein dem späteren Achämenidenreich entsprechendes Reich, nur im kleineren Maßstab, bestanden habe, wird in der neueren Forschung hingegen bestritten.Robert Rollinger: The Median 'Empire', the End of Urartu and Cyrus the Great's Campaign in 547 BC. In: Ancient West & East. Bd. 7, 2008, S. 51–65.

Historische Quellen Die Meder hinterließen keine Schriftquellen. Wichtigste Quellen zu ihrer Geschichte sind archäologische Funde, assyrische und babylonische Quellen sowie die Berichte griechischer Schriftsteller, insbesondere Herodots.

Archäologische Quellen Die Meder sind von etwa 674 bis 550 v. Chr. im Iran der Antike nachweisbar.Wilfried Seipel (Hrsg.): 7000 Jahre persische Kunst. Meisterwerke aus dem Iranischen Nationalmuseum in Teheran: Eine Ausstellung des Kunsthistorischen Museums Wien und des Iranischen Nationalmuseums in Teheran. Kunsthistorisches Museum, Wien 2001, ISBN 3-85497-018-8, S. 328. Der bedeutende Fund von Nuschidschan Tappe weist darauf hin, dass Emmer, Weizen und Gerste in Medien angepflanzt und Rinder für den Fleischkonsum genutzt wurden. Pferdeknochen zeigen die Zucht von sowohl großen schweren Pferden als auch kleinen Ponys. Mit den Funden in Nuschidschan Tappe kann nachgewiesen werden, dass elegante Designs in Stein und anderen Materialien von den Medern Einzug in den achämenidischen Kontext gefunden haben. Im Besonderen ist dabei die Form des treppenförmigen Altars zu erwähnen. Archäologische Zeugnisse sind vor allem aus der Zeit des Achämenidenreichs erhalten.

Die wichtigste archäologische Stätte aus Medien während der Achämenidenzeit sind die Inschriften von Gandschnāme von Dareios I. (549–486 v. Chr.) und Xerxes I., die südwestlich von Ekbatana gefunden wurden. Inschriften auf Fragmenten von Säulenbasen aus Ekbatana (A2Ha, A2Hb) berichten, dass Artaxerxes II. einen Apadana bauen ließ. Polybios bestätigt diesen archäologischen Fund und berichtet detailliert, dass zur Zeit Alexanders des Großen immer noch ein Palast gestanden habe.Polybios, Historíai 10,27; Ktesias von Knidos, Persika (= Die Fragmente der griechischen Historiker, Nr. 688) F.

Die neue Technologie des Qanats bei der Bewässerung und die Sicherheit des achämenidischen Reichs führte zu neuen Siedlungsformen in der Nähe der Felder. Das neue Siedlungsverhalten kann über Backsteine nachgewiesen werden, die sich von der traditionellen Form und Größe in schmalere und kleinere Backsteine unter den Achämeniden wandelten. Ebenfalls zeigen Keramiken subtile Veränderungen der medischen Gesellschaft an.Bruno Jacobs, David Stronach: Media. In: Bruno Jacobs, Robert Rollinger (Hrsg.): A Companion to the Achaemenid Persian Empire. 2 Bände, Wiley-Blackwell, Hoboken 2021, ISBN 978-1-119-17428-8, S. 213–220.

Herodot Herodot unterteilte im 5. Jahrhundert v. Chr. die Meder in die Stämme der Buser, Paretakener, Struchaten, Arizanter, Budier und Mager.Herodot, Historien 1,101 (online). Er berichtete außerdem von zwei Schlachten, die während einer Sonnenfinsternis stattfanden. Den Zeitpunkt der ersten Sonnenfinsternis beschrieb Herodot ausführlich: „Als Phraortes tot war […] und Kyaxares gegen die Lyder stritt, dazumal, als mitten im Streit Nacht ward aus dem Tag […] und dann ganz Asien oberhalb des Halys unterwarf[…] und dabei war Ninive zu belagern, da zog wider ihn ein großes Skythenheer mit Madyes, dem Sohn des Protothyes, das die Kimmerier verfolgte. Die Meder trafen auf diese Skythen, wurden überwunden und verloren ihre Herrschaft an die Skythen, die […] danach gegen Psammetich I. zogen.“Herodot, Historien 1,103 f. Im fraglichen Zeitraum ergeben sich Übereinstimmungen mit einer totalen Sonnenfinsternis, die am 27. Juni 661 v. Chr. stattfand,NASA.gov: Totale Sonnenfinsternis 27. Juni 661 v. Chr. sowie dem Vermerk von Assurbanipal, der den Einfall der Iškuzaia meldete, und dem Regierungsantritt von Psammetich I. im Jahr 664 v. Chr.

Als Stammmutter der Meder nennt Herodot Medea, wohl wegen der Namensähnlichkeit zu dieser Frauengestalt der griechischen Mythologie.

Geschichte der Meder-Konföderation mini|hochkant|Darstellung eines Meders mit Tiara und Acinaces aus dem Palast des Xerxes in Persepolis Anfang des 1. Jahrtausends v. Chr. besiedelten die Meder, vermutlich Zuwanderer wie die ihnen sprachlich verwandten Perser,Josef Wiesehöfer: Die Geschichte Irans von den Achaimeniden bis in frühislamische Zeit. In: Wilfried Seipel (Hrsg.): 7000 Jahre persische Kunst. Meisterwerke aus dem Iranischen Nationalmuseum in Teheran. Kunsthistorisches Museum, Wien 2001, ISBN 3-85497-018-8, S. 54–74, hier S. 55. die vielleicht aus dem Nordosten einwanderten, Teile der iranischen Hochebene. Sie führten wahrscheinlich das Reiten zu Pferd ein, dem später in Medien eine besondere Bedeutung zukommen sollte. Die Siedlungsgebiete grenzten später an die Nachbarregionen Mannäa am Urmia-See, Gizilbunda, Sagartien, Gutium, Parsua, Ekbatana, Ellipi, Zāgros und über die Kawir-Wüste bis zum Damawand.

Kyaxares I. Kyaxares I. (regierte 768–715 v. Chr.) gilt als Gründer einer größeren Konföderation und residierte in Ekbatana. Archäologische Untersuchungen bestätigen die Berichte der Keilschriftfunde in den Nachbarländern, die verdeutlichen, dass es einen zusammenhängenden Staat bzw. ein Königreich Medien nicht gab. Vielmehr handelte es sich um Regionen und Kleinstfürstentümer, die aus mehr als 100 Stammesverbänden bestanden und sich unter Kyaxares I. zu einer militärischen Einheit verbündeten. Wechselnde Bündnispartner veränderten im Verlauf immer wieder die Gebietsstrukturen der medischen Konföderation.

Skythenherrschaft Die Herrschaft der Skythen hat den Medern vor allem die Errungenschaft der skythischen Art des Bogenschießens zu Pferde erbracht.Wilhelm Eilers: Vier Bronzewaffen mit Keilinschriften aus West-Iran. In: Persica. Band 4, 1969, S. 1–56, hier S. 43. 10; vgl. Herodot, Historien 1,73. Herodot berichtete, dass die Meder die skythische Sprache und die skythische Art des Bogenschießens gelernt hätten: Peter Högemann: Das alte Vorderasien und die Achämeniden. Ein Beitrag zur Herodot-Analyse (= Beihefte zum Tübinger Atlas des Vorderen Orients. Reihe B: Geisteswissenschaften. Nummer 98). Reichert, Wiesbaden 1992, ISBN 3-88226-563-9, S. 92.Sie halten einen Bogen skythischer Art in der Hand. Herodot (Historien 1,73) betont übrigens, dass die Meder das Bogenschießen von den Skythen übernommen haben. Roman Ghirshman: Iran. Protoiranier, Meder, Achämeniden (Universum der Kunst). C. H. Beck, München 1964, S. 88.„Dass die Reitkultur der Perser letztlich von den Medern übernommen worden ist, hat unter anderem Victor Hehn gefolgert. Die Meder wiederum übernahmen sie wahrscheinlich von den Skythen, mit denen sie zeitweise verbündet und zeitweise verfeindet waren.“ Torsten Gaitzsch: Das Pferd bei den Indogermanen. Sprachliche, kulturelle und archäologische Aspekte. Lit, Münster 2011, ISBN 978-3-643-11014-5, S. 131 (Online-Vorschau).„Dabei kämpften auch die Meder nicht als perfektionierte Pferdebogner, denn sie waren nicht in dem Maße wie die freihändig reitenden Skythen, Hunnen oder Awaren mit dem Pferd verwachsen“: Heinz Meyer: Geschichte der Reiterkrieger. Kohlhammer, Stuttgart 1982, S. 24.Herodot (Historien 1,73) wusste zu berichten, dass Skythen die Meder im Bogenschießen unterwiesen haben: Udo Rüterswörden: Dominium terrae. Studien zur Genese einer alttestamentlichen Vorstellung (= Beihefte zur Zeitschrift für die Alttestamentliche Wissenschaft. Neue Folge, Band 215). Walter de Gruyter, Berlin/New York 1993, ISBN 3-11-013948-0, S. 146 (Online-Vorschau). Auch die Ausrüstung der Pferde hat sich seit der Skythenherrschaft kontinuierlich verbessert und selbst der Reit-Komfort wurde qualitativ gesteigert.Torsten Gaitzsch: Das Pferd bei den Indogermanen. Sprachliche, kulturelle und archäologische Aspekte. Lit, Münster 2011, ISBN 978-3-643-11014-5, S. 131 (Online-Vorschau). Zu Ehren der Skythen hat der persische König Teispes einen seiner zwei Söhne mit dem Namen Ariaramna benannt. Ariaramna wiederum nannte seinen Sohn Arschama, um an die Heldentaten der Skythen zu erinnern.

Im Großen und Ganzen dauerte der medische Erlernungsprozess der skythischen Reitkunst gemäß Herodot 28 Jahre.Herodot, Historien 1,104–105. Herodot berichtet allerdings auch vom Übermut und der Achtlosigkeit der Skythen in der Zeit ihrer Herrschaft, durch den alles in Verfall geriet: „Sie erpressten ganz nach Gutdünken Abgaben, und außerdem zogen sie noch durch das Land und raubten, was sie fanden.“

Kyaxares II. Kyaxares II. beendete die Skythenherrschaft. Danach erreichte die medische Konföderation durch weitere militärische Expansionen ihre größte Ausdehnung. Im Jahr 614 v. Chr. zerschlugen die Meder in einem Bündnis mit Babylonien das Reich Assyrien und zerstörten die Stadt Aššur, 612 v. Chr. fiel auch die alte assyrische Hauptstadt Ninive.

Astyages Ein Krieg gegen die Lyder wurde durch eine angeblich von Thales vorhergesagte Sonnenfinsternis am 28. Mai 585 v. Chr. beendet.NASA.gov: Totale Sonnenfinsternis 28. Mai 585 v. Chr. zwischen 16:00 und 17:00 Uhr. Beide Seiten wurden von dem Naturereignis derart erschreckt, dass sie Frieden schlossen. Alyattes II. gab dem medischen König Astyages (Sohn von Kyaxares II.) seine Tochter Aryenis zur Frau.Herodot, Historien 1,74–75.

Das Ende der Meder-Konföderation 553 v. Chr. verbündete sich der medische Adel mit den Persern, was 550 v. Chr. zum Ende der Mederherrschaft führte. Die Meder-Konföderation wurde von Kyros II. unterworfen, der damit den Grundstein für das Perserreich legte. Die medische Aristokratie genoss im Achämenidenreich viele Privilegien und wurde an der Verwaltung beteiligt.

mini|hochkant=1.7|Kartographische Darstellung des Mederreichs mit der (angenommenen) größten Ausdehnung Medien wurde unter den Achämeniden zur Satrapie des Perserreichs. Herodot zufolge musste Medien dem Großkönig jährlich einen Tribut von 450 Talenten Silber, Tierhäuten, Bekleidung, Edelsteinen, Gefäßen und Waffen zahlen. Berühmt und begehrt waren die „nisäischen Pferde“ aus der von Herodot Hippobotus („Rossweide“) genannten Gegend. Der Name der Pferde kommt von Nisaea, einer antiken Landschaft irgendwo in Medien, die für Pferdezucht bekannt war. Unter den Achämeniden behielten die Meder unter persischer Vorherrschaft ihre herausgehobene Stellung. Medien war in der Antike insbesondere als Heimat der Magier bekannt. Nach dem Ende des Achämenidenreichs durch Alexander den Großen verschwinden die Meder als reale Ethnie aus der Geschichte, auch wenn ihr Name historisierend weiter in Gebrauch blieb.

Medische Herrscher Chronologie nach Herodot