mini|Universität Luxemburg

Das Bildungssystem in Luxemburg besteht aus den in den OECD-Staaten üblichen Bildungsstufen von der frühkindlichen Erziehung, der Primar- und Sekundarstufe und der Tertiärstufe mit Hochschule und erweiterter Berufsausbildung. Die Aufsicht liegt im Staat Luxemburg beim Ministerium für Bildung, Kinder und Jugend.

Das luxemburgische Schulwesen zeigt mehrere Probleme wie beispielsweise den großen Aufwand für den Fremdsprachenunterricht in Deutsch, Französisch und Englisch sowie einen hohen Anteil ausländischer Schüler, besonders aus romanischen Ländern mit besonderen Schwierigkeiten am Deutschunterricht. Das Bildungswesen erhält nach dem Sozialbudget mit 9,5 Prozent den zweitgrößten Anteil des Staatshaushaltes (2020). Die Lehrergehälter sind die höchsten in der Welt, doppelt so hoch wie in Frankreich. Die Bildungsausgaben entsprachen gut 5 % des BIP, mehr als der Durchschnitt in der OECD. Dennoch hat Luxemburg in den PISA-Studien bis 2018 (2022 nicht teilgenommen) unter dem Durchschnitt abgeschnitten, schlechter als z. B. Deutschland. Eine Inklusion aller Schüler in die Regelschule wird angestrebt.

Schulsystem mini|Das luxemburgische Schulsystem (ab 2018–2019) In Luxemburg besteht eine Schulpflicht von zwölf Jahren, vom 4. bis zum 16. Lebensjahr:

Grundschule Grundschule von drei bis elf Jahre, unterteilt in vier Zyklen: Zyklus 1: drei bis fünf Jahre, beinhaltet die fakultative frühkindliche Erziehung (éducation précoce) sowie die Vorschule (éducation préscolaire); Zyklus 2: sechs bis acht Jahre; Zyklus 3: acht bis zehn Jahre; Zyklus 4: zehn bis zwölf Jahre; die Zyklen 2 bis 4 entsprechen der Primarstufe (enseignement primaire).

Seit 1999 gibt es die fakultative einjährige frühkindliche Erziehung (éducation précoce) vor der obligatorischen zweijährigen Vorschule (éducation préscolaire); dieser erste Zyklus der Grundschule soll eine bessere Sozialisation sowie eine sprachliche, soziale und schulische Integration ermöglichen.

Sekundarunterricht mini|Detaillierter Systemaufbau – Klassischer Sekundarunterricht (ESC)/Luxemburg mini|Detaillierter Systemaufbau – Allgemeiner Sekundarunterricht (ESG)/Luxemburg

Sekundarunterricht (enseignement postprimaire) bis mindestens 16 Jahre.

Nach dem vierten Zyklus entscheidet eine Orientierungskommission über den avis d’orientation. Sind die Eltern damit nicht einverstanden, können sie das Kind zu einem examen de recours anmelden. Es stehen zwei mittlere Bildungswege offen:

Der klassische Sekundarunterricht (enseignement secondaire classique - ESC) (für 38,7 % der Schüler laut Bildungsbericht 2021). Der Abschluss nach sieben Jahren (7.–13. Klasse) besteht aus dem diplôme de fin d’études secondaire classiques, das den Zugang zum Universitätsstudium ermöglicht. Die letzten drei Jahre werden hier in sogenannten Sektionen, die fachrichtungsspezialisierten Unterricht bieten, absolviert. Es gibt acht Sektionen (section A: Sprachen, section B: Mathematik-Informatik, section C: Naturwissenschaften-Mathematik, section D: Wirtschaft-Mathematik, section E: Bildende Kunst, section F: Musik, section G: Geistes- und Sozialwissenschaften, section I: Informatik-Kommunikation), die die Schüler nach Belieben (und Qualifikation) auswählen können.

Der allgemeine Sekundarunterricht (enseignement secondaire général - ESG) (direkt 48,6 % der Schüler + 12,2 % über voie de préparation, letztere als „Vorbereitungsweg“ der leistungsschwächeren Schüler mit anwachsender Tendenz laut Bildungsbericht 2021). Die Unterstufe wird unterteilt in eine Orientierungsstufe und eine berufsvorbereitende Stufe. Ein Teil der Schüler entscheiden sich nach der Orientierungsstufe für eine Fachrichtung in den letzten vier Jahren. Hierzu gehören Verwaltungs- und Handelswesen, Gesundheits- und Sozialberufe, Allgemeine Technik, Kunst sowie Hotelwesen und Touristik. In den letzten zwei Jahren besteht die Möglichkeit, sich innerhalb dieser Fachrichtungen weiter zu spezialisieren. Der Abschluss nach sieben Jahren (7.–13. Klasse) besteht aus dem diplôme de fin d’études secondaire générales und führt zur Allgemeinen Hochschulreife. Schüler aus der Fachrichtung Gesundheits- und Sozialberufe haben zusätzlich die Möglichkeit eine Ausbildung zum Krankenpfleger oder Erzieher zu machen. Die berufsvorbereitende Stufe nach der Orientierungsstufe ist modular aufgebaut und führt in eine Berufsausbildung, die Formation professionnelle. Sie endet je nach belegten Modulen mit einem berufsqualifizierenden Diplom, einem Technikerdiplom (Diplôme de Technicien) (10.–13. Klasse), dem DAP (Diplôme d’aptitude professionnelle) (10.–12. Klasse) oder dem CCP (Certificat de capacité professionnelle) (10.–12. Klasse). Das Technikerdiplom führt je nach abgeschlossenen Modulen zur Fachhochschulreife.

Von einer Schulform in die nächsthöhere überzuwechseln, also vom allgemeinen Sekundarunterricht in den klassischen Sekundarunterricht, kommt selten vor.

In der Abitur-Note der Schüler im klassischen und allgemeinen Sekundarunterricht sind die Noten des letzten Jahres zu einem Anteil von einem Drittel und die Noten der Abiturprüfungen zu einem Anteil von zwei Dritteln enthalten. Die Abiturprüfungen werden typischerweise innerhalb von zwei Wochen in allen im letzten Schuljahr belegten Fächern (je nach Sektion zwischen 9 und 14) geschrieben.

Ausländerintegration 2016/17 waren 42,5 % der Schüler in öffentlichen Schulen in der sechsten Klasse der Grundschule Ausländer, darunter sehr viele Portugiesen. Die Verteilung der obersten Grundschulklasse beim Wechsel ins enseignement secondaire war wie folgt:

Überweisung ins enseignement secondaire classique (~Gymnasium; 1972 Schüler)

Portugiesen: 10,9 % Luxemburger: 49 %

Überweisung ins enseignement général (~Realschule/Mittelschule; 2476 Schüler; ohne voie de préparation)

Portugiesen: 60,7 % Luxemburger: 41,9 %

Überweisung in die voie de préparation (~Mittelschule/Förderschule; 621 Schüler)

Portugiesen 28,1 % Luxemburger 8,8 %

Wiederholung der 6. Grundschulklasse (25 Schüler)

Portugiesen 0,4 % Luxemburger 0,4 %

Der fehlende Erfolg besonders von portugiesischen Schülern in die höheren Schullaufbahnen und offensichtliche Integrationsprobleme in der Schule wurden ab den 1970er Jahren erkannt, jedoch zeigten Gegenmaßnahmen bis jetzt kaum Erfolg. In den meisten Schulen besteht eine große Kluft zwischen den luxemburgischen Schülern sowie Deutschen, Niederländern und Engländern mit der Hauptsprache Deutsch und den ausländischen Schülern mit der Hauptsprache Französisch; das sind vor allem Portugiesen, Franzosen, Italiener und Kapverdianer. Probleme bereiten insbesondere Schüler, die zu Hause weder Deutsch noch Französisch sprechen.

Während der Schuljahre 2008 bis 2010 betrug die Abbruchquote etwa 9 % der Gesamtschülerzahl, 2021 9,3 %.

Schulsprachen Für Luxemburg ist der Trilingualismus bezeichnend.

Dazu gehört der landesübliche moselfränkische Dialekt, mittlerweile als eigene Sprache anerkannt, das Luxemburgisch im Alltag. Ab sechs Jahren lernen die Kinder Hochdeutsch, schon ein Jahr darauf auch Französisch. Die Unterrichtssprache bleibt weitgehend Deutsch.

In der Sekundarschule bleibt Deutsch die Sprache in den Beruflichen Schulen und in den unteren Klassen des klassischen Sekundarunterrichts. Ab dem Alter von 15 Jahren wird aber in den klassischen Sekundarschulen Französisch gesprochen. Englisch kommt als Pflichtfremdsprache hinzu. Wahlweise kann Spanisch oder Portugiesisch, auch Latein hinzukommen. So kommt der Fremdsprachenunterricht ungefähr auf die Hälfte der Unterrichtszeit.

Private Schulen In Luxemburg bestehen etliche Privat- und Internationale Schulen, auch wegen der vielen Beamten aus europäischen Behörden und der internationalen Bankangestellten. Fast alle Schüler gehen hier in der 7. Klasse in das enseignement secondaire classique - ESC.

Privatschulen mit an den Staat angeglichenem Lehrplan (teilweise kirchlich) École Privée Marie-Consolatrice, Esch-sur-Alzette ; École Privée Sainte-Anne, Ettelbruck ; École Privée Fieldgen, Luxembourg-Ville; Lycée Technique Privé Emile Metz, Luxembourg-Ville; École Privée Notre-Dame Sainte-Sophie, Luxembourg-Ville.

Internationale Schulen mit einem speziellen Lehrplan Der Lehrplan kann beispielsweise der Waldorfpädagogik folgen, auf ein ausländisches Abitur oder auf das International Baccalaureate angelegt sein. Fraï-ëffentlech-Waldorfschoul Lëtzebuerg, Luxembourg-Ville ; St. George’s International School, Luxembourg-Ville ; International School of Luxembourg, Luxembourg-Ville ; Lycée Vauban, Luxembourg-Ville; École Privée Grandjean A.S.B.L., Luxembourg-Ville ; Lycée germano-luxembourgeois de Schengen; École européenne I de Luxembourg-Kirchberg et École européenne II de Mamer.

Staatliche Internationale Schulen École internationale Gaston Thorn, Luxembourg-Ville ; École internationale Differdange et Esch-sur-Alzette, Differdange et Esch-sur-Alzette ; École internationale Mersch Anne Beffort, Mersch ; École internationale Mondorf-les-Bains, Mondorf-les-Bains ; École internationale Edward Steichen, Clervaux ; Lënster Lycée International School, Junglinster ; Lycée Michel-Lucius, Luxembourg-Ville.

Hochschulwesen mini|Logo der Universität Luxemburg mini|eufom-University Luxembourg mini|DTMD University for Digital Technologies in Medicine and Dentistry

Seit 2003 gibt es in Luxemburg die eigenständige Universität Luxemburg, die sich als mehrsprachig, international und forschungszentriert versteht und 2022 rund 6700 Studenten zählte. In den Bereichen Naturwissenschaften, Technik, Recht, Wirtschaft sowie Sozial- und Erziehungswissenschaften, Geschichte, Politikwissenschaften, Philosophie und Mehrsprachigkeit werden in drei Fakultäten Studenten ausgebildet. Die Universität bietet Bachelor- und Masterstudiengänge an und betreut Doktoranden. Der Großteil der Studiengänge kann mittlerweile vollständig bis zum Abschluss in Luxemburg studiert werden. Für Bachelor-Studenten ist jedoch ein mindestens einsemestriger Auslandsaufenthalt obligatorisch, bei denen besonders belgische, französische und deutsche Universitäten eine wichtige Rolle spielen. Mittlerweile unterhält die Universität Luxemburg auch Partnerschaftsabkommen für den Austausch von Studenten und Forschern mit rund 50 Hochschulen in 15 Ländern, darunter China, den USA und Kanada.

In Kooperation der Universität Luxemburg mit dem Luxembourg Institute of Health (LIH) sind Forschung und Promotion in Medizin, unter anderem im Bereich der modernen Molekularmedizin, möglich.

Weiterhin wurde im Jahr 2012 die staatlich anerkannte und akkreditierte private Universität eufom (European University for Economics & Management) eingerichtet. Das europäisch konzipierte Studium richtet sich gezielt an Berufstätige und Auszubildende der Großregion, die sich neben ihrer unternehmerischen oder betrieblichen Tätigkeit akademisch qualifizieren wollen. Unterrichtssprachen sind Deutsch (Bachelor) und Englisch (Master).

Im September 2016 haben die luxemburgische Handelskammer (Chambre de Commerce) und die luxemburgische Handwerkskammer (Chambre des Métiers) die ISEC Hochschule der Wirtschaft als eigenständige universitäre Nachfolgeinstitution der eufom ins Leben gerufen. Die ISEC ist staatlich anerkannt und akkreditiert.

Die DTMD University for Digital Technologies in Medicine and Dentistry, eine ISO-zertifizierte private Hochschule luxemburgischen Rechts, hat ihren Sitz im Schloss in Wiltz. Sie wurde von André Reuter (Präsident) gegründet und bietet dezidierte postgraduale, berufsbegleitende Master- und Promotionsstudiengänge für Ärzte, Zahnärzte und Zahntechniker sowie curriculare Weiterbildungen für Zahntechniker und ärztliches Assistenzpersonal an.