Am 7. Oktober 2023 führte die Terrormiliz Hamas einen lange geplanten Terroranschlag gegen Israel durch. Dabei töteten palästinensische Terroristen der Hamas und anderer Gruppen an einem Tag mehr als 1200 Menschen und entführten 250 Geiseln in den Gazastreifen. Während dieses Terrorangriffs setzten Hamas-Terroristen gezielt geschlechtsspezifische und sexuelle Gewalt gegen Frauen ein. Die Taten umfassen Vergewaltigungen und andere Gräueltaten.
Videoaufzeichnungen, Mitschnitte von Zeugenaussagen und weitere Indizien wurden seit dem Tag des Angriffs gesammelt und von israelischen Ermittlungsbehörden und zivilgesellschaftlichen Organisationen ausgewertet. Die israelische Polizei und das Nationale Zentrum für Forensische Medizin führten umfassende Untersuchungen und forensische Analysen durch, um die Verbrechen aufzuklären.
Im Mai 2026 veröffentlichte die israelische Civil Commission on Oct. 7 Crimes by Hamas Against Women and Children (deutsch: Kommission zur Aufklärung der Straftaten der Hamas gegen Frauen und Kinder) den Abschlussbericht Silenced No More. Der Bericht kommt nach einer zweijährigen Untersuchung zu dem Schluss, dass Terroristen der Hamas und andere Gruppierungen, sexualisierte Gewalt während des Angriffs sowie gegen Geiseln im Gazastreifen systematisch eingesetzt haben. Die Untersuchung stützt sich auf Zeugenaussagen, forensische Analysen sowie umfangreiches Bild- und Videomaterial.
Videos vom 7. Oktober
Am 7. Oktober 2023 führten die Terroristen der Hamas und anderer Gruppen einen lang geplanten Überrumpelungsangriff auf Israel durch und töteten dabei etwa 1200 Menschen. Mehrere hundert Menschen wurden als Geiseln in den Gazastreifen entführt. Eine Stunde nach Beginn des Angriffs wurden die ersten Videos des Massakers von einem Hamas-Account auf Telegram hochgeladen,Monika Hübscher: Antisemitismus in den Sozialen Medien. Eine Einführung. In: Monika Hübscher, Sabine von Mering (Hrsg.): Antisemitismus in den Sozialen Medien. Verlag Barbara Budrich, 2024, ISBN 978-3-8474-3013-1, S. 15. darunter Aufnahmen, die sexualisierte Gewalt gegen Frauen und andere Gräueltaten zeigten und in den sozialen Medien verbreitet wurden, teils direkt an Familienangehörige der Opfer. Die Terroristen filmten ihre Taten mit dem Ziel, die entstandenen Videos als Mittel der psychologischen Kriegführung zu verwenden.
Ein Video auf der Plattform X zeigte Shani Louk, die am Nova-Musikfestival teilgenommen hatte, mit entblößtem und verdrehten Körper auf der Ladefläche eines Geländewagens. Das Video wurde mehr als zehntausendmal geteilt. Erst 23 Tage später wurde bekannt, dass Louk mutmaßlich bereits am 7. Oktober ermordet wurde. Andere Aufnahmen zeigten eine junge Frau, die als Geisel genommen wurde. Ihre Hände sind gefesselt und ihre Kleidung in Schritthöhe blutdurchtränkt. Dokumentierte Aussagen von Zeugen und Ersthelfern bestätigten die Ausübung von sexualisierter Gewalt.
Ermittlungen und Zeugenaussagen Seit dem 7. Oktober hat die israelische Polizei mehr als 1.500 Zeugenaussagen gesammelt und Ermittlungen eingeleitet. Es wurden Fälle eröffnet, die sich mit Massenmord, Vergewaltigung, Folter und Körperverletzung befassen. Meni Binyamin, der Leiter der internationalen Kriminalermittlungseinheit der israelischen Polizei, gab bekannt, dass am 7. Oktober Mitglieder der Hamas eine nicht näher genannte Anzahl von Frauen und einige Männer zu Opfern sexueller Gewalt machten. Nach Angaben einer Ermittlerin zeigte sich bereits vor Abschluss der Ermittlungen, dass Hamas sexualisierte Gewalt systematisch als Kriegswaffe einsetzte. Bei den Ermittlungen handle es sich um die größte Polizeiermittlung dieser Art in der Geschichte Israels.
Für eine juristisch eindeutige Sicherung von Beweisen, die nach sexualisierter Gewalt üblicherweise erfolgt, waren die Bedingungen zu Beginn der Ermittlungen sehr schlecht; Ersthelfende waren vorerst damit beschäftigt, Verletzte und Leichen zu bergen. Eine Erfassung von Beweismaterial durch forensische Spezialisten, die u. a. das Sichern von Körperflüssigkeiten, DNA-Spuren und Kleidung innerhalb von 48 Stunden gewährleisteten, war nicht möglich. Der Zustand vieler Leichen, die stark verbrannt waren, hat eine Spurensicherung ebenso verunmöglicht.
Die Terroristen ließen die Mehrheit der Opfer ihrer sexualisierten Gewalt nicht am Leben. Die Hamas wies jegliche Vorwürfe, systematische sexuelle Gewalt gegen Frauen als Kriegsmittel zu nutzen, zurück. Anschuldigungen wegen sexualisierter Gewalt bezeichnete die Terrororganisation als „Teil einer zionistischen Kampagne“, die Lügen verbreiten würde, um den „palästinensischen Widerstand zu dämonisieren“. Hamas-Beamte behaupteten, dass die Gräueltaten von anderen bewaffneten Gruppierungen begangen worden seien, nachdem die Hamas-Terroristen Barrierezäune rund um Gaza durchbrochen hätten. Ein Hamas-Funktionär betonte, dass sexuelle Gewalt den islamischen Grundsätzen widerspreche. Die Terrorgruppierung betrachte jede sexuelle Beziehung außerhalb der Ehe als vollständig verboten im Islam. Verhör-Ausschnitte mit Hamas-Terroristen belegten laut einem Artikel auf n-tv.de eine militärische Anweisung zur Vergewaltigung von Frauen; spätere Untersuchungen von Haaretz, den Vereinten NationenMission report, Official visit of the Office of the SRSG-SVC to Israel and the occupied West Bank, 29 January – 14 February 2024, S. 19 und Amnesty International (Dezember 2025) fanden keine hinreichenden Belege, dass es einen solchen Vergewaltigungsbefehl gegeben hätte.
Das Verschleppen von Geiseln nach Gaza sollte laut auf Video aufgenommenen Aussagen eines von den israelischen Sicherheitskräften verhörten Hamas-Mitglieds mit einer Wohnung und 10.000 Dollar belohnt werden. Opfer der Hamas waren nicht nur jüdische Frauen, sondern auch arabisch-israelische Beduininnen und andere palästinensische Israelinnen, die mehrheitlich selbst muslimisch, in kleinerer Zahl aber auch christlichen Glaubens sind. Die Islamisten betrachten arabische Israelis per se als „Verräter“, denen sie gemeinsame Sache mit dem „Feind“ unterstellen.
Gegenüber der New York Times berichtete eine inzwischen frei gelassene israelische Geisel über erfahrene sexuelle Gewalt durch die palästinensischen Entführer und über andere Gewaltakte ihr gegenüber.Patrick Kingsley und Ronen Bergman, New York Times 26. März 2024 „Israeli Hostage Says She Was Sexually Assaulted and Tortured in Gaza“ hinter Bezahlschranke, abgerufen am 27. März 2024
Freiwillige Helfer von ZAKA, einer religiösen Organisation, die Leichen einsammelt und für die Beerdigung vorbereitet, waren unter den ersten, die von Opfern sexueller Gewalt berichteten. Die Helfer wurden allerdings in der Folge beschuldigt, Tatorte und Funde falsch interpretiert oder sogar unabsichtlich manipuliert zu haben. In einigen Fällen hatten sie offenbar Leichen zugedeckt oder bekleidet, bevor sie Fotos machten. In anderen Fällen waren sie von dem, was sie sahen, so schockiert, dass sie, auch aufgrund mangelnder forensischer Ausbildung, zu übersteigerten Interpretationen kamen. Die Folge waren Gräuelberichte, die von israelischen Regierungssprechern und Menschenrechtlern aufgegriffen wurden, sich aber später als unwahr erwiesen. In einem Fall sprach ein ZAKA-Freiwilliger davon, dass einer schwangeren Frau der Fötus aus dem Bauch geschnitten worden sei; dies war nie geschehen. Später verbreitete sich dazu ein in einem anderen Land zu einer anderen Zeit gedrehtes Video, das angeblich diesen Vorfall zeigte. Ein weiterer Fall betraf die Leichen einer Mutter und ihrer beiden Töchter im Kibbuz Be’eri. Eine der Töchter war mit heruntergezogener Hose in einem separaten Raum gefunden worden. Ein ZAKA-Helfer schloss, dass das Mädchen dort vergewaltigt worden war. Später stellte sich heraus, dass vor seinem Eintreffen Sprengstoffexperten die Leichen getrennt hatten, um sicherzustellen, dass sie nicht vermint waren. Die Kleidung der Tochter war verrutscht, als sie in einen anderen Raum gebracht wurde; Fotos der Soldaten zeigten, dass die Leichen ursprünglich bekleidet gewesen waren. Ein auf den Aussagen eines IDF-Sanitäters beruhender Bericht in der New York Times über zwei vergewaltigte Mädchen im selben Kibbuz, Be’eri, wurde später zurückgezogen.
Auch einige weitere, besonders schockierende Berichte vom 7. Oktober ließen sich laut einem Artikel von Masha Gessen in The New Yorker nicht bestätigen, darunter die Behauptung, Augenzeugen hätten gesehen, wie Hamas-Kämpfer Frauen die Brüste abschnitten und sie vergewaltigten.
Die meisten Toten wurden zu Identifikationszwecken zum Militärstützpunkt Shura gebracht. Dort waren fünf forensische Pathologen tätig. Diese untersuchten auch Leichen, die völlig oder teilweise unbekleidet eingeliefert wurden – unter anderem, um die Möglichkeit von Vergewaltigungen zu prüfen. Einem im April 2024 veröffentlichten Bericht der israelischen Zeitung Haaretz zufolge gab es an keiner dieser Leichen Anzeichen für Geschlechtsverkehr oder für die Verstümmelung von Genitalien. Allerdings, so Haaretz, wurde nur maximal ein Viertel der Leichen begutachtet, die meisten wurden ohne professionelle Untersuchung bestattet. Haaretz berichtete ferner, in der Nacht zwischen dem 7. und 8. Oktober seien, noch während laufender Kriegshandlungen in dem Gebiet, sechs forensische Ermittlungsteams der Polizei – insgesamt 12 Polizeibeamten – am Ort des Nova-Festivals im Einsatz gewesen. Im Zuge ihrer Arbeit, bei der sie Gesichter fotografierten und Opfer zudeckten, ehe sie fortgebracht wurden, dokumentierten sie mehr als 200 Leichen. Darunter war laut Haaretz kein einziger Fall sexualisierter Gewalt oder verstümmelter Genitalien. Die Pathologen sahen Frauen mit durchgeschnittener Kehle und Männer, die stark verwundet gewesen und dann aus nächster Nähe getötet worden waren.
Berichte von Überlebenden
Arbel Yehoud, eine deutsch-israelische Staatsangehörige, die am 7. Oktober 2023 zusammen mit ihrem Mann Ariel Cunio aus dem Kibbuz Nir Oz entführt wurde, befand sich 482 Tage in der Gewalt der Terrororganisation Islamischer Dschihad im Gazastreifen. In einem Interview berichtete Yehoud, sie sei während ihrer Gefangenschaft über Monate hinweg wiederholt sexuellen Übergriffen ausgesetzt gewesen. Diese hätten nahezu täglich stattgefunden. Details zu den Taten wollte sie öffentlich nicht schildern. Während der Geiselnahme wollte sie Suizid begehen, und allein der anhaltende Protest gegen die Geiselnahme, den sie im Fernsehen gesehen hatte, gaben ihr Mut und Hoffnung weiterzuleben. Neben den sexuellen Misshandlungen beschrieb Yehoud weitere Formen von Gewalt, darunter körperliche Übergriffe, Drohungen, Hunger und Misshandlungen, die zu Verletzungen wie gebrochenen Rippen geführt hätten. Nach ihrer Freilassung am 30. Januar 2025 gab Yehoud an, unter anhaltenden psychischen Folgen der Gefangenschaft zu leiden. Dazu zählten Flashbacks, Schlafstörungen, Angstzustände und emotionale Taubheit.