Julius Elbau, ursprünglich Julius Mandelbaum (* 19. März 1881 in Stuttgart; † 26. Oktober 1965 in Croton-on-Hudson, New York, USA) war ein linksliberaler deutscher Journalist in Berlin. Wegen rassischer Verfolgung durch die Nationalsozialisten emigrierte er nach New York. Als Redaktionsleiter der Vossischen Zeitung im Berliner Ullstein-Verlag war er einer der wichtigsten Chefredakteure der Presse der Weimarer Republik.
Leben Herkunft und Familie Julius Elbau war deutscher Herkunft. Seine Eltern waren der Uhrmacher Falklein (genannt Ferdinand) Mandelbaum und Johannette (Jeannette) geborene Stern. Er hatte einen Bruder und zwei Schwestern. Den Namen Mandelbaum verkürzte er zu einem unbekannten Zeitpunkt mit amtlicher Genehmigung auf Elbau.Heiratsurkunde Nr. 577, Blatt 287, Standesamt Frankfurt am Main, 17. Juni 1907, von Ancestry.com (16.12.2023) Handschriftliche Anmerkung: Namensänderung genehmigt durch Verfügung des Herrn Justizministers Weil sein Geburtsname als typisch „jüdisch“ galt, wurde seine Änderung von den Nationalsozialisten später als Mimikry dargestellt, welche den jüdischen Einfluss in der Presse zu verschleiern versuchte.Die Juden in Deutschland. Hrsg. Institut zum Studium der Judenfrage. Franz-Eher-Verlag Nachf., München 1935. 4. Aufl. 1936, S. 85 [Digitalisat Archive.org]Theodor Fritzsch: Handbuch der Judenfrage. 49. Auflage, Leipzig: Hammer, S. 22. https://archive.org/details/Handbuch-der-Judenfrage/page/21
Am 17. Juni 1907 heiratete er in Frankfurt am Main. Seine Ehefrau war Jenny (genannt Ida) Hattie Mandelbaum. Sie war gebürtige Amerikanerin (* 3. Juli 1879 in New York) und ebenfalls jüdischer Herkunft, Tochter des New Yorker Arztes Gerson Mandelbaum und der Frankfurterin Johanna geb. Sommborn.Heiratsurkunde Nr. 577, Blatt 287, Standesamt Frankfurt am Main, 17. Juni 1907, von Ancestry.com (16.12.2023)
Aus der Ehe gingen zwei Kinder hervor, Gertrud(e) Helen Elbau (* 5. Oktober 1909; † 6. Dezember 2010 in Pleasantville, Westchester County, New York) und Alfred Hans Elbau (* 12. Februar 1911; † 12. Januar 2006 in Falls Church, Virginia).Jenny Hattier Elbau, US Petition for naturalization Nr. 283239. US District Court, Southern District NYC. 30. Oktober 1936. The National Archives and Records Administration; Washington, D.C.; Petitions For Naturalization From the U.s. District Court For the Southern District of New York, 1897–1944; Series: M1972; Roll: 1056, über Ancestry.com (16.12.2023)
Julius und Jenny Elbau lebten von 1914 bis 1938 in Berlin. Während der nationalsozialistischen Diktatur und der Judenverfolgung orientierten sich die Elbaus auf die Emigration. 1936 reisten sie auf einem niederländischen Dampfer von Rotterdam nach New York.Passagierliste SS Statendam, ab Rotterdam, 10. Oktober 1936, The National Archives and Records Administration; Washington, D.C.; Passenger and Crew Lists of Vessels Arriving at and Departing from Ogdensburg, New York, 5/27/1948 - 11/28/1972; Microfilm Serial or NAID: T715, 1897–1957, über Ancestry.com (16.12.2023) Jenny Elbau beantragte bereits kurz nach ihrer Ankunft im Oktober 1936 die Wiedereinbürgerung als US-Staatsangehörige.Jenny Hattier Elbau, US Petition for naturalization Nr. 283239. US District Court, Southern District NYC. 30. Oktober 1936. The National Archives and Records Administration; Washington, D.C.; Petitions For Naturalization From the U.s. District Court For the Southern District of New York, 1897–1944; Series: M1972; Roll: 1056, über Ancestry.com (16.12.2023) Zwar war sie nach US-Recht von Geburt an Amerikanerin gewesen, aber offenbar hatte sie ihre Staatsbürgerschaft zugunsten der deutschen aufgegeben. Beide reisten zunächst zurück nach Berlin, wo sie sich um ein US-Einreisevisum bemühten. Dies wurde durch Jennys Status als gebürtige Amerikanerin erleichtert. Im April 1938 reisten sie über Harwich und Liverpool nach New York.Passagierliste SS Laconia, Cunard, 29. April 1938. The National Archives; Kew, Surrey, England; BT27 Board of Trade: Commercial and Statistical Department and Successors: Outwards Passenger Lists; Reference Number: Series BT27-145925, über Ancestry.com (16.12.2023). Nach Darstellung seiner Tochter Gertrud habe Julius Elbau noch 1938 gezögert, Deutschland zu verlassen, „denn er fühlte sich in erster Linie als Deutscher“ und nicht als Jude.„Nein, ich habe Berlin nicht wiedererkannt“. Nach 52 langen Jahren zum ersten Mal wieder in der Heimatstadt. [über Gertrude H. Bier, Tochter von Julius Elbau] Berliner Morgenpost, 2. Mai 1990, o. S. Online: Leo Baeck Institute, Julius Elbau collection, AR 4596 https://digipres.cjh.org/delivery/DeliveryManagerServlet?dps_pid=IE6664873
Die Elbaus lebten zunächst in ManhattanAdresse 50 West 77th Street New York: Jenny Hattier Elbau, US Petition for naturalization Nr. 283239. US District Court, Southern District NYC. 30. Oktober 1936. The National Archives and Records Administration; Washington, D.C.; Petitions For Naturalization From the U.s. District Court For the Southern District of New York, 1897–1944; Series: M1972; Roll: 1056, über Ancestry.com (16.12.2023), später in Forest Hills im New Yorker Stadtteil QueensAdresse 78-11 Kew Forest Lane, Forest Hills, NY. U. S. Draft registration card 1942, The National Archives At St. Louis; St. Louis, Missouri; Record Group Title: Records of the Selective Service System; Record Group Number: 147, über Ancestry.com (16.12.2023). Er lebte in den Sechziger Jahren bis zu seinem Tod im New Yorker Vorort Croton-On-Hudson, Westchester, New York. Im Juli 1944 beantragte Elbau die amerikanische Staatsangehörigkeit.Karte Nr. 5969031, Petition Nr. 343620, 27. Juli 1955, US District Courrt, Brooklyn, NY. National Archives and Records Administration (NARA); Washington, D.C.; Index to Naturalization Petitions of the United States District Court for the Eastern District of New York, 1865–1957; Microfilm Serial: M1164; Microfilm Roll: 53. Über Ancestry.com (16.12.2023) Gleichwohl betonte er später, seine Verbundenheit mit dem „wahren Deutschland“ sei auch in den dunkelsten Jahren unerschüttert geblieben.„Nein, ich habe Berlin nicht wiedererkannt“. Nach 52 langen Jahren zum ersten Mal wieder in der Heimatstadt. [über Gertrude H. Bier, Tochter von Julius Elbau] Berliner Morgenpost, 2. Mai 1990, o. S. Online: Leo Baeck Institute, Julius Elbau collection, AR 4596 https://digipres.cjh.org/delivery/DeliveryManagerServlet?dps_pid=IE6664873 Den erwachsenen Kindern Gertrud und Alfred Hans gelang mit ihren Familien ebenfalls die Auswanderung in die Vereinigten Staaten. Die Tochter lebte ebenfalls in New YorkGertrud war seit 1933 mit Arthur Bier verheiratet, einem Arzt am Berliner Krankenhaus Am Urban. Sie gelangten mit ihrer erst wenige Monate alten Tochter Irene im März 1938 nach New York. „Nein, ich habe Berlin nicht wiedererkannt“. Nach 52 langen Jahren zum ersten Mal wieder in der Heimatstadt. [über Gertrude H. Bier, Tochter von Julius Elbau] Berliner Morgenpost, 2. Mai 1990, o. S. Online: Leo Baeck Institute, Julius Elbau collection, AR 4596 https://digipres.cjh.org/delivery/DeliveryManagerServlet?dps_pid=IE6664873 Bradford C. Brayton. He couldn't quite stand retirement. Falmouth Enterprise, 1. Mai 1970, S. 17 / 3B, https://falmouth.historyarchives.online/viewer?k=arthur%20bier&i=f&d=01011896-12312017&m=between&ord=k1&fn=falmouth_enterprise_usa_massachusetts_falmouth_19700501_english_17&df=1&dt=10&cid=3174 Gertrude Helen Bier, Declaration of intention Nr. 413990, 3. Mai 1938, The National Archives at Philadelphia; Philadelphia, PA; NAI Title: Declarations of Intention For Citizenship, 1/19/1842 - 10/29/1959; NAI Number: 4713410; Record Group Title: Records of District Courts of the United States, 1685-2009; Record Group Number: 21, über Ancestry.com (16.12.2023), der Sohn in Washington.Alfred, der noch bis 1935 in Berlin studierte, lebte zeitweise in Italien. Er erlangte in Italien ein Visum für Chile und wanderte 1940 in die USA ein und lebte in der Nähe von Washington. U. S. Holocaust Museum, Washington. Alfred Elbau papers. Overview. Katalog, https://collections.ushmm.org/search/catalog/irn548817 (16.12.2023)
Julius Elbau reiste nach dem Zweiten Weltkrieg zwei Mal nach Deutschland sowie nach Dänemark und Norwegen, wobei er mehrere Verlage und Redaktionen mit früheren Kollegen besuchte. Mehrere Zeitungen berichteten darüber.
Nach einer Operation starb er im Alter von 84 Jahren im Pflegeheim Sawmill River Nursing Home im ländlichen New Yorker Vorort Cronton-on-Hudson in Westchester County.Redakteur Julius Elbau starb 84-jährig in Croton on Hudson. New Yorker Staats-Zeitung und Herold, 27. Oktober 1965, S. 4. Beerdigt wurde er auf dem jüdischen Friedhof Sharon Gardens, Teil des Kensico Cemetery, im Bronx River Valley in Hawthorne, Westchester County, New York.In Memoriam, Gedenkblatt Sharon Gardens, 1965, in Leo Baeck Institute, AR 4596 Julius Elbau Collection I https://digipres.cjh.org/delivery/DeliveryManagerServlet?dps_pid=IE6664704
Journalist in Deutschland Berufsstart in Heilbronn und Frankfurt am Main Schon als Schüler verdiente sich Elbau Geld im Journalismus. Er entwickelte früh Interesse an Politik, Kultur und dem Schreiben. Als Gymnasiast arbeitete er regelmäßig für die Heilbronner Zeitung. Direkt nach dem Abitur, im Alter von 20 Jahren, wurde er 1901 Redakteur des Blattes im Verlag der Druckerei Carl-Wilhelm Fischer & Carl Wulle. Er hatte auch großes Interesse am Theater und schrieb Theaterkritiken, die er zunächst anonym einsandte.Großmeister der deutschen Journalisten. Julius Elbau zum 80. Geburtstag. New Yorker Staats-Zeitung und Herold, 97. Jg., 19. März 1961, S. 1
Das Blatt stand der linksliberalen Demokratischen Volkspartei (DVP) nahe. Auf Empfehlung des DVP-Politikers Friedrich von Payer, der ein Freund des Verlegers Leopold Sonnemann und Aufsichtsratsmitglied der Frankfurter Zeitung war, wechselte er 1903 als Redakteur zur Lokalausgabe Stadt-Blatt der Frankfurter Zeitung; deren Mittagsausgabe Kleine Presse verantwortete er schließlich als Chefredakteur. Außerdem leitete er die Tiefdruck-Wochenzeitung Das Illustrierte Blatt, die ab 1913 erschien.
Die enge Bindung der Zeitungen an die Partei erklärt, warum er 1910 in Berlin Delegierter des Einigungsparteitages der Fortschrittlichen Volkspartei wurde, bei dem die Freisinnige Volkspartei, Freisinnige Vereinigung und DVP fusionierten. Elbau übernahm aber selbst keine weiteren Parteiämter, auch nicht später als Mitglied der Nachfolgeparteien Deutsche Demokratische Partei (1918–30) und Deutsche Staatspartei (1930–33).
Er blieb fast elf Jahre lang bei der Kleinen Presse und dem Verbund der Frankfurter Zeitung in Frankfurt, wo nicht nur sein Bruder lebte, sondern er ein dichtes Netzwerk liberaler Parteifreunde hatte.Abschiedsfeier. In: Frankfurter Zeitung vom 27. Juni 1914, 58. Jg., Nr. 176, Abendblatt S. 3 https://sammlungen.ub.uni-frankfurt.de/periodika/periodical/pageview/6725002