mini|Kaiserin Elisabeth von Österreich (Porträt von Franz Xaver Winterhalter) Elisabeth von Österreich-Ungarn („Sisi“) kam sechs Mal zu Kuraufenthalten nach Bad Kissingen, der Großen Kreisstadt des unterfränkischen Landkreises Bad Kissingen.
Hintergrund Kaiserin Elisabeth (1837–1898) kam aus gesundheitlichen Gründen nach Bad Kissingen.Cornelia Oelwein, Annette Späth: Kaiserlich & inkognito: Sisi in Bad Kissingen. (= Bad Kissinger Museums-Informationen. Heft 11. Herausgegeben von Peter Weidisch). Verlag Stadt Bad Kissingen, Bad Kissingen 2023, S. 19 Dabei absolvierte sie jedes Mal ein übliches Kurprogramm, das von den Kissinger Brunnenärzten in Absprache mit dem Hof entwickelt wurde. In den 1860er Jahren reiste sie in vier aufeinanderfolgenden Jahren an, suchte dann aber auf Grund des Deutschen Krieges von 1866, in dessen Rahmen auch in Kissingen gekämpft wurde, andere Kurorte auf, ließ sich aber angeblich das Kissinger Heilwasser sogar bis nach Korfu nachschicken.
Erst 32 Jahre später, im Jahr 1897, kehrte sie wieder nach Bad Kissingen zurück. 1898 plante sie, im Folgejahr wiederzukommen: „So Gott will, sehen wir uns im nächsten Jahr wieder.“„Saale-Zeitung“, 21. Mai 1898 Doch dazu kam es nicht mehr: Vier Monate später fiel sie in Genf einem Attentat des Anarchisten Luigi Lucheni zum Opfer.
Am gesellschaftlichen Leben Kissingens mit den anderen Kurgästen nahm Kaiserin Elisabeth bedingt teil.Cornelia Oelwein, Annette Späth: Kaiserlich & inkognito: Sisi in Bad Kissingen. (= Bad Kissinger Museums-Informationen. Heft 11. Herausgegeben von Peter Weidisch). Verlag Stadt Bad Kissingen, Bad Kissingen 2023, S. 21 Oft trank sie ihr Heilwasser im Kurgarten auch lediglich in Anwesenheit ihrer Hofdamen oder ihrer Familie. Sie mied gesellschaftliche Ereignisse und größere protokollarische Ereignisse.
Kaiserin Elisabeth reiste unter dem Inkognito „Gräfin von Hohenems“ an (Kaiser Franz Joseph I., wenn er auch anreiste, dementsprechend als „Graf von Hohenems“).Cornelia Oelwein, Annette Späth: Kaiserlich & inkognito: Sisi in Bad Kissingen. (= Bad Kissinger Museums-Informationen. Heft 11. Herausgegeben von Peter Weidisch). Verlag Stadt Bad Kissingen, Bad Kissingen 2023, S. 23 Heimatforscher Edi Hahn hatte noch gemutmaßt, dass es für eine Persönlichkeit nicht leicht sei, ihre Identität geheim zu halten.Edi Hahn: Kaiser-Kur im Grand Hotel – Geschichte und Schicksale, Bad Kissingen 1996, S. 26–30 Dabei bedeutete „inkognito“ jedoch nicht, dass man unter unbekannter Identität reiste, sondern dass der gastgebende Ort, aber auch der Reisende selbst von allen protokollarischen Pflichten entbunden waren.Werner Eberth: Karl von Hess – Der unvergessliche Wohltäter Hammelburgs. Theresienbrunnen-Verlag, Bad Kissingen 2012, S. 53–54
Der schlechte Gesundheitszustand der Kaiserin veranlasste den Lungenspezialisten Josef Skoda, ihr einen Aufenthalt in warmem Klima zu empfehlen.Cornelia Oelwein, Annette Späth: Kaiserlich & inkognito: Sisi in Bad Kissingen. (= Bad Kissinger Museums-Informationen. Heft 11. Herausgegeben von Peter Weidisch). Verlag Stadt Bad Kissingen, Bad Kissingen 2023, S. 24 Kaiserin Elisabeth favorisierte Madeira, wo sich ihr Vater kurz zuvor aufgehalten hatte und wo sie auf Grund der Insellage keine Besuche aus Wien befürchten musste. Es war und ist bis heute unklar, an welcher Art von Krankheit sie litt. Sie kränkelte seit dem Beginn ihrer Ehe mit Franz Joseph I., wozu ihre exzessiven Wanderungen, Turnübungen und Springreiten beitrugen. Ihr Husten ließ eine Lungenkrankheit vermuten. Ergänzt wurden ihre Beschwerden durch eine Blutarmut, hervorgerufen von ihrer Weigerung, ausreichend Nahrung zu sich zu nehmen. Dazu kam die erste Ehekrise des Kaiserpaares, die wohl einen psychosomatischen Hintergrund hatte, denn sobald sich die Kaiserin von Wien und Kaiser entfernte, ließen die dementsprechenden Beschwerden nach.
Die Wiener Verwandtschaft und Hofkreise zweifelten an der Krankheitsgeschichte; die Sympathien gehörten dem Kaiser, der so lange von seiner Frau allein gelassen wurde.Cornelia Oelwein, Annette Späth: Kaiserlich & inkognito: Sisi in Bad Kissingen. (= Bad Kissinger Museums-Informationen. Heft 11. Herausgegeben von Peter Weidisch). Verlag Stadt Bad Kissingen, Bad Kissingen 2023, S. 24–25 So kehrte Kaiserin Elisabeth erst nach sechs Monaten von Madeira nach Wien zurück.Cornelia Oelwein, Annette Späth: Kaiserlich & inkognito: Sisi in Bad Kissingen. (= Bad Kissinger Museums-Informationen. Heft 11. Herausgegeben von Peter Weidisch). Verlag Stadt Bad Kissingen, Bad Kissingen 2023, S. 25 Jedoch hatte der Madeira-Aufenthalt nicht den gewünschten Erfolg. Schon wenige Tage nach der Rückkehr der Kaiserin litt sie wieder unter ihren alten Krankheitssymptomen wie Fieber und Hustenanfällen und verweigerte jede Nahrungsaufnahme. Man machte sich Sorgen, die Kaiserin hätte unter den Umständen nicht mehr lange zu leben.
mini|Prinzessin Ludovika und Herzog Max in Bayern, 1840er-Jahre
Kaiserin Elisabeth reiste erneut in den Süden, diesmal auf Anregung und in Begleitung von Skoda nach Korfu. Auch hier stellte sich keine Besserung ein. Als sie nach Venedig reiste, stellte ihre Mutter Ludovika Wilhelmine von Bayern den Kontakt mit Heinrich Fischer, Elisabeths Arzt des Vertrauens, wieder her. Fischer war von Anfang an gegen die Aufenthalte der Kaiserin auf Madeira und Korfu gewesen, stellte aber dafür eine Besserung des Lungenleidens fest – falls es denn eins gewesen war –, ferner Anzeichen von Blutarmut auf Grund der schlechten Nahrungsaufnahme durch die Kaiserin sowie Wassersucht in den Beinen.Cornelia Oelwein, Annette Späth: Kaiserlich & inkognito: Sisi in Bad Kissingen. (= Bad Kissinger Museums-Informationen. Heft 11. Herausgegeben von Peter Weidisch). Verlag Stadt Bad Kissingen, Bad Kissingen 2023, S. 25–26 Am meisten Besorgnis erregte jedoch ihre schlechte seelische Verfassung.Cornelia Oelwein, Annette Späth: Kaiserlich & inkognito: Sisi in Bad Kissingen. (= Bad Kissinger Museums-Informationen. Heft 11. Herausgegeben von Peter Weidisch). Verlag Stadt Bad Kissingen, Bad Kissingen 2023, S. 26 Fischer riet von einer Rückkehr nach Wien ab und empfahl eine Kur in Kissingen. Nach einem Zwischenbesuch bei ihren Kindern im niederösterreichischen Kurort Reichenau an der Rax reiste sie weiter nach Kissingen.
Elisabeths Vater Max Joseph in Bayern war vorher bereits mehrfach – das erste Mal vermutlich im Juli 1837 – in Kissingen gewesen und kam in den folgenden Jahrzehnten mehrfach wieder zu Besuch.Cornelia Oelwein, Annette Späth: Kaiserlich & inkognito: Sisi in Bad Kissingen. (= Bad Kissinger Museums-Informationen. Heft 11. Herausgegeben von Peter Weidisch). Verlag Stadt Bad Kissingen, Bad Kissingen 2023, S. 27–28
1862
Ankunft mini|Das Hotel „Karl von Hess“ (1840)
Am Abend des 2. Juni 1862 kam Kaiserin Elisabeth mit einem Gefolge von 24 Personen in der Kissinger Kurhausstraße an und logierte im damaligen „Hotel Karl von Hess“ (heute „Kaiserhof Victoria“).Cornelia Oelwein, Annette Späth: Kaiserlich & inkognito: Sisi in Bad Kissingen. (= Bad Kissinger Museums-Informationen. Heft 11. Herausgegeben von Peter Weidisch). Verlag Stadt Bad Kissingen, Bad Kissingen 2023, S. 29Werner Eberth: Karl von Hess – Der unvergessliche Wohltäter Hammelburgs. Theresienbrunnen-Verlag, Bad Kissingen 2012, S. 53–57. Sie war bei ihrer Ankunft noch so schwach, dass sie ins Haus getragen werden musste.z. B. „Kronstädter Zeitung“, 7. Juli 1862
Aufenthalt Am 4. Juni 1862 begann sie nach Rücksprache zwischen Fischer und dem Kissinger Brunnenarzt Heinrich Carl Welsch ihre Trinkkur mit dem Kissinger, nach dem ungarischen Freiheitskämpfer Franz II. Rákóczi benannten Rakoczy-Heilwasser.Cornelia Oelwein, Annette Späth: Kaiserlich & inkognito: Sisi in Bad Kissingen. (= Bad Kissinger Museums-Informationen. Heft 11. Herausgegeben von Peter Weidisch). Verlag Stadt Bad Kissingen, Bad Kissingen 2023, S. 30 Wenige Tage später begann die Anwendung von Bädern.Cornelia Oelwein, Annette Späth: Kaiserlich & inkognito: Sisi in Bad Kissingen. (= Bad Kissinger Museums-Informationen. Heft 11. Herausgegeben von Peter Weidisch). Verlag Stadt Bad Kissingen, Bad Kissingen 2023, S. 30–31 Kaiserin Elisabeth konzentrierte sich während ihres ersten Kuraufenthalts auf die Wiederherstellung ihrer Gesundheit und nahm an keinen gesellschaftlichen Ereignissen teil.Cornelia Oelwein, Annette Späth: Kaiserlich & inkognito: Sisi in Bad Kissingen. (= Bad Kissinger Museums-Informationen. Heft 11. Herausgegeben von Peter Weidisch). Verlag Stadt Bad Kissingen, Bad Kissingen 2023, S. 31
Schon bald konnte an Kaiser Franz Joseph in Wien eine Besserung des Gesundheitszustandes der Kaiserin berichtet werden.Cornelia Oelwein, Annette Späth: Kaiserlich & inkognito: Sisi in Bad Kissingen. (= Bad Kissinger Museums-Informationen. Heft 11. Herausgegeben von Peter Weidisch). Verlag Stadt Bad Kissingen, Bad Kissingen 2023, S. 35
Vorteilhaft wirkte sich eine leichte Bewegung im Gärtchen des „Hotels Karl von Hess“ aus.„Das Vaterland, 7. Juni 1862“ Daneben bekam Kaiserin Elisabeth einen passenden Ernährungsplan.Cornelia Oelwein, Annette Späth: Kaiserlich & inkognito: Sisi in Bad Kissingen. (= Bad Kissinger Museums-Informationen. Heft 11. Herausgegeben von Peter Weidisch). Verlag Stadt Bad Kissingen, Bad Kissingen 2023, S. 35–36 Zum Frühstück gab es Kaffee mit Milchbrot. Zu Mittag gab es lediglich Speisen, „welche sich mit den Wirkungen der Kur vereinigen lassen“. An Obst gab es Erdbeeren mit Zucker. Zum Abendessen gab es ebenfalls einfache Speisen. An Getränken gab es „süßes Wasser rein oder mit etwas Zucker oder etwas Wein“. Diese durften jedoch nicht zu kalt getrunken werden.„Feldkircher Zeitung“, 5. Juli 1862
Zur Kur von Kaiserin Elisabeth gehörten auch leichte Spaziergänge im Kurgarten, am „freundlichen Wiesengrund“ entlang der Fränkischen Saale zur Lindesmühle oder zum Klaushof.Cornelia Oelwein, Annette Späth: Kaiserlich & inkognito: Sisi in Bad Kissingen. (= Bad Kissinger Museums-Informationen. Heft 11. Herausgegeben von Peter Weidisch). Verlag Stadt Bad Kissingen, Bad Kissingen 2023, S. 36„Feldkircher Zeitung“, 5. Juli 1862; „Ost-Deutsche Post Wien“, 5. Juli 1862
Der bessere Gesundheitszustand der Kaiserin machte sich auch in ihrem Aussehen bemerkbar.Cornelia Oelwein, Annette Späth: Kaiserlich & inkognito: Sisi in Bad Kissingen. (= Bad Kissinger Museums-Informationen. Heft 11. Herausgegeben von Peter Weidisch). Verlag Stadt Bad Kissingen, Bad Kissingen 2023, S. 36–37 Fischer und Welsch wurden bereits beim ersten Kuraufenthalt der Kaiserin 1862 für ihren Einsatz mit dem Ritterkreuz des Franz-Joseph-Ordens ausgezeichnet.„Die“ Neue Zeit Olmüzer politische Zeitung, 24. August 1862
mini|Marie in Bayern, Porträt um 1860
Zum Ende ihrer Kur wurde ein großes Genesungsfest mit Beleuchtung und einem großen Feuerwerk für Kaiserin Elisabeth gegeben, an dem sie auch selbst teilnahm.Cornelia Oelwein, Annette Späth: Kaiserlich & inkognito: Sisi in Bad Kissingen. (= Bad Kissinger Museums-Informationen. Heft 11. Herausgegeben von Peter Weidisch). Verlag Stadt Bad Kissingen, Bad Kissingen 2023, S. 37 Die Genesung der Kaiserin inspirierte zu verschiedenen Gedichten, u. a. Ephraim Israel Blücher zu einem Gedicht in aramäischer Sprache, das K. Ebersberger im Jahr 1863 ins Deutsche übersetzte.Cornelia Oelwein, Annette Späth: Kaiserlich & inkognito: Sisi in Bad Kissingen. (= Bad Kissinger Museums-Informationen. Heft 11. Herausgegeben von Peter Weidisch). Verlag Stadt Bad Kissingen, Bad Kissingen 2023, S. 44–45