mini|Zerstörtes und ausgebranntes Wohngebäude in Nir Oz mini|Zerstörtes Gebäude in Nirim Das Massaker von Nirim und Nir Oz ereignete sich während des Terrorangriffs der Hamas auf Israel am 7. Oktober 2023 in den grenznahen Kibbuzen Nirim und Nir Oz in Israels Südbezirk. Terroristen der Hamas waren nach Durchbrechen der Sperranlagen um den Gazastreifen in die Siedlungen und ein nahe befindliches Open-Air-Festival eingedrungen und entführten mindestens 85 Menschen der beiden Siedlungen in den Gazastreifen, was rund einem Drittel aller während des Terrorangriffs aus Israel verschleppten Geiseln entspricht. 88 Menschen wurden während des Angriffs ermordet, im Kampf getötet oder starben später während der Gefangenschaft, während fast 60 weitere im Zuge dreier Waffenstillstände freigelassen wurden.
Die Freilassung der letzten noch lebenden Geiseln aus Nirim und Nir Oz erfolgte am 13. Oktober 2025.
Lage und Beschreibung Der Kibbuz Nirim wurde 1946 gegründet und im Laufe des Palästinakrieges 1948 größtenteils zerstört, weshalb er nach Kriegsende etwa 20 Kilometer nördlich der ehemaligen Lage neu errichtet worden war. Die Einwohnerzahl stieg in den folgenden Jahren durch Geburten und Zuzug aus anderen Landesteilen Israels sowie durch Einwanderung aus Australien und Südamerika bis auf rund 400 Einwohner zum Zeitpunkt des Angriffs. Nirim ist vor allem landwirtschaftlich geprägt, hatte sich zu einer der größten ökologischen Landwirtschaften Israels entwickelt und ist auch Miteigentümer eines der größten und führenden israelischen Unternehmen (Nirlat) aus der Farbindustrie, das einen seiner beiden Hauptproduktionsstandorte im rund zwei Kilometer südlich gelegenen Kibbuz Nir Oz unterhält. Das 1955 gegründete Nir Oz, das zum Zeitpunkt des Angriffs 427 Einwohner zählte, lebte ebenfalls vorwiegend von der Landwirtschaft und war überregional für seinen Botanischen Garten mit mehr als 900 verschiedenen Baum-, Pflanzen- und Blumenarten bekannt. Beide Kibbuzim liegen nur rund zwei Kilometer von den Sperranlagen zum östlichen Gazastreifen entfernt.
Terrorangriff der Hamas Der Angriff der Hamas auf Israel begann am 7. Oktober um 6:29 Uhr, wobei die Bewohner der Kibbuzim Nirim und Nir Oz rund fünf Minuten später von der Regionalverwaltung Eschkol über Kämpfe in grenznahen Bereichen in Kenntnis gesetzt und zum Aufsuchen sicherer Bereiche und Schutzräume aufgefordert wurden. Ein Großteil der Bewohner, darunter ganze Familien, hatten sich daraufhin in die nicht versperrbaren Schutzräume ihrer Häuser (Merchavim Mugganim) zurückgezogen, welche zum Schutz vor Raketeneinschlägen oder herabfallender Raketentrümmer errichtet wurden. Die Terroristen durchbrachen im Bereich von Nir Oz und Nirim an sechs Stellen die Grenzanlagen und drangen nahezu ohne Widerstand zu den Siedlungen vor. Der südlich von Nir Oz befindliche IDF-Posten Mopdarom wurde überrannt und dabei fünf Soldaten getötet, während ein einzelner Merkava-Kampfpanzer, der sich südlich von Nir Oz postiert hatte, von den Terroristen mittels Panzerabwehrhandwaffen und Sprengladungen außer Gefecht gesetzt wurde. Die vier Besatzungsmitglieder wurden in den Gazastreifen entführt, wobei drei von ihnen noch am 7. Oktober verstarben. Bei Nirim konnte das Eindringen der Terroristen für rund zwei Stunden verzögert werden, wobei in den Kämpfen sechs Soldaten getötet wurden, darunter der Kommandeur der Südbrigade der Gaza-Division, Oberst Asaf Hamami, dessen Leiche in den Gazastreifen verschleppt wurde.
Um 6:49 Uhr drangen die Angreifer in Nir Oz ein. Der erste dokumentierte Mord ereignete sich bereits rund acht Minuten später, als Terroristen die 74-jährige Bracha Levinson in ihrem Haus töteten und den Vorgang auf dem Facebook-Profil ihres Opfers hochluden.Bracha Levinson, 74: Devoted grandmother who was ‘full of life’ Laut IDF-Untersuchungsbericht trafen im Zuge des Angriffs zwischen 300 und 530 palästinensische Terroristen zu Fuß, mit Motorrädern und Kleinlastern bei Nir Oz ein, darunter 100 bis 130 Mitglieder der Nuchba-Eliteeinheit der Hamas, sowie weitere Mitglieder der Hamas, des Palästinensischen Islamischen Dschihad und der Mudschaheddin-Brigaden. Organisierter Widerstand der IDF war nahezu nicht vorhanden und das zivile Sicherheitsteam von Nir Oz bestand nur aus sieben Mann, welche schnell ausgeschaltet wurden. Die Terroristen gingen in den folgenden Stunden von Haus zu Haus, ermordeten oder entführten die Bewohner, wobei sie gezielt Häuser plünderten und in Brand setzten, sowie die Wasser- und Stromversorgung sabotierten. Die Menschen in Nir Oz blieben über die WhatsApp-Gruppe des Kibbuz in Kontakt und verschickten während der Dauer des Angriffs rund 600 Textnachrichten, um sich gegenseitig zu warnen oder Hilfe anzufordern. Ein Teil des Angriffs konnte von einer Überwachungskamera aufgezeichnet werden, welche als einzige von den Terroristen nicht zerstört worden war. Die Terroristen attackierten auch das zwischen Nirim und Nir Oz stattfindende Open-Air-Festival Psyduck. Sechs der Festivalbesucher, welche nach Nir Oz geflohen waren, wurden dort ermordet. Die ersten Entführungen begannen gegen 8:30 Uhr. Unter den getöteten Menschen befanden sich sechs Mitglieder der Familie Tov und Avraham Katzir, einer der Gründer des Kibbuz Nir Oz, sowie die Berliner Studentin Carolin Bohl und deren Partner Danny Darlington, ein in Deutschland lebender britischer Staatsbürger. In Nirim wurden fünf Menschen ermordet, unter ihnen ein Vater zusammen mit seiner 17-jährigen Tochter, während sich die Mutter in einem Schrank versteckt hatte und unentdeckt geblieben war.
Die Kommando- und Kontrollstruktur der IDF war zwischenzeitlich zusammengebrochen. Aufgrund eines fehlenden Lagebildes und zahlreicher Meldungen von Kämpfen aus nahezu allen grenznahen Siedlungen und Städten, erhielten nur wenige Truppen die ausdrückliche Anweisung, nach Nir Oz aufzubrechen. Diejenigen, die dorthin geschickt wurden, gerieten in anderen Ortschaften, entlang der Zufahrtsstraßen und an Kreuzungen in Kämpfe und Hinterhalte, zudem wurden einige während des Anmarsches an andere Kampfschauplätze beordert. Ein erster israelischer Kampfhubschrauber traf erst um 9:22 Uhr bei Nir Oz ein, geriet jedoch unter Beschuss und musste auf dem Militärflugplatz Chazerim notlanden. Im Laufe des Vormittags trafen nur ein weiterer Kampfhubschrauber und ein Kampfpanzer bei Nir Oz ein, welche Terroristen außerhalb der Siedlung angriffen. Ab 10:30 Uhr zogen sich die Terroristen mit den Geiseln von Nir Oz vollständig in den Gazastreifen zurück, wobei der letzte Terrorist gegen 12:30 Uhr in Nir Oz registriert wurde. Die ersten israelischen Sicherheitskräfte, Mitglieder der Einheit JAMAS der Grenzpolizei, drangen erst um 13:10 Uhr in Nir Oz ein. Später folgten Mitglieder der Kommandoeinheiten Egoz und Schajetet 13. Die Truppen begannen mit der Durchsuchung der Siedlung und evakuierten die verbliebenen Bewohner. Von den hunderten Terroristen, die in Nir Oz einmarschierten, konnte das Untersuchungsteam nur die Leiche eines einzigen im Kibbuz finden. Außerhalb des Kibbuz, an einer Straße nach Gaza, wurden die Leichen von 64 Terroristen gefunden, welche vorwiegend von der Luftwaffe und einem Panzer getötet wurden.
Laut IDF-Untersuchungsbericht wurden 47 Menschen in Nir Oz getötet, darunter 41 Einwohner und sechs Partygäste des Musikfestivals Psyduck. Unter den getöteten Bewohnern befanden sich zwölf thailändische Landarbeiter. Weitere 76 Menschen aus Nir Oz wurden von den Terroristen verschleppt, von denen 22 noch in Nir Oz, auf dem Weg nach Gaza oder im Gazastreifen selbst getötet wurden. 13 weitere wurden während des Krieges in Gaza getötet. In Nirim wurden fünf Menschen getötet und sechs weitere als Geiseln verschleppt.
Nach der Rückeroberung Am 15. Oktober gaben die IDF bekannt, den für die Angriffe auf Nirim und Nir Oz verantwortlichen Hamas-Kommandeur Billal al-Qedra, bei einem Luftangriff im Gazastreifen getötet zu haben. Am 19. Oktober wurde Journalisten der Zutritt nach Nir Oz ermöglicht.
Im November wurde bekanntgegeben, dass Archäologen der israelischen Altertümerbehörde die Bemühungen der IDF unterstützen, menschliche Überreste aus verbrannten Häusern und Fahrzeugen zu identifizieren, darunter in Nir Oz.
Am 27. Dezember gab der IDF-Kommandeur der Gaza-Division, Avi Rosenfeld, bekannt, dass die Bodenoperation gegen die Hamas in Chuzaʿa im südlichen Gazastreifen, am Stadtrand von Chan Yunis, nach dem Kibbuz Nir Oz benannt werde und dass sich die Operation gegen die Hamas-Terroristen richte, die am 7. Oktober die Grenzgemeinde Nir Oz angriffen. Am 29. Dezember verkündeten die IDF heftige Gefechte aus Chuza’a und die Zerstörung erster Häuser von Terroristen, die an dem Angriff auf Nir Oz beteiligt gewesen seien. Am 1. Januar 2024 meldeten die IDF den Tod des Hamas-Kommandeurs Adel Msammah durch einen Luftangriff in Dair al-Balah. Msammah sei nach IDF-Angaben für das Massaker in Kissufim verantwortlich gewesen und habe die Angriffe auf Beʾeri und Nirim unterstützt. Am 10. Januar 2024 gaben die IDF bekannt, ihre Operationen in Chuza’a abgeschlossen zu haben. Die dabei eingesetzte 5. IDF-Reservebrigade zerstörte dabei nach eigenen Angaben hunderte Hamas-Ziele.
Am 6. Februar 2024 gaben die IDF bekannt, bei einem nächtlichen Luftangriff in Deir al-Balah einen palästinensischen Terroristen des Islamischen Dschihad, der am Angriff auf Nir Oz beteiligt war, getötet zu haben. Am 3. November 2024 gaben die IDF die Tötung eines weiteren Terroristen im südlichen Gazastreifen bekannt, welcher als Mitglied der Nuchba-Truppe der Hamas am Angriff auf Nir Oz beteiligt war. Im Mai 2025 erschien auf dem Onlinemagazin haGalil eine Übersichtsstudie über das Pogrom in Nir Oz und die lebenden sowie die ermordeten Geiseln.
Am 7. Juni 2025 gab das israelische Militär bekannt, den Anführer der Hamas-nahen Mudschaheddin-Brigaden, Asaad Abu Sharia, bei einem Angriff in Gaza-Stadt getötet zu haben. Sharia soll in den Kibbuz Nir Oz eingedrungen und direkt an der Entführung und Ermordung von Zivilisten beteiligt gewesen sein, darunter an Mitgliedern der Familie Bibas, Gadi Haggai und Judith Weinstein, sowie der thailändischen Geisel Nattapong Pinta. Bei dem Angriff soll auch Mahmoud Kaheel, ein weiteres hochrangiges Mitglied der Mudschaheddin-Brigaden, getötet worden sein; auch dieser soll in Nir Oz eingedrungen und an der Gefangenhaltung von Mitgliedern der Familie Bibas beteiligt gewesen sein.
Am 4. Februar 2026 erfolgte nach israelischen Armeeangaben ein Luftschlag gegen Bilal Abu Assi in al-Mawasi. Dieser soll als Zugführer der Nuchba-Einheit der Hamas bei der Invasion des Kibbuz Nir Oz mitgewirkt haben.IDF: Hamas commander who invaded Nir Oz on Oct. 7 targeted in Gaza strike Am 5. April und am 21. April 2026 tötete Israels Militär laut eigenen Angaben zwei weitere Terroristen, die am Angriff auf Nir Oz beteiligt waren.Islamic Jihad terrorist who invaded Nir Oz on Oct. 7 killed in airstrike — IDFHamas terrorist who invaded Nir Oz on October 7 killed in Gaza, says IDF
Am 21. Juni 2026 wurde die Tötung eines weiteren Terroristen des Islamischen Dschihad im südlichen Gazastreifen bekanntgegeben, welcher beim Angriff auf Nir Oz und der Verschleppung der Geisel Yagil Yaakov beteiligt war.Gaza terrorist who took part in Oct. 7 kidnapping killed in Israeli airstrike Am 8. Juli 2026 bestätigte Israels Militär auch die Tötung des beim Angriff auf den Kibbuz Nirim beteiligten Hamas-Terroristen Mohammed Abu Taima bei einem Luftangriff im südlichen Gazastreifen.IDF says Hamas terrorist who invaded Kibbutz Nirim on Oct. 7 killed in Gaza strike Am 14. Juli 2026 tötete Israels Militär Hassam Shafai bei einem Angriff im südlichen Gazastreifen. Shafai, ein Angehöriger des Ost-Chan Yunis-Bataillons der Hamas, war an der Entführung von Oberst Asaf Hamami und zwei seiner Soldaten bei Nirim beteiligt.IDF says it killed Hamas terrorist who abducted bodies of brigade commander, 2 soldiers on Oct. 7