Der Loch Sunart ist eine fjordartige Meeresbucht an der Westküste Schottlands.

Etymologie Das schottisch-gälische Substantiv Loch bezeichnet entweder einen marinen sea loch oder einen Binnensee. Sunart, schottisch-gälisch Shuaineart, ist altnorwegischen Ursprungs und bedeutet der Fjord des Svein.

Geographie Der etwa 1,5 Kilometer breite Loch Sunart ist der größte sea loch im Highland Council Area. Er erstreckt sich auf 33 Kilometer mehr oder weniger in West-Ost-Richtung. Seine maximale Tiefe von 124 Meter wird östlich der kleinen Insel Càrna am Eingang zum auf seiner Südseite gelegenen Loch Teacuis gemessen. Weitere Inseln im Loch sind Oronsay seewärts von Càrna, das kleine Risga, das entlang des Nordufers zwischen den beiden genannten Inseln liegt, sowie Eilean Mòr gegen Ende des Lochs südlich vom Beinn Resipol (845 Meter).

Der Loch Sunart wird auf seiner Nordseite im Osten vom Sunart-Distrikt und im Westen von der Ardnamurchan-Halbinsel umgeben. Seine Südseite bildet die Nordbegrenzung der Morvern-Halbinsel.

Größere Erhebungen in nicht allzu weiter Entfernung vom Loch Sunart sind auf seiner Nordseite (ausgehend von Westen) der Ben Hiant (528 Meter) in direkter Nähe der Maclean's Nose (Einfahrt zum Loch), der Ben Laga (512 Meter), der Beinn Resipol und schließlich der Garbh Bheinn (885 Meter). Seine Südseite umrahmen der Meall an Damhain (516 Meter), der Beinn nam Bathach (582 Meter), der Fuar Beinn (765 Meter) und der Creach Bheinn (853 Meter) am östlichen Ende. Die Berge gewinnen somit nach Osten an Höhe.

Die meisten Ansiedlungen finden sich am Nordufer des Lochs. Hierunter ist das am Ostende gelegene Strontian am Bedeutendsten. Erwähnenswert sind ferner Ardslignish am Eingang, Glenbeg, Glenborrodale, Salen, Resipole, Ardery, Ceol na Mara und Ardnastang. Auf der Südseite befindet sich nur Liddesdale mit dem Laudale Estate. Verkehrsmäßig verbinden die A 861 am Nordufer Strontian mit Salen und im Anschluss die B 8007 Salen mit Ardslignish. Abzweigend von der A 861 folgt die A 884 nur für wenige Kilometer dem Südostufer und biegt dann bei Liddesdale in Richtung Lochaline im Süden. Das gesamte restliche Südufer in Richtung Meer ist mit Ausnahme kleinerer privater Zugangsstraßen verkehrsmäßig so gut wie unerschlossen.

Hydrographie Der Meeresboden des Loch Sunarts bildet kein gleichmäßig durchgehendes Tal, sondern wird durch zwei Schwellen in drei Beckenabschnitte unterteilt. Die erste Schwelle liegt 33 Meter tief und befindet sich nördlich von Càrna. Sie trennt somit den Außenbereich vom restlichen Loch ab und verhindert Tiefenwasserzirkulation aus dem Nordatlantik. Der Wasseraustausch findet nur rein oberflächlich statt. Die 600 Meter breite und 500 Meter lange zweite Schwelle ist nur noch 8 Meter tief und verläuft beim Laudale Estate an den Laudale Narrows (Laudale-Engen). Sie trennt das bis zu 124 Meter tiefe Haupt- vom Innenbecken, das noch bis zu 91 Meter tief wird. Die Zirkulation zwischen Innen- und Hauptbecken ist folglich wegen der bedeutenden Schwelle noch stärker eingeschränkt. Sie erfolgt hauptsächlich über diffusive Prozesse und seltene Sturmereignisse.

Geologie mini|hochkant=1.6|Nordküste bei Glenborrodale mit Gesteinen der Morar Group

Der Loch Sunart durchquert an seinem Ostende den Strontian-Pluton bis etwas westlich von Liddesdale. Das Fjordende beginnt in der Fazies Gleichkörniger Quarzmonzodiorit, wechselt aber sehr rasch in die Fazies Porphyrischer Quarzmonzodiorit. Der Quarzmonzodiorit ist 425 Millionen Jahre alt und stammt aus dem Silur. Bei Liddesdale wird dann erneut die gleichkörnige Fazies angetroffen. Weiter nach Westen erscheinen die hochmetamorphen Gesteine der neoproterozoischen Moine-Supergroup (meist Metapsammite), die hier durch die Glenfinnan Group vertreten wird. Bei Resipole überschiebt die Glenfinnan Group die ebenfalls zur Moine Supergroup gehörende Morar Group in westlicher Richtung. Trotz der metamorphen Veränderungen lassen aber beispielsweise die Upper Morar Psammites noch gut ihren ursprünglichen Gesteinscharakter erkennen – was in anderen Teilen Schottlands nicht mehr der Fall ist. Die Morar Group stellt dann das gesamte nördliche Ufer, läuft aber entlang des Südufers kurz vor Ende des Lochs aus. Anstatt der Metasedimente treten hier jetzt bis zur Landspitze Auliston Point tertiäre Vulkanite (so genannte Morvern Lavas) in Erscheinung, welche bereits zur British Tertiary Igneous Province (BTIP) zu rechnen sind und zu den Eruptionszentren von Ardnamurchan und auch Mull gehören. Es stehen vor allem Nordwest-Südost-streichende Basaltgänge an, welche etwa 65 bis 60 Millionen Jahre alt sind und aus dem Paläozän stammen. Vorhanden sind auch kreisförmige bis elliptische Förderschlote (engl. plugs), die auch noch in der Morar Group zu finden sind. Einige unter ihnen führen Gesteinseinschlüsse der Moinian Supergroup. Bei den Schloten handelt es sich um Dolerite und Diorite.

Ende der letzten Kaltzeit und holozäne Entwicklung mini|hochkant=1.6|Glazial verschliffene Gesteine der Morar Group im Norden Oronsays

Bedingt durch die Teilbeckennatur des Lochs wirkt dieser als idealer Sedimentfänger. In ihm haben sich seit dem Letzteiszeitlichem Maximum vor rund 22.000 Jahren gut 25 Meter an datierbaren Sedimenten angesammelt. Ihre Untersuchung ergibt an einem gewonnenen Bohrkern folgendes Bild: glaziale Bedingungen bis 16.000 Jahre vor heute Eisrückgang mit den Stufen Bölling-Interstadial, Alleröd-Interstadial und der raschen Erwärmung zu Beginn des Präboreals weitere globale Erwärmung im Boreal und im Atlantikum Anpassung an moderne Bedingungen des Subboreals und Subatlantikums. Die Eismassen hielten sich bis zirka 17.000 Jahre vor heute. Der erste Schmelzwasserpuls dauerte von 15.500 bis 13.000 Jahre vor heute. Die Schmelzwasserproduktion war in dieser Zeitspanne stark erhöht und Schotterfelder entstanden auf den Hanglagen. Sich umwälzendes Brackwasser erfüllte den Loch, auf dessen Boden sich ebenfalls Schotter ansammelten. Um 12.500 Jahre vor heute kam es zum erneuten Kälteeinbruch der Jüngeren Dryas und die Gletscher stießen wieder vor. Dennoch konnten sich erste Zwergkoniferen und Tundrengewächse auf den Seitenhängen des Lochs etablieren und am Ufer siedelte eine Marschvegetation an. Küstenwässer flossen ein und vermischten sich. Darunter entstand jedoch ein eingeschränkter, stagnierender, anoxischer Lebensraum. Zwischen 12.200 und 10.100 Jahre vor heute erfolgte der zweite Schmelzwassereinbruch. Die Gletscher wichen jetzt endgültig zurück. Ihr Schmelzwasser löste die anoxische Zone wieder auf und sedimentierte erneut grobes Material am Grund. Die Brackwasserlage blieb aber weiter bestehen und füllte jetzt den gesamten Loch aus. Um 7.500 Jahre vor heute wurde dann das klimatische Optimum erreicht. Ein Mischwald aus Koniferen und Laubbäumen besiedelte die Uferränder und die Hanglagen. Küstenwasser strömte erneut an, aber auch jetzt bildete sich darunter wieder eine anoxische Zone heraus. Voll marine Bedingungen im Loch herrschten um 6.000 Jahre vor heute, dies war auch der Zeitpunkt mit dem höchsten Meeresspiegel. Die heutigen Verhältnisse bestehen seit zirka 5.500 Jahren vor heute. Der Mischwald hat sich seit dem Optimum wieder aufgelichtet. Da aber in diesem Gebiet ein Absinken des Meeresspiegels festzustellen war, konnte sich die Marschvegetation weiter in Richtung Loch ausbreiten. Die Küstenwasserzirkulation besteht jetzt nach wie vor und kann auch bis auf den Grund einwirken – und somit eine Stagnation des Gewässers verhindern.

Die Dryas war aber nicht der einzige Kälterückschlag. Anhand von Foraminiferen konnten (inklusive der Kleinen Eiszeit) weitere Kälteereignisse auch um 8.200, 5.500 und 3.500 Jahre vor heute festgemacht werden.

Archäologie mini|hochkant=1.6|Artefakten von Risga in der Kelvingrove Art Gallery in Glasgow

Auf der Insel Risga wurden ab den 1920ern Artefakten entdeckt, welche von der Wende Mesolithikum/Neolithikum stammen. Die Funde fallen in etwa in den Zeitraum 9.500 bis 6.000 Jahre vor heute und enthalten gut 5.000 Quarzabschläge, Feuersteine sowie Blutjaspis, darunter auch gefiederte Spitzen. In Anbetracht des nur 12 Hektar großen Areals ist die Zahl der Funde enorm. Radiokohlenstoffdatierungen erbrachten kalibrierte Zeitspannen von 7.207 bis 6.705 Jahre vor heute und 6.932 bis 6.550 Jahre vor heute.

Geweihstangen von Rotwild (5.240 bis 4.600 Jahre vor heute) waren zu Grabwerkzeugen hergerichtet worden. In den Küchenabfallhaufen finden sich Muschelschalen von Austern, Kammmuscheln, Napfschnecken und Krabbenscheren (7.500 bis 4.000 Jahre vor heute). An Knochenfunden sind zu erwähnen Rothirsch (Cervus elephas), Reh (Capreolus capreolus) und Schwein (Sus scrofa).

Klima Loch Sunart besitzt ein Ozeanisches Klima, das relativ mild, nass und windig ist. Der Jahresniederschlag beträgt rund 2150 Millimeter. Die Jahresmitteltemperatur liegt bei 8 °C. Die Temperaturschwankungen im Jahresverlauf sind nur gering.

Ökologie mini|hochkant=1.6|Eberesche am Loch Sunart

Der Loch Sunart beherbergt einen Site of Scientific Interest (abgekürzt SSI – Standort wissenschaftlichen Interesses) – den Sunart Site of Scientific Interest (SSSI). Dieser bildet seinerseits seit 1995 Teil eines Special Area of Conservation (SAC) – dem Sunart Special Area of Conservation, das europäischen Richtlinien im Naturschutz (Natura 2000) entspricht. Der SSSI erstreckt sich über mehr als 32 Kilometer entlang beider Ufer des Lochs. Innerhalb des Vereinigten Königreichs stellt er eines der ausgedehntesten Gebiete seminaturellen Waldes dar. Im europäischen Kontext ist er von Bedeutung für seinen nordwestatlantischen Randlagencharakter mit sehr reichhaltigen Bryophyten- und Flechtenvergesellschaftungen.

In ihm eingeschlossen sind auch mehrere Hochlandhabitate, eine große Reihe von Gefäßpflanzen, Nicht-Gefäßpflanzen (Algen und Moose) und drei Invertebratengruppen. Sehr schön illustriert werden in ihm Küstencharakteristiken von sea lochs entlang der Westküste Schottlands, wobei sich Felsküsten mit Salzmarschen und anderen intertidalen Meereshabitaten abwechseln. Vor allem bestehen noch vollständig erhaltene Übergänge von Küsten- zu Waldhabitaten – was heutzutage in Großbritannien vollkommen ungewöhnlich geworden ist.

Die Heidelandschaften können in nordatlantische Nassheiden mit Glocken-Heide (Erica tetralix) und in europäische Trockenheiden unterteilt werden.

Bewaldung mini|hochkant=1.6|Laubmischwald am Loch Sunart

Das Gebiet um Loch Sunart enthält die reichhaltigsten und extensivsten Traubeneichenwälder (Quercus petraea) im Vereinigten Königreich und ist stellvertretend für die Bryophytenzone der mittelwestlichen Highlands. Die alten Wälder sind noch im halbnatürlichen Zustand und werden von Eichen zusammen mit Europäischer Stechpalme (Ilex aquifolium) und Rippenfarnen (Blechnum) dominiert. Darunter mischen sich Birkenarten, Haselnuss (Corylus avellana), Erlen wie beispielsweise (Alnus glutinosa) und Weiden. Die beiden letzteren Taxa bevorzugen nasse Böden. Eschen sind an reichhaltigere Böden gebunden. Höher an den Hängen hinauf machen Eichen den Birken langsam Platz. Im Unterstockwerk herrscht eine fleckenartige Verteilung von Eberesche, Stechpalme und Hasel.

Die Wälder beherbergen eine sehr reichhaltige Farnflora, eine beeindruckende Reihe von Flechten, so auch Gemeinschaften mit Echter Lungenflechte (Lobaria pulmonaria) und viele andere seltene Taxa. An Schutthängen, Rinnen und Schluchten gedeihen Lindengewächse und Ahorne. In ihnen wachsen ferner Eschen, Birken und Ulmen, aber auch Hasel, Eberesche und Vogelkirsche bis auf 300 Meter hinauf.

Seit den 1950ern wurden massenweise Koniferen neu gepflanzt. Diese ökologische Fehlentscheidung wird aber seit 1995 sukzessiv revidiert und es wird versucht, das ursprüngliche Waldland wiederherzustellen.

Pflanzenvergesellschaftungen mini|hochkant=1.6|Lilien am Loch Sunart