Volker Helmut Manfred Zotz (* 28. Oktober 1956 in Landau in der Pfalz)Datum und Ort der Geburt und biografische Eckdaten im Artikel überprüft nach den Einträgen zu Volker Zotz in Katja Gimpel u. a.: Kürschners Deutscher Literatur-Kalender 2010/2011. Berlin und New York: Walter de Gruyter 2011, ISBN 978-3-11-023029-1, S. 1211 sowie nach Kürschners Deutscher Gelehrten-Kalender, 23. Ausgabe, Berlin und New York: Walter de Gruyter 2011, ISBN 978-3-598-23630-3 ist ein deutsch-österreichischer Philosoph, Religionswissenschaftler und Buddhologe, der als Hochschullehrer und Schriftsteller wirkt. Zotz legte insbesondere Beiträge zur Geschichte und Philosophie des Buddhismus und Konfuzianismus vor. Er prägte die Begriffe des „eurasischen Humanismus“ und der „interkulturellen Spiritualität“ und damit verbundene philosophische und praktische Konzepte. Die Arbeit von Zotz ist der interkulturellen Philosophie und dem interkulturellen Dialog gewidmet. Er kritisiert europäische Wirklichkeiten über das Medium asiatischer Traditionen. Aus der Perspektive von Konfuzianismus, Buddhismus und anderen philosophischen und religiösen Systemen Asiens bewertet Zotz die westliche Geistesgeschichte und sucht Anknüpfungspunkte für die Begegnung des Westens mit Asien. Er findet diese zum Beispiel in Traditionen der Antike, des Katholizismus und in der Kunst und Literatur der Moderne, etwa dem Surrealismus André Bretons.
Leben und Wirken Kindheit und Jugend (1956–1977) Familie und Erziehung Volker Zotz entstammt dem pfälzischen Zweig der Familie Zotz und wuchs in seiner Geburtsstadt Landau auf. Nach dem Abitur am dortigen Max-Slevogt-Gymnasium leistete der Kriegsdienstverweigerer Zotz seinen Zivildienst in einem kirchlichen Pflegeheim.Vgl. die Biografie auf der Website von Volker Zotz. Er wurde römisch-katholisch erzogen, was ihm bei seiner Auseinandersetzung mit den philosophischen und religiösen Traditionen Asiens ein Wert blieb. Im Jahr 2009 auf seine katholische Sozialisierung angesprochen, antwortete Zotz:
Seltener als mit Buddhismus und Konfuzianismus aber regelmäßig beschäftigte sich Zotz mit Themen christlicher Theologie und Spiritualität. So untersuchte er die Mariologie im interreligiösen Zusammenhang.Volker Zotz: Die Mutter der Ökumene. Maria und die Religionen der Welt. In: Volker Zotz, Friederike Migneco (Hrsg.): Totus tuus. Marianisches Lesebuch zur Luxemburger Muttergottes-Oktave. Luxembourg: Kairos Edition, 3. Aufl. 2012, S. 85–98, ISBN 2-9599829-9-1.
Anagarika Govinda 1972 begegnete der Sechzehnjährige dem ursprünglich Deutschen Anagarika Govinda und dessen Frau Li Gotami Govinda. Der unter dem Namen Ernst Lothar Hoffmann geborene Govinda nahm die indische Staatsbürgerschaft an und lebte seit 1928 in Asien. Er schrieb weltweit beachtete Bücher über indische Philosophie, den Buddhismus in Tibet und das chinesische Denken, besonders das Yijing. Für Zotz wurde Govinda bis zu dessen Tod 1985 ein maßgeblicher Lehrer:
Govinda nahm Zotz 1972 in das 1933 in Indien gegründete Arya Maitreya Mandala auf. Zotz unterhielt in seiner Gymnasialzeit Kontakte zu Schülern Govindas, die er später als prägend bezeichnete, darunter Ernst Pagenstecher,„Außergewöhnliche Menschen. Vermittler im christlich-buddhistischen Dialog.“ Wiesbadener Kurier vom 18. Dezember 2008, S. 28 (Interview mit Volker Zotz über Ernst und Traude Pagenstecher). Karl-Heinz Gottmann,Volker Zotz: Erinnerungen an einen Lehrer und Freund. Zum Ableben von Advayavajra Karl-Heinz Gottmann. In: Damaru Nr. 39–2008 (). Wilhelm Müller,Volker Zotz: Wilhelm Müller (1912–1990) zum Andenken. In: Damaru Nr. 23–1991 (). Rudolf PetriVolker Zotz: Der Geisterseher. Erinnerungen an Anuruddha Rudolf Petri. In: Damaru (), Nr. 27–1995. und Harry Pieper.Vgl. Volker Zotz: Die Suche nach einem sozialen Buddhismus. Luxemburg: Kairos Edition 2007, S. 12, ISBN 978-2-9599829-6-5.
Zotz rückte nach dessen Tod von Positionen Govindas ab, achtete ihn weiter als seinen Lehrer und würdigte dessen kreative Leistungen. Govindas Sicht weist laut Zotz „eine starke subjektive Note auf, die ihn vor allem das sehen ließ, was er suchte. Sein Wahrnehmen Asiens und des Buddhismus war schöpferisches Gestalten einer eigenen Wirklichkeit.“Volker Zotz: Auf den glückseligen Inseln. Buddhismus in der deutschen Kultur. Berlin 2000, S. 199, ISBN 3-89620-151-4.
Oscar Kiss Maerth Als Gymnasiast traf Zotz 1971 den britischen Schriftsteller Oscar Kiss Maerth, mit dem er bis zu dessen Tod 1991 in Kontakt stand.Die Geschichte der Begegnung von Zotz und Kiss Maerth findet sich in: Donna Kossy: Strange creations: aberrant ideas of human origins. Feral House 2001, ISBN 978-0-922915-65-1. Mit Bezug auf buddhistische Ideen erstrebte Kiss Maerth eine politische und gesellschaftliche Veränderung, die zur Abwendung von der Konsumhaltung und einem ökologischen Bewusstsein führen sollte. Zotz, der diesen Versuch später ironisch als „gescheiterte buddhistische Weltrevolution“ bezeichnete, schätzte Kiss Maerth trotz Kritik an Thesen seines Buchs Der Anfang war das Ende als einen der Geister, die „so weit vom Normalen abgerückt sind, dass sie alles anders sehen als die meisten.“ 2003 schrieb Zotz über Kiss Maerth:
Zotz behielt ein Interesse an politischen und sozialen Themen. Das zeigen sein Buch Konfuzius für den Westen. Neue Sehnsucht nach alten Werten (2007), in dem gesellschaftliche Probleme der Gegenwart eine große Rolle spielen, und Essays zu aktuellen Fragen der Politik und Gesellschaft.Zum Beispiel folgende Essays in forum für Politik, Gesellschaft und Kultur (): “Die C-Frage. Parteien und ihre Grundwerte” Nr. 218 – Juli 2002; “‘Gott’ in der EU-Verfassung?” Nr. 227 – Juni 2003; „Kreuz und Kopftuch. Gedanken zur Religionsfreiheit in Schule und öffentlichem Raum.“ Nr. 232 – Dezember 2003
Literarische Anfänge Während der Schul- und Zivildienstzeit war Volker Zotz literarisch tätig. Den Anstoß zur Veröffentlichung seiner Texte gab Hans Otfried Dittmer, der in den 1970er Jahren ein Netzwerk aus Autoren der damaligen Gegenkultur aufbaute und deren Texte in seiner Verlagsedition Dittmer herausgab. Er gewann neben Hadayatullah Hübsch, Wolfgang Fienhold, Quirin Engasser, Ingo Cesaro auch Volker Zotz. Von 1978 bis 1979 erschienen in Buchform zwei Bände mit LyrikTransformation. Scheden: Verlagsedition Dittmer 1978, ISBN 3-88297-031-6 und Geraunt. Scheden und Hannoversch Münden 1979, ISBN 3-88297-039-1. und eine Erzählung.Das Projekt Adytum. Scheden und Hannoversch Münden 1979, ISBN 3-88297-041-3. Dittmer musste Zotz zur Publikation überreden, da dieser seine Arbeit „teils zaghaft, teils unentschlossen“Hans Otfried Dittmer: Vorwort des Verlegers in: Volker Zotz: Das Projekt Adytum. Scheden und Hannoversch Münden 1979, ISBN 3-88297-041-3, S. 6. vorlegte. Die vorsichtige Haltung gegenüber dem eigenen Werk findet sich auch später bei Zotz:
Im Anschluss an die von Dittmer herausgegebenen Texte veröffentlichte Zotz hauptsächlich wissenschaftliche, philosophische und essayistische Arbeiten und Sachbücher. Zudem beschäftigte er sich weiter mit literarischen Themen. Er setzte sich für eine Neubewertung des Schriftstellers Norbert Jacques ein, den Autor von „Doktor Mabuse“Volker Zotz: Der unbequeme Norbert Jacques. In: forum für Politik, Kultur und Gesellschaft, Nr. 242 – Dezember 2004. und schrieb eine umfassende Würdigung der amerikanischen Autorin Ruth Tabrah.Volker Zotz: Von Milltown via Sable Rapids nach Echigo. Leben und Werk der Ruth Tabrah. In: Damaru Nr. 35, 2004 (). Auch beschäftigte sich Zotz mit dem Surrealismus. Er ist Mitglied der österreichischen Sektion des P.E.N. Club.Roman Roček: Glanz und Elend des P.E.N. Böhlau, Wien 2000, ISBN 978-3-205-99122-9. S. 621.
Wien (1978–1989) Universität Wien 1978 nahm Zotz ein Studium der Philosophie, Buddhismuskunde, Geschichte und Kunstgeschichte an der Universität Wien auf, wo der Paul Feyerabend nahestehende Philosoph Kurt Rudolf Fischer sein Lehrer und Doktorvater war. Die Studienzeit von Zotz war von längeren Aufenthalten in Asien unterbrochen. Eine Reise auf dem Landweg von Indien nach Europa 1979 beschrieb Zotz im Buch Offenes Leben und Tod.Volker Zotz: Offenes Leben und Tod. Scheden und Wien 1979.
Zotz legte 1986 die Dissertation Zur Rezeption, Interpretation und Kritik des Buddhismus im deutschen Sprachraum vom Fin-de-Siècle bis 1930. Historische Skizze und Hauptmotive vor, auf Grund derer er zum Doktor der Philosophie promoviert wurde.International Bibliography of Austrian Philosophy 1986/87. Amsterdam 1996, S. 171, ISBN 90-420-0036-8. Er untersuchte darin erstmals ausführlich den Einfluss des Buddhismus auf die deutsche Philosophie und Literatur sowie das Entstehen der buddhistischen Bewegung in den deutschsprachigen Ländern:
Nach seiner Promotion arbeitete Zotz als Universitätslektor an der Universität für angewandte Kunst und lehrte am Philosophischen Institut der Universität Wien indisches Denken und Geschichte der Philosophie.
Zeitschrift „Damaru“ Nachdem Zotz 1981 von Anagarika Govinda zum Repräsentanten des Arya Maitreya Mandala für Österreich ernannt worden war, gründete er 1982 die Zeitschrift Damaru. Den Namen, der im Sanskrit eine Trommel bezeichnet und im Japanischen „Schweigen“ bedeutet, sah er in dieser Doppeldeutigkeit als symbolisch „für den Zusammenfall der Gegensätze (coincidentia oppositorum).“Über Damaru Die Zeitschrift widmete sich ursprünglich buddhistischen Themen im Sinn der Interpretation Govindas. Es erschienen zum Beispiel im Vorabdruck Kapitel aus dem Buch Maitreya Übersetzungen klassischer buddhistischer Texte. Ab 2006 wurde Damaru als Zeitschrift für interkulturelle Spiritualität mit einem breiteren Spektrum spiritueller und philosophischer Themen im Verlag von Komyoji veröffentlicht. Inzwischen (Stand 2021) erscheint Damaru in der Edition Habermann der Lama und Li Gotami Govinda Stiftung. Sie wird redaktionell von Judita Habermann geleitet. Volker Zotz ist mit einer regelmäßigen Kolumne mit dem Titel „Aus Eurasien“ vertreten.Siehe Zeitschrift Damaru
„Maitreya“ 1984 veröffentlichte Zotz als erstes buddhologisches Werk das Buch Maitreya. Kontemplationen über den Buddha der Zukunft. Es steht im Einklang mit Positionen Anagarika Govindas, der das Vorwort verfasste. Zotz ging von einer Analyse der 26. Lehrrede der buddhistischen Textsammlung Digha-Nikaya aus, bei der er drei Ebenen unterschied,
-1) jene als politisches Lehrstück,
-2) als Aufruf zur individuellen Verwirklichung der buddhistischen Lehre und
-3) im Hinblick auf die im Text gegebene Prophezeiung des Buddha Maitreya.
Letztere spiegelte Zotz im Sinn Govindas an Positionen von Jean Gebser, Aurobindo Ghose und Pierre Teilhard de Chardin.
„Freiheit und Glück“
1987 veröffentlichte Zotz das Buch Freiheit und Glück. Buddhas Lehren für das tägliche Leben. Die von Siddhartha Gautama gelehrten ethischen und meditativen Praktiken stellte er darin aus älteren Quellen des Pali-Kanon dar anstatt aus der Perspektive späterer buddhistischer Richtungen, wie es in Büchern zum Thema oft der Fall ist. In seinem Buch geht es daher, wie Zotz einleitete, „nicht um ‚Buddhismus’, ein Wort das außer der Erwähnung in diesem Satz im Text nicht mehr vorkommt. Es wird gefragt, wie Gautamas Aussagen dem einzelnen helfen, sein Dasein bewußter, verantwortlicher und freier zu gestalten.“Volker Zotz: Mit Buddha das Leben meistern. Reinbek bei Hamburg: Rowohlt 16. Auflage 2017, S. 11.