mini|Simone Zimmerman (2024)
Simone Zimmerman (geboren 1990 in Los Angeles)Simone Zimmerman – American-Jewish Peace Archive (1967–2017), Archive.org, 8. Mai 2015, abgerufen am 12. Dezember 2023. ist eine US-amerikanische Menschenrechtlerin jüdischen Glaubens.
Sie ist Gründungsmitglied der jüdischen Aktivistenbewegung IfNotNow, die sich dafür einsetzt, die Unterstützung der US-amerikanisch-jüdischen Gemeinschaft für die israelische Besatzung zu beenden. Im Jahr 2016 war sie als „jüdische Kontaktbeauftragte“ kurzzeitig Teil des Wahlkampfteams des US-Präsidentschaftskandidaten Bernie Sanders. Sie arbeitet für die jüdische Organisation Diaspora Alliance gegen Antisemitismus.
2023 wurde ihre Lebensgeschichte in dem Dokumentarfilm Israelism verfilmt.
Frühes Leben und Familiengeschichte
Familiengeschichte Zimmerman ist Ur-Enkelin von Holocaustüberlebenden. Ihre Urgroßmutter mütterlicherseits wanderte in den 1930er-Jahren mit ihrer Familie aus PolenInterview mit Simone Zimmerman: American Jewish Perspective on Israel’s War on Gaza – On the record, von Al Jazeera English bei YouTube, 14. Januar 2024, abgerufen am 15. Januar 2024. in das Mandatsgebiet Palästina aus, wodurch sie als einziges von zwölf Geschwistern den Holocaust überlebte. Einer ihrer Großväter kämpfte im Zweiten Weltkrieg als Soldat auf Seiten der Alliierten. Die Bedeutung Israels als jüdischem Zufluchtsort war ein grundlegender Bestandteil von Zimmermans Familiengeschichte. Ein Teil von Zimmermans Familie lebt nach wie vor in Israel, darunter ihre ältere Schwester.Isaac Luria: Who is anti-occupation activist Simone Zimmerman?. In: Medium, 25. Juli 2016, abgerufen am 12. Dezember 2023.
Frühes Leben Zimmerman wuchs als Tochter einer konservativen jüdischen Familie in ihrer Geburtsstadt Los Angeles, in San Fernando Valley, auf. Sie hat zwei Schwestern. Ihre Eltern waren Mitgründer der Toledo High School, damals New Community Jewish High School, und Vorstandsvorsitzende der Schule, die Zimmerman später besuchte.
Ihre Kindheit und Jugend war stark geprägt von der United Synagogue of Conservative Judaism (USCJ); so besuchte sie eine von der USCJ betriebene Grundschule und High-School, war engagiertes Mitglied der United Synagogue Youth und besuchte regelmäßig Sommercamps der USCJ-Ramah Camping Movement. Zu Familienbesuchen und im Rahmen von Programmen der USCJ reiste sie in ihrer Kindheit und Jugend mehrmals nach Israel, wo sie auch einen Teil ihrer High-School-Zeit im Rahmen eines Austauschprogramms verbrachte.Behandelt im US-Dokumentarfilm Israelism, 2023. Regie: Erin Axelman und Sam Eilertsen. Dort nahm Zimmerman an einem Gadna-Programm teil, mit dem israelische und freiwillige jüdische Jugendliche aus dem Ausland auf den Dienst in der israelischen Armee vorbereitet werden. Von ihrer Schule wurde sie ebenso zu Konferenzen des American Israel Public Affairs Committee (AIPAC) geschickt.Sam Wolfson: Raised to see Israel as a ‘Jewish Disneyland’, two US film-makers are telling a different story. In: The Guardian, 12. November 2023, abgerufen am 10. Dezember 2023.
Zimmerman beschreibt ihre Schulzeit rückblickend sehr kritisch; man habe ihr in der Schule ein unkritisches positives Israel-Bild vermittelt. Kein Thema sei dabei die völkerrechtswidrige israelische Besatzung und der Umgang mit den Palästinensern gewesen. Man habe wenig über die Palästinenser geredet, außer dass sie Juden hassen und töten wollten. Ebenso sei ihr vermittelt worden, dass man als amerikanischer Jude Israel durch zwei Dinge unterstützen könne: Fürsprachen-Aktivismus, wobei es gelte Israel gegen „bösartige Vorwürfe“ zu verteidigen, und Dienst in der israelischen Armee. Laut Zimmerman wanderten zehn Prozent der Schulabsolventen ihres Abschlussjahrgangs nach Israel aus und traten dort in die israelische Armee ein. Zimmerman resümiert, man habe in ihrer Schule durch ein System der „Indoktrination“ und „Massenmobilisierung“ versucht, sie zu einer Befürworterin Israels in den USA zu machen.
Nach ihrem High-School-Abschluss studierte Zimmerman von 2009 bis 2013 in Berkeley an der University of California Nahoststudien, die sie erfolgreich abschloss.Bernie Sanders staffer fired for anti-Netanyahu rant hired to run B'Tselem USA. In: The Times of Israel, 6. März 2019, abgerufen am 10. Dezember 2023. Einen Teil ihres Studiums absolvierte sie an der Hebräischen Universität in Jerusalem.Sanders' Jewish outreach director: Netanyahu a 'manipulative asshole'. In: The Times of Israel, 14. April 2016, abgerufen am 12. Dezember 2023.
Aktivismus
Wandel zur Kritikerin israelischer Besatzung Unmittelbar nach Beginn ihres Studiums im Jahr 2009 engagierte sich Zimmerman in der „Israel-Lobby-Szene“ und trat dem Israel Action Committee bei, der ältesten Pro-Israel-Gruppe an der UC-Berkeley. Für dieses nahm sie weiter an Konferenzen des AIPAC teil.
Während ihres zweiten Semesters kam es im Studiensenat ihrer Universität zu einem Antrag auf Ablehnung israelischer Unternehmen. Zimmerman beteiligte sich mit dem Israel Action Committee an der Debatte, wobei die erste Abstimmung verloren ging. Am Wochenende nach der Abstimmung nahm Zimmerman an der nationalen Tagung des AIPAC teil, wo ein AIPAC-Vertreter erklärte, dass man den Beschluss rückgängig machen werde, indem man die Studierendenregierung übernehmen werde. Nachdem der Präsident der Studentenschaft sein Veto gegen den Antrag eingelegt hatte, fanden zwei weitere Versammlungen statt, die landesweit Aufmerksamkeit erregten. Jüdische Organisationen der Pro-Israel-Seite legten mithilfe von schriftlich fixierten Handlungsempfehlungen Wortmeldern nahe, Israel-kritische Positionen durch emotionale Debattenbeiträge, die Behauptung vermeintlicher Doppelstandards und Antisemitismusvorwürfe zu delegitimieren.
Zimmerman beschreibt die Konfrontation mit pro-palästinensischen Stimmen im Rahmen universitärer Auseinandersetzungen als zentralen Einschnitt in ihrem Denken, da die Narrative der Gegenseite mit ihrem eigenen Bild von Israel und dem Nahostkonflikt nicht kompatibel gewesen seien. Sie begann ihre Überzeugungen zu hinterfragen und suchte Antworten auf Vorwürfe wie „Siedlerkolonialismus“, „Besatzung“ und „Apartheid“. Ihren Angaben nach fand sie keine überzeugenden Gegenargumente oder Antworten bei den pro-israelischen jüdischen Organisationen und durch die Studentenorganisation Hillel. Zwar blieb das Veto gültig, doch empfand Zimmerman dies nicht als Sieg. Tägliche Auseinandersetzungen, darunter mit ihrer Mitbewohnerin, brachten sie in einen Reflexionsprozess. Einige Monate später las Zimmerman den Artikel The Failure of the American Jewish Establishment des Politikwissenschaftlers Peter Beinart, der genau jenes Verhalten pro-israelischer Lobbygruppen beschrieb, die sie auf dem Campus erlebt hatte. Um Antworten auf ihre Fragen zu bekommen, entschied sich Zimmerman für eine Reise in den Nahen Osten, wo sie mittels eines Hillel-Stipendiums am Pardes Institute of Jewish Studies in Jerusalem studierte und das Land bereiste, auch das besetzte Westjordanland. Unter anderem besuchte Zimmerman das Ostjerusalemer Viertel Scheich Dscharrah, in dem palästinensische Bewohner aus ihren Häusern vertrieben wurden, die an jüdische Siedler übergingen. Zimmerman beschreibt die Erfahrung dort als erschütternd und entscheidend für ihren politischen Wandel.
Aktivistische Arbeit Unter dem Eindruck ihrer Erlebnisse im Westjordanland begann sich Zimmerman als Aktivistin in jüdischen Gruppen zu engagieren, die ein Ende der israelischen Besatzung für die Palästinenser und eine friedliche Lösung des Nahostkonfliktes fordern. 2011 trat Zimmermann J Street U bei, dem Hochschul-Ableger von J Street. Zimmerman gründete eine der Hochschulgruppen an ihrer Universität in Berkeley. Im Studienjahr 2012/2013 wurde sie als Landespräsidentin des J Street U National Student Board gewählt.Op-Ed: Pluralism in Hillel must extend to Israel, Jewish Telegraphic Agency, 22. Mai 2013, abgerufen am 12. Dezember 2023.
Zimmerman war 2014 eine der Mitbegründerinnen der jüdischen Aktivistenbewegung IfNotNow,Shin Bet confirms PM critic held at border, denies political queries. In: The Times of Israel, 6. August 2018, abgerufen am 10. Dezember 2023. die sich dafür einsetzt, die Unterstützung der US-amerikanisch-jüdischen Gemeinschaft für die israelische Besatzung zu beenden.Noa Landau: IfNotNow Founder Detained For Hours At Israeli Border. In: The Forward, 5. August 2018, abgerufen am 10. Dezember 2023. Zu Aktionen von IfNotNow gehörten in der Vergangenheit etwa Sitzstreiks bei der Anti-Defamation League, Proteste gegen Tagungen der AIPAC und Teilnahme an pro-palästinensischen Demonstrationen. Während des Gaza-Kriegs 2014 demonstrierte die Gruppe regelmäßig vor den Büros der Conference of Presidents of Major American Jewish Organizations und las die Namen der Palästinenser und Israelis vor, die im Konflikt getötet wurden.Sanders suspends Jewish outreach director who blasted Israel, Netanyahu. In: The Times of Israel, 15. April 2016, abgerufen am 12. Dezember 2023.
Zimmerman sah sich für ihre politische Haltung starker Anfeindungen gegen ihre Person ausgesetzt und wurde unter anderem als „sich selbst hassende Jüdin“, „Verräterin“ und „schlimmer als die Palästinenser“ bezeichnet; auch legte man ihr Suizid nahe. Zimmerman beschrieb diese Anfeindungen als Ausdruck der „primären Strategie der israelischen Interessenvertretung, die reiche Tradition der Debatte zum Einsturz zu bringen und zu sagen, dass es in dieser Frage nur eine jüdische Position geben kann, nämlich die Unterstützung Israels. Und jeder, der davon abweicht, ist selbst-hassend, ist ein Verräter“. Zimmerman lehnt diese Position ab: „Es ist so kontrafaktisch zu dem, was die Geschichte des jüdischen Lebens tatsächlich ist. Es hat immer Juden gegeben, die dem Zionismus widersprochen haben. Es hat immer tiefe Debatten über Israel gegeben und was die Beziehung von Juden weltweit zu dem Staat sein sollte, und einfach nur tiefgreifende Meinungsverschiedenheiten über die Politik der israelischen Regierung. Der Gedanke, dass Israel ein Apartheidstaat ist, ist etwas, über das Israelis reden.“
Festsetzung bei Einreise in Israel 2018 Im August 2018 wurde Zimmerman nach einem Urlaub auf der ägyptischen Sinai-HalbinselBen Sales: Left-wing activists claim Israel trying to intimidate them at border. In: The Times of Israel, 11. August 2018, abgerufen am 10. Dezember 2023. bei ihrer Wiedereinreise nach Israel mehrere Stunden vom israelischen Inlandsgeheimdienst Schin Bet festgehalten und verhört, wobei sie eigenen Angaben nach über ihre Meinung zu Premierminister Benjamin Netanjahu befragt wurde und warum sie „mit Palästinensern“, aber „nicht mit Juden“ arbeiten wolle. Der Schin Bet und die israelischen Behörden bestritten die Behauptungen; doch war es der dritte Fall innerhalb weniger Monate bei dem amerikanische Juden – alle politisch links eingestellte Menschenrechtsaktivisten – eine solche Befragung erlebten. Der Knesset-Abgeordnete Mosche Raz von der Meretz-Partei kritisierte Zimmermans Befragung als „Verfolgung von Menschenrechtsaktivisten“ und „Beweis für den Abgrund, in den wir [Israel] abgleiten“. Der israelische Menschenrechtsanwalt Michael Sfard sah das Vorgehen des Schin Bet als Resultat einer zunehmenden Repression der rechtsgerichteten israelischen Regierung gegenüber Linken und Menschenrechtsaktivisten. Daniel Gordis, Vizepräsident des Shalem College in Jerusalem, der Zimmerman in der Vergangenheit kritisiert hatte, verurteilte den Vorgang durch den Schin Bet als „plumpe, amateurhafte Machtdemonstration“.
Arbeit
Mitarbeiterin im US-Präsidentschafts-Wahlkampfteam von Bernie Sanders