mini|hochkant=1.4|Blick vom Gasometer auf das Schloss mini|hochkant=1.4|Westseite des Herrenhauses mit der „Vitrine“

Das Schloss Oberhausen ist eine klassizistische Schlossanlage im Oberhausener Stadtteil Alt-Oberhausen-Mitte. Das Anwesen gab dem 1846 in der Nähe erbauten und 1847 eröffneten Bahnhof und damit der späteren Stadt Oberhausen den Namen.

Eine Vorgängeranlage aus dem 12./13. Jahrhundert befand sich rund 200 Meter entfernt vom heutigen Standort und ist mittlerweile vollkommen verschwunden. Nachdem das Anwesen von der Familie von Dücker über die von der Hovens Anfang des 17. Jahrhunderts an die Familie von Boenen gelangt war, wurde auf dem Grundstück zwischen 1804 und 1818 nach Plänen des Hofbaumeisters des Grafen von Bentheim-Steinfurt, August Reinking, ein neues Schloss für den Grafen Maximilian Friedrich von Westerholt-Gysenberg und seine Frau Friederike Karoline von Bretzenheim errichtet.

Nach schweren Schäden im Zweiten Weltkrieg wurde das Herrenhaus Ende der 1950er Jahre nach alten Originalplänen neu errichtet. Es beherbergt heute mit der Ludwiggalerie ein international renommiertes Kunstmuseum; der Schlosspark mit seinen Freizeitangeboten ist ein beliebtes Ausflugsziel der Oberhausener Bevölkerung. Unter der Bezeichnung „Schloss Oberhausen und Kaisergarten“ sind die Gebäude und der Park seit Anfang 2011 eine Station der Themenroute Oberhausen: Industrie macht Stadt der Route der Industriekultur.

Beschreibung

mini|Grundriss des Schlosses1 Herrenhaus, 2 Glasvorbau, 3 Restaurant, 4 Kleines Schloss, 5 Gedenkhalle

Das Schlossareal liegt südlich der A 42 am Rhein-Herne-Kanal. An seiner Ostseite verläuft die Konrad-Adenauer-Allee (B 223), die Hauptverbindungsstraße zwischen den Stadtteilen Sterkrade, Osterfeld und Alt-Oberhausen. Der östlich gelegene Gasometer und das Centro Oberhausen sind zu Fuß zu erreichen, ebenso das Gelände der ehemaligen Gutehoffnungshütte, deren einstige Hauptverwaltung sich südöstlich in etwa 900 Meter Entfernung befindet.

Gebäude

mini|Westfront des kleinen Schlosses (fotografiert aus Richtung Kaisergarten)

Die klassizistische Anlage besteht aus zwei Gebäudekomplexen, die einen quadratischen, etwa 50 mal 50 Meter großen Innenhof begrenzen. Die Fassaden sind rosa gestrichen, Gesimse sowie Fenster- und Türfassungen in Weiß abgesetzt.

An der Ostseite des Hofs steht das schlichte, dreiflügelige Herrenhaus, das erst 1958/59 neu errichtet wurde. Sein dreigeschossiger Mittelteil ist durch Fenster in fünf Achsen gegliedert und wird von einem Mansarddach abgeschlossen. Eine flache, dreistufige Treppe führt an der Ostseite des Hauses zum Eingang, der durch einen kleinen Balkon überdacht ist. Die oberste Etage des Gebäudes ist ein Mezzaningeschoss, das über seinem Traufgesims eine niedrige Attika mit dem Allianzwappen seines Erbauers Maximilian Friedrich von Westerholt-Gysenberg und seiner Frau Friederike von Bretzenheim trägt. Dem Mittelbau schließen sich im Norden und Süden niedrigere, flügelartige Anbauten mit jeweils zwei Geschossen an, die – wie auch jene des Mittelbaus – durch Lisenen optisch zusammengefasst sind. Mittels eines umlaufenden hellen Hauptgesimses sind die drei Gebäudekörper gestalterisch miteinander verbunden. Der durch die Flügelbauten eingefasste Raum an der Westseite des Herrenhauses wird von einer modernen Glas-Stahl-Konstruktion der Architekten Eller & Eller eingenommen, die „Vitrine“ genannt wird und so hoch wie die drei Geschosse des Mittelbaus ist.

Dem Haupthaus gegenüber steht auf der Westseite des Innenhofs das sogenannte Kleine Schloss, ein eingeschossiger Bau mit rechteckigen Fenstern und halbrunden Oberlichtern. Es besitzt auf der dem Herrenhaus zugewandten Seite einen leicht hervortretenden Mittelrisalit mit drei Rundbogentüren. Das Mansarddach des Gebäudes weist mehrere Dachgauben und einen mittig sitzenden Dachreiter in Form eines Obelisken mit Wetterfahne auf.

Die Nord- und die Südseite des Schlosshofs werden von zwei Flügelbauten begrenzt, die über eingeschossige, rundbogige Trakte mit dem Kleinen Schloss verbunden sind. Der gesamte Gebäudekomplex diente früher als Wirtschaftshof, der nördliche Flügelbau wurde als Pferdestall genutzt. Im Südflügel des Schlosses befindet sich die Gedenkhalle, die 1962 als erste NS-Gedenkstätte in Westdeutschland gegründet wurde und sich seitdem in städtischer Trägerschaft befindet. Vor der Gedenkhalle befindet sich die ebenfalls 1962 eingeweihte Basaltstatue Die Trauernde des umstrittenen Bildhauers Willy Meller. Skulptur sowie Bildhauer werden schon seit Jahren kritisiert.

Kaisergarten

mini|Kaisergarten im Winter mini|Im Kaisergarten

Der Kaisergarten ist die älteste Parkanlage auf dem Oberhausener Stadtgebiet. Die junge Industriestadt wollte für ihre Bürger „durch die Anlage eines Volksgartens einen angenehmen, erfrischenden Aufenthalt in freier Natur schaffen“. Anlässlich des 100. Geburtstags von Kaiser Wilhelm I. erhielt der Park 1898 seinen Namen. Er liegt südwestlich der Schlossgebäude und reicht von der Duisburger Straße bis an den Rhein-Herne-Kanal und von der Konrad-Adenauer-Allee bis zur Bahnstrecke Oberhausen Hbf.-Sterkrade. Das Areal ist Landschaftsschutzgebiet. Einige der Platanen des Parks sind aufgrund ihres Alters Naturdenkmale.

Von den rund 29 Hektar des Kaisergartens entfallen 7,5 Hektar auf Wald und 9,5 Hektar auf Rasen- und Wiesenflächen sowie 2,5 Hektar auf ein 360 m langes Reststück des alten Emscherbetts und einen großen Teich. Das restliche Areal wird von Gehölzen, Hecken, Stauden- und Blumenbeeten sowie Wegen eingenommen. Auf einem Teil des Geländes befindet sich ein Tierpark mit heimischen Wildtieren und Haustieren. Der ehemalige Staudengarten der Gärtnerei ist heute ein Bauerngarten und ein Schaugarten.

Die Emschergenossenschaft ließ nach einem Entwurf von Tobias Rehberger eine Fußgängerbrücke über den Rhein-Herne-Kanal errichten, die den Kaisergarten mit dem benachbarten Sportpark an der Lindnerstraße und mit dem sich anschließenden Landschaftsraum der Emscher verbindet. Die Brücke, eine begehbare Skulptur mit dem Namen Slinky springs to fame, war ein Beitrag zum Projekt EMSCHERKUNST:2010 im Rahmen der RUHR.2010 – Kulturhauptstadt Europas. Konzipiert ist sie als farbiges, gewundenes und geschwungenes Band, spiralförmig umwickelt mit Bändern. Nachts wird sie illuminiert. Die Brücke war nicht rechtzeitig zur Ausstellungseröffnung im Mai 2010 fertiggestellt, sondern konnte erst im Juni 2011 eingeweiht werden.

Geschichte Bis zur Frühen Neuzeit

Das Schloss Oberhausen geht auf den befestigten Rittersitz „Oberhaus“ (auch Overhus, Overhuysen, Averhus) zurück, der vermutlich im späten 12. oder frühen 13. Jahrhundert gegründet wurde. Bis heute ist umstritten, ob der 1220 erwähnte Henricus Dukere de Overhusa tatsächlich sein erster Besitzer war. Wilhelm Joseph Sonnen geht in seinem Aufsatz davon aus, dass das Anwesen von einem der damaligen Vögte von Essen und Werden aus dem Haus der Grafen von Berg und von der Mark erbaut wurde. Es lag an einer Furt etwa 200 Meter emscheraufwärts vom heutigen Standort entfernt und sicherte den dortigen, sehr wichtigen Emscherübergang. Die damalige Anlage war vollständig von einem breiten Wassergraben umgeben, der von der Emscher gespeist wurde. Ihre Gebäude nahmen sich sehr bescheiden aus und waren in Fachwerkbauweise errichtet. Das Haupthaus war von der Vorburg durch einen zweiten Wassergraben getrennt, über den eine Brücke führte.

Die erste urkundliche Erwähnung des Oberhauses datiert in die Mitte des 15. Jahrhunderts, als es im Jahr 1443 von der niederadligen Familie von Dücker in den Besitz der Familie von der Hoven, Lehnsmänner der Klever Herzöge, kam. Der kinderlose Rosier Duyker sorgte bei seinem klevischen Lehnsherrn dafür, dass „dat Averhus, gelegen in dem kerspel van Becke“ an seinen Schwager Derich von Vondern, genannt von der Hoven, übertragen wurde. Von den von der Hovens gelangte die Wasserburg 1615 nach langen Erbstreitigkeiten durch einen Vergleich an Conrad von Boenen. Da dieser mit seiner Familie aber das Schloss Berge im heutigen Gelsenkirchen-Buer als Wohnsitz bevorzugte, wurde das Oberhaus in der Folgezeit nur durch einen Pächter und wohl auch einen Rentmeister bewohnt. Zu jener Zeit befand sich die kleine Anlage in einem schlechten baulichen Zustand, denn schon 1598 war sie während des Achtzigjährigen Krieges im Zuge des sogenannten Spanischen Winters von spanischen Truppen geplündert worden, wobei die Vorburg abgebrannt war. Nur notdürftig wieder aufgebaut, wurde das Oberhaus im gleichen Jahr noch ein zweites Mal verwüstet. Fehlende Nutzung und nicht vorgenommene Instandsetzungen ließen die Gebäude im ersten Viertel des 17. Jahrhunderts immer mehr verkommen. Zu allem Überfluss wurde die Anlage während des Dreißigjährigen Krieges 1624 und 1634 auch noch von hessischen Truppen geplündert.

Neubau

Ihr Besitzer, der Freiherr Ludolf Friedrich Adolf von Boenen zu Berge, heiratete 1769 Wilhelmine Franziska von Westerholt-Gysenberg, die Erbtochter dieses reich begüterten Geschlechts, und nahm 1779 Namen und Wappen dieser Familie an, ehe er 1790 vom Kaiser in den Reichsgrafenstand erhoben wurde. Doch auch er ließ die Gebäude des Oberhauses weiter verfallen und erneuerte stattdessen den Familiensitz Schloss Berge. Erst Anfang der 1790er Jahre änderte sich etwas an diesem Zustand. Der damalige Rentmeister der benachbarten Burg Vondern, Bertram Philipp Greve, der einen Teil des Oberhauses gepachtet hatte, ließ am heutigen Standort ein neues Wohn- und Wirtshaus samt Scheune, Brauhaus und Brennerei errichten. Die alte in Trümmern liegende Hauptburg wurde 1791 größtenteils abgebrochen, um das verwertbare Material für den Neubau zu verwenden. Ein Vertrag legte fest, dass die gräfliche Familie, wenn sie auf Oberhaus verweilte, in dem neuen Gebäude für die Dauer ihres Aufenthalts über zwei Schlafzimmer sowie einen Essraum verfügen konnte.

mini|Gemälde des Schlosses mit dem Bauzustand von 1858