mini|Königlicher Hof-Uhrmacher Conrad Felsing in Berlin, Unter den Linden 20, aufgenommen zwischen 1886 und 1892Das Unternehmen Conrad Felsing war ein traditionsreicher Uhrenhandel in Berlin und wurde 1820 von Johann Conrad Felsing gegründet.

Geschichte Johann Conrad Felsing (um 1800–1870) Conrad Felsing stammte aus einer Uhrmacherfamilie, die seit 1733 im Schwarzwald tätig war.Stiftung Stadtmuseum Berlin (Museum-Digital, Objekt 66202). Abgerufen am 13. Dezember 2023. Er wurde um 1800 in Gießen/Hessen geboren.Aufgebote und Getraute Januar 1824 für Johann Conrad Felsing und Henriette Caroline Dünkel. Deutschland, ausgewählte evangelische Kirchenbücher 1500–1971. Evangelische Kirche. Sophienkirche Berlin. Referenz-Nr. 191/1, S. 1 ancestry.deHeiratsurkunde Nr. 87 vom 4. März 1876 für Albert Felsing mit Angabe seiner Eltern. Landesarchiv Berlin. Heiratsregister der Berliner Standesämter 1874–1936. ancestry.de Sein eigentlicher Geburtsname lautete „Völtzing“. Er änderte seinen Namen in Felsing und eröffnete am 15. Juli 1820Hundertjähriges Jubiläum der Firma Conrad Felsing Berlin. In: Deutsche Uhrmacherzeitung, Band 44, Nr. 28, 1920, S. 262–263 (Digitalisat SLUB Dresden). sein Berliner Uhrenfachgeschäft in der Brüderstraße 20Rundgänge durch neuzeitliche Uhrmacherbetriebe. Uhrenfachgeschäft Conrad Felsing, Berlin. In: Die Uhrmacher-Woche, Band 48, Nr. 6, 1941, S. 41 (Digitalisat SLUB Dresden). 1847 wurde Felsing Mitglied der Berliner Uhrmacher-Innung, Prüfungskommissar zur Beurteilung von Meisterprüfungsarbeiten und 1850 Obermeister der Innung.M. Loeske: Zur Geschichte der Uhrmacherei in Berlin. In: Deutsche Uhrmacherzeitung, Band 43, Nr. 51, 1919, S. 450–451 (Digitalisat der SLUB).

Carl Julius Albert Felsing (1827–1901) Conrad Felsings Sohn Albert Felsing übernahm 1851 als Uhrmacher und Geschäftsführer die Firma seines Vaters und führte sie unter dessen Namen Conrad Felsing weiter.Personenseite Albert Karl Julius Felsing. Stiftung Stadtmuseum Berlin. Abgerufen am 13. Dezember 2023. 1858 wurde das Geschäft in der Schloßfreiheit 1 ansässig.Anzeige des Uhrengeschäfts Conrad Felsing In: Berlinische Nachrichten von Staats- und gelehrten Sachen. Nr. 177, 1858, S. 8; google.de/books bei dem er acht Schaufenster mit Uhren ausstattete.Carl Marfels: Albert Felsing †. Ein Gedenkblatt. In: Deutsche Uhrmacher-Zeitung, Band 25, Nr. 2, 1901, S. 18 (Digitalisat SLUB Dresden). Abgerufen am 29. Dezember 2023. 1868 verlegte das Unternehmen seinen Sitz in die Prachtstraße Unter den LindenDas Uhrmachergeschäft Conrad Felsing. In: Die Uhrmacherkunst, Band 66, Nr. 44, 1941, S. 373 (Digitalisat SLUB Dresden). und galt als größtes Uhren- und Musikenlager der Welt. Die Firma zog in das eigene Haus Unter den Linden Nr. 20. Albert Felsing führte zwei Neuerungen ein, die bis dahin für Uhrengeschäfte nicht üblich waren: Er versah alle Uhren mit lesbaren Preisen und verzichtete auf Rollläden oder Jalousien vor den Schaufenstern und Türen des Geschäfts. Seine einzige Sicherheitsmaßnahme bildete die auch nachts eingeschaltete Innenbeleuchtung des Geschäfts. Wahrzeichen war die Weltzeituhr im Schaufenster des Geschäfts, die die Berliner Zeit und auf sechs kleineren Uhren die Zeit der europäischen Hauptstädte angab. Eine in späteren Jahren folgende Weltzeituhr zeigte die Zeit in Berlin und auf acht kleineren Nebenzifferblättern die Zeit in London, New York, San Francisco, Tokio, Bangkok, Karatschi, Teheran und Moskau an.Eva Gesine Baur: Einsame Klasse. Das Leben der Marlene Dietrich. C. H. Beck, München 2017, ISBN 978-3-406-70569-4, S. 11; Leseprobe (PDF; 0,6 MB) ciando.com; abgerufen am 13. Dezember 2023. Albert Felsing vergrößerte das Warenlager und wurde zum Kommissionsrat ernannt. 1877 wurde das Unternehmen Conrad Felsing von Kaiser und Kaiserin als Hoflieferant anerkannt. Albert Felsing wurde Hofjuwelier und Uhrmacher der deutschen Kaiserfamilie. Die Firma Conrad Felsing handelte mit Uhren verschiedener historistischer Stilrichtungen, hergestellt sowohl in vergoldetem Gelbguss als auch in einfacherem Zinkguss, die sie in Deutschland, Frankreich und in der Schweiz bestellte. Die Firma erwarb Uhrrohwerke von Japy Frères, einem französischen Unternehmen für Uhrenrohformen, Uhrwerke und Kleinmetallurgie, Uhrwerke aus den Genfer Uhrenmanufakturen Vacheron Constantin und Patek Philippe. Geschäftsbeziehungen bestanden ebenfalls mit der Genfer Uhrenmanufaktur Alex Hüning, die von der Firma Conrad Felsing verfeinerte Uhrwerke erwarb und Uhrgehäuse der Firma Fiebiger & Hüning (F&H) an Felsing lieferte. Stiftung Stadtmuseum Berlin (Museum-Digital, Objekt 70731). Abgerufen am 13. Dezember 2023. Zu ihrem Angebot gehörten ebenfalls Spieldosen und Musikwerke wie Musiktische, Drehorgeln, Harmoniums und sogenannte Singende Vögel.Uhren-, Luxus und Musiken-Bazar Conrad Felsing. In: Illustrirter Katalog: Jubiläums-Ausstellung der Kgl. Akademie der Künste im Landes-Ausstellungsgebäude zu Berlin 1886. Werbeteil, S. 1; doi:10.11588/diglit.12824#0391 Sie fabrizierte darüber hinaus eigene Uhren und Luxusgüter und gehörte zu den bedeutenden Uhrmacher- und Juweliergeschäften Berlins und dann ganz Deutschlands beziehungsweise des Deutschen Reiches. Bei der Weltausstellung in Philadelphia 1876 war das Unternehmen Conrad Felsing mit einigen Exponaten von Zinkgussreproduktionen, Normaluhren, Regulatoren und Musikwerken beteiligt.

1895 stiftete das Unternehmen die goldene Turmuhr der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche. Albert Felsing wurde mit dem Kronenorden IV. Klasse ausgezeichnet. 1896 war das Unternehmen als Aussteller bei der Jubiläumsausstellung der Königlichen Akademie der Künste im Landesausstellungsgebäude in Berlin vertreten. 1897 brachte die Firma Conrad Felsing eine Telephonuhr auf den Markt, die den Teilnehmern während eines Ferngesprächs den Zeitverlauf anzeigte.Telephonie. In: Elektrotechnische Zeitschrift, Nr. 19, 1897, S. 281; . Im August 1898 wurde Albert Felsing in den Vorstand des Deutschen Uhrmacher-Bundes gewählt. Albert Felsing war auch Konzessionär bei der Firma A. Lange & Söhne.

Nach dem Tod Albert Felsings im Jahr 1901 wurde die Firma von Chr. Reimers als Geschäftsführer geleitet. In dieser Zeit gab es für einen Großteil des Warenlagers Absatzschwierigkeiten, da sich allgemein die Mode und der Stil von Inneneinrichtungen verändert hatte.

Willibald Albert Conrad Felsing (1878–1934) 1908 übernahm Willibald Felsing das Geschäft seines verstorbenen Vaters Albert Felsing. Willibald Felsing hatte das Uhrmacherhandwerk nicht erlernt, studierte zunächst Jura und war bei der Übernahme bereits promovierter Jurist. In kurzer Zeit gelang es ihm, aus dem Geschäft einen kaufmännischen Musterbetrieb aufzubauen. Er sonderte trotz damit verbundener Verluste den nicht mehr zeitgemäßen Warenbestand aus, verkleinerte das Warenlager und ließ die Einrichtung der Verkaufsräume modernisieren. Reimers blieb weiterhin für die technischen Betriebsabläufe zuständig. 1919 wurde Willibald Felsing in den Vorstand des Deutschen Uhrmacher-Bundes gewählt. Nach der Gründung des Zentralverbandes der Deutschen Uhrmacher (Einheitsverband) im Jahr 1920Willi König: Zehn Jahre Einheitsverband. In: Die Uhrmacherkunst, Band 55, Nr. 29, 1930, S. 576–578 (Digitalisat SLUB Dresden). wurde er zum Ehrensyndikus ernannt, da er die Übernahme eines Vorstandsamtes ablehnte. Willibald Felsing befasste sich vor allem mit Steuer- und Rechtsfragen.Dr. jur. W. Felsing, Berlin †. In: Deutsche Uhrmacherzeitung, Band 58, Nr. 8, 1934, S. 91–92 (Digitalisat SLUB Dresden). 1920 verfasste Felsing einen Leitfaden für das Umsatzsteuerrecht im Uhrmachergewerbe.Willibald Felsing: Leitfaden für das Umsatzsteuerrecht im Uhrmachergewerbe. Verlag der deutschen Uhrmacher-Zeitung, Berlin 1920, . Mit der Reichsabgabenordnung vom 13. Dezember 1919 wurde durch deren Sollvorschriften in den §§ 162 bis 164 eine ordnungsmäßige Buchführung auch für Nicht-Vollkaufleute erforderlich.Reichsabgabenordnung vom 13. Dezember 1919. 3. Abschnitt: Ermittlung und Festsetzung der Steuer. §§ 162–164 (Digitalisat Staatsbibliothek zu Berlin). Willibald Felsing erarbeitete daraufhin ein Buchführungssystem, das den Bedürfnissen der kleineren Gewerbebetriebe insbesondere im Uhrmacherhandwerk entsprach und 1921 veröffentlicht wurde.Willibald Felsing: Buchführung. In: Die Uhrmacherkunst, Band 46, Nr. 13, 1921, S. 214 (Digitalisat SLUB Dresden).Willibald Felsing: Verbandsbuchführung. In: Deutsche Uhrmacher-Zeitung, Band, Nr. 43, 1921, S. 557–560 (Digitalisat SLUB Dresden). 1926 gehörte er zu den Gründungsmitgliedern des Fachausschusses für Edelmetalle einschließlich Edelsteine, Perlen und Uhren an der Industrie- und Handelskammer Berlin. Seine juristischen Kenntnisse befähigten ihn, für die Interessenverbände der Uhrenfabrikanten, Uhrengrossisten, Uhrmacher und Juweliere tätig zu werden, die ihn zum Bevollmächtigten der Preisschutz-Kommission wählten. In den Folgejahren verfasste er mehrere Aufsätze zu Steuer- und Wirtschaftsfragen, die in der Deutschen Uhrmacher-Zeitung erschienen. Im Sommer 1927 eröffnete die Firma Conrad Felsing ein zweites Geschäft am Kurfürstendamm 33 (Ecke Uhlandstraße),Geschäftsnachrichten. In: Die Uhrmacherkunst, Band 52, Nr. 28, 1927, S. 511 (Digitalisat SLUB Dresden). da sich der Verkehrs- und Käuferstrom zunehmend nach dem Berliner Westen verlagert hatte. Das Wahrzeichen der Firma an der gut beleuchteten Außenfront des neuen Geschäftes war eine Weltzeituhr, bei der sich die Namen der Orte New York, Buenos Aires, Pernambuco, Lissabon, Moskau, Teheran und Kalkutta auf dem 60 cm × 60 cm großen Ziffernblatt automatisch mit dem Zeigerkreislauf fortbewegten.Weltzeituhren. In: Die Uhrmacherkunst, Band 53, Nr. 11, 1928, S. 188–190 (Digitalisat SLUB Dresden). Im Herbst 1927 wurde ein drittes Geschäft am Kaiserdamm 38 eröffnet.Geschäftsnachrichten. In: Die Uhrmacherkunst, Band 52, Nr. 46, 1927, S. 835 (Digitalisat SLUB Dresden). Im April 1932 wurde das Uhren-Fachgeschäft Conrad Felsing als Gesellschaft mit beschränkter Haftung in das Berliner Handelsregister eingetragen. Als Geschäftsführer wurde Willibald Felsing bestellt. Der Gesellschaftsvertrag wurde am 15. März 1932 abgeschlossen. Das Stammkapital betrug 50.000 RM, wobei das von der Firma Conrad Felsing betriebene Geschäft Unter den Linden 20 sowie die Filialen am Kurfürstendamm 33 und am Kaiserdamm 38 als Sacheinlage mit einem Gesamtwert von 45.000 RM eingebracht wurden.Geschäftsnachrichten. In: Die Uhrmacherkunst, Band 57, Nr. 16, 1932, S. 246–247 (Digitalisat SLUB Dresden).

Nach 1934