Die Dieffenbachien (Dieffenbachia) sind eine Pflanzengattung aus der Familie der Aronstabgewächse (Araceae). Die etwa 51 neotropischen Dieffenbachia-Arten sind von Costa Rica bis nach Kolumbien verbreitet. Einige Sorten sind beliebte Zimmerpflanzen, zum einen durch ihre auffällig gezeichneten Blätter und zum anderen dadurch, dass sie auch an schattigen Standorten gedeihen. In tropischen Ländern werden sie auch als Zierpflanzen in Parks und Gärten gepflanzt. Berührungen mit dem Saft der Pflanze können durch die enthaltenen Calciumoxalatkristalle zu Ausschlägen führen.
Beschreibung mini|links|Illustration von Dieffenbachia daguensis aus Das Pflanzenreich, Heft 64, 1915 mini|Blütenstand von Dieffenbachia oerstedii mini|Blütenstand einer Sorte von Dieffenbachia seguine var. seguine Dieffenbachia-Arten sind immergrüne, ausdauernde krautige Pflanzen, die manchmal strauchartig groß sind. Der aufrechte bis niederliegende, oft dicke Stängel ist bei älteren Exemplaren oft nur noch im oberen Bereich beblättert. Die wechselständig und meist spiralig angeordneten Laubblätter sind meist deutlich in Blattscheide, Blattstiel und Blattspreite gegliedert. Die meist großen Blattspreiten sind einfach, eiförmig bis verkehrt-lanzettlich und oft gemustert; einige Sorten sind panaschiert.
Dieffenbachia-Arten sind einhäusig getrenntgeschlechtig (monözisch). Ihre für Aronstabgewächse typischen Blütenstände fallen nicht einmal durch ihre einzelnen Hochblätter, bei Araceae Spatha genannt, besonders auf. Die haltbare Spatha ist röhrenförmig und etwas eingeschnürt in der Mitte. Die Spatharöhre ist meist stark verlängert, bleibt bis zur Fruchtreife erhalten. Beim zylindrischen Kolben (Spadix) hängt der weibliche Abschnitt eng an der Spatha und die weiblichen Blüten sind relativ locker angeordnet. Die eingeschlechtigen Blüten besitzen keine Blütenhülle. Die weiblichen Blüten besitzen einen Kreis auf vier bis fünf Staminodien.
Im Fruchtstand spaltet sich bei Reife die Spatharöhre auf, um die Früchte zu enthüllen. Die bei Reife scharlachroten oder orangefarbenen Beeren stehen am Kolben dicht zusammen.
Die Pflanzenteile enthalten Calciumoxalat-Kristalle und sind für Menschen wie Tiere (beispielsweise Hauskatzen, die gerne an Zimmerpflanzen kauen) giftig.
Ihre Anpassungsfähigkeit ist sehr hoch, weshalb sie sich gut als Zimmerpflanze eignet. Meist nimmt sie viel mehr Wasser auf, als sie benötigt oder über ihre Blätter verdunsten kann. Die überschüssige Flüssigkeit wird zu Poren an den Blattspitzen transportiert, worüber das Wasser abgegeben wird. Dieser Vorgang heißt Guttation.
Systematik und Verbreitung Die Gattung Dieffenbachia wurde durch Heinrich Wilhelm Schott 1829 mit der Typusart Dieffenbachia seguine in der Wiener Zeitschrift für Kunst, Litteratur, Theater und Mode 1829, Band 3, Seite 803 aufgestellt. Heinrich Wilhelm Schott, der Direktor des Botanischen Gartens in Wien von 1845 bis 1865, ehrte mit dem Gattungsnamen Dieffenbachia seinen langjährigen Obergärtner Joseph Dieffenbach (1796–1863). Ein Synonym für Dieffenbachia ist Maguirea .
Die Gattung Dieffenbachia gehört zur Tribus Dieffenbachieae in der Unterfamilie Aroideae innerhalb der Familie der Araceae.
Es gibt etwa 51 Dieffenbachia-Arten (vollständige Artliste): Dieffenbachia aglaonematifolia : Sis ist in Brasilien, Argentinien und Paraguay verbreitet. Dieffenbachia antioquensis : Die Heimat ist Kolumbien. Dieffenbachia aurantiaca : Sie kommt in Costa Rica und Panama vor. Dieffenbachia beachiana : Sie kommt vom nordöstlichen Costa Rica bis ins nördliche Panama vor. Dieffenbachia bowmannii : Sie eine der großblättrigen Arten, die mit einigen Sorten als Zierpflanze verwendet wird. Sie kommt von Kolumbien bis Brasilien vor. Dieffenbachia brittonii : Die Heimat ist Kolumbien. Dieffenbachia burgeri : Sie wurde 2004 aus Costa Rica erstbeschrieben. Dieffenbachia cannifolia : Sie ist in Kolumbien, Ecuador und Peru verbreitet. Dieffenbachia concinna : Die Heimat ist Costa Rica und Nicaragua. Dieffenbachia copensis : Sie wurde 2004 aus Panama erstbeschrieben. Dieffenbachia cordata : Die Heimat ist Peru. Dieffenbachia costata : Die Heimat ist Kolumbien, Ecuador und Peru. Dieffenbachia crebripistillata : Sie wurde 2004 aus Panama erstbeschrieben. Dieffenbachia daguensis : Die Heimat ist Kolumbien und Ecuador. Dieffenbachia davidsei : Sie wurde 2004 aus Costa Rica erstbeschrieben. Dieffenbachia duidae (Syn.: Spathicarpa duidae ): Die Heimat ist Venezuela und Guayana. Dieffenbachia elegans : Sie ist im tropischen Südamerika verbreitet. Dieffenbachia enderi : Die Heimat ist Kolumbien. Dieffenbachia fortunensis : Sie wurde 2004 aus Panama erstbeschrieben. Dieffenbachia fosteri : Sie wurde 2004 aus Panama erstbeschrieben. Dieffenbachia fournieri : Die Heimat ist Kolumbien. Dieffenbachia galdamesiae : Sie wurde 2004 aus Panama erstbeschrieben. Dieffenbachia gracilis : Sie kommt vom nördlichen Brasilien bis Peru vor. Dieffenbachia grayumiana : Sie ist in Costa Rica, Panama und Kolumbien verbreitet. Dieffenbachia hammelii : Die Heimat ist Nicaragua und Costa Rica. Dieffenbachia herthae : Die Heimat ist Ecuador. Dieffenbachia horichii : Sie wurde 2004 aus Costa Rica erstbeschrieben. Dieffenbachia humilis : Sie ist im tropischen Südamerika verbreitet. Dieffenbachia imperialis : Die Heimat ist Peru. Dieffenbachia isthmia : Sie wurde 2004 aus Panama erstbeschrieben. Dieffenbachia killipii : Sie wurde 2004 aus Panama erstbeschrieben. Dieffenbachia lancifolia : Die Heimat ist Kolumbien. Dieffenbachia leopoldii : Die Heimat ist Kolumbien. Dieffenbachia longispatha : Sie ist von Panama bis Kolumbien verbreitet. Dieffenbachia lutheri : Diese erst 2004 neu beschriebene Art kommt nur in Panama vor. Dieffenbachia macrophylla : Die Heimat ist Peru. Dieffenbachia meleagris : Sie kommt in Ecuador vor. Dieffenbachia ×memoria-corsii Dieffenbachia nitidipetiolata : Sie wurde 2004 aus Panama erstbeschrieben. Dieffenbachia obliqua : Die Heimat ist Peru. Dieffenbachia obscurinervia : Sie wurde 2004 aus Panama erstbeschrieben. Dieffenbachia oerstedii : Sie ist vom südlichen Mexiko bis Ecuador verbreitet. Dieffenbachia olbia : Die Heimat ist Peru. Dieffenbachia paludicola : Sie ist vom nördlichen Südamerika bis Brasilien verbreitet. Dieffenbachia panamensis : Sie wurde 2004 aus Panama erstbeschrieben. Dieffenbachia parlatorei : Sie ist in Kolumbien und Venezuela verbreitet. Dieffenbachia parvifolia : Sie ist im tropischen Südamerika verbreitet. Dieffenbachia pittieri : Die Heimat ist Panama. mini|Blatt der Dieffenbachie (Dieffenbachia seguine) Dieffenbachia rodriguezii : Die 2017 erstbeschriebene Art kommt in Costa Rica vor. Dieffenbachia seguine : Das Verbreitungsgebiet reicht von Karibischen Inseln bis ins tropische Südamerika. Zu dieser Art gehören sehr viele Sorten, die als Zierpflanzen verwendet werden: Hier einige Varietäten: Dieffenbachia seguine var. lineata (Syn.: Dieffenbachia lineata ) Dieffenbachia seguine var. lingulata (Syn.: Dieffenbachia lingulata ) Dieffenbachia seguine var. seguine: Dies ist der heutige gültige Name für viele Sorten, die mit einer Reihe unterschiedlicher botanischer Namen im Handel sind, die aber heute Synonyme dieser Varietät sind (Syn.: Arum seguine , Caladium maculatum , Dieffenbachia amoena hort., Dieffenbachia baraquiniana , Dieffenbachia exotica hort., Dieffenbachia maculata , Dieffenbachia picta , Dieffenbachia picta var. baraquiniana ) Dieffenbachia seguine var. ventenatiana (Syn.: Dieffenbachia ventenatiana ) Dieffenbachia shuttleworthiana : Sie kommt nur in Kolumbien vor. Dieffenbachia standleyi : Sie wurde 2004 aus Honduras erstbeschrieben. Dieffenbachia tonduzii : Sie ist von Nicaragua bis Ecuador verbreitet. Dieffenbachia weberbaueri : Die Heimat ist Peru. Dieffenbachia weirii : Die Heimat ist das westliche Kolumbien. Dieffenbachia wendlandii : Sie ist von Mexiko bis Zentralamerika verbreitet. Dieffenbachia williamsii : Sie wurde 2005 aus Bolivien erstbeschrieben. Dieffenbachia wurdackii : Sie wurde 2005 aus Peru erstbeschrieben.
Nutzung Von einigen Arten gibt es einige Sorten, die als Zierpflanzen verwendet werden.
mini|Die Sorte 'Camille' mit besonders hellen Laubblättern mini|Eine Dieffenbachia-Sorte mit Blütenstand in Nahaufnahme: zu sehen sind die grünliche Spatha und der weiße Kolben des Blütenstandes mit noch knospigen eingeschlechtigen Blüten Sorten-Auswahl: Dieffenbachia seguine var. seguine 'Morlof' Dieffenbachia seguine var. seguine 'Topic Alix' Dieffenbachia seguine var. seguine 'Tropic Snow' Dieffenbachia seguine var. seguine 'Anne' Dieffenbachia seguine var. seguine 'Camille' Dieffenbachia seguine var. seguine 'Exotica Compacta' Dieffenbachia seguine var. seguine 'Exotica' Dieffenbachia seguine var. seguine 'Perfection' Dieffenbachia seguine var. seguine 'Forest' Dieffenbachia seguine var. seguine 'Lancifolia' Dieffenbachia seguine var. seguine 'Perfection Compacta' Dieffenbachia seguine var. seguine 'Rebecca's Jewel' Dieffenbachia seguine var. seguine 'Silver' Dieffenbachia 'Angustior' Dieffenbachia 'Bali Hai' Dieffenbachia 'Bausei' Dieffenbachia 'Golden Sunset' Dieffenbachia 'Hilo' Dieffenbachia 'Nelly' Dieffenbachia 'Paradise' Dieffenbachia 'Rebecca' Dieffenbachia 'Starry Nights' Dieffenbachia 'Triumph' Dieffenbachia 'Tropic Star' Dieffenbachia 'Victory'
Eine Reihe von Pflanzenkrankheiten bereiten bei der Kultur Schwierigkeiten. Besonders problematisch sind einige Bakterienarten und Pilzarten.
Giftigkeit Die Zellen der Dieffenbachia enthalten nadelförmige Calciumoxalatkristalle. Wenn ein Blatt gekaut wird, können diese Kristalle ein vorübergehendes Brennen sowie Erytheme verursachen. In seltenen Fällen wurde von Ödemen berichtet. Kauen und Verschlucken führen im Allgemeinen nur zu leichten Symptomen. Sowohl bei Kindern als auch bei Haustieren kann der Kontakt mit Dieffenbachia (typischerweise durch Kauen) eine Reihe unangenehmer Symptome hervorrufen, wie z. B. starke Betäubung, Reizung der Mundschleimhaut, übermäßiges Sabbern und örtlich begrenzte Schwellungen. Diese Auswirkungen sind jedoch selten lebensbedrohlich. In den meisten Fällen sind die Symptome mild und können erfolgreich mit Schmerzmitteln, AntihistaminikaGN Lucas – Sri Lanka Journal of Child Health, 2008 – oder Aktivkohle behandelt werden. Darüber hinaus können schwere Fälle auftreten, wenn Dieffenbachia über einen längeren Zeitraum mit der Mundschleimhaut in Kontakt kommt. In solchen Fällen treten im Allgemeinen starke Schmerzen auf, die mehrere Tage bis Wochen andauern können. Ein Krankenhausaufenthalt kann erforderlich sein, wenn es durch einen längeren Kontakt mit dem Rachenraum zu starken Schwellungen kommt, die die Atmung beeinträchtigen. Eine Magenentleerung oder -spülung ist selten.
Bei Geschichten, die Dieffenbachia als tödliches Gift darstellen, handelt es sich um urbane Legenden.
Siehe auch Liste von luftreinigenden Pflanzen Liste giftiger Pflanzen
Einzelnachweise R. J. Henny, A. R. Chase & L. S. Osborne: bei Mid-Florida Research & Education Center der University of Florida - IFAS.
Yasin J. Nasir: Araceae: Eintrag in der Flora of Pakistan. Walter Erhardt, Erich Götz, Nils Bödeker, Siegmund Seybold: Der große Zander. Enzyklopädie der Pflanzennamen. Begründet von Robert Zander, 18. Auflage, Band 2, Verlag Eugen Ulmer, Stuttgart 2008. ISBN 978-3-8001-5406-7
Weblinks
Die Dieffenbachie als Giftpflanze
Kategorie:Aronstabgewächse