Israelism ist ein US-amerikanischer Dokumentarfilm aus dem Jahr 2023 über die Beziehung US-amerikanischer Juden zum Staat Israel.

Der Film thematisiert ein politisches und bildungstechnisches System jüdischer Organisationen in den USA, in dem eine unkritische Liebe zum Staate Israel propagiert wird. Diese im Film postulierte Kultur wird mit dem Neologismus "Israelism" (dt. Israelismus) bezeichnet. Der Film begleitet zwei Protagonisten, primär Simone Zimmerman, die den Prozess des Israelism durchlaufen haben, sich aber in Anbetracht persönlicher Eindrücke, insbesondere der israelischen Besatzung in den Palästinensergebieten, davon abgewandt haben. Der Neologismus Israelism kommt dabei lediglich als Filmtitel vor.

Handlung Der Film erzählt anhand der Biographien von Simone Zimmerman und Eitan, dessen Nachname unerwähnt bleibt, die Geschichte zweier amerikanischer Juden und ihrer Erfahrung mit dem postulierten Phänomen Israelismus. Simone Zimmerman wächst als Enkelin von Holocaustüberlebenden in Los Angeles auf. Eitan ist Sohn einer konservativ-jüdischen Familie in Atlanta.

Das Judentum ist zentraler Bestandteil ihres Lebens, wobei sie sowohl in der Schule als auch in Sommercamps mit israelischer Kultur vertraut gemacht werden und ihnen eine unkritische Einstellung zum Staat Israel vermittelt wird. Nicht thematisiert würden dabei die völkerrechtswidrige israelische Besatzung und der Umgang mit den Palästinensern in den besetzten Gebieten gewesen. Man habe wenig über die Palästinenser geredet, außer dass sie Juden hassen und töten wollten. Rückblickend bezeichnen Eitan und Simone das vermittelte Israelbild selbst als unkritisch und die Art der pädagogischen Darlegung als Indoktrination.

Simone gibt an, dass 10 Prozent des Abschlussjahrgangs an ihrer Schule nach Israel auswanderten und dort in die israelische Armee, die Israelischen Verteidigungsstreitkräfte (IDF) eintraten. Sie selbst lebt in ihrer High-School-Zeit im Rahmen eines Austauschprogramms zeitweise in Israel, wo sie auch an einem Gadna-Programm teilnimmt, mit dem Israelis und ausländische Juden auf eine Zeit in der israelischen Armee vorbereitet werden. Eitan nahm an Sommercamps teil, in denen militärähnliche Spiele durchgeführt wurden. Beiden werde vermittelt, dass es vor allem zwei Wege gebe Israel und dem Judentum zu dienen: Dienst in der israelischen Armee und Fürsprachen-Aktivismus für Israel, wobei es gelte Israel gegen bösartige Vorwürfe zu verteidigen.

Der Film verwendet Bilder aus jüdischen Schulen und Organisationen als Tatsachenbehauptungen. An einer Grundschule zeigt er Kinder, die israelische Flaggen schwenken und singen: „Wir wollen gehen! Wir wollen gehen!“Raised to see Israel as a ‘Jewish Disneyland’, two US film-makers are telling a different story | Film | The Guardian, 12. November 2023, abgerufen am 10. Dezember 2023. An einer privaten jüdischen Mittelschule gehöre das Buch The Case for Israel von Alan Dershowitz zur Unterrichtslektüre. In Jerusalem nehmen an einer Birthright Israel Veranstaltung tausende jüdisch-amerikanischer Jugendliche teil, wo sie der israelischen Armee Beifall klatschen, während ein Redner ihnen sagt: „Es liegt an euch, unsere Soldaten im Ausland zu sein… bereit, die öffentliche Meinung zugunsten Israels zu beeinflussen.“ Jacqui Schulefand, eine frühere Schullehrerin und Mitarbeiterin der jüdischen Studentenorganisation Hillel, berichtet von ihrer Zeit an einer jüdisch-amerikanischen Schule, wo die Vermittlung einer Liebe zu Israel ein zentraler Bestandteil des Schulprogramms ist. Schulefand befindet, man könne zwischen Judentum und Israel nicht trennen. Als Mitarbeiterin des von Hillel engagiert sie sich auch dafür, dass amerikanische Juden in die israelische Armee eintreten. Gezeigt wird auch eine Hillel-Gesprächsrunde mit Schulefand, Studenten und ehemaligen IDF-Soldaten bei dem den jüdischen Studenten pro-israelische Lobbyarbeit nahegelegt wird.

Eitan entscheidet sich für die Auswanderung nach Israel und den Dienst in der israelischen Armee, wo er zum Maschinengewehrschützen ausgebildet und schließlich als Soldat im von Israel besetzten Westjordanland stationiert wird. Simone nimmt an Konferenzen des American Israel Public Affairs Committee (AIPAC) teil und beginnt ein Studium an der University of California, Berkeley, wo sie sich in einer jüdischen Studentengruppe als Aktivistin engagiert. Zu ihrer Arbeit gehöre etwa, sich auf Veranstaltungen einzubringen, in denen es um den Nahostkonflikt geht, wobei sie versuchen soll israelkritische Positionen durch Debattenbeiträge, die Ansprache möglicher Doppelstandards und Antisemitismusvorwürfe die Gegenposition zu delegitimieren. Hierzu habe sie auch schriftlich Handlungsempfehlungen erhalten.

Für Simone ist die Konfrontation mit pro-palästinensischen Stimmen im Rahmen der universitären Auseinandersetzungen ein zentraler Einschnitt in ihrem Denken, da die Narrative der Gegenseite mit ihrem eigenen Bild von Israel und dem Nahostkonflikt nicht kompatibel seien. Simone beginnt ihre Überzeugungen zu hinterfragen und will Antworten auf Vorwürfe wie Siedlerkolonialismus, Besatzung und Apartheid. Sie reist nach Israel und ins besetzte Westjordanland, wo sich durch ihre Erfahrungen mit dem Leben der Palästinenser unter israelischer Besatzung ihre Wahrnehmung verändert.

Einen ähnlichen Wandlungsprozess macht Eitan als Soldat der IDF durch. Er schützt mit seiner Einheit die nach internationalem Recht illegalen israelischen Siedlungen im besetzten Westjordanland und zeigt gegenüber den Palästinensern als Teil der israelischen Besatzungsmacht Präsenz. Eitan berichtet wie er und andere israelische Soldaten Gewalt, Drangsalierung und Misshandlung gegenüber palästinensischen Zivilisten anwenden. Eitan berichtet, dass diese Dinge ihn in seiner Zeit in der IDF zwar umtrieben, er aber erst nach Ende seines Militärdienstes begriffen habe, dass sie unmoralisch seien.

Vor dem Hintergrund ihrer Erfahrungen wandeln sich Simone und Eitan von überzeugten Zionisten zu Kritikern Israels und der Besatzungspolitik und beginnen, sich politisch gegen die Besatzung, die rechtsgerichteten israelischen Regierungen und ihre Unterstützer in den USA zu wenden. Simone engagiert sich in jüdischen Aktivistengruppen, die ein Ende der israelischen Besatzung, gleiche Rechte für Palästinenser und eine politische Lösung des Konfliktes fordern und wird Mitbegründerin der jüdischen Aktivistengruppe IfNotNow. Zu den Aktionen gehören etwa Sitzstreiks bei der Anti-Defamation League, Proteste gegen Tagungen der AIPAC und Teilnahme an pro-palästinensischen Demonstrationen. Auch in Israel kommt es zu einer friedlichen Sitzblockade, die gewaltsam durch die Polizei aufgelöst wurde, während diese beim Flaggenmarsch am Jerusalemtag toleriert wie hunderte israelische Rechtsextremisten rassistische anti-arabische Parolen und „Tod den Linken“ skandieren.

2016 wird Simone in das Wahlkampfteam von Bernie Sanders berufen, bereits zwei Tage später allerdings wieder entlassen. Hintergrund seien ihre früheren Äußerungen zu Israel, der israelischen Armee und Ministerpräsident Benjamin Netanjahu. Simone sehe sich wie andere israelkritische Juden Anfeindungen gegen ihre Person ausgesetzt, unter anderem werde sie als „sich selbst hassende Jüdin“ und „Verräterin“ bezeichnet und ihr der Suizid nahegelegt. Simone ihrerseits wirft der jüdisch-amerikanischen Community eine weitverbreitete Dehumanisierung der Palästinenser und ein Absprechen des Rechtes auf ihr Land vor.

Das letzte Drittel des Films thematisiert eine zunehmende Spaltung innerhalb der jüdisch-amerikanischen Gemeinde, die auch entlang der Generationen verläuft. Während die ältere Generation etwa in Form von Organisationen wie der AIPAC, der Anti-Defamation League und der Association of Reform Zionists of America Israel und seine rechtsgerichteten Regierungen unterstütze, entfremde sich die junge Generation amerikanischer Juden – darunter auch ehemalige Soldaten der IDF und Rabbiner – zunehmend vom Staat und hinterfragt, welche politische Haltung in jüdischen Einrichtungen in den USA bezüglich Israel vermittelt werde. Dies kommentieren jüdische Stimmen wie Noam Chomsky, Jeremy Ben-Ami – Direktor von J Street, der Politikwissenschaftler Peter Beinart, Lara Friedman und Sarah Anne Minkin von der Middle East Peace Foundation, die Autorin Rebecca Pierce sowie Abraham Foxman, ehemaliger Vorsitzender der Anti-Defamation League, und Rabbi Bennett Miller, Vorsitzender der Association of Reform Zionists of America.

Sarah Anne Minkin und Jeremy Ben-Ami berichten, dass zunehmend junge amerikanische Juden ihre alten Schulen, Sommercamps, Synagogen und Hebräischschulen besuchen und die Anklage erheben, dass man sie dort erzogen und indoktriniert habe, um der israelischen Armee beizutreten. Simone, Minkin und Lara Friedman kritisieren, dass das pro-israelische jüdische Establishment so versuche, Kritik an Israel zu unterbinden und dass der Kampf gegen Antisemitismus kein Kampf mehr für die Sicherheit für Juden, sondern vielmehr für den Staat Israel geworden sei. Der Vorwurf beinhaltet, dass man die eigentlichen Bedrohungen für Juden nicht mehr wahrnehme, wie etwa den wachsenden Einfluss und offenen Judenhass von amerikanischen Rechtsextremisten. Dies zeige sich etwa in der Unterstützung des Establishments für Donald Trump, der einerseits Israel unterstützt, andererseits es ablehnt, rechtsextreme, judenfeindliche Amerikaner zu verurteilen, da sie zu seiner eigenen Wahlklientel gehören.

Der Film endet mit einer Gesprächsrunde in einer Synagoge, wo Juden zusammenkommen, die von ihren eigenen Erfahrungen in Schulen, Synagogen und Freizeitaktivitäten berichten.

Produktion und Veröffentlichung Die Veröffentlichung war im Februar 2023.Hamilton theatre cancels film critical of Israel, board says it's the wrong time to 'court controversy' | CBC News, 30. November 2023, abgerufen am 9. Dezember 2023. Seither erfolgt die Vorführung an ausgewählten Kinos und Veranstaltungsorten,The coordinated campaign to cancel screenings of 'Israelism' film – The Forward, 17. November 2023, abgerufen am 9. Dezember 2023. darunter vor allem an Universitäten. Viele Vorführungen sind von jüdischen Studentengruppen und Abteilungen für jüdische Studien finanziert worden.Hunter College Pulls Screening of Film Critical of Israel - The New York Times (nytimes.com), 16. November 2023, abgerufen am 10. Dezember 2023.

Im Oktober 2024 war der Film auf dem YouTube-Kanal des katarischen Senders Al Jazeera verfügbar,Online-Doku „Israelism“. Langsamer Abschied, Taz, 8. Dezember 2924. im Dezember 2024 bei VICE.Israelism: How Young American Jews’ Views of Israel Are Shifting | Films on VICE, 18. Dezember 2024, abgerufen am 16. Dezember 2025.

Kampagnen zur Verhinderung der Filmvorführung Im Laufe des Jahres und insbesondere nach dem Terrorangriff der Hamas auf Israel am 7. Oktober 2023 wurde der Film Ziel einer Online-Kampagne, die gegen das Zeigen des Films protestierte. In Mails und Nachrichten an Universitäten, die größtenteils identisch waren, wurde dem Film Antisemitismus und eine Rechtfertigung jener Personen vorgeworfen, die Positionen wie „Tötet die Juden“ und „Globalisiert die Intifada“. rufen. Nach The Forward kam der Widerstand vielfach von Personen, die den Film nicht gesehen hatten. Nach Aussage des Filmemachers Sam Eilertsen hätten mehrere Kinos Anrufe von israelischen Konsulaten erhalten, in denen sie gebeten wurden, den Film nicht zu zeigen. Bereits im Juni 2023 hatte Dov Waxman, Professor für Israel-Studien an der University of California, Los Angeles, erklärt, dass er wegen einer Filmvorführung „unter starkem Druck von zahlreichen Organisationen und Einzelpersonen“ gesetzt wurde, darunter Aufrufen, die für seine Entlassung plädierten.