mini|Münze von Mithridates III. Das Partherreich (240 v. Chr. bis 224/226 n. Chr.) war die dominierende, von den Arsakiden beherrschte Macht des ersten vorchristlichen sowie des ersten und zweiten nachchristlichen Jahrhunderts im Iranischen Hochland und Mesopotamien. Die Parther (altpersisch Parθava, lateinisch Parthi) waren ein iranisches Volk, das ab etwa 240 v. Chr. im heutigen Iran ein Reich aufbaute, das zur Zeit der größten Ausdehnung auch große Teile Mesopotamiens, des südwestlichen Mittelasiens und einiger angrenzender Gebiete, einschließlich einiger griechischer Poleis, umfasste. Mitunter wird dieses Imperium nach dem Namen der regierenden Dynastie auch als Arsakidenreich bezeichnet, um auszudrücken, dass die Bevölkerung keineswegs nur aus Parthern bestand.
In den Partherkriegen gegen Rom konnte sich Parthien insgesamt behaupten, wobei ein Hauptstreitpunkt zwischen beiden Reichen Armenien war. Das Reich endete mit der Machtübernahme der Sassaniden unter Ardaschir I. in Iran, welche die Arsakiden im frühen 3. Jahrhundert n. Chr. in einem Bürgerkrieg besiegten. Allerdings spielten parthische Adelsgeschlechter auch unter den Sassaniden weiterhin eine wichtige Rolle, und in Armenien konnten die Arsakiden sich noch bis ins 5. Jahrhundert behaupten.
Geschichte des Partherreiches Ursprünge mini|Iran und angrenzende Gebiete im Altertum Die Parther waren wahrscheinlich ursprünglich ein Teilstamm der Skythen mit dem Namen Parner (Parni), der an der Südostecke des Kaspischen Meeres ansässig war. Als sie in die Satrapie Parthia einwanderten, nahmen sie den davon abgeleiteten Namen Parther an. Zwischen 250 v. Chr. und 238 v. Chr. eroberten die Parther unter ihrem Anführer Arsakes I. einen Teil der iranischen Gebiete des Seleukidenreichs und knüpften so wenigstens indirekt an das Achämenidenreich an – wenngleich die Quellenlage insgesamt recht dünn ist, so auch für die Frühzeit des Reiches.
Das von den Parthern eroberte Gebiet war überwiegend nur recht oberflächlich hellenisiert worden. Dennoch gab es Regionen, in denen ein starker griechischer Einfluss bemerkbar war, vor allem in einigen Städten (Poleis). Die Parther übernahmen bald die griechische Münzprägung, und Griechisch war lange Zeit eine der Verwaltungssprachen. Überhaupt verbanden sich im Partherreich vielfach iranische und griechisch-seleukidische Traditionen. Den letzten erfolgversprechenden Versuch der Seleukiden, ihre verlorenen Gebiete zurückzuerobern, stellte die so genannte Anabasis des Seleukidenkönigs Antiochos III. dar (209–206 v. Chr.); die Parther mussten vorübergehend erneut die seleukidische Oberherrschaft akzeptieren, doch wandte sich Antiochos anschließend dem Westen zu, so dass die Parther nach seiner Niederlage gegen Rom (188 v. Chr.) bald schon wieder ihre Expansionspolitik aufnehmen konnten. Im Osten mussten sich die Parther des Graeco-Baktrischen Reichs erwehren, jedoch zeigte dieses bald schon Auflösungserscheinungen – letztlich aufgrund des Einbruchs von Steppenvölkern aus Mittelasien, die eine ständige Bedrohung darstellten; auch die Parther sollten später an dieser Grenze in teils schwere Abwehrkämpfe verwickelt werden.
Expansion und Abwehrkampf mini|Ungefähre Ausdehnung des Partherreichs Unter Mithridates I. fügten die Parther 141 v. Chr. auch Mesopotamien ihrem Reich hinzu, das den Seleukiden schließlich, nachdem Antiochos VII. den Parthern noch einmal mit kurzzeitigem Erfolg hatte entgegentreten können, im Jahr 129 v. Chr. dauerhaft verloren ging. Dies war ein entscheidender Schritt, denn das reiche Land zwischen Euphrat und Tigris stattete vor allem die Krone mit erheblichen Machtmitteln aus. Ktesiphon, unmittelbar neben Seleukeia am Tigris gelegen, wurde arsakidische Hauptresidenz. Mithridates nahm als erster Arsakide den Titel šāhān šāh („König der Könige“ bzw. „Großkönig“) an. Unter dem erfolgreichen Partherkönig Mithridates II. wurde 115 v. Chr. die Seidenstraße „eröffnet“: Eine Delegation des chinesischen Kaisers Han Wudi machte ihre Aufwartung. Wenig ist zu Ereignissen im Osten des Reiches bekannt; hier drangen die Yuezhi, ein Nomadenvolk, ein, die das Griechisch-Baktrische Königreich vernichteten und offensichtlich auch eine ernste Gefahr für das Partherreich darstellten. Zwei Könige, Phraates II. und Artabanos I., verloren in dortigen Kämpfen ihr Leben.K. Schippmann: Arcsacids. II. The Arsacid dynasty. In: Encyclopædia Iranica. Zahlreiche mächtige Festungen (z. B. Durnali oder Chilburj) an der Nordostgrenze belegen das Bemühen, diese Region zu sichern.Krzysztof Jakubiak: Arsacids viii. Military Architecture Of Parthia. In: Encyclopædia Iranica. Online, 2016.
Bald nach dem ersten Zusammentreffen mit den Römern zu Beginn des 1. Jahrhunderts v. Chr. unter Sulla (siehe hier) und endgültig, als 64/63 v. Chr. die Reste des Seleukidenreichs zur römischen Provinz Syria umgewandelt wurden, wurde das Partherreich zum Rivalen Roms um die Macht im Osten, wobei es nicht zuletzt um Handelsinteressen ging. Zahlreiche militärische Auseinandersetzungen kennzeichneten fortan das Verhältnis der beiden Staaten, wobei die Parther zumeist die Angegriffenen waren. Am bekanntesten ist die römische Niederlage in der Schlacht bei Carrhae 53 v. Chr., in der etwa 20.000 römische Soldaten ihr Leben verloren und 10.000 in parthische Gefangenschaft gerieten; weitere circa 10.000 Mann erreichten nur mit Mühe Syrien. Anlass dieser Schlacht war der Bruch der 69 v. Chr. geschlossenen Verträge, die den Euphrat als Grenzfluss festgelegt hatten, durch Crassus, den römischen Statthalter Syriens. Crassus selbst kam bei diesem Feldzug ums Leben, außerdem verlor seine Armee ihre Legionsadler, was für Rom eine Demütigung darstellte. 40/39 v. Chr. drangen dann die Parther gemeinsam mit dem römischen General und Republikaner Quintus Labienus in Syrien und Kleinasien ein, um die römischen Bürgerkriege auszunutzen, konnten aber bald darauf vertrieben werden. Der Partherfeldzug des Marcus Antonius im Jahr 36 v. Chr. scheiterte: Das unwirtliche Klima in den armenischen Bergen und die steten Angriffe seitens der Parther dezimierten die Streitkräfte des Antonius stark. Dies wird in der modernen Forschung als ein möglicher Faktor für die spätere Niederlage des Antonius gegen Octavian/Augustus angesehen.
Ereignisse im Osten des Reiches sind weiterhin nur in sehr groben Umrissen zu erkennen. Im ersten Jahrhundert entstand unter Gondophares (etwa 20–50 n. Chr.) im heutigen Sistan und Pakistan das Indo-Parthische Königreich. Gondophares mag ein Partherfürst gewesen sein, der sich unabhängig machte.A. D. H. Bivar: Gondophares. In: Encyclopædia Iranica. Online, 2012.
mini|Münze von Vonones I. Die Rückseite zeigt eine Nike; Beischrift der Vorderseite: König Vonones. Die Münze ist in Ekbatana geprägt worden und zeigt einen Stil, der sich schon von griechischen Vorbildern entfernt hat. mini|Vologases IV. Unter Augustus erkannten 20 v. Chr. die Römer den Euphrat mit der Stadt Dura Europos erneut als Grenze an; die Parther gaben den Römern die erbeuteten Feldzeichen zurück, was die augusteische Propaganda ausgiebig feierte und als Triumph überhöhte. Weitere Partherkriege fanden unter den Kaisern Nero (in Bezug auf Armenien: 54–63; der Konflikt hatte sich bereits unter Claudius abgezeichnet), Trajan (siegreicher Partherfeldzug 114–117), Mark Aurel bzw. Lucius Verus (161–166), Septimius Severus (195 und 197/198) und Caracalla (216–18; der Krieg wurde erst nach seinem Tod unter Macrinus beendet) statt.Zu den militärischen Konflikten siehe zusammenfassend Rose M. Sheldon: Rome’s war in Parthia. London 2010. Dabei scheinen die Parther lediglich 161 überraschend angegriffen zu haben – und selbst dies ist in der Forschung jüngst bezweifelt worden, da es Hinweise darauf gibt, dass die Römer bereits seit 158 starke Truppenverbände in den Orient verlegt hatten und die Arsakiden möglicherweise nur einem römischen Angriff zuvorkommen wollten.
Besonders der Partherkrieg Trajans war offenbar auf Eroberung größerer Teile des Partherreiches angelegt gewesen, was freilich keinen Erfolg hatte, da die Kapazitäten Roms bereits an ihre Grenzen stießen. Als die anfangs überrumpelten Arsakiden zum Gegenangriff übergingen, musste sich Trajan zurückziehen. Sein Nachfolger Hadrian gab denn auch folgerichtig den Großteil der Eroberungen wieder auf und bemühte sich um eine Normalisierung der Beziehungen zum Partherreich, dessen Herrscher die Römer nun offenbar den Titel rex regum („König der Könige“) zugestanden. Die letzte römisch-parthische Auseinandersetzung endete 218 mit einem arsakidischen Erfolg; Kaiser Macrinus musste den Frieden nach einer verlorenen Schlacht mit hohen Zahlungen erkaufen.
Bei diesen Partherkriegen zeigte sich oft dasselbe Schema: Falls die Offensive (wie vermutlich 161) von den Arsakiden ausging, folgte einem parthischen Vorstoß, teils bis tief nach Syrien und Armenien hinein, nach Zusammenziehung entsprechend schlagkräftiger Verstärkungen (vexillationes) eine römische Gegenoffensive in Armenien und Mesopotamien. Auch wenn die Aggression von Rom ausging (wie 113, 197 oder 217), zielte man auf diese Gebiete. Diese römischen Vorstöße waren zunächst meist erfolgreich, und die Hauptstadt Ktesiphon wurde mehrfach geplündert (in parthischer Zeit dreimal: 116, 165 und Ende 197/Anfang 198). Doch gelang es den Römern nie, die Eroberungen auch zu behaupten, ein baldiger Rückzug stellte die Ausgangssituation wieder her. Griffen die Römer an, konnten die Parther oft erst nach einer Weile zurückschlagen, da sie über kein stehendes Heer verfügten und erst Adelsaufgebote im iranischen Hochland zusammenziehen mussten. Dabei erwies es sich, dass sich das Partherreich, obwohl es im Inneren oft von Bürgerkriegen heimgesucht wurde, gegen Invasoren doch recht erfolgreich zur Wehr setzen konnte, womöglich gerade aufgrund des dezentralen Aufbaus des Reiches (siehe unten).
Die Euphratgrenze erwies sich angesichts der zahlreichen Kriege als erstaunlich dauerhaft und bestand bis zum Ende des Partherreiches im Wesentlichen unverändert fort – allerdings fügte Septimius Severus Gebiete in Nordmesopotamien, die wohl bereits seit Lucius Verus unter römischem Einfluss standen, als Provinzen dem Römischen Reich hinzu. In den folgenden vier Jahrhunderten strebten die Arsakiden und ihre Nachfolger, die Sassaniden, immer wieder nach der Wiederherstellung der Euphratgrenze. Im Norden waren die Verhältnisse noch instabiler: Obwohl es unter Nero im Jahre 63 zu einem Kompromiss in Hinblick auf Armenien gekommen war (den armenischen König bestimmten die Parther, formal eingesetzt wurde er aber vom Kaiser), blieb das Land noch über Jahrhunderte umstritten; dies sollte sich auch später unter den Sassaniden nicht ändern, da das Land von großer strategischer Bedeutung war.
Niedergang und Ende mini|Münze des Kuschan-Königs Kanishka Im 1. und 2. Jahrhundert n. Chr. wurde das Partherreich durch mehrere Bürgerkriege erschüttert. Auch im Kampf mit dem alten Rivalen Rom musste das Reich Niederlagen hinnehmen, konnte sich im von Kaiser Caracalla losgetretenen Krieg mit dem westlichen Nachbarn 218 aber letztendlich erfolgreich behaupten und erhielt von Rom hohe Entschädigungen. Doch auch die Abwehrkämpfe gegen die Steppenvölker (Saken, Kuschana) an der Nordostgrenze stellten eine ständige Belastung für das Reich dar, dessen König nur über relativ geringe Einnahmemöglichkeiten – wie etwa Zölle – verfügte.