mini|Staaten, mit denen Nordkorea diplomatische Beziehungen unterhält. mini|Standorte der diplomatischen Vertretungen Nordkoreas Die Außenpolitik Nordkoreas beruht auf der Chuch’e-Ideologie und betont die absolute Souveränität und Eigenständigkeit Nordkoreas gegenüber der Außenwelt. Oberstes Staatsziel ist das Überleben der totalitär regierenden Kim-Dynastie, wobei sich das Land nicht an die als üblich geltenden Normen und Regeln der internationalen Diplomatie gebunden sieht. Durch das Atomprogramm Nordkoreas ist das Land international nahezu völlig isoliert und wurde mehrmals mit UN-Sanktionen belegt. Nominell einzige Verbündete sind die Nachbarländer Russland und China, welche in der Vergangenheit allerdings ebenfalls das Atomprogramm des Landes kritisiert haben. Nordkorea erhebt Anspruch auf das Staatsgebiet von Südkorea und sieht sich als einzige legitime Regierung der koreanischen Halbinsel. Die beiden Koreas unterhalten deshalb keine diplomatischen Beziehungen, auch wenn es zu zwischenstaatlichen Kontakten zwischen ihnen gekommen ist. Offen feindschaftlich sind die Beziehungen zu den USA und zu Japan, denen die nordkoreanische Staatspropaganda mehrmals mit der nuklearen Vernichtung gedroht hat.

Trotz des Isolationismus von Nordkorea, das dem Land die Bezeichnung als Einsiedlerkönigreich und Pariastaat eingebracht hat, unterhält das Land diplomatische Kontakte zu knapp 160 Ländern.

Grundlagen der Außenpolitik Die Verfassung Nordkoreas legt die Außenpolitik des Landes fest. Während Artikel 2 der Verfassung das Land als „revolutionären Staat“ beschreibt, heißt es in Artikel 9, dass das Land auf die Wiedervereinigung Koreas, die Aufrechterhaltung der staatlichen Souveränität und politischen Unabhängigkeit sowie die „nationale Einheit“ hinarbeiten wird.

In vielen Artikeln wird die Außenpolitik des Landes genau beschrieben. In Artikel 15 heißt es, dass das Land „die demokratischen nationalen Rechte der koreanischen Landsleute im Ausland und ihre legitimen Rechte und Interessen, wie sie vom Völkerrecht anerkannt werden, schützen“ wird, und in Artikel 17 werden die Grundsätze der Außenpolitik des Landes erläutert:

Grundlegende Ideale ihrer Außenpolitik sind „Unabhängigkeit, Frieden und Freundschaft“. Aufnahme politischer, wirtschaftlicher, kultureller und diplomatischer Beziehungen zu „befreundeten Ländern“ auf der Grundlage von „völliger Gleichheit, Unabhängigkeit, gegenseitiger Achtung, Nichteinmischung in die Angelegenheiten des anderen und gegenseitigem Nutzen“. Einigung mit den „Völkern der Welt, die ihre Unabhängigkeit verteidigen“ Aktive Unterstützung und Ermutigung des „Kampfes aller Völker, die sich jeder Form von Aggression und Einmischung widersetzen und für die Unabhängigkeit ihrer Länder und die nationale und Klassenemanzipation kämpfen.“

Die Chuch’e-Ideologie ersetzte nach dem Zerfall der Sowjetunion den Marxismus-Leninismus als Leitlinie der inneren und äußeren Politik. Chuch’e setzt auf Autarkie gegenüber dem Ausland und verstärkte die Isolation Nordkoreas. Die Chuch’e-Ideologie wurde später durch Sŏn’gun ergänzt, eine Militär-zuerst-Doktrin. Beide Ideen sind in der Verfassung festgeschrieben und sind offizielle Politik.

Im Zentrum des nordkoreanischen Staatswesens steht der totalitär regierende Oberste Führer, derzeit Kim Jong-un. Als „ewiger Präsident“ fungiert der inzwischen verstorbene Staatsgründer Kim Il-sung, was eine weltweite Ausnahme ist. Aufgrund der Intransparenz des nordkoreanischen politischen Systems ist es nicht von außerhalb zu erkennen, auf welche Weise außenpolitische Entscheidungen zustande kommen. Der Bruder des obersten Führers Kim Jong-un, der 2017 ermordete Kim Jong-nam, bezeichnete seinen Bruder als Marionette des Regimes, der nur als Symbolfigur fungieren würde.

Geschichte 1945–1990 Der Staat Nordkorea entstand 1945 unter dem Einfluss der stalinistischen Sowjetunion (UdSSR) und wurde nach deren Vorbild als kommunistischer Staat etabliert. Nordkorea wurde von einer Fraktion regiert, die ihre Wurzeln in einer antijapanischen koreanischen Bewegung in der Mandschurei und in China hat, an der Staatsgründer Kim Il-sung partizipierte und später die Partei der Arbeit Koreas gründete. Nach 1945 lieferte die UdSSR wirtschaftliche und militärische Hilfe, die es Nordkorea ermöglichte, 1950 in Südkorea einzumarschieren. Während des bis 1953 anhaltenden Koreakriegs wurde Nordkorea von der von Mao Zedong regierten Volksrepublik China mit 3 Millionen Soldaten unterstützt. Der Krieg führte zur Zerstörung der koreanischen Halbinsel und der endgültigen Teilung Koreas am 38. Breitengrad. In den ersten Jahren der Existenz Nordkoreas waren die Volksrepublik China und die UdSSR die hauptsächlichen Verbündeten des Landes und leisteten Hilfen zum Wiederaufbau in der Nachkriegszeit. Kim Il-sung war allerdings stark misstrauisch gegenüber allen ausländischen Einflüssen. Nachdem China und die Sowjetunion seine Absetzung gegen Ende der 1950er Jahre unterstützt hatten, ließ er sowohl gegen prochinesische als auch gegen prosowjetische Parteikader Säuberungen durchführen, um den ausländischen Einfluss zu begrenzen, was das Entstehen eines eigenständigen nordkoreanischen Kommunismus begünstigte.

mini|Kim Il-sung und Erich Honecker (1984) Während des chinesisch-sowjetischen Zerwürfnisses nahm Nordkorea keine klare Position ein, um weiterhin von beiden Ländern Wirtschaftshilfen erhalten zu können. 1961 schloss Nordkorea formelle Verträge über gegenseitige Sicherheitsbündnisse mit der Sowjetunion und China ab, die bis heute gelten. Im Falle Chinas unterzeichneten Kim Il-sung und Zhou Enlai den Freundschaftsvertrag zwischen China und Nordkorea über gegenseitige Hilfe und Zusammenarbeit, in dem sich das kommunistische China verpflichtete, seinem Verbündeten gegen jeden Angriff von außen sofort mit allen Mitteln militärische und sonstige Hilfe zu leisten. In den 1960er Jahren etablierte Nordkorea diplomatische Beziehungen zu zahlreichen Staaten der Dritten Welt, angefangen mit Algerien 1962. Nordkorea baute enge Beziehungen zu Jugoslawien unter Josip Broz Tito, Rumänien unter Nicolae Ceaușescu und Libyen unter Muammar al-Gaddafi auf. 1975 trat das Land der Bewegung der blockfreien Staaten Staaten bei. Erwähnenswert ist auch die enge Kooperation mit der Deutschen Demokratischen Republik (DDR), so verband Erich Honecker eine Freundschaft mit Kim Il-sung und die DDR leistet wirtschaftliche Unterstützung an Nordkorea. Die Nordkoreaner unterstützen auch verschiedene revolutionäre Bewegungen und bauten u. a. Kontakte zu den Black Panther in den USA und dem African National Congress in Südafrika auf.

1983 verübte Nordkorea einen Bombenanschlag in Rangun, ein fehlgeschlagenes Attentat auf den südkoreanischen Diktator Chun Doo-hwan, der sich zu Besuch in Birma aufhielt, und tötete mehrere südkoreanische Minister. Dieser Anschlag auf neutralem Boden veranlasste viele Länder der Dritten Welt, ihre Beziehungen zu Nordkorea zu überdenken. In den 1980er Jahren verlangsamte sich das Tempo der Aufnahme neuer diplomatischer Beziehungen durch Nordkorea deshalb. Nach Kim Il-Sungs Besuch in Moskau im Jahr 1984 verbesserten sich die Beziehungen zwischen der Sowjetunion und Nordkorea, was zu erneuten Lieferungen moderner sowjetischer Waffen an Nordkorea und einer Aufstockung der Wirtschaftshilfe führte. 1987 tötete Nordkorea über 100 Menschen bei einem Bombenanschlag auf den Korean-Air-Flug 858, was international Kritik auslöste. Als Reaktion auf die Olympischen Spiele 1988 in Seoul richtete Nordkorea 1989 in Pjöngjang die 13. Weltfestspiele der Jugend und Studenten aus.

Nach 1990 Südkorea nahm 1990 diplomatische Beziehungen mit der Sowjetunion und 1992 mit der Volksrepublik China auf, was die Beziehungen zwischen Nordkorea und seinen traditionellen Verbündeten ernsthaft belastete. Darüber hinaus hatten der Untergang der kommunistischen Staaten in Osteuropa 1989 und der Zerfall der Sowjetunion 1991 zu einem erheblichen Rückgang der Wirtschaftshilfe für Nordkorea geführt, was wiederum die Beziehungen zu Russland stark beeinträchtigte. Gleichzeitig nahm Nordkorea erstmals Beziehungen zu kapitalistischen Staaten des Westens auf und trat den Vereinten Nationen bei. In den frühen 1990er Jahren wurden die Gespräche mit Südkorea im Rahmen von dessen Nordpolitik geführt, um eine Annäherung beider koreanischer Staaten zu erreichen. Zu dieser Zeit wurde der baldige Zusammenbruch des Kim-Regimes erwartet, da die wirtschaftliche Lage in Nordkorea katastrophal war und seine Verbündeten sich abgewendet hatten. In dieser Situation entschloss sich das nordkoreanische Regime, sein Atomprogramm zu intensivieren. 1993 erklärte Nordkorea seinen Austritt aus dem Atomwaffensperrvertrag.John Jeffer: Nordkorea und die USA. Die amerikanischen Interessen auf der koreanischen Halbinsel. München 2004, ISBN 3-7205-2484-1, S. 8. Verhandlungen mit den USA führten schließlich 1994 zum Genfer Rahmenabkommen, welcher die Lage allerdings nur kurzzeitig entspannen konnte.

Im Jahr 2006 hat Nordkorea eine Reihe von ballistischen Raketen getestet und seinen ersten Atomwaffentest durchgeführt, nachdem chinesische Beamte den Nordkoreanern davon abgeraten hatten. Daraufhin tadelten die chinesischen Behörden öffentlich das Land, das als engster Verbündeter Nordkoreas gilt, und unterstützten die Resolution 1718 des UN-Sicherheitsrats, mit der Sanktionen gegen Nordkorea verhängt wurden. Die Isolation Nordkoreas verschärfte sich damit. 2009 trat Nordkorea einseitig von den seit 2003 geführten Sechs-Parteien-Gespräche über das nordkoreanische Kernwaffenprogramm zurück. Neue Atomtests verschärften die diplomatische Krise und führten zu neuen Sanktionen gegen Nordkorea. Eine neue diplomatische Initiative erfolgte 2018 und 2019 mit den drei Innerkoreanischen Gipfeltreffen und den Gipfeltreffen in Singapur und in Hanoi zwischen Donald Trump und Kim Jong-un, wobei trotz Absichtserklärungen keine Einigung zwischen den Parteien erfolgte. Im Rahmen des russischen Überfalls auf die Ukraine 2022 kam es stattdessen zu einer Annäherung Nordkoreas an Russland, wobei Nordkorea Waffen für die russische Kriegsführung lieferte. Im Juni 2024 unterzeichnete Nordkorea mit Russland einen gegenseitigen Beistandspakt.

Atomprogramm und Verwicklung Nordkoreas in kriminelle Aktivitäten im Ausland

mini|Kerntechnische Anlage Nyŏngbyŏn Das nordkoreanische Atomforschungsprogramm wurde in den 1960er Jahren mit sowjetischer Hilfe gestartet, unter der Bedingung, dass das Land dem Atomwaffensperrvertrag beitritt. In den 1980er Jahren begann ein eigenes Programm zur Entwicklung von Kernreaktoren mit einem kleinen gasgekühlten Versuchsreaktor in Nyŏngbyŏn. Ab den 1990er Jahren trat das Land aus dem Atomwaffensperrvertrag aus, begann den Bau von Interkontinentalraketen und führte 2006 seinen ersten Atomtest durch. Das Streben nach Massenvernichtungswaffen durch Nordkorea belastete die Beziehungen zum Ausland erheblich und führte zu schweren Wirtschaftssanktionen gegen das Land. Das nordkoreanische Regime hat behauptet, sein Atomprogramm aus rein defensiven Gründen zu betreiben, hielt sich in jüngerer Zeit aber auch die Möglichkeit eines Präventivschlags offen, falls die Herrschaft des Regimes in Gefahr geraten sollte. Das Atomprogramm hat oberste staatliche Priorität und wurde in der Verfassung festgeschrieben. Laut dem Urteil ausländischer Beobachter dient es hauptsächlich dazu, das künftige Überleben des Regimes zu garantieren.