Johann Gottfried Friedrich Kirsten (* 8. November 1759 in der GrabenmühleSchumann, Lexikon 1816, S. 371. bei Reinsdorf (Nebra);laut Huschke: Die Ratslisten der Stadt Weimar von 1348 bis 1810. 1986, S. 95, entgegen der Altersangabe in der Todesanzeige. † 18. November 1843 in WeimarTodesanzeige in Beilage zur Weimarischen Zeitung vom 22. November 1843, S. 433; beigesetzt am 20. November, „alt 85 Jahr“ (Beilage usw. vom 16. Dezember, S. 472).) war im klassischen Weimar von 1798 bis 1811 ökonomischer Bürgermeister, ab 1811 Bürgermeister-Stellvertreter und ab 1819 Stadtkämmerer.
Leben Herkunftsfamilie In Reinsdorf im Amt Freyburg waren die Kirstens spätestens seit Anfang 1700 Erbbesitzer der Grabenmühle und eines Ritterguts.Schwartz 1999, S. 24 mit Belegen (163) und (172) auf S. 362f. Nach dem Tod von Adam Kirsten 1749 verkauften seine Erben das Rittergut; sein Sohn Johann Gottfried (* 1715, Friedrichs Vater) erwarb dann ein Rittergut in Olbersleben im Amt Hardisleben.Schumann, Lexikon 1816, S. 680f. Johann Gottfrieds Tochter Johanna Juliane Wilhelmine (* 18. Februar 1752 in der Grabenmühle, Friedrichs ältere Schwester) verehelichte sich am 29. Januar 1775 in Olbersleben mit dem Amtsschreiber Johann Christian König (1743‒1789) von Hardisleben. Ihr Sohn Gottlob (* 1779) wurde ein namhafter Forstwissenschaftler, bei dessen zweiter Tochter Friedrich 1809 Pate stand.Schwartz 1999, S. 61. König gab 1780 seine Position in Hardisleben auf und erwarb die Grabenmühle von seinem Schwiegervater;Schwartz 1999, S. 26. Friedrich Kirsten erbte das Gut in Olbersleben.
Berufsweg Friedrich wurde am 18. März 1779 in Jena zum Studium eingeschrieben als „Io. Gottfr. Frid. Kirsten“ aus WeimarMatrikel der Universität Jena 1764‒1801, S. 61r. und am 17. Oktober 1780 in Leipzig als „Kirsten, Ioh. Gottfried Frdr.“ aus Weimar.Die iüngere Matrikel der Universität Leipzig 1559‒1809. III. Band. Leipzig 1909, S. 197. Am 6. August 1782 nahm er dort an einer juristischen Disputation teil.Leipziger gelehrtes Tagebuch. Auf das Jahr 1782. Leipzig o. J., S. 99.
Er wurde Sekretär des Königlich Polnischen und Kursächsischen Geheimrats und Salinendirektors Carl Leopold von Beust, wurde selber Königlich Polnischer und Kursächsischer Bergrat und erwarb den Eisenhammer in Walsburg im Amt Ziegenrück. Ab März 1789 war er als Eisenhändler in Weimar tätig.Huschke: Zur Geschichte der Weimarer Stadtverfassung in der Goethezeit. 1973, S. 578.
Im Oktober 1797 erhob der Herzog (Carl August) die Forderung, dass die Aufgabenverteilung im Weimarer Stadtrat neu geordnet werde. Bis dahin gab es zwei Bürgermeisterämter, deren (gewöhnlich lebenslängliche) Inhaber jährlich zwischen den Tätigkeiten als amtierender Bürgermeister und als amtierender Stadtrichter wechselten. Da die wirtschaftliche Situation der Stadt seit Jahrzehnten desolat war, sollten nun zwei ständige Bürgermeister mit spezialisierter Zuständigkeit für wirtschaftliche bzw. für alle anderen Belange berufen werden, und der ökonomische Bürgermeister sollte ausdrücklich kein Berufsjurist sein. Nach einigen Auseinandersetzungen wählte das Ratskollegium dementsprechend am 1. Mai 1798 einen allgemeinen (ersten) Bürgermeister (Carl Adolph Schultze) und einen zweiten (ökonomischen) Bürgermeister, Friedrich Kirsten.Huschke: Zur Geschichte der Weimarer Stadtverfassung in der Goethezeit. 1973, S. 573‒576; Hochfürstl. S. Weimar- und Eisenachischer Hof- und Addreß-Calender, auf das Jahr 1799, S. 48, und auf das Jahr 1810, S. 27.
Ende 1810 wurde eine neue Stadtordnung für Weimar erlassen.Weimarische Stadt-Ordnung. Weimar 1811 (Digitalisat). Neue Elemente waren der Verwaltungsausschuss (für die laufenden Verwaltungsgeschäfte) und der Beratungsausschuss.Dessen Mitglieder wurden in gleicher direkter Wahl durch die Bürger bestimmt. Kirsten wurde durch Verfügung des Herzogs „Beisitzer“ im Verwaltungsausschuss und dadurch Mitarbeiter und Vertreter des Bürgermeisters sowie Betreuer von Marktangelegenheiten.Stadt-Ordnung § 48b; Weimarisches Wochenblatt vom 8. Februar 1811, S. 41. 1819 war er zusätzlich Vertreter des Verwalters der Ratskämmerei;Großherzoglich Sachsen-Weimar-Eisenachisches Hof- und Staats-Handbuch, auf das Jahr 1819, S. 132 und 133. Ende des Jahres übernahm er diese Position als städtischer BeamterGroßherzogl. S. Weimar-Eisenachisches Regierungs-Blatt vom 1. Februar 1820, S. 38, Nr. 6). und schied aus dem Beisitzeramt aus. Er hatte die Kämmereiverwaltung mindestens bis 1835 inne.Staats-Handbuch des Großherzogthums Sachsen-Weimar-Eisenach für das Jahr 1835, S. 180.
Familie mini|Gedenktafel für die Ratsmädel in der Windischenstraße 13 Kirsten verehelichte sich am 20. Juni 1790Heiratsanzeige in Weimarische Wöchentliche Anzeigen vom 23. Juni 1790, S. 199. mit Dorothea „Doris“ Christiana Wetken (* Mai 1773,Getauft am 16. Mai (Weimarische Wöchentliche Anzeigen vom 19. Mai 1773, S. 158). † 11. Januar 1819„alt 45 Jahr 8 Mon.“; Todesanzeige und Gestorbene in Weimarisches Wochenblatt vom 15. und 29. Januar 1819, S. 20 und 36.), Tochter des Landkammerrats, späteren Kammerrats Laurenz Heinrich Wetken († 29. November 1787Beigesetzt am 2. Dezember, „alt 50 Jahr“ (Weimarische Wöchentliche Anzeigen vom 5. Dezember 1787, S. 386).), Mitglied des Kammerkollegiums.Hochfürstl. SachsenWeimar- und Eisenachischer Hof- und Address-Calender, auf das Jahr 1773, S. 24; … auf das Jahr 1787, S. 24. Die Familie wohnte spätestens ab 1801 in einem Haus der Witwe Caroline Ludecus in der Windischengasse Nr. 13 zur Miete; er kaufte das Haus 1816.Weimarisches Wochenblatt vom 8. März 1816, S. 96 Nr. 11); Bechstein: Die Windischengasse. 1938, S. 24. Sechs Kinder des Ehepaars sind bekannt: Gustav, getauft am 8. Mai 1792, beigesetzt am 21. Februar 1794.Weimarische Wöchentliche Anzeigen vom 12. Mai 1792, S. 148, und vom 22. Februar 1794, S. 64. Franz, getauft am 9. März 1794, beigesetzt am 9. Februar 1797.Weimarische Wöchentliche Anzeigen vom 12. März 1794, S. 82, und vom 11. Februar 1797, S. 47. Christiane Louise, getauft am 29. Februar 1796,Weimarische Wöchentliche Anzeigen vom 2. März 1796, S. 71. † 1869. Louise verehelichte sich am 11. März 1828 mit dem bekannten Improvisator O. L. B. Wolff.Copulirte in Weimarisches Wochenblatt vom 7. April 1828, S. 175. Carl Wilhelm, getauft am 27. Dezember 1797.Weimarische Wöchentliche Anzeigen vom 30. Dezember 1797, S. 412. Albertine Therese, getauft am 11. Januar 1801,Bechstein: Die Windischengasse. 1938, S. 25. † 1887. Therese heiratete im Juni 1821Copulirte in Weimarisches Wochenblatt vom 3. August 1821, S. 305. den Geheimrat Ottokar Thon (1792‒1842). Zwei Töchter: Helene Thon, getauft am 28. Oktober 1827,Familien-Nachrichten in Weimarisches Wochenblatt vom 13. November 1827, S. 472. † 28. Januar 1855.Todesanzeige; Beisetzung am 30. Januar (Weimarische Zeitung vom 30. Januar und 4. Februar 1855, S. 95 und S. 116, Kirchen-Liste). Therese Thon (* 10. Februar 1831,Getauft am 3. März (Weimarisches Wochenblatt vom 5. April 1831, S. 153). † 20. November 1911) verehelichte sich am 28. August 1854Kirchen-Liste in Weimarische Zeitung vom 2. September 1854, S. 832. mit Hermann Böhlau (1826‒1900). Deren Tochter: Helene Böhlau (* 22. November 1856,Geburtsanzeige in Weimarer Zeitung vom 23. November 1856, S. 1112. † 1940) wurde Schriftstellerin und verarbeitete Jugenderlebnisse ihrer Großmutter Therese und deren jüngerer Schwester Marie in mehreren Geschichten über die „Ratsmädel“. Marie Eleonora (* 22. Februar 1802, † 5. März 1875)„alt 73 Jahr, 11 Tage“; Todesanzeige und Beisetzungsangabe in Weimarische Zeitung vom 6. und 13. März 1875, Familiennachrichten und Beerdigte.. Marie heiratete im November 1818Copulirte in Weimarisches Wochenblatt vom 27. November 1818, S. 416. den Hofsekretär Carl Julius Wilhelm Zwierlein.Vgl. Staats-Handbuch des Großherzogthums Sachsen-Weimar-Eisenach für das Jahr 1823, S. 17. Die Ehefrau Doris Kirsten war 1814 und 1815 zusammen mit Caroline Ludecus und anderen an der Betreuung kranker SoldatenVgl. Danksagung in Weimarisches Wochenblatt vom 18. und 22. Februar 1814, S. 64 und 67 f. und an der Gründung eines Patriotischen FraueninstitutsAufforderung in Weimarisches Wochenblatt vom 22. August 1815, S. 218 f. beteiligt.
Literatur K[arl] Bechstein: Die Windischengasse. In: K. Bechstein: Häuser und Gassen in Altweimar. Weimar 1938, S. 7‒41. Helene Böhlau: Rathsmädelgeschichten. 1888. Digitalisat. Hannelore Henze, Ilse-Sibylle Stapff: Streifzüge durch das alte Weimar. Weimar 2004. ISBN 3-86160-156-7, S. 57 f. Wolfgang Huschke: Zur Geschichte der Weimarer Stadtverfassung in der Goethezeit. In: Festschrift für Walter Schlesinger. Band 1. Köln 1973 (ISBN 3-412-84973-1), S. 554‒607. Wolfgang Huschke: Die Ratslisten der Stadt Weimar von 1348 bis 1810. Neustadt an der Aisch 1986. ISBN 3-7686-4114-7. August Schumann: Vollständiges Staats- Post- und Zeitungs-Lexikon von Sachsen […]. Dritter Band. Zwickau 1816. Ekkehard Schwartz: Gottlob König 1779 – 1849. Ein Leben für Wald und Landschaft. Erfurt o. J. , ISBN 3-933956-02-1.
Weblinks Kirsten, Friedrich in Deutsche Biographie. Archivportal Thüringen, Bestand Wolff-Zwierlein-Ridel.
Einzelnachweise
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