mini|Die „So-da-Brücke“ in Castrop-Rauxel-Frohlinde So-da-Brücke, Soda-Brücke oder Geisterbrücke ist eine innerhalb Deutschlands gebräuchliche umgangssprachliche Bezeichnung für eine Brücke, die einfach nur „so da“ ist, also derzeit keinerlei Funktion erfüllt und mangels Zufahrten nicht benutzbar ist. In Einzelfällen (wie in Saarbrücken, siehe unten) kann die Brücke Zufahrten besitzen und benutzbar sein, wenn auch nicht für ihren eigentlichen Zweck.

Der Grund für das Bestehen derartiger Bauten liegt meist in der mangelnden Finanzierung des Projektes. Weiterhin wird mit unzureichenden Planungen, aus Gründen politischen Prestiges oder zur Erhaltung des Baurechts mit dem Brückenbau begonnen, bevor die Finanzierung der restlichen Strecke (Straße, Eisenbahn) gesichert ist. Aus bautechnischen Gründen ist es geboten, vor dem eigentlichen Fahrbahnbau mit dem Bau von Brücken zu beginnen, da Brücken aufgrund ihres Gewichtes einer Absenkung unterliegen können. Schwierigkeiten kann es auch dann geben, wenn sich die Brücke an der Grenze zweier Baulose befindet und diese nicht gleichzeitig realisiert werden. Somit kommt es häufig vor, dass solche Bauvorleistungen zumindest über einen mittelfristigen Zeitraum scheinbar nutzlos in der Landschaft stehen. Werden solche Bauwerke längerfristig nicht dem Verkehr übergeben, so werden sie als Investitionsruinen bezeichnet.

Geschichte Das Phänomen der „So-da-Brücke“ ist nicht neu; es existierte als Planungs- und Konstruktionsmerkmal bereits in der Antike. Bei den archäologischen Ausgrabungen am Römerkanal wurden Unterkonstruktionen von kleineren Aquädukt-Brücken gefunden, deren geringfügig von der nachher gebauten Linie abweichende Ausrichtung nur den Schluss zuließ, dass sie bereits vor dem Bau der eigentlichen Wasserleitung errichtet wurden. Allerdings wurden sie mit dem Bau der Leitung in Funktion genommen. Dennoch benutzt Klaus Grewe für die im Voraus gebauten Brücken den griffigen Begriff „So-da-Brücken“.Klaus Grewe: Der Römerkanalwanderweg: Ein archäologischer Wanderführer. 1988, ISBN 3-921805-16-3, S. 27 f.

Beispiele Mit dem zunehmenden Bau von Trassen im 20. Jahrhundert wurden weltweit Brücken gebaut, die aus unterschiedlichen Gründen zeitweise oder gänzlich nicht benutzbar waren.

Deutschland mini|Die „So-da-Brücke“ bei Euskirchen, hinten links das Ende der Bundesstraße 56n, die nicht weitergebaut wurde mini|Luftbild Investitionsruine So-da-Brücke bei Euskirchen Es gibt in Deutschland zahlreiche Beispiele für „So-da-Brücken“.Teure Brücken vom Nichts ins Nirgendwo. Welt Online, 25. April 2014. Ein Beispiel ist eine Autobahnbrücke an der A 1 bei Euskirchen, die für die geplante BAB 56 in den 1970er Jahren gebaut wurde (). Am 15. Juni 2001 präsentierte die Kölner Rockband BAP dort ihr neues Album Aff un zo und bildete die Brücke auf dem Cover ab. Die Brücke ist auch bekannt als „tote Brücke von Euskirchen“.

Einige Brücken des Verkehrsprojekts Deutsche Einheit Nr. 8 galten zeitweise als „So-da-Brücken“, da sie gebaut wurden, um Investitionsmittel zu sichern. Nach anderen Angaben sollte damit das zeitlich befristete Planrecht in den entsprechenden Abschnitten gesichert werden, während das Gesamtvorhaben nicht durchfinanziert war. Dabei geriet 2005 die Itztalbrücke im Nordosten Coburgs als angebliche Steuerverschwendung in die Diskussion. Gleiches gilt für die Geratalbrücke Ichtershausen bei Erfurt, die seit 2001 fertiggestellt war. Beide Brücken der Schnellfahrstrecke Nürnberg–Erfurt wurden Ende 2017 dem kommerziellen Betrieb übergeben.

Ein frühes Beispiel einer nie genutzten Brücke findet sich bis heute bei Wellerode in der Mittelgebirgslandschaft Söhre östlich von Kassel: 1939 entstand hier für die durch die Söhre geplante Reichsautobahn Hamm-Kassel-Eisenach, einen Vorläufer der zwischen Kassel und Eisenach bis heute nicht vollständig fertiggestellten Autobahn 44, ein 30 × 30 Meter großer Brückentorso, der nie in Betrieb ging, da die Planungen und Bauarbeiten ab 1940 wegen des Zweiten Weltkriegs zum Erliegen kamen.

Im Ruhrgebiet existiert seit den späten 1970er Jahren zwischen den Städten Bochum und Dortmund eine Planung für den „Neuen Hellweg“ nördlich der Bundesautobahn 40, dessen Bau nur begonnen wurde und nach wenigen Jahren unvollendet geblieben ist. Lediglich ein Teilstück der vierstreifig geplanten Schnellstraße, westlich beginnend an der B 235 in Castrop-Rauxel-Merklinde, wurde gebaut und dem Verkehr übergeben. Die Trasse endet nach 1,5 Kilometern östlich an den Rampen einer „So-da-Brücke“ über die Dortmunder Straße in Castrop-Rauxel-Frohlinde (). Der östliche Brückendamm wurde nicht mehr aufgeschüttet. Die Bauwerkskonstruktion ist zum Beispiel für die Studenten des Bauingenieurwesens an den Universitäten Bochum und Dortmund als Anschauungsobjekt einsehbar.

Die Schänzlebrücke in Konstanz war in den 1970er Jahren als Teil einer Autobahn über den Rhein in die Schweiz geplant. Sie wurde in den 1980er Jahren vierstreifig gebaut, lange Zeit jedoch nur zweistreifig und mit Behelfszufahrten für den innerstädtischen Verkehr genutzt. Während der Planung der Brücke gab es noch die Option, den Hochrhein und den Bodensee bis Konstanz für die Frachtschifffahrt auszubauen, weshalb die Brücke höher als für die Freizeitschifffahrt notwendig ist. Der Umbau der Zufahrten zur vollen Nutzung mit Anbindung in die Schweiz erfolgte von 2000 bis 2006. Auf deutscher Seite bildet die vierstreifige Bundesstraße 33 die Anbindung, in der Schweiz die Autobahn A7.

In Saarbrücken gibt es die „Tote Brücke“ („Dood Brigg“ im Saarbrücker Dialekt) über die Saar, die nie zu ihrem eigentlichen Zweck genutzt wurde. Sie ist vierstreifig ausgebaut und mit Straßenbeleuchtung versehen und sollte ursprünglich den Stadtteil Sankt Arnual mit den Daarler Wiesen verbinden, als in den 1970er Jahren auf den Wiesen ein Industriegebiet geplant war. Wegen der fehlenden Fortführung der Straße im Bereich des Naturschutzgebietes wird sie ausschließlich von Fußgängern und Fahrradfahrern benutzt. ()

Eine „So-da-Brücke“ der Reichsautobahnen liegt auf der RAB-Strecke 46 (Würzburg–Fulda). Hier verblieben einige große, fertiggestellte Überführungsbauwerke, beispielsweise über die Straße MSP 17 Burgsinn–Gräfendorf (), sowie mehrere kleine Brücken. Diese Trasse bis Gräfendorf ist streckenweise zu 90 % fertiggestellt, wurde allerdings nach Einstellung des Baus 1940 in der Nachkriegszeit nicht weitergebaut. Ein Grund waren neue Normen für die Trassierung, so waren noch maximal 6 % Steigung statt vorher 8 % zulässig. Ein anderer besonderer Grund war die innerdeutsche Grenze. Durch diese Abriegelung war die Verkehrsanschließung des entstandenen ostbayerischen Zonenrandgebiets notwendig geworden. Die in der Folge erbaute BAB 7 verläuft 20–30 Kilometer östlich der aufgegebenen Baustelle der Strecke 46.

An der BAB 66 ist der Fall eingetreten, dass eine „So-da-Brücke“ nach jahrzehntelanger Standzeit letztendlich in originaler Bauausführung in Betrieb gesetzt wurde, hier als Durchlass für die – mittlerweile zur Kreisstraße heruntergestufte – B 40 an der Südseite des Kinzigtalviaduktes bei Ahl (Bad Soden-Salmünster): Bau 1962, in Betrieb seit Dezember 1994. ()

Auf dem Parkplatz der Raststätte Vellern an der BAB 2 (Südseite, Fahrtrichtung Hannover) existiert durch Versetzung der ältesten Spannbetonbrücke der Welt seit September 2012 auch eine unter Denkmalschutz stehende „So-da-Brücke“. Diese Brücke war jahrzehntelang an ihrem ursprünglichen Standort in Benutzung, erst durch die Versetzung an den heutigen Standort (die erfolgte um die Brücke vor dem Abbruch zu bewahren) verwandelte sie sich in eine „So-da-Brücke“.

Die „So-da-Brücke“ von Ramsenthal bei Bayreuth () aus dem Jahr 2009 wurde in den Jahren 2012/2013 doch weitergebaut. Sie stand einige Jahre ohne Nutzung in der Landschaft und erlangte als Beispiel für Fehlplanung und Steuerverschwendung überregionale Bekanntheit.' Seit Mitte Oktober 2013 ist sie für den Verkehr freigegeben.

Die im Zuge von Stuttgart 21 entstandene Eisenbahnüberführung Sulzbachtal gehört zu jenen Brücken, die Jahre vor der kommerziellen Inbetriebnahme fertiggestellt wurden, in diesem Fall voraussichtlich elf Jahre.

Die in den 1970er Jahren als Teil eines Autobahnkreuzes der A 921 errichtete Brücke über die A 99 am Feringasee bei Unterföhring war bis 2018 ohne Nutzung. Seit Anfang 2018 wurde sie saniert und in eine Grünbrücke umgebaut. ()

Zwischen Eichenau und Olching westlich von München steht in einem Wäldchen eine Brücke, die früher über einen inzwischen zurückgebauten Streckenast des Münchner Nordrings führte. ()

Nahe der BAB 4 bei Thiemendorf (Waldhufen) steht eine Betonbrücke, deren Nutzung zugunsten eines Tunnels durch die Königshainer Berge verworfen wurde. ()

Anders als viele andere „So-da-Brücken“ ist die Grüne Brücke Neesen in Porta Westfalica nicht durch einen unvollständigen Bau, sondern durch einen von der Stadt gestoppten Abriss entstanden, der am östlichen Teil dieser ehemaligen Eisenbahnbrücke über die Weser begonnen hatte. Der restliche Teil, insbesondere jenes die Weser und den Weserradweg zwischen Porta Westfalica und Minden überspannende Stück, sind noch vorhanden.

Im Rahmen des Projektes kunstwegen ließ der österreichische Künstler Hans Schabus im Jahr 2012 die ausrangierte Eisenbahnbrücke „Laßnitz“ der Wieserbahn über die Vechte zwischen Ohne und Haddorf (Wettringen) spannen. Sie verbindet ein niedersächsisches Grundstück im Besitz eines nordrhein-westfälischen Landwirts mit einem nordrhein-westfälischen Grundstück im Besitz eines niedersächsischen Kollegen. Die Brücke verfügt über keinen Straßenanschluss, ist nicht begehbar und wurde vom Künstler zur Skulptur erklärt. ()

Karlsruhe hat zwei solche Brücken. Die ältere ist 1921 zur besseren Anbindung der Eisenbahn in den Hafen gebaut worden. In Folge von Wirtschaftskrise und Krieg wurde die Bahntrasse nie gebaut. Die neuere wurde 1979 bei der Neutrassierung der Hardtbahn als Bauvorleistung für die geplante Nordtangente errichtet. Über die Brücke verlaufen die Gleise der Stadtbahn. Die darunter verlaufende Straße wurde nicht gebaut; im Jahr 2017 wurden die Pläne für die Nordtangente endgültig zu den Akten gelegt. Vgl. auch Wolfgang Weber: Sie stehen nur „so da“. Ein Historiker erklärt Karlsruhes unsinnigste Bauwerke. In: Badische Woche, Nr. 7, 17./18. Februar 2023, S. 2.

Neben der Staatsstraße S177 in Radeburg steht seit 2024 eine So-da-Brücke an der Ecke Pfarrbuschstraße und Dieselstraße.Neu errichtete Brücke an der S177 wird zur „Soda-Brücke“ in www.radeburger-anzeiger.de vom 18. Dezember 2014, abgerufen am 1. Oktober 2025 Ein Gewerbegebiet sollte besser an den Autobahnzubringer angeschlossen werden. Nach einer Steuerschätzung kann der Freistaat Sachsen nur mit wesentlich weniger Einnahmen rechnen, so dass für den Weiterbau kein Geld mehr vorhanden ist. Ob und wann das Bauvorhaben wieder aufgenommen wird, steht nicht fest. Der Bund der Steuerzahler bemängelte in seinem Schwarzbuch 2025, dass die Kosten für den Brückenbau in Höhe von 900.000 EuroTeure Brücke ohne Anschluss – Sachsen baut ins Nichts möglicherweise vergeblich ausgegeben wurden.()

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