Survival sex (zu deutsch etwa „Überlebenssex“) ist eine Form der Prostitution, die von Personen extremer Bedürftigkeit praktiziert wird. Es handelt sich dabei um Obdachlose oder von der Gesellschaft anderweitig benachteiligte Personen. Diese Personengruppe tauscht Sex, um ihre Grundbedürfnisse (wie Nahrung oder einen Schlafplatz) zu befriedigen, oder für Drogen. Der Begriff wird von der Sexindustrie, Armutsforschern und Personen in der humanitären Hilfe verwendet.

Vorkommen Survival sex ist gängige Praxis. Es existieren ausgiebige Studien zur Situation in vielen Ländern wie Afghanistan, den Vereinigten Staaten, Kanada, Mexiko, den Philippinen, Thailand, Neuseeland, Kolumbien, Kenia, Uganda und Südafrika.

Forscher schätzen, dass einer von drei obdachlosen Jugendlichen in Amerika Survival sex praktiziert. In einer Studie wurden die obdachlosen Jugendlichen befragt: Etwa ein Drittel der Frauen und die Hälfte der Männer gab an, schon einmal Survival Sex praktiziert zu haben. Die Wahrscheinlichkeit steigt mit der Anzahl der Tage, die der Jugendliche auf der Straße verbracht hat. Personen, die Opfer eines Gewaltdelikts wurden, kriminelles Verhalten zeigten, illegale Drogen einsetzen, Selbstmord versuchten, schwanger sind oder an einer sexuell übertragbaren Krankheit leiden, zeigten auch eine erhöhte Wahrscheinlichkeit, Survival Sex zu praktizieren.

Survival sex ist in Flüchtlingslagern gängige Praxis. In Flüchtlingslagern für intern Vertriebene im nördlichen Uganda leben 1,4 Millionen Zivilisten. Sie wurden durch den Konflikt der militanten Lord’s Resistance Army mit Regierungstruppen vertrieben. 2005 berichtete Human Rights Watch, dass vertriebene Frauen und Mädchen in den Lagern Survival Sex mit anderen Lagerinsassen, lokalem Wachpersonal und Soldaten der Regierung praktizierten.

Beweggründe Gewisse Forscher sagen, dass Straßenkinder Survival sex nicht immer als ausbeuterisch auffassen. Oft sähen sie es als „Beginn einer möglichen Beziehung“. Personen, die sexuellem Missbrauch durch Betreuungspersonen ausgesetzt waren, praktizieren häufig Survival sex. Daher mutmaßen einige Forscher, das Survival sex keine Verzweiflungstat ist, sondern dass es sich um ein Reproduzieren bekannter Verhaltensmuster handeln könnte.

Literatur

Bahadur, G. (Summer 2008) "Survival Sex: in Syria, Iraqi refugees snared in prostitution" [full text] Ms. Magazine

United Nations High Commissioner for Refugees (May 2011) Driven by Desperation: Transactional Sex as a Survival Strategy in Port-au-Prince IDP Camps (Port-au-Prince, Haiti: United Nations) Fox, Ashley M. (2010) Survival Sex or Consumption Sex? Gender, Wealth and HIV Infection in 16 sub-Saharan African Countries [full text] (Princeton, New Jersey: Harvard Department of Global Health and Population) preprint

Weblinks "Survival Sex" - Bodies for Sale seven video series (VJ Movement, 2007–2011) Rillos, L. (February 9, 2010) "'Survival sex' lures homeless teens into prostitution" KVAL News (Eugene, Oregon) video and text

Einzelnachweise

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