200px|mini|Eigenhändiger Besitzvermerk von Johann Beusler Johannes Beusler, auch (teilweise verlesen) Beusser, Gessler, Peussler (* um 1498 in Orb, Pfandbesitz der Grafschaft Hanau-Münzenberg; † 1581 auf dem Johannisberg„Auch wardt gedachter doctor Beusler ein sehr altter man biß in die drey und achtzig jahr altt. Starb nachmals uf dem Johansberg im Ringkaw anno Christi Millesimo quingentesimo Octuagesimo primo“. bei Geisenheim, Kurmainz), war ein deutscher Jurist, der als Advokat am Reichskammergericht, fürstbischöflich Speyrer Kanzler, Kurmainzer Landschreiber und Hofgerichts-Assessor sowie Professor für Geschichte wirkte. Er war ein Büchersammler und Mäzen. Obwohl er im Dienst zweier altgläubiger Bischöfe stand, sympathisierte Beusler mit der reformatorischen Bewegung und förderte großzügig eine protestantische Schule in Kreuznach.
Leben Johann Beusler stammte aus der Familie der Beusler zu Orb und wurde außerehelich geboren (extra matrimonium natus).Chronik Eisenberger, Bl. 42, S. 64. Ein „Ioh. Bußeler de Hurba“ immatrikulierte sich im Wintersemester 1457 in Leipzig. „Bechtholdus Buszler“Ein „Berchtholdus Beußlerus“ immatrikulierte sich 1537 in Marburg. und „Gela Hainmatten de Orba“ erwirkten 1465 einen Ehedispens bei Blutsverwandtschaft.Repertorium Poenitentiariae Germanicum V,00083. Marten Beußler („Martinus Peußler de Urba“) immatrikulierte sich im Sommersemester 1508 in Leipzig und wird zwischen 1526 und 1562 als Oberschultheiß von Orb erwähnt.Hessisches Staatsarchiv Marburg (Bestand Urk. 100 Urkunden, Hanau, Nr. 4977; Bestand Urk. 49 Hessische Adels- und Bürgerfamilien, Nr. 4509; Bestand Urk. 64 Ämter, Orte und Beamte, Gerichte, Nr. 714); Landeshauptarchiv Koblenz (Bestand 54.032 Waldbott v. Bassenheim, Urkunde 1462).
Die Stadt Orb war von 1428 bis 1566 im Pfandbesitz der seit 1523 protestantischen Grafschaft Hanau-Münzenberg. Der Mainzer Kurfürst Erzbischof Daniel Brendel von Homburg löste Orb aus der Hanauer Pfandschaft, nach der Abtretung an Kurmainz setzte ab etwa 1588 eine Rekatholisierung ein. Der Brunnenmeister, frühere Ratsherr (1596, 1609)Hessisches Staatsarchiv Marburg (Bestand Urk. 49 Hessische Adels- und Bürgerfamilien, Nr. 40). und KirchenbaumeisterKarola Kertel: Weihnachten in Orb. In: Bad Orber Blättche 515 (2015), S. 18. Lorenz Beußler wurde 1609 als Protestant aus der Stadt verwiesen.Hessisches Staatsarchiv Marburg (Bestand 105 c Kurmainzische Zentralbehörden (Landesregierung), Nr. 2195); vgl. Holger Th. Gräf, Matthias Seim (Bearb.): Bad Orb. (Hessischer Städteatlas II/2). Hessisches Landesamt für geschichtliche Landeskunde, Marburg 2013, S. 12 (lagis-hessen.de PDF; 2,52 MB); Ausweisung des nicht katholischen Ratsverwandten Lorenz Beußler zu Orb aus dem Erzstift, 1609; Aloys Schwersmann (Hrsg.): Inventar des Aktenarchivs der Erzbischöfe und Kurfürsten von Mainz aufgrund der Verzeichnisse in den heutigen Eigentümer-Archiven, Band 3. Landesarchivverwaltung Rheinland-Pfalz, Koblenz 1990, Nr. 4665, S. 554.
Studium Ein „Joannes Gessler de Horb“,Die Matrikeln der Universität Tübingen, Band 1. Universität, Tübingen 1906, Nr. 52; S. 202 (Google-Books). vermutlich identisch mit Johannes Beusler aus Orb,Matrikel UAT 5/24, Bl. 189, Z. 20 Lies: „Jōs Peūßler d. Horb“ o. ä. (opendigi.ub.uni-tuebingen.de). immatrikulierte sich am 19. Oktober 1514 in Tübingen. 1519 nahm er als Zuhörer an der Leipziger Disputation teil; Martin Luthers gedruckte Erläuterungen zu den in Leipzig disputierten Thesen (Resolutiones Lutherianae super propositionibus suis Lipsiae disputatis)Johann Rhau-Grunenberg, Wittenberg 1519, und Nachdrucke. befanden sich in seinem Besitz: „Huic disputationi ego Ioannes Beusler interfui (= Bei dieser Disputation war ich, Johannes Beusler, dabei“).Catalogus, Blatt 20. 1521 hörte er in Leipzig eine Vorlesung über das μωρίας ἐγκώμιον (Lob der Torheit) des Erasmus von Rotterdam,Catalogus, Blatt 26. vermutlich bei Christoph Hegendorf,Dessen Veröffentlichung Encomium somni. Valentin Schumann, Leipzig 1521, ahmt das Lob der Torheit nach. der ein Korrespondenzpartner des Erasmus war und 1521 als Jurastudent in Leipzig Vorlesungen an der Artistenfakultät der Universität Leipzig hielt. Beusler besaß sechs seiner Werke (Disserendi demonstrandive ars ita iuricivili adcommodata, Dialectica legalis, Integrae dialectices institutiones, Epitome tyrocinii juris civilis, In sex titulos Pandectarum Iuris civilis und Rhetorica Legalis).Catalogus, Blätter 4, 5, 20 und 21.
Möglicherweise hat Beusler auch in Wittenberg und Siena studiert. Unter seinen Büchern befanden sich die Academiae Witenbergensis leges (Statuten der Wittenberger Akademie), viele Wittenberger Veröffentlichungen und die Leges Academiae senenensis (Statuten der sienesischen Akademie).Catalogus, Blatt 2.
Magister und Dozent in Mainz Johannes Beußler wohnte in den 1520er Jahren in Mainz bei seiner Cousine Amalia Trach († 1545), einer Tochter des isenburgischen Sekretärs Endres Trach (Andreas Drach) und der Vera Beusler von Orb († 1510).Alfred A. Wolfert: Ergänzungen zum Aschaffenburger Wappenbuch. In: Aschaffenburger Jahrbuch für Geschichte, Landeskunde und Kunst des Untermaingebietes 15, 1992, S. 181 ff, bes. S. 182 und 313. Vera „Beuslerin zu Orba“ war eine Halbschwester seines Vaters oder seiner Mutter.Chronik Eisenberger, Bl. 43, S. 64. Beußler unterstützte Amalias erblindeten Mann Professor Eucharius von Hain genannt Schlaun († 1529/30)Mainzer Hofgerichtsadvokat, 1516–1519 Rektor der Universität Mainz, später hessischer Rat.Eintrag Eucharius Schlaun im Online-Verzeichnis der Professorinnen und Professoren der Universität Mainz 1477–1973 (Zugriff am 2. Dezember 2023). bei Lesen und Schreiben. Als Schlaun seiner Witwe den größten Teil seinen Vermögens vermachte, sorgte Beusler für einen Vergleich mit deren Schwiegermutter in Franken, einer geborenen Heußlein von Eußenheim.
1533 waren Nikolas Rab, Lizentiat der päpstlichen Rechte und Stiftsherr zu St. Johannes, und „Johann Peussler“ Regenten der Mainzer Burse „Zum Algesheimer“. Magister Kaspar Khun und Johann Königstein, Schreiber des weltlichen Gerichts zu Mainz, verkauften ihnen als Kuratoren Herman Erckels des Jungen, vor Herrn Johann Dietherich von Fritzlar, einem weltlichen Richter zu Mainz, für 4 Gulden eine vererbliche Ablösungsgült, fällig auf Johanni aus allen Einkünften der Stiftspräsenz von St. Peter vor den Mauern (laut einer Verschreibung am 25. Juni 1528 über 8 Gulden für die Gebrüder Johann und Herman Erckel, ausgestellt durch Dekan Jost Selbach († 1558),Aus Haiger, Lic. jur., seit 1528 Dekan von St. Peter zu Mainz, 1542 Protonotar des Mainzer Erzbischofs. der Rechte Lizentiat) um 100 Gulden.Urkunde vom 16. Juli 1533; Stadtarchiv Mainz (U / 1533 Juli 16; deutsche-digitale-bibliothek.de). Eben dieser Jost (Jodocus) Selbach, der Dekan des Kollegiatsstifts St. Peter, Rektor der Universität zu Mainz, bescheinigte 1537, dass der Trierer Domkanoniker Ludwig Specht von Bubenheim († nach 1563) nach dem Zeugnis der Magister Johann Plotin von Rüdesheim, Johann Bußler von Orb (Buszlers Urbani legium baccalaureorum) und Dietrich Flachsweiler vom 30. August 1535 an zwei Jahre studiert habe.Urkunde vom 7. September 1537 („Buszler Urbanus“); Landeshauptarchiv Koblenz (Bestand 1D Mainzer Domkapitel, Urkunde 1602).
Der Baccalarius der Rechte Beusler erwarb zwischen 1535 und 1539 den akademischen Grade eines Magisters, zwischen 1545 und 1550 den Grad eines Doktors der Künste und des Kirchenrechtes und bezeichnete sich selbst schließlich als „Ioannes Beuslerus, S. ll. D.“Sacrarum legum Doctor = Doktor der heiligen Rechte.Vgl. J. Beusler, S. Feyerabend: Clarissimis viris … (Epistola dedicatoria), datiert Mainz. 25. Januar (Conversionis Pauli) 1576. In: J. Vetter (Hrsg.): Lectura subtilis, unpaginiert (Google-Books). bzw. als „Artium & S. LL. Doctor“.Besitzeintrag auf dem Titelblatt von Herbarius Brunfelsij, zwischen 1532 und 1581; Catalogus 1566, Blatt 2.
Ein Johann Beusler „von Ingelheim“Von Johann Maximilian Humbracht wohl verwechselt mit der 1580 ausgestorbenen Familie der „Beusser von Ingelheim“, oder er meint eine andere Person: Als Dorothea Brömser von Rüdesheim starb († angeblich 1545), war Johannes Beusler bereits mit Barbara Nußbaum verheiratet. heiratete 1531Johann Maximilian Humbracht: Die höchste Zierde Teutsch-Landes und Vortrefflichkeit des teutschen Adels. Friedrich Knoch, Frankfurt am Main 1707, Tf. 159 (linke Seite). Dorothea Brömserin von Rüdesheim, Tochter des Henrich Brömser von Rüdesheim, kurmainzischer Vizedom im Rheingau zur Zeit des Bauernkrieges (1521–1532). 1538 war Johannes Beusler in Mainz (in zweiter Ehe?) verheiratet mit Barbara Nußbaum († nach 1548) aus Bingen bzw. Rüdesheim,Akten der Erbschaft von Franz Heiles, 1548–1556 (mit Heiratsbrief 1534 zwischen Katharina Nußbaum und Erasmus Hauenhüt, Stadtschreiber zu Bingen); Hessisches Hauptstaatsarchiv Wiesbaden (Bestand 1 Reichskammergericht, Nassauische Akten, Nr. 610 arcinsys.hessen.de). die in erster Ehe mit dem Zöllner Johann Westhausen († um 1534/38), Inhaber der nassauischen Zolldienerstelle zu Mainz,Eintrag vom 2. Oktober 1525; Hessisches Hauptstaatsarchiv Wiesbaden (Bestand 3001 Kopialbücher des Hauses Nassau, Nr. 8, Blatt 132). verheiratet gewesen war.Hessisches Hauptstaatsarchiv Wiesbaden (Bestand 1 Reichskammergericht, Nassauische Akten, Nr. 96). 1539 bis 1545 wird Beusler als Magister (Meister), 1541 in der Mainzer Steuerliste erwähnt. Am 2. März 1543 erhielt Magister Johannes Beusler für die historische Vorlesung (Historicae lectionis)Emil Clemens Scherer: Geschichte und Kirchengeschichte an den deutschen Universitäten. Ihre Anfänge im Zeitalter des Humanismus und ihre Ausbildung zu selbständigen Disziplinen. Herder, Freiburg i. Br. 1927, S. 40 (Google-Books; eingeschränkte Vorschau). von Rektor Peter Adel (* vor 1537; † nach 1561) statt der im Einkommensverzeichnis angesetzten 10 lediglich 5 Gulden für das Wintersemester 1542/43.Jürgen Steiner: Die Artistenfakultät der Universität Mainz, 1477-1562. Ein Beitrag zur vergleichenden Universitätsgeschichte. F. Steiner 1989, S. 359 (Google-Books; eingeschränkte Vorschau). Wegen Zahlung von 234 überschüssigen Gulden nach den Zollrechnungen des verstorbenen ersten Ehemanns der Klägerin, des nassauischen Zöllners Johann Westhausen, Ersatz aller Schäden und Kosten führte Meister Johann Beusler, für seine Frau Barbara, Mainz, einen Prozess gegen Philipp II. Graf von Nassau-Wiesbaden zu Idstein,Prozessakten, 1538–1544; Hessisches Hauptstaatsarchiv Wiesbaden (Bestand 1 Reichskammergericht, Nassauische Akten, Nr. 96). der am 8. Januar 1545 in Wiesbaden mit einem Vergleich abgeschlossen wurde.Hessisches Hauptstaatsarchiv Wiesbaden (Bestand 131 Fürstentum Nassau-Usingen, Nr. U 76).
Die jüngeren Söhne Reinhard und Bernhard (1533–1554) des Grafen Reinhard zu Solms, die mit ihrem Präzeptor Caspar Fichard (1523–1569)Sohn von Johann Fichard d. Ä., einem Freund (amicus) Beuslers; vgl. Widmungsbrief, 1576. In: Johannes Vetter (Hrsg.): Lectura subtilis et aurea Domini Guidonis Papae, … super IIII. & VI. libros. Georg Corvin / Sigmund Feyerabend, Frankfurt am Main 1576. bis 1543 die Hohe Schule in Mainz besuchten, waren Tischgänger bei Meister Johann Beußler.Ungenau: „Benßler“; Friedrich Uhlhorn: Ein patriarchalisches Zeitalter. Kulturbilder aus der Geschichte der Grafen zu Solms. In: Hessisches Jahrbuch für Landesgeschichte 12 (1962), S. 77–129, bes. S. 97 (Google-Books; eingeschränkte Vorschau).