Die japanisch-südkoreanischen Beziehungen sind das zwischenstaatliche Verhältnis zwischen Japan und der Republik Korea. Südkorea und Japan sind enge Nachbarländer und beide wichtige Verbündete der Vereinigten Staaten in Nordostasien. Es gibt allerdings auch zahlreiche Ansätze erfolgreicher Kooperation zwischen beiden Seiten. Das japanische Außenministerium erklärt, dass die Republik Korea das wichtigste Nachbarland ist, das strategische Interessen mit Japan teilt.

In den Jahren nach der Befreiung von der japanischen Besatzung unterhielten beiden Länder keine diplomatischen und wirtschaftlichen Beziehungen zueinander. Zwischen 1953 und 1956 kam es zu Scharmützeln bei den Liancourt-Felsen zwischen den Küstenwachen.

Japan und Südkorea nahmen im Dezember 1965 im Rahmen des Grundlagenvertrags zwischen Japan und der Republik Korea formell diplomatische Beziehungen auf, wobei Japan Südkorea als einzige legitime Regierung auf der koreanischen Halbinsel anerkannte. 1973 und 1974 kam es zu internationalen Zwischenfällen, welche die Beziehungen belasteten.

Überblick 1982 kam es zum japanischen Schulbuchstreit, der sich auch international auswirkte.

In den 1970ern erfuhr Südkorea rasantes Wirtschaftswachstum, während Japan zu den fortschrittlichen Industriestaaten der Welt aufgestiegen war und Japan wurde Gastgeber der Weltausstellung Expo 1970. In den 1980ern machten sich zum ersten Mal die Probleme der japanischen Blasenwirtschaft erkenntlich. Mittlerweile unterhielten beide Länder enge wirtschaftliche Beziehungen. Koreanische Unternehmen übernahmen japanische Produkt- und Managementstrategien, vor allem von Koreanern in Japan geführten Konzernen, wie der Lotte Group.

In den 1980ern fanden die ersten Staatsbesuche statt und Südkorea veranstaltete die Olympischen Sommerspiele 1988, bei der Kaiser Hirohito jedoch kurz nach Beginn zusammenbrach und in Japan sich der Enthusiasmus für die Spiele abkühlte. Der japanische Kaiser hat 1984 bei einem Abendessen mit dem südkoreanischen Präsidenten Chun Doo-hwan erstmals die Vergangenheit ins Gespräch gebracht.

Am 4. August 1993 räumte die Kono-Erklärung des Kabinettsekretärs Yohei Kono, erstmals ein Eingeständnis hinsichtlich der Beteiligung der japanischen Armee bei der Zwangsrekrutierung von Trostfrauen in Militärbordellen ein und überarbeitete damit die bisherige offizielle Stellung der japanischen Regierung.

Anlässlich des 50. Jahrestages des Kriegsendes legte am 15. August 1995 der Premierminister Tomiichi Murayama erstmals eine formelle Entschuldigung von Seiten der japanischen Regierung vor, mit der er sich für durch Aggression und den Kolonialismus entstandenen Leid entschuldigte. 1998 erwähnten die japanische Regierung und die Imperial Household Agency die Worte „Leiden“ und „Entschuldigung“ zum ersten Mal in einem offiziellen Rahmen, bei einem Abendessen mit dem südkoreanischen Präsidenten Kim Dae-jung am 7. Oktober 1998, während eines Staatsbesuchs in Japan. Gleichzeitig äußerte sich der Innenminister Etō Takami abfällig über die Aussagen des Premierministers und machte abwertende und relativierende Bemerkungen über die Besatzung, was sich später in den Nachrichten verbreitete und die Nachbarländer erreichte.

Während der Finanzkrise von 1997 machten sich in südkoreanischen Medien die Nachrichten breit, dass japanische Banken es die ersten waren, die ihre Devisen und Kredite aus dem Land abzogen. Beide Länder wurden stark getroffen, erholten sich jedoch bald wieder.

In den letzten Jahren haben sich die Beziehungen jedoch aufgrund vieler Streitigkeiten verschlechtert, darunter der japanische Gebietsanspruch auf die von Südkorea verwalteten Liancourt-Felsen (Dokdo auf Koreanisch und Takeshima auf Japanisch), der Besuch von japanischen Premierministern des Yasukuni-Schreins und widersprüchliche Ansichten über ihre gemeinsame Geschichte, sowie Japans Weigerung koreanischen Reparationsforderungen nachzukommen. Diese Spannungen haben die Bemühungen der USA erschwert, eine gemeinsame Front gegen die chinesischen Bedrohung in der Region zu fördern. Beide Länder trugen zusammen die Fußball-Weltmeisterschaft 2002 aus.

2009 reichte Japan einen Antrag zur Aufnahme der Insel Hashima in das UNESCO-Weltkulturerbe ein, stieß jedoch auf Widerstand seitens Südkorea. Im Jahr 2015 zog die letztere ihre Opposition zurück, unter der Voraussetzung, dass vor Ort über die Opfer der Zwangsarbeit informiert wird. Im Jahr 2021 gelangte die UNESCO nach einer Untersuchung zum dem Ergebnis, dass die Informationslage über die Zwangsarbeit weiterhin nicht den Richtlinien der Übereinkunft entspricht.

Laut einer Umfrage des BBC World Service aus dem Jahr 2014 sehen 13 % der Japaner den Einfluss Südkoreas als positiv an, 37 % negativ, während 15 % der Südkoreaner den japanischen Einfluss positiv sehen, und 79 % negativ, was Südkorea nach China das Land mit der zweitnegativsten Wahrnehmung Japans in der Welt macht.

Die diplomatischen Beziehungen hängen oft von der derzeitigen Regierung in Südkorea ab, die der rechtskonservativen Parteien, wie die Gukminui-him stehen Japan etwas weniger negativ gegenüber, während die der linksliberalen Minjudang die politischen Tendenzen, der mit ultranationalistischen und rechtsextremen Strömungen verbundenen japanischen LDP Regierung, und damit einhergehenden politischen Kontroversen, als äußerst kritisch betrachten.

Geschichte

Vormoderne Die Interaktionen zwischen den Inseln Japans und der koreanischen Halbinsel reichen bis in die Prähistorie zurück und die Besiedelung Japans erfolgte von Korea aus. Das frühe Japan war ein enger Verbündeter des koreanischen Königreiches Baekje und pflegte enge kulturelle und diplomatische Beziehungen mit ihm. Über Korea gelangte der Buddhismus, der Konfuzianismus und die chinesischen Schriftzeichen nach Japan. Zwischen Goguryeo sowie Silla und Japan gab es diplomatische Kontakte und Handelsaustausch, aber die Beziehungen waren meist von Feindseligkeit geprägt.Taku Tamaki: Japan-(South) Korea Relations in Historical Context. In: Deconstructing Japan’s Image of South Korea. Vom kontemporären Korea und China wurde Japan als Königreich von Wa () bezeichnet.

Japan war ein Verbündeter Baekjes gegen Silla und das Tang-Reich. Während der Vereinigten-Silla Ära waren die Beziehungen meist friedlich, wenn zugleich angespannt aufgrund des Einflusses der Baekje-Exilanten in der japanischen Politik. Japan hegte Beziehungen zum Goguryeo-Nachfolgerstaat Balhae, welches die größte außenpolitische Bedrohung Sillas darstellte.

Während des turbulenten 9. Jahrhunderts und der schwankenden Zentralgewalt der Staaten Ostasiens nahmen die Überfälle durch japanische Piraten immer weiter zu. Das Korea und Japan des 12. und 13. Jahrhunderts wurden beide durch Militärdiktaturen und einer elitären Kriegerkaste dominiert. Kurz nach Beendigung der 30-Jahre andauernden Mongoleninvasionen Koreas erfolgten zwei fehlgeschlagene Invasionen Japans, die dennoch letztendlich zum Kollaps des Kamakura-Regimes führten. Die Mongolen benötigten die Hilfe der koreanischen Flotte um die Reste des feindlich gesinnten Militärregimes Koreas auf Jeju-do zu erreichen. Goryeo unterstützte die Mongoleninvasion mit Schiffen und Marinestreitkräften. Die mongolische Flotte wurde schwer durch saisonale Stürme geschädigt woraus der Mythos von Kamikaze entstand, der göttlichen Winde, die Japan beschützt haben sollen. mini|Koreanische Gesandtschaft in Japan (1748) Gegen Ende der Goryeo und Anfang der Joseon-Ära versuchten die koreanischen Autoritäten die sich verschärfende Piratensituation einzudämmen und besetzten infolgedessen Tsushima im Februar 1389, Dezember 1395 und zuletzt im Juni 1419. 1409 wurde das erste sogenannte waegwan als erste permanente Enklave für japanische Gesandte und Händler gewährt. Kontakt zwischen der Joseon-Dynastie und Japan erfolgte über den So-Clan von Tsushima als Zwischenhändler.

Toyotomi Hideyoshi, der Japan geeint hatte, befahl den Daimyōs (Feudalherren) im ganzen Land 1592/93 die Eroberung der chinesischen Ming-Dynastie, änderte jedoch seinen Plan nachdem der koreanische Kaiser sich geweigert hatte, japanische Truppen durchmarschieren zu lassen. Japan konnte schließlich innerhalb von drei Monaten weite Teile der koreanischen Halbinsel besetzten. Im Jahr 1593 griff der chinesische Ming-Kaiser ein, indem er seine Armee entsandte, um Pjöngjang zu befreien. Obwohl die koreanischen Landstreitkräfte zahlenmäßig unterlegen waren, gewann die koreanische Marine fast alle Seeschlachten, wobei der unbesiegte Admiral Yi Sun-sin die japanische Flotte in einer Reihe von Schlachten entscheidend schlug, die japanischen Nachschublinien abschnitt und dazu beitrug, die Invasionstruppen aufzuhalten. Zu den Gräueltaten der japanischen Soldaten in Korea gehörte das Abschneiden von Nasen und Ohren der getöteten feindlichen Soldaten. Um Quoten erfüllen zu können, verstümmelten die Japaner auch viele lebende Zivilisten. Insgesamt kostete die japanische Invasion knapp einem Zehntel der Bevölkerung das Leben. Nach dem Tod von Hideyoshi 1598 zogen die Japaner sich aus Korea zurück und begannen die isolationistische Sakoku-Politik. Erst das Tokugawa-Shogunat nahm 1607 den Handel und die diplomatischen Kontakte mit Korea wieder auf. Nach den Kriegen wurden zwischen 1607 und 1811 elf koreanische Missionen (Joseon Tongsinsa) an das Tokugawa-Shogunat in Japan entsandt.

Japanische Herrschaft in Korea

mini|Shintō-Schrein im japanisch besetzten Korea Joseon-Dynastie isolierte sich aufgrund der negativen Erfahrung mit ausländischen Mächten von der Außenwelt und unterhielt lediglich mit dem Qing-Reich Chinas und dem Tokugawa-Regime diplomatische Beziehungen. Mit dem Japanisch-Koreanischen Freundschaftsvertrag von 1876 zwang das westernisierende Meiji-Japan der Joseon-Dynastie in Korea einen ungleichen Vertrag auf, welcher koreanische Häfen öffnete und Japan das Recht der Extraterritorialität für seine Bürger gab. Als Japan 1895 China im Ersten Chinesisch-Japanischen Krieg besiegte, wurde der Vertrag von Shimonoseki geschlossen, der die traditionellen, philosophisch motivierten Beziehungen zwischen den beiden Ländern beendete. 1895 wurde die beliebte Königin Myeongseong von Japans Militär vergewaltigt, ermordet und anschließend öffentlich verbrannt – aufgrund ihrer russischfreundlichen Haltung und ihrem Einfluss am koreanischen Hof. Nach dem Japanisch-Russischen Krieg wurde 1905 der Japan-Korea-Protektoratsvertrag unterzeichnet, mit dem Korea ein japanisches Protektorat wurde und seine äußere Souveränität verlor. Im Juli 1907 setzte Japan einen weiteren Vertrag durch, um die volle Kontrolle über die inneren Angelegenheiten Koreas zu erlangen. Die koreanische Armee wurde aufgelöst, einige ihrer Angehörigen leisteten noch bis 1914 Widerstand. Itō Hirobumi übernahm die volle Kontrolle über Korea als Generalresident von Korea. Im Jahr 1909 wurde Itō Hirobumi von An Jung-geun ermordet. Der Ermordung von Itō durch einen koreanischen Nationalisten folgte ein Protektorat und die vollständige Annexion Koreas. Am 22. August 1910 erfolgte diese durch den Japan-Korea-Annexionsvertrag.