mini|Israels Staatspräsident Jitzchak Herzog besuchte am 15. Oktober 2023 den Kibbuz Beʾeri Das Massaker von Beʾeri ereignete sich während des Terrorangriffs der Hamas auf Israel am 7. Oktober 2023 im grenznahen Kibbuz Beʾeri in Israels Südbezirk. Terroristen der Hamas und verbündeter Terrorgruppen waren nach Durchbrechen der Sperranlagen um den Gazastreifen in die Siedlung eingedrungen und töteten 132 Menschen, darunter 101 Zivilisten und 31 Sicherheitskräfte. Zu den Ermordeten gehörten auch Frauen und Kinder, wobei Gewaltexzesse mit Brandstiftungen, Geiselnahmen, Folterungen, Verstümmelungen und Vergewaltigungen begangen wurden. 30 Bewohner aus Beʾeri und zwei weitere Zivilisten wurden aus dem Kibbuz in den Gazastreifen entführt, wovon einige bereits im Zuge ihrer Verschleppung tot waren oder während ihrer Geiselhaft ums Leben kamen oder ermordet wurden. Die lebenden Geiseln wurden im Zuge zweier Waffenstillstände im November 2023 und Februar 2025 freigelassen, als letzter davon am 22. Februar 2025 der israelisch-österreichische Doppelstaatsbürger Tal Shoham. Die sterblichen Überreste der letzten aus Be’eri stammenden Geisel wurden am 25. November 2025 an Israel übergeben.

Nach Behördenangaben wurden mindestens 125 Gebäude in Beʾeri zerstört oder schwer beschädigt. Die israelischen Verteidigungsstreitkräfte (IDF) konnten erst nach stundenlangen Kämpfen in den Kibbuz eindringen und benötigten bis zum 11. Oktober, um Beʾeri und das nähere Umland vollständig zu sichern.

Lage und Beschreibung Der bereits 1946 gegründete Kibbuz Beʾeri war zum Zeitpunkt des Angriffs die größte Siedlung der Regionalverwaltung Eschkol in Israels Südbezirk, hatte 1108 Bewohner und ist überregional für die Druckerei Beʾeri Printers, in welcher unter anderem alle Führerscheine Israels hergestellt werden und welche die Haupteinnahmequelle des Kibbuz bildet, sowie eine aufstrebende Kulturszene bekannt.

Der Kibbuz, der nur rund fünf Kilometer von der Ostgrenze des Gazastreifens entfernt liegt, feierte in der Nacht vor dem Anschlag sein 77-jähriges Bestehen.Lee Yaron: Israel 7. Oktober: Protokoll eines Anschlags, Frankfurt 2024, S. 185,

Terrorangriff der Hamas mini|Verwüsteter Straßenzug in Beʾeri Am 7. Oktober gegen 06:30 Uhr Ortszeit waren im Kibbuz Explosionen von Raketen des israelischen Luftverteidigungssystems Iron Dome zu hören, während die Bewohner und Bewohnerinnen wenige Minuten später durch die automatische Textnachricht Tzeva Adom per Mobiler App vor Raketenangriffen aus dem Gazastreifen gewarnt wurden. Die Menschen, für die ein solcher Alarm im Grenzgebiet zu Gaza nichts Außergewöhnliches darstellte, begaben sich teilweise in die zu diesen Zwecken errichteten Schutzräume (Merchav Muggan) ihrer Häuser. Etwa zeitgleich durchbrachen erste Hamas-Terroristen im Schutze des Raketenbeschusses die Grenzbarriere und attackierten den Militärposten Paga vor dem Kibbuz, der in der israelischen Armee auch als „Beʾeri-Außenposten“ bekannt ist. Während einer der beiden Panzer des Postens durch Beschuss der Hamas außer Gefecht gesetzt, seine Besatzungsmitglieder getötet und ihre Leichen entführt wurden, manövrierte der zweite Panzer nach Norden, erlitt jedoch auch Treffer, und seine Besatzungsmitglieder, abgesehen vom Fahrer, wurden ebenfalls getötet. Der Fahrer fuhr mit dem Panzer weiter zum Nova-Musikfestival in der Nähe der Gemeinde Reʿim, um dort Terroristen anzugreifen, die ein Massaker an Partygästen verübten. Bei der Einnahme des Außenpostens Paga durch die Terroristen wurden 14 israelische Soldaten getötet. Andere in der Gegend stationierte Truppen wurden nach Nachal ʿOz abgezogen, wo ebenfalls ein Massaker stattfand.

Hamas-Terroristen der 2. Kompanie des Nuseirat-Bataillons erreichten Beʾeri zwischen 6:42 Uhr und 7:20 Uhr, wobei erste Terroristen von einer Überwachungskamera an der Hauptzufahrt im Nordosten des Kibbuz erfasst wurden, denen es gelang, in das Kontrollhaus einzudringen und das Haupttor zu öffnen. Drei Jugendliche, die dem Terrorangriff auf das Nova-Musikfestival entflohen waren und in Beʾeri Schutz suchen wollten, trafen Augenblicke später in einem Auto am Tor des Kibbuz ein und wurden von Hamas-Terroristen in ihrem Fahrzeug erschossen. Diese Szene, festgehalten von Überwachungskameras im Zufahrtsbereich, wurde später von internationalen Medien verbreitet.

Die Sicherheitsverantwortliche und Leiterin der Gesundheitsdienste des Kibbuz, Racheli Benakot, verständigte die Bereitschaftseinheit () von Beʾeri, deren Aufgabe im Angriffsfall darin besteht, den Kibbuz bis zum Eintreffen der IDF zu verteidigen. Zudem wurde über die Smartphone-App des Kibbuz Infiltrationsalarm ausgelöst. Zum Zeitpunkt des Angriffs befanden sich in Beʾeri lediglich 13 Mitglieder der örtlichen Bereitschaftseinheit und einige bewaffnete Zivilisten. Arik Kraunik, der Leiter der Bereitschaftseinheit von Beʾeri, entdeckte die ersten Hamas-Terroristen auf Motorrädern, die in Richtung des Kibbuz unterwegs waren, und benachrichtigte ebenfalls die Armee und die Einwohner. Er forderte auch die Mitglieder der Bereitschaftseinheit auf, sich bei der Waffenkammer zu treffen, wo die Sturmgewehre des Kibbuz eingeschlossen waren. Kraunik hatte die Schlüssel, wurde jedoch in der Nähe des Haupteinganges des Kibbuz von zwei Terroristen bei einem Schusswechsel getötet. Zur gleichen Zeit machte sich Ilan Weiss, der Stellvertreter der Bereitschaftseinheit, der auf der Westseite des Kibbuz lebte und ebenfalls einen Schlüssel besaß, von seinem Haus auf den Weg zur Waffenkammer. Er wurde jedoch ebenfalls von Terroristen getötet und seine Leiche nach Gaza verschleppt. Damit konnten sich die übrigen Mitglieder der Bereitschaftseinheit nicht mehr ausreichend bewaffnen und blieben mit ihren persönlichen Waffen zurück. Die beiden Terroristen, die Kraunik am Haupteingang getötet hatten, marschierten weiter in das Innere der Gemeinde und töteten Zivilisten und Mitglieder der Bereitschaftseinheit, als sie in den nordwestlichen Teil Beʾeris vordrangen, wo die Hamas mit einer Planierraupe den Zaun des Kibbuz durchbrochen und Dutzenden weiteren Terroristen den Zutritt ermöglicht hatten. Die 1. und 3. Kompanie des Nuseirat-Bataillons der Hamas machten sich unterdessen zunächst auf den Weg zum Musikfestival Nova, wo sie Hunderte von Partygästen ermordeten. Mehrere Mitglieder der Bereitschaftseinheit des Kibbuz zogen sich zur Zahnarztpraxis des Kibbuz, wo Verletzte des Angriffs behandelt wurden, zurück und leisteten von dort aus heftigen Widerstand.

Gegen 7:27 Uhr betrat eine Gruppe von fünf Polizisten den Kibbuz, kehrte aber um, als sie Schüsse hörten, und wurde an diesem Tag nicht mehr gesehen, wie aus Aufnahmen einer Überwachungskamera und der Aussage eines Anwohners hervorgeht. Die Ermittlungen konnten nicht feststellen, wohin die Polizisten gingen, nachdem sie Beʾeri verlassen hatten. Mehrere Mitglieder der Bereitschaftseinheit sowie bewaffnete Zivilisten unter der Leitung des Generalmajors in Ruhe, Yossi Bachar, leisteten Gegenwehr und verhinderten zunächst, dass die Terroristen ins Zentrum des Kibbuz vordrangen. Die einzige Unterstützung, welche der bedrängten Bereitschaftseinheit bis etwa 13:30 Uhr zu Hilfe kam, waren 13 Mitglieder der Eliteeinheit Schaldag, welche um 9:03 Uhr von der Luftwaffe mit Hubschraubern eingeflogen worden waren. In den folgenden Stunden gingen Dutzende Terroristen der Hamas und verbündeter Gruppen insbesondere im westlichen Teil des Kibbuz von Haus zu Haus, folterten und ermordeten die Bewohner, darunter ganze Familien, oder verschleppten sie als Geiseln in den Gazastreifen. Menschen wurden in ihren Schlafzimmern und auf Bürgersteigen erschossen. Häuser, in denen sich Bewohner in Schutzräumen verbarrikadiert hatten, wurden in Brand gesetzt oder mit Granaten angegriffen; die Bewohner verbrannten bei lebendigem Leib. Andere Menschen wurden gefesselt und hingerichtet oder verstümmelt. Ein 80-jähriger Mann berichtete seiner Tochter telefonisch, Terroristen hätten ihm die Finger seiner linken Hand abgeschnitten; er verlor kurz darauf das Bewusstsein und starb. Zudem wurden entkleidete Frauenkörper entdeckt, die offenbar Opfer von Sexualverbrechen geworden waren. Unter den Todesopfern in Beʾeri waren neun Minderjährige, darunter die 10 Monate alte Mila Cohen, die von einer durch eine geschlossene Schutzraumtür gefeuerten Kugel getroffen wurde. Ihr Vater und ihre Großmutter wurden ebenfalls ermordet, ihre Mutter und zwei Geschwister überlebten. Itzik Itah, Kommandant der zivilen Search and Rescue-Einheit ZAKA, teilte mit, dass er im Schlafzimmer eines Hauses zwei Kinder gesehen habe, deren Schädel eingeschlagen worden waren und die Messerstiche am Körper aufwiesen. Ihre Eltern seien mit ähnlichen Wunden in der Nähe gelegen. Das älteste Opfer war 88 Jahre alt. Um 12:15 Uhr trafen die beiden zusätzlichen Kompanien des Nuseirat-Bataillons der Hamas, die zuerst zur Nova-Gruppe gegangen waren, gemäß den Anweisungen der Hamas-Kommandeure in Beʾeri ein. Nach Mitteilung der israelischen Armee wurde Beʾeri von rund 340 Terroristen angegriffen, darunter waren 100–120 Mitglieder der Nuchba-Elitetruppe der Hamas, 50–70 weitere Hamas-Aktivisten, etwa 100–150 Mitglieder des Islamischen Dschihad in Palästina und anderer Terrororganisationen. Um 11:30 Uhr begannen auch palästinensische Zivilisten, in Beʾeri einzudringen und die Gemeinde zu plündern. Bis 13 Uhr wurden alle 32 Geiseln des Kibbuz von Terroristen nach Gaza gebracht, danach wurden keine weiteren Geiseln mehr genommen.

Die Zahnarztpraxis im Zentrum des Kibbuz, in der sich einige Überlebende der Bereitschaftseinheit verschanzt hatten, wurde von den Terroristen eingenommen. Dabei starben drei Mitglieder der Bereitschaftseinheit, der Arzt Daniel Levi sowie die Rettungssanitäterin Amit Mann. Zu den weiteren Opfern des Kibbuz zählten Marcelle Frailich Kaplun, Doktorin am Weizmann-Institut für Wissenschaften in Rechovot, und Vivian Silver, kanadisch-israelische Friedens- und Frauenrechtsaktivistin. Laut Augenzeugenberichten sollen Terroristen in erbeuteten israelischen Uniformen versucht haben, verschanzte Bewohner durch „IDF“-Rufe zum Verlassen ihrer Häuser zu bewegen. Zivilisten im Kibbuz blieben unter anderem mittels WhatsApp-Gruppen in Kontakt und warnten sich gegenseitig, bzw. versuchten Hilfe zu organisieren.

Rückeroberung durch israelische Sicherheitskräfte mini|Eines der Häuser in Be'eri nach der Rückeroberung.