Die Gazzetta di Mantova ist eine in Mantua primär für die Provinz Mantua erscheinende Tageszeitung. Sie erschien erstmals 1664 als Wochenzeitung. Damit ist sie vermutlich die älteste immer noch in Druckform erscheinende Zeitung weltweit. Das politisch links von der Mitte stehende Blatt ist mit einer Auflage von etwa 12.000 Exemplaren die bedeutendste Lokalzeitung für die Provinz Mantua.

Geschichte La Gazzetta di Mantova (im Folgenden: Gazzetta) wurde 1664 zunächst als Wochenzeitung gegründet. Damit ist sie weltweit eine der ersten Zeitungen und die heute am längsten ununterbrochenEine der Vorgängerzeitungen von Haarlems Dagblad, das ab 1883 bestehende Haarlem's Dagblad wurde im Zweiten Weltkrieg von den deutschen Besatzern mit dem Oprechte Haerlemsche Courant, der ab 1656 (zunächst als Weeckelycke Courante van Europa) erschienen war, zwangsfusioniert. Daraus entstand der Haarlemsche Courant, der nach dem Ende der Besatzung in Haarlems Dagblad umbenannt wurde. Ab Montag, den 13. September 1948, erhielt diese Gazette den Untertitel Oooprechte Haarlemsche Courant 1656, der sich selbst als älteste noch immer erscheinende Zeitung der Welt bezeichnet. Aufgrund der Gemengelage wird aber meist die Gazzette die Mantova als solche fremdbezeichnet. bestehende Zeitung, die noch auf Papier gedruckt erscheint.Das schwedische Amtsblatt Post- och Inrikes Tidningar erscheint bereits seit 1645 () wird aber seit 2007 nur noch online publiziert.

Von der Gründung bis zum Risorgimento (1664–1861) mini|Titelseite der Ausgabe vom 16. Februar 1674 Im Zuge von Mitte des 17. Jahrhunderts in europäischen Städten – Mailand, Genua, Florenz, Neapel, Turin, Bologna, Modena, Rimini, Hamburg, Venedig, Köln, Paris, Wien, Rom – aufkommenden Zeitungen kommissionierte Carlo II. von Mantua die Familie Ossana mit dem Druck einer solchen für seinen Herrschaftsbereich. Die Erstausgabe der Gazetta di Mantova erschien im Juni 1664 auf einem in der Mitte gefalteten Blatt Papier, welches beidseitig bedruckt war. Damit verfügte sie über vier Seiten zu je 17 ×  24 cm², die fast ausschließlich mit Kurznotizen () über als berichtenswert befundene Ereignisse gefüllt waren.

Ab 3. April 1711 erschien die Gazzetta zweispaltig. Am 10. Februar 1741 erschien unter dem Titel () erstmals eine längere Abhandlung verschiedener Berichte anderer Gazetten, sozusagen ein Pressespiegel.

Von der Vereinigung Italiens bis zum Ende des Faschismus (1861–1946) mini|Erste Ausgabe nach der Eingliederung des Fürstentums in das Königreich Italien, 12. Oktober 1866 Ab 1862 erschien die Gazetta als Tageszeitung. mini|Titelseite der Ausgabe vom 23. Dezember 1882 mini|Alessandro Luzio, Chef vom Dienst, 1882–89 1882 wurde Alessandro Luzio Chefredakteur für eine Dekade der Gazzetta. Luzio steuerte das Blatt auf Konfrontationskurs gegen die republikanisch gesinnte Mehrheit in der Lombardei, wo Mantua eine „rote Hochburg“ war. Er agitierte gegen die Bauernaufstände von La Boje und gewann dennoch Leserschaft in moderaten Mengen hinzu. Die Gazzetta erhielt sogar bescheidene nationale Aufmerksamkeit.

Nach dem Risorgimento konkurrierte die Gazzetta mit dem sozialdemokratischen Blatt La Provincia di Mantova und der katholischen Gazette Il Cittadino di Mantova, welche eine Speerspitze des Antisemitismus war. Die Gazzetta wandte sich wie La Provincia di Mantova gegen Antisemitismus, was für sie schwierig war, weil sie sich dezidiert gegen das Freimaurertum wandte und Il Cittadino di Mantova ihren Antisemitismus auch mit Freimaurerfeindlichkeit verband.

In der Zeit des Faschismus durfte die Gazzetta nicht mehr erscheinen, als einzige Lokalzeitung erschien La Voce di Mantova (im Folgenden: La Voce). Erst am 21. Juli 1946 erschien die erste postfaschistische Ausgabe der Gazzetta.

Nach dem Zweiten Weltkrieg (ab 1946) Nach dem Zweiten Weltkrieg erschien das Blatt zunächst als Organ der Comitato di Liberazione Nazionale; das inhaltliche Format der Gazzetta nahm in groben Zügen die heutigen Einteilungen an: (Nationale und internationale) Politik, Lokalnachrichten, Kultur und Sport.

Transnationale Aufmerksamkeit bekam die Gazzetta nach dem schweren Unfall bei der Mille Miglia 1957. Der Ferrari 335S von Alfonso de Portago war aufgrund eines Achsschadens von der Straße abgekommen und in eine Zuschauergruppe gerast, wobei neben de Portago und seinem Beifahrer neun Menschen getötet wurden. Zwei Reporter der Gazzetta waren als erste am Unfallort und dokumentierten ihn photografisch.

Als eine der ersten italienischen Gazetten stellte die Gazzetta früh im 3. Jahrtausend ein umfangreiches Online-Angebot ein. Dies zahlte sich im Juli 2014 aus, als beim Hochwasser in der Provinz im Juli 2014 die Auflage kurzzeitig Auflage auf 214.000 Exemplare hochschnellte.

Gegenwart Heute ist die Gazzetta neben La Voce und der Gratiszeitung prima MANTOVAWebauftritt von prima MANTOVA, die zu einer Gruppe oberitalienischer Gratislokalzeitungen gehört. eine von drei Lokalzeitungen in der Provinz Mantua.

Ökonomie Die Gazzetta gehörte Anfang des 21. Jahrhunderts zur GEDI Gruppo Editoriale, wurde aber zum 1. Oktober 2023 an die Gruppo Editoriale Athesis abgegeben. Gedruckt wird sie in Pessano con Bornago.

Reichweite Ende 2023 wurden etwa 12.000 Exemplare der Gazzetta verbreitet, davon rund 11.000 als Printmedium, wovon 138 als Werbeexemplare in den Umlauf gerieten.Accertamenti Diffusione Stampa: Settembre 2023 Quotidiani, Edizioni settimanali di quotidiani. In: Accertamenti diffusione stampa. Abruf am 4. Dezember 2023 (italienisch). Damit hat sich die Auflage innert 17 Jahren auf fast ein Drittel reduziert. Die Leserschaft der Gazette liegt jedoch wesentlich höher: 2021 waren es um 166.000 Leser. Damit ist die Gazetta in der Provinz Mantua mit 57,2 %Zum Vergleich: Den höchsten Anteil des Marktführers in den italienischen Provinzen hat mit 71 % Libertà in der Provinz Piacenza; den Niedrigsten mit 12,5 % Corriere dello Sport in der Provinz Bari. Marktanteil (32 Exemplare pro 1000 Einwohner)Die höchste Marktdurchdringung hat mit 62 Exemplaren pro 1000 Einwohner Dolomiten in der Provinz Bozen, die niedrigste mit 0,8 ‰ Corriere della Sera in der Provinz Barletta-Andria-Trani. bei den Tageszeitungen Marktführer. Zeitraumverbreitete AuflageQuelle199535.497199636.714199736.627199837.149199937.740200037.015200137.470200235.854200335.810200435.871200535.221200634.389200733.813200832.847200932.690201031.415201129.33212/201226.55908/201326.332201423.821Laut Deutschlandfunk ungefähr 42.000. ()07/201424.014201522.26812/201621.84007/201720.44807/201819.16503/201819.62907/201917.14607/202016.42911/202115.65812/202114.80708/202213.22101/202312.98609/202312.067

Politische Ökonomie Die Gazzetta steht im Grundsatz eher auf der Seite der politischen Linken – laut Deutschlandfunk ist sie im „Linksliberalismus“ zu verorten – und bildet damit lokal die journalistische Antipodin zum Konkurrenzblatt La Voce.

Literatur

Weblinks

Website der Gazzetta di Mantova (italienisch)

Anmerkungen

Belege

Kategorie:Zeitung (Italien) Kategorie:Italienischsprachige Tageszeitung Kategorie:Mantua Kategorie:Ersterscheinen 1664