Wurfschatten ist der Debüt-Roman der Schweizer Schriftstellerin Simone Lappert. Der Text erschien 2014 im Verlag Walde+Graf bei Metrolit in Berlin. Seither (Stand: Spätherbst 2023) hat Simone Lappert einen weiteren Roman (Der Sprung, 2019), eine Kurztextsammlung (blendende Aussichten, 2022) und eine Sammlung von Gedichten (längst fällige verwilderung. gedichte und gespinste, 2022) veröffentlicht und wurde für ihre Texte mehrmals ausgezeichnet.
Wurfschatten erzählt die Geschichte von Ada, einer jungen Schauspielerin, die in Basel lebt und an einer Angststörung leidet. Als sie wegen ihrer Ängste und der Einschränkungen durch diese ihre Miete nicht mehr zahlen kann, zieht ein neuer Mitbewohner ein: Juri. Zuerst sträubt sich Ada mit allen Mitteln gegen diese für sie empfundene Invasion des Fremden, doch nach und nach entwickelt sich eine kuriose Liebesgeschichte.
Es ist ein Text über das Leben und Lieben mit der Angst.
Inhaltsangabe Der Roman beginnt mit Ada, die von einer Panikattacke heimgesucht wird. Plötzlich wird sie von ihrem Vermieter Herrn Matuschek gestört, der sie aus der Panikattacke reisst und darüber informiert, dass sie mit der Miete mehr als drei Monate im Rückstand ist. Ada wirft ihm vor, kein Verständnis für Künstler mit unregelmässigem Einkommen zu haben, bevor sie sich in ihren Raum mit der Therapietapete zurückzieht. Nach einem Abendessen mit Freunden, bei dem sie ihre Probleme verheimlicht, erleidet Ada erneut eine Panikattacke. Um sich zu beruhigen, ruft sie Matuschek an und entschuldigte sich für ihr Verhalten und fragt ihn auch, ob Fische schlafen können. Matuschek antwortet auf ihre Frage und verspricht, über eine Lösung für die Miete nachzudenken und sich später bei ihr zu melden.
Ada, die die Rolle einer Leiche im Stück "Mord an Bord" im Andromeda-Theater spielt, erfährt auf einem Spaziergang mit Maria, nach der Vorstellung eine Panikattacke, als sie einen Mann in dunkler Jacke an einer Strassenbahnhaltestelle sieht. Sie bildet sich ein, wie der Mann sie erschiesst. Ada lügt Maria, ihrer Begleiterin, über ihren Zustand, doch die beiden geraten in Streit über Adas Liebesleben und Marias tragischen Verlust ihres Verlobten, der von zwei Rangierwagen zerquetscht wurde.
Als Ada nach Hause kommt, findet sie ihren Therapieraum leer und Juri, den Enkel von Matuschek, vor, der durch einen ungelesenen Brief von Matuschek angekündigt wurde. Ada erinnert sich an vergangene Wohnungsgenossenschaften, insbesondere an das Scheitern einer Beziehung zu ihrer Mitstudentin Sophie. Sie reflektiert auch über ihre Therapiesitzungen und das abrupte Ende dieser mentalen Verbesserung, als die Brotbüchse, ein Kleintheater, in welches Ada ihr ganzes Erspartes investiert hat, geschlossen wurde.
Ada versucht, Juri zu meiden und plant ein Vorsprechen in München, aber während der Zugfahrt erleidet sie erneut eine Panikattacke und verpasst versehentlich den Halt in München und damit auch ihr Vorsprechen.
Am nächsten Morgen wacht Ada in ihrem Bett auf und erinnert sich daran, dass sie in der Badewanne eingeschlafen war, und somit vermutlich von Juri ins Bett getragen worden sein muss. Sie erinnerte sich an ihre Kindheit, wie ihre Mutter im verstecktem ihre Ballettfiguren durchging und ihre Karriere aufgrund der Schwangerschaft mit Ada beendete.
Juri reisst Ada aus ihren Gedanken und sie täuscht ihm vor, dass sie die Stelle in München bekommen habe und bald abreisen werde. Ada versucht danach vergeblich, erneut eine Chance zu bekommen in München vorzusprechen, da der Intendant bereits für die Besetzung entschieden hat. In einem Versuch, ihre Stimmung zu verbessern, kauft sie trotz finanzieller Knappheit zwei Diskusfische und bringt diese in ihrer Badewanne unter. Als Juri die Fische ins Waschbecken umquartiert, kommt es zu einer Auseinandersetzung zwischen den beiden. Juri ermutigt sie und erzählt ihr, dass er manchmal aus Spass Instrumente kauft und sie mit nach Hause nimmt, um sie zu bewundern, bevor er sie am nächsten Tag unter Vorwand zurückgibt. Er rät ihr, dasselbe Verfahren anzuwenden.
Vor ihrem Weggang gesteht sie Juri, dass sie aufgrund eines Zugproblems nie in München ankam.
Bei einem gemeinsamen Abendessen informiert Maria Ada, Bettina, Hendrik und Lukas darüber, dass im Hof unten die abgerissenen Blätter von Adas Therapietapete gefunden hat. Die anderen amüsieren sich darüber, aber Ada erinnert sie daran, dass sie erwachsen sind und sich stattdessen auf Kartenspiele konzentrieren sollten, wofür sie hier waren. Als sie vermuten, dass der Täter möglicherweise in ihrem Haus lebt, diskutieren sie darüber, wer es gewesen sein könnte, und schliessen daraus, dass es Juri sein muss. Sie konfrontieren ihn damit, und Juri gesteht, dass es seine Blätter sind, die sie gefunden haben, und behauptet, dass es Teil seiner Recherche für den Kritischen Beobachter sei. Nachdem die Angelegenheit geklärt ist, kehren sie in Marias Wohnung zurück, ausser Ada die aufgrund von Kopfschmerzen zu Hause bleibt.
Nachdem die anderen gegangen sind, spricht Ada mit Juri über sein Verhalten. Er enthüllt ihr, dass er die Goldschmiede seines kürzlich verstorbenen Vaters übernommen hat, und Ada tröstet ihn. Später, als Ada nicht schlafen kann, geht sie zu Juris Zimmer, beobachtet ihn kniend neben seinem Bett und legt sich zu ihm, als er aufwacht.
Ada übernachtet bereits zum fünften Mal in Juris Bett. In dieser Nacht bemerkt sie, dass Juri nicht schlafen kann. Ada lädt ihn zu ihren nächtlichen Taxifahrten ein und teilt ihm mit, dass sie sich nie an den ständigen Wechsel von Tag und Nacht gewöhnen kann. Ada ist überrascht, dass sie ihre Gedanken und Gefühle so offen mit Juri teilt, während sie gemeinsam im Taxi sind.
Am nächsten Morgen wacht Ada erneut in Juris Bett auf und bemerkt, dass er ihr sogar das Frühstückgedeck vorbereitet hat. Ada und Maria treffen sich später auf einen Kaffee und sprechen über Juri und seine Beziehung zu Ada.
Ada besucht einen Friedhof, um ihre zukünftige Grabstelle und Sarg zu betrachten. Dort trifft sie zufällig auf Juri, der in der Nähe des Grabes seines Vaters Radio hört und Bier trinkt. Ada erfährt, dass Juri nicht Fahrrad fahren kann, und bringt es ihm bei. Währenddessen unterhalten sie sich über ihre Eltern und deren Beziehung zu ihnen. Juri offenbart, dass seine Mutter ihm versprochen hatte, das Fahrradfahren beizubringen, aber an seinem 15. Geburtstag die Familie verlassen hat, bevor sie es tun konnte. Kurzerhand bringt Ada ihm das Fahrradfahren bei.
Später kehrt Ada von einer Verabredung mit Maria spät nach Hause zurück und möchte sich in Juris Bett legen, findet jedoch Bettina dort vor. Daher schläft sie schliesslich auf einem Sessel im Wohnzimmer ein. Am nächsten Morgen wacht sie mit Schmerzen auf, bemerkt aber, dass Juri immer noch da ist. Die beiden haben ein Gespräch und schlafen dann miteinander.
Ada und Maria sind am Rhein, als Maria plötzlich die Affäre von ihrem ehemaligen Verlobten, Rita, erblickt und daraufhin panisch flieht. Danach erzählt Maria Ada die gesamte Geschichte von Rita, Leo und ihr.
Als Ada nach Hause zurückkehrt, erleidet sie erneut eine Panikattacke und möchte sich zu Juri ins Bett legen, aber findet dort bereits Bettina vor. Deshalb ruft sie ein Taxi, und als Juri nachfragt, was los ist, und sie ihm keine Antwort gibt, kommt er kurzerhand mit ins Krankenhaus. Juri versucht sich um Ada zu kümmern, doch sie möchte lieber alleine sein. Im Krankenhaus fragt Ada nach Carolina, wird aber nach ihren Bedürfnissen gefragt, ob sie jemanden sehen oder Medikamente nehmen möchte oder einfach im Wartezimmer warten will.
Währenddessen erinnert sich Ada, als sie auf ihre Tätowierung schaut, an ihre erste Panikattacke. Auf der Rückfahrt vom Krankenhaus im Taxi halten sie schliesslich Hände.
Ada versucht am nächsten Morgen, Juri zu meiden, um einer möglichen Konfrontation zu entgehen. Stattdessen sucht sie bei Maria Schutz, die gerade dabei ist, die Sachen von Leos auszuräumen. Maria berichtet Ada von Juris Besuch und seinen Sorgen um sie während des nächtlichen Vorfalls.
Als Ada erfährt, dass Juri Maria von dem Vorfall erzählt hat, wirft sie ihm vor, kein Recht gehabt zu haben, Maria das mitzuteilen. Dies führt zu einem Streit zwischen ihnen, und letztendlich beginnt Juri, seine Sachen zu packen.
Ada ruft Matuschek an und schlägt ihm vor, dass er mit ihr angeln gehen würde, damit sie ihm im Gegenzug ein Date mit Maria ermöglicht. Beim Angeln fängt Ada einen Fisch, hat jedoch Schwierigkeiten, ihn zu töten. Matuschek gibt ihr ein Rezept für die Zubereitung des Fisches, den sie für ein geplantes Abendessen mit Juri kochen möchte. Ada teilt Matuschek mit, dass sie für das Date mit Maria nie einen Plan hatte, aber er es einfach wagen solle und sich ansonsten bei ihr trösten lassen könne.
Als Ada bemerkt, dass Juri nicht zum Abendessen erscheint, betrinkt sie sich. Am nächsten Morgen informiert Matuschek sie darüber, dass Juri einen Fahrradunfall hatte und im Krankenhaus ist. Ada gibt sich die Schuld, da sie ihm das Fahrradfahren beigebracht hat. Nach langem Zögern entscheidet sie sich, ihn zu besuchen. Als sie ankommt, freut sich Juri, sie zu sehen, und sie küssen sich. Juri erzählt ihr von einer grösseren Wohnung, die genug Platz für eine Therapietapete bietet.
Schliesslich ziehen sie gemeinsam in die grössere Wohnung.
Charakterisierung der vier wichtigsten Figuren
Ada Adamine Scholl, wie sie mit bürgerlichem Namen heisst, ist eine bemerkenswerte junge Schauspielerin, deren Leben sich in einer bescheidenen Blockwohnung in Basel abspielt. Diese verlässt sie nur selten, denn Ängste und innere Dämonen haben sie in eine Art selbst auferlegte Isolation getrieben. Im Zweitzimmer ihrer Wohnung hängt Adas sogenannte "Therapietapete". Alphabetisch angeordnete beängstigende Begriffe von "Attentat" bis "Zyste" inklusive Bilder für alle möglichen schrecklichen Szenarien kleben fein säuberlich an der Wand ihres Zweitzimmers. Adas Ängste drehen sich vor allem um Dinge, die ihr Leben bedrohen, sei es der Gedanke an den Tod oder die Angst vor dem Leben selbst. Adas Fähigkeit zur Selbstreflexion in Zuständen der Angst ist bemerkenswert. Ihr innerer Dialog lässt auf eine rationale Seite schliessen doch ihr Verhalten zeigt deutlich, dass ihre Angststörung nicht von Rationalität beeinflussbar ist.
Matuschek Matuschek, der Vermieter von Adas Wohnung, präsentiert sich als ein Herr fortgeschrittenen Alters, der täglich in der Fülle seiner Jahre zu wachsen scheint. Trotz des Voranschreitens der Zeit offenbart er eine beeindruckende Weisheit und ein umfassendes Wissen. Sein grosses Herz schlägt für das Wohl von Ada, was sich in seinem grosszügigen Vorschlag manifestiert, Juri in Adas Wohnung aufzunehmen, anstatt ihr den Mietvertrag zu kündigen. Matuschek hegt zarte Gefühle für Maria, jedoch zeichnet er sich durch äusserste Zurückhaltung und Diskretion in seinen Annäherungsversuchen aus. Er manifestiert sich als warmherzige und mitfühlende Persönlichkeit, die aufrichtig um das Wohlbefinden anderer besorgt ist. Sein tiefgreifendes Wissen über die Welt der Fische spiegelt sich nicht nur in seiner Leidenschaft für das Angeln wider, sondern auch in seinen zahlreichen Besuchen mit Juri in Aquarien. In den Gesprächen mit Ada teilt er sein umfangreiches Wissen über Fische und erweist sich als äußerst kommunikativ und hilfsbereit.
Juri