350px|Sergei Prokofiev circa 1918 over Chair Bain In Moskau stirbt am 5. März 1953 der sowjetische Pianist und Komponist Sergei Sergejewitsch Prokofjew. Sein Musikmärchen Peter und der Wolf zählt zu den weltweit am meisten gespielten Werken der klassischen Musik. 350px|Django Reinhardt (Gottlieb 07301) Der französische Gitarrist, Komponist und Bandleader Django Reinhardt stirbt am 16. Mai 1953 in Fontainebleau. Er gilt als Begründer und Vorreiter des europäischen Jazz. Dieser Artikel behandelt das Musikjahr 1953. mini|links|Big Mama Thornton – Hound Dog (1953) mini|links|The Drifters – Money Honey (1953) mini|links|Chet Baker – Winter Wonderland (1953) mini|links|Guitar Slim – The Things I used to do (1953) mini|Rosalind Russell in Wonderful Town auf der Titelseite des Time-Magazins (1953) mini|Leontyne Price in Porgy and Bess (1953) mini|Bud Powell (1953) mini|Louis Armstrong (1953) mini|Doris Day (um 1953) mini|Les Paul und Mary Ford (1953) mini|Bobbejaan (1953) mini|Jascha Heifetz (1953)

Ereignisse Amerika Kanada 15. Mai: Dizzy Gillespie, Charlie Parker, Bud Powell, Charles Mingus und Max Roach geben gemeinsam ein Konzert in der Massey Hall in Toronto, das noch 1953 auf dem Album Jazz at Massey Hall veröffentlicht wird. Es ist das einzige Mal, dass die fünf Musiker („The Quintet“) zusammen aufnehmen, und es ist auch das letzte Zusammentreffen für eine Aufnahme von Parker und Gillespie.

Vereinigte Staaten von Amerika 1. Januar: Hank Williams, der an Neujahr in Canton auftreten sollte, stirbt irgendwann nach Mitternacht auf dem Rücksitz seines Cadillac, irgendwo zwischen Knoxville, Tennessee und Oak Hill. Er ist 29 Jahre alt. 25. Januar: Uraufführung des Musicals Wonderful Town von Leonard Bernstein in New York. 19. März: Die Oscar-Verleihung wird zum ersten Mal im Fernsehen in den Vereinigten Staaten und in Kanada übertragen. Bob Hope fungiert als Moderator auf der Bühne. April: Pat Boone beginnt seine Karriere als Musiker bei Republic Records. 4. Mai: In den Universal-Studios von Chicago entstehen mit der Single Baby It’s You / Bounce die ersten Aufnahmen des im April von Vivian Carter und Jimmy Bracken gegründeten Labels Vee-Jay Records. 7. Mai: Uraufführung des Musicals Can-Can von Cole Porter im Shubert Theater in New York. 25. Mai: Die einaktige Oper The Harpies von Marc Blitzstein hat unter der Leitung von Hugh Ross in New York City ihre Uraufführung. 28. Mai: Uraufführung des Musical Me And Juliet von Richard Rodgers (Musik) und Oscar Hammerstein II (Buch und Liedtexte) im Majestic Theatre in New York. Juni: Elvis Presley nimmt – kurz bevor er seinen High-School-Abschluss macht – an einem Talentwettbewerb seiner Schule teil, bei dem er mit seiner Gesangsdarbietung – dem Lied Old Shep – den 1. Platz belegt.Guralnick: Last Train to Memphis. S. 57; vgl. Elvis Presleys Aussage in Abel und Adidges Interview zur Konzertdokumentation Elvis on Tour, 1972. Unmittelbar nach Erhalt seines Abschlusszeugnisses von der High-School nimmt Presley einen Job bei einem kleinen Maschinenreparaturservice in Memphis an. Mit dem ersten Gehalt in der Tasche führt ihn sein Weg im Juni 1953 zu Sam Phillips’ Memphis Recording Service, einem professionellen Aufnahmestudio, wo jeder Kunde für einige Dollar eine eigene Platte aufnehmen kann.Der Preis für das sog. doppelseitige Celluloseacetat wird in der Literatur meist mit vier Dollar angegeben. Ernst Jorgensen hingegen spricht von 8,25 Dollar; vgl. Burk: The Sun Years. S. 23 f. u. Ernst Jorgensen: Elvis Presley: A Life in Music. St. Martin’s Press 1998, S. 8 f. Am 18. Juli macht er seine erste Aufnahme. 27. September: Helen Traubels langjährige Zusammenarbeit mit der Metropolitan Opera in New York City endet. Der Vertrag der Sängerin wird vom Manager der MET, Sir Rudolf Bing, nicht mehr verlängert, weil die Sängerin seit dem Zweiten Weltkrieg zunehmend in Operetten, Musicals, Filmen und Fernsehsendungen auftritt und er der Auffassung ist, dass sich dies mit dem Ruf des Hauses nicht vereinbaren lasse. 2. November: Die Metropolitan Opera gibt bekannt, dass mit der Musikergewerkschaft ein neuer Zweijahresvertrag vereinbart wurde, um einen drohenden Streik des Orchesters abzuwenden. Bobbejaan tritt als einer der ersten Europäer in der Grand Ole Opry auf. Eddie Fisher wird in der Fernsehsendung Coke Time zum „Coca-Cola Kid“ mit einem Jahresgehalt von einer Million Dollar. Frank Sinatra schließt einen neuen Plattenvertrag mit dem Label Capitol Records ab. The Platters werden in Los Angeles gegründet. Crazy Man, Crazy, aufgenommen von Bill Haley & His Comets, wird die erste Rock'n'Roll-Single, die es in die US-amerikanischen Billboard-Charts schafft. Da diese Art von Musik den bisherigen traditionellen Stilarten nicht zugeordnet werden kann, der Begriff „Rock ’n’ Roll“ im kommerziellen Musikgeschäft aber noch nicht verwendet wird, spricht man 1953 in den USA noch vom „Haley-Sound“ oder „Bill Haley’s Music“. Im selben Jahr werden die Comets vom Cash Box Magazine als „One of the Best Small Instrumental Groups of 1953“ gelistet. Der vom Songschreiber-Duo Jerry Leiber und Mike Stoller geschriebene Song Hound Dog, der am 13. August 1952 von Big Mama Thornton zusammen mit der Band von Johnny Otis für Peacock Records aufgenommen wurde, erreicht nach der Erstveröffentlichung im Januar 1953 Platz 1 der R&B-Charts und kann sich dort sieben Wochen behaupten. Charles Mingus arbeitet im Januar 1953 kurzzeitig bei Duke Ellington, der ihm nach einem heftigen Streit mit Juan Tizol die Kündigung nahelegt. Gemeinsam mit John LaPorta und Teo Macero gründet er 1953 den Jazz Composers Workshop, der Kompositionen seiner Mitglieder aufführt und dem sich später auch Teddy Charles anschließt. Gerry Mulligan gründet 1953 mit dem Trompeter Chet Baker ein klavierloses Quartett mit unterschiedlichen Rhythmusgruppen, z. B. mit den Bassisten Bob Whitlock bzw. Carson Smith und den Schlagzeuger Chico Hamilton oder Larry Bunker. Als Mulligan im Frühjahr 1953 wegen eines Drogenvergehens ins Gefängnis muss, gründet Baker mit dem Pianisten Russ Freeman ein eigenes Quartett (zusätzlich mit Bob Neel, Carson Smith). Charlie Parker tritt im März und September 1953 im Bostoner Club Storyville auf. Es sind die letzten Höhepunkte seiner Karriere. Les Paul und Mary Ford haben eine eigene Fernsehshow, die unter dem Namen The Les Paul and Mary Ford at Home Show von 1953 bis 1960 erfolgreich im US-Fernsehen läuft. Rosalind Russell gewinnt 1953 für Wonderful Town, der Musicalfassung von Meine Schwester Eileen den Tony Award/Beste Hauptdarstellerin in einem Musical. Die afroamerikanische Soul-Gesangsgruppe The Four Tops wird in Detroit von Renaldo „Obie“ Benson, Abdul „Duke“ Fakir, Lawrence Payton und Levi Stubbs, zunächst unter dem Namen The Four Aims, gegründet. 1953 wird der Asteroid des äußeren Hauptgürtels (3156) Ellington nach Duke Ellington benannt.

Europa Bundesrepublik Deutschland 9. Januar: Sári Barabás hat die Titelrolle in Carl Millöckers Operette Die Dubarry am Gärtnerplatztheater in München. 9. April: Ein Kulturabkommen zwischen Deutschland und den Vereinigten Staaten von Amerika wird geschlossen. 23. April: Das Orgelwerk Livre d’orgue von Olivier Messiaen wird in der Stuttgarter Villa Berg vom Komponisten selbst zur Einweihung der neuen Orgel des Süddeutschen Rundfunks uraufgeführt. 5. Mai: Als Leistungsschau des Jazz in der Bundesrepublik begreift sich das Deutsche Jazzfestival, das 1953 zum ersten Mal in Frankfurt stattfindet. 26. Mai: Auf dem vom Nordwestdeutschen Rundfunk (NWDR) organisierten Kölner „Neuen Musikfest“ werden erstmals Kompositionen von Robert Beyer und Herbert Eimert präsentiert, die im 1952 gegründeten Studio für elektronische Musik in Köln entstanden sind. 16.–29. Juli: Die Internationalen Ferienkurse für Neue Musik finden in Darmstadt statt. 23. Juli – 23. August: Die Bayreuther Festspiele werden zum dritten Mal nach dem Zweiten Weltkrieg veranstaltet. Zur Eröffnung wird Richard Wagners Oper Lohengrin in der Inszenierung von Wolfgang Wagner gegeben. Es dirigiert Joseph Keilberth und Wolfgang Windgassen, Eleanor Steber und Hermann Uhde sind in den Hauptpartien zu hören. 17. Oktober: Die Abstrakte Oper Nr. 1 von Boris Blacher auf das Libretto von Werner Egk wird im Nationaltheater Mannheim uraufgeführt. 20. Oktober: Die „bairische Komödie“ Astutuli von Carl Orff wird an den Münchner Kammerspielen in einer Inszenierung von Hans Schweikart uraufgeführt. 13. November: Uraufführung des musikalischen Lustspiels Ein Engel namens Schmitt von Just Scheu und Ernst Nebhut in Braunschweig. 17. November: Carl Ebert wird zum neuen Intendanten der Deutschen Oper Berlin ernannt. 4. Dezember: Im Nordwestdeutscher Rundfunk in Hamburg erfolgt die Ursendung der Funkoper Das Ende einer Welt von Hans Werner Henze auf das Libretto von Wolfgang Hildesheimer. Werner Egk ist von 1950 bis 1953 Direktor der Hochschule für Musik in West-Berlin. Sein Nachfolger ab 1953 ist Boris Blacher. Der Deutsche Musikrat wird gegründet. Das vom Schwäbischen Albverein herausgegebene Suppinger Liederbuch wird erstmals veröffentlicht.

Deutsche Demokratische Republik 6. Oktober: Max Butting kann an seinem 65. Geburtstag der Uraufführung seiner 6. Sinfonie durch das Staatliche Sinfonie-Orchester Gotha unter Leitung von Fritz Müller beiwohnen. Er widmet die Sinfonie diesem Orchester und seinem Dirigenten.

Frankreich Das Label Erato Records wird gegründet, um französische klassische Musik zu vermarkten. Pierre Boulez ruft die Konzertreihe Domaine Musical ins Leben, die bis 1973 Bestand hat.

Italien 29.–31. Januar: Im städtischen Kasino in Sanremo findet die dritte Ausgabe des Festival della Canzone Italiana di Sanremo statt, moderiert von Nunzio Filogamo. Sieger des Musikwettbewerbes werden Carla Boni und Flo Sandon’s mit dem Lied Viale d’autunno. 14. Februar: Carl Orffs szenisches Konzert Trionfo di Afrodite aus dem Jahr 1951 wird erstmals an der Mailänder Scala aufgeführt. 23. Juli: In einer Neuproduktion von Giuseppe Verdis Oper Aida in der Arena di Verona gibt Mario del Monaco den Radames und Maria Callas die Aida. 7. Dezember: Die Opernsaison der Mailänder Scala wird mit einer Inszenierung von Alfredo Catalanis La Wally eröffnet. 10. Dezember: In Luigi Cherubinis französischer Oper Médée gelingt Maria Callas „der endgültige Durchbruch als Primadonna an der berühmten“ Mailänder Scala. Dirigent ist Leonard Bernstein. In der italienischen Verfilmung der Oper Aida von Clemente Fracassi hat Sophia Loren ihre erste Hauptrolle.

Norwegen 1.–15. Juni: Das 1. Bergen International Festival findet in Bergen statt. Die Weltmusiktage (World New Music Days) der International Society for Contemporary Music (ISCM) finden 1953 in Oslo statt. Aufgeführt werden u. a. Zoltán Kodálys Konzert für Orchester und Hans Werner Henzes Klavierkonzert Nr. 1. Die Hot Saints Jazzband wird gegründet. Der Big Chief Jazz Club wird im Majorstuhuset in Oslo eröffnet.

Österreich 25. April: Rolf Liebermanns Oper Leonore 40/45 wird in Linz erstmals aufgeführt. 26. Juli – 31. August: In Salzburg finden die 34. Salzburger Festspiele statt. Am 27. Juli dirigiert Wilhelm Furtwängler eine Neuinszenierung der Oper Don Giovanni von Wolfgang Amadeus Mozart in der Felsenreitschule. Am 17. August erfolgt die Uraufführung der Oper Der Prozess von Gottfried von Einem unter Karl Böhm. 5. Oktober: Wilhelm Furtwängler und die Solisten der Wiener Staatsoper protestieren in einer Aufführung des Don Giovanni öffentlich gegen die Suspendierung von Egon Hilbert als Intendant des Burgtheaters und der Staatsoper. 9. September: Maria Jeritza gibt die Minnie in La fanciulla del West von Giacomo Puccini an der Wiener Volksoper. 30. Oktober: Ernst Wolfram Marboe wird als neuer Intendant der Wiener Staatsoper und des Burgtheaters bekannt gegeben und löst Egon Hilbert ab.