Die jugoslawische Baureihe 664 der Jugoslovenske Železnice (JŽ) ist eine Baureihe dieselelektrischer Lokomotiven für den schweren Güterzugdienst, welche die konstruktiv verschiedenen Unterbaureihen 664.0 und 664.1 umfasst.
Die 1973 und 1980 bei General Motors Electro-Motive Division (EMD) im kanadischen London in 64 Exemplaren gebauten 664.0, auch unter den Namen James und Ličanka bekannt, entsprechen dem Typ G26CW und kamen mit dem Zerfall Jugoslawiens als Baureihe 2062 zu den Hrvatske željeznice (HŽ) nach Kroatien und als Baureihe 664 zu den Železnice Srbije (ŽS) nach Serbien.
Die 1984 und 1985 in Lizenz bei Đuro Đaković im jugoslawischen Slavonski Brod in 20 Exemplaren gebauten 664.1, auch unter dem Namen Regan bekannt, entsprechen dem Typ G26HW-2, sie verblieben beim Zerfall Jugoslawiens als Baureihe 664 bei den Slovenske železnice (SŽ) in Slowenien.
In den Jahren 2002 und 2003 wurden 20 Lokomotiven der HŽ-Baureihe 2062 bei Tvornica željezničkih vozila Gredelj (TŽV Gredelj) im kroatischen Zagreb modernisiert und infolgedessen als Unterbaureihe 2062.1 eingeordnet, die auch unter dem Namen Turnerica bekannt ist. Für das US-amerikanische Unternehmen National Railway Equipment (NRE) wurden 2019 bei TŽV Gredelj drei Lokomotiven der Baureihe 2062 zur Unterbaureihe 2062.2 und im Jahr 2023 weitere zwei aus dem Bestand der Israel Railways (RI) übernommene Lokomotiven zur Unterbaureihe 2062.3 umgebaut.
Geschichte
JŽ-Baureihe 664.0 Da sich die ab 1960 nach Jugoslawien gelieferten und als Baureihe 661 eingeordneten dieselelektrischen Lokomotiven des Typs G16 des US-amerikanischen Herstellers General Motors Electro-Motive Division (EMD) als robust und zuverlässig erwiesen hatten und weiterhin Bedarf an neuen Güterzuglokomotiven bestand, sahen die Jugoslovenske Železnice (JŽ) die Beschaffung weiterer Diesellokomotiven von EMD vor. Voraussetzungen dafür waren eine höhere Leistung sowie eine im Vergleich zur G16 niedrigere Achslast. Der ab 1969 bei EMD gebaute und speziell für den Export bestimmte Lokomotivtyp G26 konnte diesen Ansprüchen gerecht werden. Zahlreiche Lokomotiven verschiedener Ausführungen des Typs G26 entstanden für Ägypten, Brasilien, Hongkong, Indonesien, Israel, Marokko, Südkorea, Tunesien und die Türkei. In Australien baute Clyde Engineering in Lizenz die auf der G26 basierende Klasse X für die Victorian Railways sowie die Klasse 2100 für die Queensland Rail.
Die JŽ bestellten in zwei Serien Lokomotiven des Typs G26CW, die im kanadischen London im Werk der Diesel Division of General Motors of Canada, einer Tochtergesellschaft von General Motors of Canada, hergestellt wurden. Die erste Serie von 58 Lokomotiven wurde von Mai bis August 1973 ausgeliefert, als 664-001 bis 058 nummeriert und dem Železničko Transportno Preduzeće Zagreb (ŽTP Zagreb) zugewiesen. Die zweite, im April 1980 ausgelieferte Serie von sechs Fahrzeugen erhielt die Betriebsnummern 664-059 bis 064 wurde dem ŽTP Beograd unterstellt. Die JŽ verwendeten die Lokomotiven der Baureihe 664 zunächst vorwiegend im Güterverkehr auf Hauptbahnen, jedoch aufgrund ihrer niedrigen Achslasten auch auf Nebenbahnen mit schwachem Oberbau. Im Zusammenhang mit dem Einsatz auf der Lika-Bahn erhielt die Baureihe 664.0 den Spitznamen Ličanka. Die Herkunft aus den Vereinigten Staaten führte zum alternativen Spitznamen James. Ab 1985 rüstete Tvornica željezničkih vozila Gredelj (TŽV Gredelj) in Zagreb die Lokomotiven für den Einsatz im Reisezugdienst nachträglich mit in der Uljanik-Werft in Pula hergestellten elektrischen Heizgeneratoren aus, womit sich neue Einsatzmöglichkeiten ergaben.
Mit dem Zerfall Jugoslawiens ging die erste, ursprünglich dem ŽTP Zagreb zugeteilte und als 664-001 bis 058 nummerierte Serie von 58 Maschinen 1991 in den Bestand der neu gegründeten Hrvatske željeznice (HŽ) über und verblieb daher in Kroatien. Im Jahr 1993 führte die HŽ ein neues Bezeichnungssystem mit vierstelligen Stammnummern ein. Dabei wurden die Lokomotiven der bisherigen Reihe 664 in 2062 umbezeichnet. Die Ordnungsnummern wurden im bisherigen Bereich zwischen 001 und 058 ebenfalls neu zugeteilt. Die drei Lokomotiven 2062 052, 057 und 058 wurden nach Serbien abgegeben. Die 664-001 erhielt 1991 zu Beginn des Kroatienkrieges in der in Split ansässigen Brodosplit-Werft eine kriegstaugliche Panzerung und wurde damit Teil des Panzerzuges HOV Split I. Allein die Panzerung der Lokomotive besaß eine Masse von rund 30 t. Abgesehen von einer Probefahrt zu Beginn des Jahres 1992 war der Zug aufgrund seiner überhöhten Achslasten nie im Einsatz. Nach Kriegsende blieb die Lokomotive bei den HŽ als 2062 045 zusammen mit den beiden gepanzerten Wagen erhalten, ging später in den Bestand des Kroatischen Eisenbahnmuseums über und steht seit 2015 als Denkmal auf einem Nebengleis des Bahnhofs Split Predgrađe. Die 664-013 bekam 1991 in Knin ebenfalls eine Panzerung und wurde so Teil des unter anderem in den Regionen Dalmatien und Lika sowie bei der Belagerung von Bihać durch die SVK eingesetzten Panzerzuges Kraiina ekspres. Mit der späteren Übernahme durch die HŽ erhielt sie die Nummer 2062 055 und kehrte nach der Entfernung der Panzerung wieder in den zivilen Eisenbahnbetrieb zurück. Bei den HŽ wurde die Baureihe 2062 vorwiegend auf den nicht elektrifizierten kroatischen Hauptbahnen Ogulin–Knin–Split, Knin–Zadar und Perković–Šibenik eingesetzt.
Die zweite, ursprünglich dem ŽTP Beograd zugewiesene und als 664-059 bis 064 eingeordnete Serie von sechs Lokomotiven übernahmen im Jahr 2004 die Železnice Srbije (ŽS) in Serbien, wobei die JŽ-Betriebsnummern beibehalten wurden. Zudem bekamen die ŽS, wie bereits im vorherigen Abschnitt erwähnt, zusätzlich drei Lokomotiven der ersten Serie aus Kroatien. Die 664-062 aus der zweiten Serie verblieb hingegen im Kosovo.
Im Jahr 2001 kamen 20 Maschinen der HŽ-Baureihe 2062 zu TŽV Gredelj, wo in Zusammenarbeit mit dem britischen Unternehmen Turner Rail Services und EMD, dem US-amerikanischen Hersteller der Lokomotiven, umfangreiche Modernisierungsarbeiten durchgeführt wurden. Die zwischen Juni 2002 und Mai 2003 abgeschlossene Modernisierung umfasste im Wesentlichen den Einbau elektrisch angetriebener Kühlerlüfter, eines externen Anschlusses zum Laden der Starterbatterien, einer elektronisch gesteuerten Schleuderschutzeinrichtung und weiterer elektronischer Steuerungstechnik sowie eines geringfügig nach vorn verlängerten Führerstandes mit einer Heizung, einer Klimaanlage, neuen Führertischen und neuen Sitzen. Dieselmotor, Hauptgenerator, Heizgenerator und Fahrmotoren blieben dabei weitgehend unverändert. Am hinteren Ende des Fahrzeugs wurde zudem der über die Puffer hinausragende und durch Geländer geschützte Übergang entfernt. Mit der Modernisierung erhielten die Lokomotiven zur Abgrenzung von den weitgehend ursprünglichen 2062.0 die Baureihenbezeichnung 2062.1 und wurden als 2062 101 bis 120 in Split beheimatet. Aufgrund der Beteiligung von Turner Rail Services erhielten die modernisierten Fahrzeuge den Spitznamen Turnerica.
Nach der Inbetriebnahme der modernisierten 2062.1 wurden bei den HŽ zwischen 2004 und 2011 insgesamt 14 Maschinen der Baureihe 2062.0 ausgemustert, an das US-amerikanische Unternehmen National Railway Equipment (NRE) verkauft und von diesem teilweise nach Instandsetzungs- und Umbauarbeiten bei TŽV Gredelj an Unidad de Gestión Operativa Ferroviaria de Emergencia (UGOFE) und Ferrosur Roca nach Argentinien sowie an Vale Moçambique nach Mosambik weiterverkauft. Die Fahrzeuge 2062 004, 050 und 053 von NRE wurden 2019 bei TŽV Gredelj modernisiert und anschließend als 2062 201 bis 203 an Rail Cargo Carrier Croatia (RCC), eine Tochtergesellschaft der Österreichischen Bundesbahnen (ÖBB), vermietet. Zwei weitere 2023 modernisierte und seitdem von NRE an RCC vermietete Lokomotiven des Typs G26CW mit den Nummern 2062 301 und 302 stammen ursprünglich aus dem Bestand der Israel Railways (RI), für die sie in den Jahren 1971 und 1974 als 601 und 603 gebaut wurden. Obwohl die vormals israelischen Maschinen technisch weitgehend mit der JŽ-Baureihe 664.0 übereinstimmen, besitzen nur sie eine Widerstandsbremse.
Bis 2012 wurden 40 Lokomotiven der Baureihen 2062.0 und 2062.1 bei HŽ Vuča vlakova im Personen- und Güterverkehr eingesetzt. Mit der Auflösung des Unternehmens kamen die Fahrzeuge zu HŽ Cargo, wo sie ausschließlich Güterzüge befördern. Viele der bis dahin in Split beheimateten Maschinen der Baureihe 2062.0 wurden nun den Bahnbetriebswerken Zagreb, Varaždin und Vinkovci zugeteilt, wo sie die Lokomotiven der Baureihe 2044 im Güterverkehr ablösten, und verkehren deshalb seitdem in ganz Kroatien. Die 20 Lokomotiven der Baureihe 2062.1 sind dagegen weiterhin vollständig dem Standort Split zugeteilt, weshalb sich ihr Einsatzgebiet hauptsächlich auf die Strecken Ogulin–Knin–Split und Perković–Šibenik konzentriert. Heute sind bei HŽ Cargo weniger als 20 Fahrzeuge der gesamten Baureihe 2062 betriebsfähig.
JŽ-Baureihe 664.1 Da sich die 64 Lokomotiven des als Baureihe 664 bezeichneten Modells G26CW bewährten, ließen die JŽ 1984 und 1985 weitere 20 Lokomotiven des technisch abweichenden Typs G26HW-2 in Lizenz bei Đuro Đaković im jugoslawischen Slavonski Brod bauen. Die Lokomotiven wurden als Unterbaureihe 664.1 eingereiht und mit den Nummern 664-101 bis 120 vom ŽTP Ljubljana übernommen. Die ersten beiden Lokomotiven kamen im November 1984 in Ljubljana an. Sechs Lokomotiven wurden in Divača und zwölf in Maribor stationiert. Da in der Zeit ihrer Auslieferung Ronald Reagan Präsident der Vereinigten Staaten war, bekamen die 664.1 den Spitznamen Regan. Im Gegensatz zur Vorgängerbauart 664.0 waren die 664.1 werksseitig mit einer elektrischen Zugheizeinrichtung ausgerüstet und konnten daher von Beginn an im Reisezugdienst eingesetzt werden. Dennoch waren die Lokomotiven hauptsächlich im Güterverkehr auf den Strecken Pragersko–Čakovec–Kotoriba, Jesenicami–Nova Gorica, Divača–Pula und Divača–Koper im Einsatz. Mit dem Zerfall Jugoslawiens befanden sich die 20 Lokomotiven der Baureihe 664.1 auf dem Gebiet Sloweniens und wurden daher von den Slovenske železnice (SŽ) übernommen. Die Nummerierung der JŽ wurde bei der Übernahme beibehalten. 13 Maschinen wurden in Maribor stationiert, die übrigen 7 in Nova Gorica. Aufgrund von Bauarbeiten waren die Lokomotiven in den Jahren 2014 und 2015 auf dem Abschnitt Borovnica-Pivka der Strecke Ljubljana-Sežana im Einsatz. Mit dem Abschluss der Elektrifizierung der Strecke Pragersko–Hodoš entfiel 2016 eine bedeutende Einsatzstrecke für die slowenischen Diesellokomotiven. Im selben Jahr wurde die 664-117 als erste Lokomotive der Baureihe 664.1 ausgemustert. Sechs Lokomotiven sind seit 2021 an Srbija Kargo nach Serbien vermietet und auch in Kroatien werden gelegentlich Lokomotiven der Baureihe 664.1 im Güterzugdienst eingesetzt. Die Ausmusterung der verbleibenden Fahrzeuge ist aufgrund ihres Alters und des mangelnden Bedarfs bei den SŽ abzusehen.
Farbgebung Zur Auslieferung hatten die Lokomotiven dunkelgrün lackierte Aufbauten mit drei waagerechten goldenen Zierbändern, die an den Stirnseiten bogenförmig in einer nach unten zeigenden Spitze zusammenliefen. Auf beiden Längsseiten wurden die Zierbänder vom Schriftzug „JUGOSLAVENSKE ŽELJEZNICE“ unterbrochen. Rahmen und Drehgestelle waren schwarz lackiert, die Stirnplatten dunkelgrün und die Räumschilde schwarz-gelb gestreift.