Ein Tschurak (serbokroatisch curaak, magyarisch csurak) ist eine historische warme Frauenjacke der Donauschwaben aus dunklem schwarzem Stoff, aus Samt oder Seide, mit Pelz gefüttert und um die Ränder mit Samt oder Pelz verbrämt. Geschlossen wird sie mit einem Haftverschluss, dem „Haftel“.

Beschreibung, Geschichte Das Substantiv Tschurak wurde wohl aus dem ungarischen Wort „csurak“ entlehnt, einer Art Pelzmantel, besonders für Frauen, was wiederum aus dem Serbokroatischen stammt, „čurak“, eine Pelzjacke. Die Machart des Jäckchens scheint türkischen Ursprungs.Zoran Janjetoviḉ: Gegenseitige Kultureinflüsse zwischen Serben und Donauschwaben in der Vojvodina. Gesellschaft für serbische Zusammenarbeit, 1991. Abgerufen am 10. Dezember 2023. Zeigen zwei von Hans Gehl veröffentlichte Fotos ein eng anliegendes, hinten im Schoß glockiges, knapp hüftlanges Jäckchen, so heißt es in einer sprachanalytischen Arbeit ein „großes weites, warmes Oberhemd im Winter“.Elisabeth Knipf-Komlósi: Dynamik durch Sprachkontakt am Beispiel der deutschen Minderheitensprache in Ungarn. 2013, S. 11 (PDF). Abgerufen am 22. November 2023. Wahrscheinlich durch die Übernahme des Lehnworts aus anderen Landesteilen bezeichnete es örtlich wohl auch, ähnlich den Ursprungssprachen, allgemein einen Frauenpelzmantel,Donauschwäbischer Dialekt, zitiert nach Sammlung Ria Schneider. In: Parabuter Kalender 2019, HOG Parabutsch, Heimatortsgemeinschaft Parabutsch e. V., Bad Schönborn. zu der Zeit in der Regel ein pelzgefütterter Mantel, meist mit Pelzkragen und vielleicht Pelzmanschetten.

Im rumänischen Sanktanna ist der Tschurak in der Tracht des Vereins der „Marienmädchen“ weiß. Im ungarischen Tschatali (Csátalja) waren es ausnahmsweise die Männer, die den Tschurak trugen, eine schwarze, bis zu den Schenkeln reichende Winterjacke mit einem Pelzkragen und eventuell einer Pelzeinfassung.Katharina Weitmann: Tracht aus Tschestereg. Landsmannschaft der Donauschwaben in Oberösterreich, Wels. Abgerufen am 26. November 2023.

Im serbischen Kernei (Kljajićevo) im Bezirk West-Batschka (Zapadna Bačka) war der Tschurak zuletzt ein Wintermantel, der bis vor dem Zweiten Weltkrieg nur noch von älteren Frauen getragen wurde, wenn sie in die Kirche gingen oder zu besonderen Anlässen. Die Tschuraks wurden vom Kürschner Jakob Reiß nur auf Bestellung in Maßanfertigung hergestellt. Der wasserabstoßende einfarbige Oberstoff war aus Seide. Man konnte ihn in den Farben dunkelkirschrot, sehr dunkelblau, dunkelgrün oder in schwarz bestellen. Gemustert gab es ihn nicht. Innen war er mit weißem Lammfell gefüttert, der Kragen, etwa 10 cm breit, war aus Fuchspelz, passend zum Oberstoff gefärbt. Ähnlich war auch vorne und unten der Saum, auch die Ärmel, mit einem schmalen Fuchspelzstreifen abgesetzt. Als Verschluss war oben am Hals ein Metallkettchen mit Haken. Nach unten hin, bis zur Mitte, waren noch weitere zwei bis drei Haken verdeckt angebracht, die auch „Haften“ genannt wurden. Die Ärmel waren in Kernei nur eine Art Attrappen. Sie waren eng und unten zugenäht, damit sie glatt herunterhingen, und wohl nur als Zierde gedacht. So wurde der Tschurak nur als Umhang getragen und er war 10 bis 15 cm kürzer als die Röcke und untenherum etwas weiter, damit er vorne gut schließt und sich um die Hüften nicht abzeichnet.Johann Schmidt: Kerneier Trachten der letzten 100 Jahre (PDF; 1,1 MB). Abgerufen am 27. November 2023. mini|Dem Tschurak entsprechendes Jäckchen mit hellblauem Stoff (Szekler Bäuerin, 18. Jh.) Im ungarischen Dorf Mözs (heute Stadtteil von Tolna) mit aus diversen Nationen stammenden Einwohnern wurde im Laufe der Zeit die dortige Kleidung, die ursprünglich deutschen Ursprungs war, durch lokale ungarische und slowakische Motive ergänzt und in eine neue, einheitliche Qualität umgewandelt. Noch in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts trugen schwäbische, ungarische und slowakische Mözsön diese besondere Tracht. Eines der charakteristischsten Kleidungsstücke war ein Tschurak. Angeblich soll eine Familie aus Bihar ihn nach der Umsiedlung in ihrem neuen Zuhause gefunden haben. Im Jahr 1993 erhielt das Kleidungsstück ein Traditionsmarkenzeichen. Die Tanzgruppe des örtlichen Deutschen Volkskindergartens und der Chor des Deutschen Vereins in Mözs treten noch heute stets in Mözs-Kostümen auf. Es werden auch neue Kleidungsstücke aus neuen Materialien nach den Originalmustern hergestellt. Eine der letzten Meister des Mözs-Kostüms war 2023 Gyuláné Rühl.Több nemzetiség, egy viselet. 2020–2023, Stadtverwaltung Tolna. Abgerufen am 26. November 2023 (ungarisch).

Zitate

Siehe auch Pardessus (Mode), ein dem Paletot ähnelnder, taillierter Mantel, der zur Zeit der Krinolinenmode im 19. Jahrhundert getragen wurde. Pelisse, im 19. Jahrhundert unterschiedliche Formen langer, bis zu den Knöcheln reichender Damenmantel mit hoher Empire-Taille und meist reichem (Posament-)Besatz, wodurch er Anklänge an die ungarische Nationaltracht aufweist.

Weblinks Abbildung eines Frauen-Tschuraks. Hans Gehl: Heide und Hecke. Beiträge zur Volkskunde der Banater Schwaben, Facla Verlag, Timișoara, 1973, S. 215, 238.

Einzelnachweise Hans Gehl: Wörterbuch der donauschwäbischen Bekleidungsgewerbe. Verlag Jan Thorbecke, Sigmaringen, 1997, S. 151, 373, 943. Abgerufen am 24. November 2023.

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