Harriet Casdin-Silver (geboren 10. Februar 1925 in Worcester, Massachusetts, gestorben 10. März 2008 in Brookline, Massachusetts) war eine US-amerikanische Künstlerin. Sie gilt als Pionierin der Holografie im Bereich der Bildenden Kunst.

Leben und Werk Anfang der 1960er Jahre fertigte Casdin-Silver Skulpturen aus Stahl, die durch Licht, Klang sowie die Interaktion mit den Besuchern aktiviert wurden. Auf der Suche nach anspruchsvolleren Möglichkeiten, ihre Skulpturen zu beleuchten, wandte sich die Künstlerin an die American Optical Research Laboratories in Framingham, um sich einen Laser zu leihen. Daraufhin lud sie der Leiter der Abteilung für Optische Physik, Raoul van Ligten, als Gastkünstlerin an das Institut ein. Von 1969 bis 1971 erforschte Casdin-Silver dort die Anwendbarkeit von Laser und Holografie im Bereich der Bildenden Kunst.Harriet Casdin-Silver, Allgemeines Künstler-Lexikon. Die Bildenden Künstler aller Zeiten und Völker, Band 17, K.G. Saur, München 1997, S. 83. Ihr Anliegen war es, im Medium der Holografie eine feministische Bildsprache zu entwickeln. So inszenierte sie wiederholt alltägliche Objekte wie einen Fleischwolf (Milk and Meat) oder Essbesteck (Equivocal Forks I und II, 1977), die mit dem vermeintlich weiblich konnotierten Tätigkeitsbereich des Haushalts in Verbindung standen – eine Strategie, die in ihrer kritischen Auseinandersetzung mit häuslicher Arbeit an Martha Roslers Semiotics of the Kitchen (1975) sowie Carolee Schneemanns Americana I-Ching Apple Pie (1977) erinnert.

Anfang der 1970er Jahre begann Casdin-Silver eine Kooperation mit dem Physiker Stephen A. Benton, dem Erfinder der Regenbogen-Transmissionsholografie. Nachdem van Ligten die American Optical Research Laboratories verlassen hatte, suchte die Künstlerin erneut nach einem Ort, um ihre holografischen Studien fortzuführen. Eine neue Möglichkeit bot sich ihr an der Brown University in Providence, Rhode Island, wo ihr von 1974 bis 1978 am Lehrstuhl für Physik ein Holografie-Labor zur Verfügung stand.

1975 beteiligte sie sich an der Konferenz ARTTRANSITION, die vom Center for Advanced Visual Studies (CAVS) am Massachusetts Institute of Technology veranstaltet wurde. In der Folge wurde Casdin-Silver vom deutschen Künstler Otto Piene als Fellow an das CAVS eingeladen. Gemeinsam mit weiteren Künstlern des CAVS nahm sie 1977 an der Documenta 6 in Kassel teil. Für die kollaborative Skulptur Centerbeam entwickelte Casdin-Silver in Zusammenarbeit mit Benton Sonnenlicht-Hologramme; als Motiv diente erneut ihre Serie Equivocal Forks.

Nach dem Centerbeam-Projekt wandte sich Casdin-Silver verstärkt Fragen weiblicher Identität zu. Es entstanden Hologramme, die Frauen porträtierten, darunter A Woman, Compton I und II sowie Beth Dara. Ihr Hologramm Venus of Willendorf erschien 1991 auf dem Titel der Zeitschrift Sculpture. Immer wieder thematisierte sie auch ihren eigenen Körper und den Prozess des Alterns, indem sie sich selbst im Medium der Holografie darstellte.

Sammlungen Werke von Harriet Casdin-Silver sind unter anderem Bestandteil der Sammlungen des Zentrum für Kunst und Medien, Karlsruhe; des Royal College of Art, London; des Chicago Museum of Science; des Museum of Fine Arts, Boston, sowie dem MIT Museum, Cambridge, Massachusetts.

Ausgewählte Ausstellungen

Einzelausstellungen

1969: Light-Sound Environments, Clark University, Worcester, Massachusetts 1972: Art and Holography, mit Dr. Steven Benton, Worcester State College, Worcester, Massachusetts 1990: Harriet Casdin-Silver: New Works, Museum of Holography, New York 1998: Harriet Casdin-Silver: The Art of Holography, DeCordova Museum and Sculpture Garden, Lincoln, Massachusetts 2005: The Body Holographic: Harriet Casdin-Silver, Bates College Museum of Art, Lewiston 2007/08: Collection Highlight: Harriet Casdin-Silver, DeCordova Museum and Sculpture Park, Lincoln, Massachusetts 2012: Equivocal Forks, Gallery NAGA, Boston Massachusetts

Gruppenausstellungen 1968/69: Some More Beginnings: Experiments in Art and Technology, Brooklyn Museum, New York 1977: Centerbeam, Documenta 6, Kassel 1979: 5 Artists/5 Technologies, Grand Rapids Museum, Grand Rapids, Michigan 1985: Thresholds II, 18. Biennale von São Paulo 1994: Boston (In Dialogue) Now, Institute of Contemporary Art (ICA), Boston, Massachusetts 1996: Holographic Network, Akademie der Künste (Berlin)

Literatur

Harriet Casdin-Silver Holography, Museum of Holography, New York NY, 1977. 5 Artists/5 Technologies Environmental Light Works by Peter Campus, Harriet Casdin-Silver, Paul Earls, Otto Piene, Alejandro Sina, Grand Rapids Art Museum, Grand Rapids Michigan, 1979. Holography (Re)Defined and "Thresholds", Harriet Casdin-Silver in collaboration with Dov Eylath Museum of Holography, New York NY, 1984. Harriet Casdin-Silver, New Work: 1992-1995 London/Point Reyes Series, University of Ghent Series, Gallery NAGA, Boston MA, 1995. Harriet Casdin Silver, The Art of Holography, September 26 - January 3, DeCordova Museum and Sculpture Park, Lincoln MA, 1998. A Celebration of Aging: A Special Installation Combining Holographic Portraits with Audio Narratives by Harriet Casdin-Silver and Kevin Brown, October 16 - December 12, 2001, University of Rhode Island, Kingston RI, 2001.

Weblinks

Profil von Harriet Casdin-Silver auf der Seite der Galerie NAGA Profil auf der Seite des ZKM Karlsruhe artnet Profil

Einzelnachweise

Kategorie:Medienkünstler (Vereinigte Staaten) Kategorie:US-Amerikaner Kategorie:Geboren 1925 Kategorie:Gestorben 2008 Kategorie:Frau