mini|Blick durch die Stephansbrücke nach Süden, links das Haus Stephansbrücke 15, rechts die Einmündung der Kleinen Marktstraße mini|Straßenschild, 2023 mini|Blick am nördlichen Ende der Stephansbrücke nach Westen in die Peterstraße, links das Eckhaus Zu den zwei Tauben (Stephansbrücke 24) Die Stephansbrücke ist ein Weg in Magdeburg im heutigen Sachsen-Anhalt. Nach Zerstörungen im Zweiten Weltkrieg besteht die ehemalige Straße heute als Parkweg fort.
Lage und Verlauf Der Weg befindet sich in der Magdeburger Altstadt. Er verläuft über etwa 350 Meter vom Johanniskirchhof aus nach Norden. Nach Osten fällt das Gelände deutlich in Richtung Elbe ab. Von Osten münden die heute offiziell unbenannten Wege Krummer Berg und Magdalenenberg, von Westen die ebenfalls nicht mehr benannte Große Marktstraße ein. Im nördlichen Teil passiert die Stephansbrücke den Rosengarten. Nördlich hiervon mündet der Petersberg ein, sodann trifft die Stephansbrücke auf die Neustädter Straße.
Heute bestehen an der Stephansbrücke keine Häuser mehr, so dass auch keine Hausnummerierung vorhanden ist. Die historische Hausnummerierung verlief von der Nummer 1 an der südöstlichen Ecke am Johanniskirchhof aufwärts entlang der Ostseite. Nach der Nummer 5 ging nach Nordosten der Krumme Berg ab. Die Nummerierung verlief dann von der Nummer 6 bis zur Nummer 19 weiter auf der Ostseite. Dann mündete der Magdalenenberg ein. Es folgten die Nummern 20 bis 23. An der nordwestlichen Ecke lag die Nummer 24. Dort traf die Stephansbrücke auf den damals noch weiter nach Westen führenden Petersberg, an den sich westlich die Peterstraße anschloss. Die weitere Nummerierung verlief auf der Westseite nach Süden. Nach der Nummer 28 mündete die Große Marktstraße und nach der Nummer 33 die Kleine Marktstraße. Nach Süden hin traf von Westen etwas nach der Nummer 38 die Spiegelbrücke auf die Stephansbrücke. Die Nummer 40 bildete dann die südwestliche Ecke zum Johanniskirchhof.
Geschichte mini|links|Bei Ausgrabungen gefundener mittelalterlicher Brunnen Die Stephansbrücke war in der Vergangenheit eine der Hauptstraßen des sogenannten Knattergebirges. Eine erste urkundliche Erwähnung des Namens stammt aus dem Jahr 1523. Er dürfte jedoch deutlich älter sein. Ursprung des Namens war die Stephanskapelle, die sich am südlichen Ende der Straße am Johanniskirchhof neben der Hausnummer 1 befand. Der Namensbestandteil Brücke war in Magdeburg üblich für die ersten im Mittelalter gepflasterten Straßen. Sie hatten in der Mitte der Straße einen mit Steinplatten belegten Bürgersteig. Entgegen anderweitiger Vermutungen ist davon auszugehen, dass die recht lange Straße auf ihrer gesamten Länge den Namen trug. Im südlichsten Teilstück, zwischen Johanniskirchhof und Spiegelbrücke war die Straße jedoch so eng, dass sie als Schling bezeichnet wurde. 1709 ist dort die Ortsbezeichnung Am Schlingenberg der Spiegelbrücke und 1711 Am Schling bei der Spiegelbrücke belegt. Diese enge Stelle wurde später verbreitert.
Es gab, wohl unrichtige, Vermutungen, dass die Stephansbrücke, der ursprüngliche sehr frühe Marktort Magdeburgs gewesen sei.Ernst Neubauer, Häuserbuch der Stadt Magdeburg 1631–1720, Teil 1, Herausgeber: Historische Kommission für die Provinz Sachsen und für Anhalt, Magdeburg 1931, Seite 436 ff. Geprägt war die Straße von Kleidermachern, die hier einen Schwerpunkt der Ansiedlung hatten.Günter Hammerschmidt, Häuser mit Hauszeichen in der ehemaligen Altstadt von Magdeburg, Magdeburg 2004, Seite 66 So befand sich hier auch das Innungshaus der Schneider (Hausnummer 34). Ende der 1940er Jahre fanden im Bereich der Stephansbrücke archäologische Grabungen statt.
Während des Zweiten Weltkriegs wurde der Bereich stark zerstört. 1952 fanden zunächst an der Ecke zum Johanniskirchhof archäologische Grabungen statt. Später wurde auf der Straße selbst gegraben. Um einer Vermutung des Heimatforschers Werner Priegnitz nachzugehen, der zwischen den Grundstücken 11/12 und 37/38 den Verlauf einer alten Stadtmauer vermutete, wurde auch dort eine Grabung angesetzt, die jedoch keine Hinweise auf eine Mauer oder ein Tor ergab.Ernst Nickel, Der „Alte Markt“ in Magdeburg, Ergebnisse der archäologischen Stadtkernforschung in Magdeburg, Teil 2, Akademie-Verlag Berlin 1964, Seite 69 In der Tiefe von 1,40 Meter und 1,70 Meter fand man Pflasterungen. Das tiefere Pflaster wurde auf das 13. Jahrhundert datiert. Außerdem wurde ein kurzes ebenfalls etwa aus dem 13. Jahrhundert stammendes bronzenes Rohrstück gefunden. Es ist mit einem Gesicht verziert.Ernst Nickel, Der „Alte Markt“ in Magdeburg, Ergebnisse der archäologischen Stadtkernforschung in Magdeburg, Teil 2, Akademie-Verlag Berlin 1964, Seite 71 In einer Tiefe von zwei Metern fand sich schließlich eine Pflasterung des 12. Jahrhunderts, darunter Keramik des 11. JahrhundertsErnst Nickel, Der „Alte Markt“ in Magdeburg, Ergebnisse der archäologischen Stadtkernforschung in Magdeburg, Teil 2, Akademie-Verlag Berlin 1964, Seite 73 sowie Scherben der jüngeren Bronze- und frühen Eisenzeit. Funde aus der dazwischen liegenden Zeit der Völkerwanderung um das Jahr 500 fehlten jedoch.Ernst Nickel, Der „Alte Markt“ in Magdeburg, Ergebnisse der archäologischen Stadtkernforschung in Magdeburg, Teil 2, Akademie-Verlag Berlin 1964, Seite 75
In der Zeit der DDR wurde die Straße nicht wieder aufgebaut. Zum Teil wurde sie von einem Wohnblock in Plattenbauweise überbaut. In Teilen wurde sie unbebaut Teil des Grünzuges, der sich entlang des Schleinufers zieht. Allerdings wurde an der Stelle der Straße ein Parkweg angelegt, der in gleicher Richtung verläuft. Im mittleren und nördlichen Teil der Straße verlief die historische Stephansbrücke allerdings etwas weiter westlich bzw. in nordwestlicher Richtung. Der moderne Verlauf führt etwas weiter nach Norden und somit in diesem Bereich ein wenig östlich des historischen Verlaufs.
Der Name Stephansbrücke wurde jedoch ersatzlos aufgegeben, obwohl der Straßenverlauf weiter als öffentlicher Weg in Nutzung blieb. Im Jahr 2004 gab es eine Initiative der Ratsfraktion Bündnis 90/Die Grünen zur Wiederbenennung mehrerer historischer Wegebeziehungen, darunter auch der Stephansbrücke.A0053/04 Wiedereinführung historischer Strassenbezeichnungen vom 23. März 2004 Der Stadtrat beschloss daraufhin am 12. Mai 2005 die Wiederbenennung der Stephansbrücke.DS0040/05 Straßenname vom 28. Januar 2005
Sage Das Haus Zur goldenen Sonne (Stephansbrücke 25) wird in der Sage Der diebische Rabe erwähnt, in dem ein Rabe im benachbarten Knochenhauerufer einen Goldschmuck stiehlt.Fr. Hülße, Sagen der Stadt Magdeburg, Verlag Albert Rathke Magdeburg, 1887, Seite 105 ff.
Historische Häuser der Stephansbrücke