HMS Parthian (Kennung: N75) war ein in den frühen 1930er Jahren in Dienst genommenes, dieselelektrisches U-Boot der britischen Marine, das im Zweiten Weltkrieg zum Einsatz gelangte und 1943 aus ungeklärten Gründen in Verlust geriet. Das nach dem Volk der Parther benannte Boot – das fünfte Kriegsschiff in der Geschichte der britischen Marine, welches diesen Namen trug – gehörte der aus insgesamt sechs Einheiten bestehenden Parthian-Klasse an und war zugleich das Typschiff dieser Klasse. Nach der Auftragsvergabe und der Bestellung am 2. Januar 1928 fand am 30. Juni 1928 die Kiellegung auf der marineeigenen Werft in Chatham (Her Majesty’s Dockyard Chatham) statt. Der Stapellauf der Parthian erfolgte am 22. Juni 1929, die Indienststellung am 13. Januar 1931. Erster Kommandant des U-Bootes war Lieutenant Commander Frank H. E. Skyrme.
Technische Aspekte und Modifikationen
Das U-Boot war maximal 88,14 Meter lang und 9,12 Meter breit. In aufgetauchtem Zustand lag der Tiefgang bei 4,85 Meter. Die Parthian verfügte über einen Treibstoffvorrat von 159 Tonnen ÖlAkermann: Encyclopedia of British Submarines, S. 198.. Hiermit erreichte das U-Boot in Überwasserlage eine Seeausdauer von 8.400 Seemeilen (bei 10 Knoten Marschfahrt). Die mögliche Höchstgeschwindigkeit in aufgetauchtem Zustand, hierbei kamen zwei 12-Zylinder-Dieselmaschinen vom Admiralty-Typ mit jeweils 2.320 PS zum Einsatz, lag bei 17,5 Knoten (etwa 32,5 km/h). In getauchtem Zustand wurde der Antrieb von zwei jeweils 610 PS starken Elektromaschinen übernommen, die dem U-Boot eine Höchstfahrt von 8,6 Knoten ermöglichten. Nur mit den Elektromotoren lag die rechnerische Reichweite bei 62 Seemeilen. Die Testtauchtiefe betrug rund 90 Meter, die Maximaltauchtiefe lag bei rund 150 Metern (500 Fuß).
Die Bewaffnung bestand aus acht 53,3-cm-Torpedorohren, hiervon waren sechs Rohre im Bug und zwei im Heck installiert. An Bord befanden sich 14 Reservetorpedos; optional zu diesen konnten auch bis zu 18 Seeminen mitgeführt werdenBagnasco: Uboote im Zweiten Weltkrieg, S. 116.. Darüber hinaus verfügte die Parthian über ein 10,2-cm-Deckgeschütz Mark XII (erst ab Winter 1933/34, zuvor hatte sich ein 10,2-cm-Geschütz Mark X an Bord befundenAkermann: Encyclopedia of British Submarines, S. 198.), welches vor dem Turm aufgestellt war. Ferner befanden sich zwei leichte 7,7-mm-Lewis-Maschinengewehre an Bord.
Im Sommer 1942 wurde die Parthian zu Versorgungsfahrten genutzt und zum Transport von Munition und Flugbenzin zeitweise umgebaut. Um Platz für Tanks zu schaffen, wurden die Batteriezellen von einem der Elektromotoren ausgebaut und es wurden keine Reservetorpedos mehr mitgeführtAkermann: Encyclopedia of British Submarines, S. 198.. Zum Zeitpunkt der Indienstnahme bestand die Besatzung aus 53 Personen (sechs Offiziere und 47 Unteroffiziers- und Mannschaftsdienstgrade), im späteren Verlauf des Zweiten Weltkrieges wuchs die Besatzung auf etwas über 60 Personen an.
Dienstzeit Nach der Indienststellung und dem Abschluss der Erprobung wurde die Parthian zur sogenannten China Station der britischen Marine detachiert und verlegte im Sommer 1931 via Gibraltar und den Suezkanal nach Singapur. Dort wurde das U-Boot in die 3. U-Boot-Flottille (3rd Submarine Flotilla) eingegliedert. Im April 1933 kam mit Lieutenant Commander Roderick L. M. Edwards ein neuer befehlshabender Offizier an Bord. Ein weiterer Kommandantenwechsel fand im April 1936 statt, als Lieutenant Commander John W. Studholme den Befehl über die Parthian übernahm. Mitte 1937 erfolgte die Detachierung des U-Bootes zur ebenfalls in Singapur stationierten 4. U-Boot-Flottille (4th Submarine Flotilla). Während dieser Zeit sah das Boot nur eine ereignislose Manöver- und Patrouillentätigkeit, zumeist im Seegebiet zwischen Sabang, Surabaya und Hongkong.
Nach dem Ausbruch des Zweiten Weltkrieges im September 1939 verblieb die Parthian zunächst im Fernen Osten und patrouillierte vor allem im Seegebiet um den Malaiischen Archipel sowie in den Gewässern Niederländisch-Indiens. Hierbei unternahm das U-Boot bis Ende 1939 zwei Feindfahrten, auf denen es allerdings zu keinen nennenswerten Ereignissen kam. Nach einer Überholung in Hongkong im Winter 1939/40 erfolgte im April 1940 die Verlegung der Parthian in das Mittelmeer, wobei der Verlegungsmarsch über Colombo und Aden nach Port Said erfolgte. Kommandant des U-Bootes zu diesem Zeitpunkt war Lieutenant Commander Michael G. Rimington. Ab Mai 1940 operierte die Parthian, als Teil der 1. U-Boot-Flottille (1st Submarine Flotilla), von Alexandria aus. Die erste Patrouillenfahrt im Mittelmeer (die dritte Feindfahrt insgesamt) führt das U-Boot zwischen dem 21. Mai und dem 3. Juni 1940 in das Seegebiet um Kreta. Sie endete ereignislos. Am 10. Juni 1940, während das Boot wieder in Alexandria lag, erklärte Italien dem Vereinigten Königreich den Krieg.
Vierte Feindfahrt Am 14. Juni 1940 lief die Parthian zu ihrer vierten Feindfahrt aus, diese – der erste direkte Kampfeinsatz – führte das U-Boot vor die Küste Italienisch-Libyens. Ziel waren Operationen gegen den italienischen Schiffsverkehr zwischen Marsa Matruh und al-Baida. Hierbei gelang der Parthian ein Erfolg:
20. Juni 1940: Torpedierung und Versenkung des italienischen U-Bootes Diamante (Tenente di Vascello Angelo Parla) etwa 35 Seemeilen nordnordwestlich von Tobruk (). Das gegnerische U-Boot wurde in den Nachmittagsstunden, etwa gegen 14:45 Uhr, von vier Torpedos getroffenBendert, Harald: U-Boote im Duell. E. S. Mittler & Sohn, Hamburg 1996, S. 86. und explodierte. Mit der Diamante gingen alle 43 Besatzungsangehörigen unter, es gab keine Überlebenden.
Anfang Juli 1940 kehrte die Parthian nach Alexandria zurück, wo am 8. Juli 1940 mit Lieutenant Commander Richard D. Cayley kurzfristig ein neuer befehlshabender Offizier an Bord kam, da Lieutenant Commander Rimington krankheitsbedingt ausfiel.
Fünfte Feindfahrt Unter Lieutenant Commander Cayleys Kommando erfolgte zwischen dem 16. Juli und dem 7. August 1940 eine weitere Feindfahrt. Diese führte das Boot in das Seegebiet um Kreta, wo ein griechischer Verbindungsagent abgesetzt wurde, und in die Gewässer östlich von Sizilien. Versenkungserfolge wurden keine erzielt, ein Torpedoangriff auf ein italienisches Geleit am 20. Juli 1940 vor Syrakus blieb erfolglos. Am 7. August lief das Boot wieder in Alexandria ein. Am 18. August 1940 erfolgte erneut ein Kommandantenwechsel auf der Parthian, wobei Lieutenant Commander Richard M. T. Peacock den bisherigen Kommandanten Cayley ablöste.
Sechste Feindfahrt Die sechste Feindfahrt dauerte vom 19. August bis zum 13. September 1940. Die Parthian operierte dabei hauptsächlich im Gebiet südlich von Kreta sowie in den südlichen Ausläufern des Ionischen Meeres. Erfolge wurde dabei keine erzielt, allerdings verfehlte das U-Boot am 31. August 1940 nur knapp einen italienischen Kreuzerverband. Am 13. September kehrte das U-Boot nach Alexandria zurück, wurde dabei allerdings beim Einlaufen durch eine Kollision mit dem britischen U-Boot Rainbow leicht beschädigt. Am 16. September 1940, noch während die Parthian im Dock lag, kehrte der genesene Lieutenant Commander Rimington als befehlshabender Offizier zurück und löste Lieutenant Commander Peacock ab.
Siebte Feindfahrt Die siebte Feindfahrt dauerte vom 9. bis zum 31. Oktober 1940. Das U-Boot patrouillierte dabei das Seegebiet zwischen Kreta und Kalabrien. Versenkungserfolge wurden keine erzielt. Allerdings traf das U-Boot in der Nacht des 21. Oktober 1940 vor Capo Colonna auf den großen italienischen U-Boot-Minenleger Zoea. Da beide U-Boote in der Dunkelheit quasi unvermittelt aufeinander stießen, versuchte die Parthian einen Rammangriff auszuführen, welcher allerdings nicht gelang, da auch die sehr wachsamen italienischen Turmausgucke das britische U-Boot bemerkt hatten und die Zoea mit hoher Fahrtstufe ausweichen konnte.
Achte Feindfahrt Die achte Feindfahrt dauerte vom 15. November bis zum 3. Dezember 1940. Das U-Boot patrouillierte in dieser Zeit vor der libyschen Küste zwischen Bengasi und Sallum. Es wurden keine Erfolge erzielt. Mitte Dezember 1940 verlegte die Parthian von Alexandria nach Malta, um dort temporär (bis Februar 1941) Teil der neu gebildeten 10. U-Boot-Flottille (10th Submarine Flotilla) zu werden.
Neunte Feindfahrt Am 29. Dezember 1940 brach die Parthian von Malta aus zur neunten Feindfahrt auf, sie dauerte bis zum 21. Januar 1941. Die Unternehmung führte das U-Boot in die Gewässer vor Süditalien und östlich von Sizilien. Dabei gelang dem Boot ein Erfolg:
9. Januar 1941: Torpedierung und Versenkung des italienischen Frachtschiffes Carlo Martinolich (4.208 BRT) etwa zehn Seemeilen östlich von Punta Stilo (). Bei der Versenkung gab es fünf Todesopfer, 34 Besatzungsangehörige wurden von einem italienischen Torpedoboot geborgen.
Am 21. Januar endete diese Patrouillenfahrt in Alexandria.
Zehnte Feindfahrt Die zehnte Feindfahrt (17. bis 27. Februar 1941) bestand aus einer Aufklärungsmission, die die Parthian vor die Küste der Insel Kastelorizo durchführte. Das zumeist auf Sehrohrtiefe operierende U-Boot klärte hierbei die Küstenlinien und etwaige italienische Verteidigungsstellungen auf. Diese Unternehmung geschah im Vorfeld der Operation Abstention, der geplanten Einnahme der Insel durch britische Kräfte. Die Landung auf der Insel fand schließlich Ende Februar 1941 statt, endete jedoch mit einem italienischen Abwehrerfolg.
Elfte Feindfahrt Die elfte Feindfahrt, sie währte vom 6. bis zum 24. März 1941, führte das Boot erneut in die Gewässer östlich und südlich von Kalabrien. Hierbei gelang der Parthian, mittlerweile war das Boot wieder Teil der 1. U-Boot-Flottille (1st Submarine Flotilla), ein Erfolg:
16. März 1941: Torpedierung und Beschädigung des in einem Kleinkonvoi laufenden italienischen Transporters Giovanni Boccaccio (3.141 BRT) vor Capo dell'Armi. Das Schiff, gemeinsam mit zwei weiteren Frachtern und einem Sicherungsfahrzeug auf dem Weg von Catania nach Bari, wurde durch einen Torpedotreffer stark beschädigt, konnte aber später nach Reggio Calabria eingeschleppt werden. An Bord gab es drei Verletzte. Die Parthian wurde im Gegenzug von dem italienischen Hilfskreuzer Lago Tana mit zwölf Wasserbomben angegriffen, entkam aber ohne Schäden.
Die Patrouille endete am 24. März wieder in Alexandria.
Zwölfte Feindfahrt Der Beginn der zwölften Unternehmung des U-Bootes verzögerte sich wegen einer Überholung und Problemen bei der Trimmung der Tiefenruder, die im April und Mai 1941 mehrwöchige Testfahrten vor Port Said nötig machten. Erst am 23. Mai 1941 konnte die Parthian zu einer neuerlichen Patrouille aufbrechen. Diese, sie dauerte bis zum 13. Juni 1941, sah den Einsatz des U-Bootes in der Ägäis und vor dem Ausgang der Dardanellen. Ziel hierbei waren vor allem die aus Rumänien kommenden italienischen Öl-Transporte. Während dieser Feindfahrt gelang erneut ein Erfolg:
3. Juni 1941: Torpedierung und Beschädigung des italienischen Tankers Strombo (5.232 BRT) östlich von LimnosBertke, Donald A. / Kindell, Don u. a.: World War II – Sea War: Germany sends Russia to the Allies. Vol. 4. Bertke Publications. Dayton (OH) 2009, S. 67.. Das Schiff fuhr in einem Konvoi mit zwei weiteren Tankern; die Sicherung bestand aus zwei Torpedobooten. Infolge der wachsamen Sicherungsschiffe konnte kein Fangschuss angebracht werden. Die Strombo konnte später nach Istanbul eingeschleppt werden. Personalverluste entstanden keine.
Darüber hinaus attackierte das U-Boot am 8. Juni 1941 den Hafen von Mytilini und feuerte zwei Torpedos in den Hafen hinein. Einer traf dabei den Bootssteg und zerstörte zwei an diesem liegende kleinere, nicht namentlich bekannte Motorsegler sowie einen kleinen Leichter. Am 13. Juni kehrte die Parthian nach Alexandria zurück.
Dreizehnte Feindfahrt