Der Mercedes-Benz Sprinter ist ein Kleintransporter der Marke Mercedes-Benz der Mercedes-Benz Group. Er trat ab 1995 die Nachfolge des Mercedes-Benz T 1 („Bremer Transporter“) an und wurde 1995 auch zum Van of the Year gewählt. Ab 2006 gab es den Sprinter in zweiter Generation. Die dritte Generation kam im Juni 2018 auf den Markt. In Nordamerika wurde der Sprinter sowohl unter der Marke Freightliner und zeitweise auch unter der zu Chrysler gehörenden Marke Dodge, jeweils als Sprinter angeboten. Seit 2018 wird er weltweit nur noch als Mercedes-Benz vertrieben. Der Sprinter wurde von 1996 bis 2016 – mit anderen Motoren ausgestattet und äußerlich leicht modifiziert – bis 2006 als VW LT (Generation 2) und von 2006 bis 2016 als VW Crafter angeboten. Seit November 2016 gibt es den VW Crafter als Eigenentwicklung und aus eigener Produktion des Volkswagen-Konzerns.

T1N 1995–2006 (W 901–905)

Allgemeines Der komplett neu entwickelte Sprinter in erster Generation unterschied sich äußerlich stark vom Vorgängermodell („Bremer Transporter“). Auffällig ist die schräg verlaufende Motorhaube im Unterschied zur kantigen „Schnauze“ des T1. Der Sprinter wurde mit drei unterschiedlichen Radständen sowie zwei verschiedenen Höhen angeboten und bietet ein Transportvolumen von bis zu 17 Kubikmetern.

Der Sprinter wurde in Zusammenarbeit mit Volkswagen entwickelt und daher unter den Markennamen VW LT von VW und als Sprinter für Mercedes-Benz, Dodge und Freightliner von Daimler angeboten. Während der Sprinter in seinem Lebenszyklus mehrere Facelifts erfuhr, wurde der VW LT seit seinem Produktionsbeginn praktisch unverändert produziert. Das war einer der Gründe, warum der Sprinter weitaus besser verkauft wurde als der LT, sein Name definiert praktisch die Klasse der großen Vans. Der Sprinter wurde in den Mercedes-Benz-Werken Düsseldorf, Buenos Aires (Argentinien) sowie in Ho-Chi-Minh-Stadt in Vietnam (CKD-Montage) produziert.

Modellpflege Beim ersten Facelift im Februar 2000MB Sprinter Face-Lift Year 2000, abgerufen am 10. Mai 2014 (englisch). wurde vor allem die Frontpartie verändert. Der Mercedes-Stern ragte nun in die Haube hinein und die Gestaltung von Scheinwerfern und Blinkern wurde stromlinienförmiger gestaltet. Das Armaturenbrett wurde einschließlich eines neuen Kombi-Instruments und eines in das Armaturenbrett integrierten Schalthebels komplett neu gestaltet. Ferner wurde die Elektrik auf CAN-Bus umgestellt. Beim zweiten Facelift im Herbst 2002 bekam der Kühlergrill eine in Wagenfarbe lackierte Einfassung und die Rücklichter wurden zweifarbig ausgeführt.

Nach 2006 wurde der T1N für einige Exportmärkte weiterhin noch im Mercedes-Benz-Werk Argentinien gebaut. In Ägypten, Algerien, Brasilien und Sudan wurde der T1N dagegen von Manufacturing Commercial Vehicles weiterhin noch für einige Jahre produziert.

Die Typenbezeichnung W 901 beschreibt die erste Baureihe von 1995 bis 1997. Ab 1998 erhielten die Fahrzeuge die Typenbezeichnungen W 902 bis W 905, abhängig von der zulässigen Gesamtmasse des jeweiligen Fahrzeuges. So sind Modelle 2** = W 902, 3** = W 903, 4** = W 904 und 6** = W 905. Die Sternchen der Modelle sind durch die Motorleistung auf gerundete 10 PS, mit Wegfall der letzten Ziffer „0“ zu ersetzen.

Für die Sprinter W 901, W 902, W 903 und W 904, Modellbezeichnung mit der Zahl 2, 3 oder 4 beginnend, stehen die gleichen Motoren zur Auswahl.

Technische Daten 214314414 208 D308 D408 D 208 CDI308 CDI408 CDI 211 CDI311 CDI411 CDI 213 CDI313 CDI413 CDI 210 D310 D410 D 212 D312 D412 D 216 CDI316 CDI416 CDI616 CDI Bauzeitraum 1995–2000 2000–2006 1995–2000 2000–2006 1997–2000 1995–2000 2000–2006 Motorkenndaten Motorserie M 111 E 23 OM 601 D 23 OM 611 DE 22 LA OM 602 DE 29 LA OM 612 DE 27 LA Motorkennung 111.979 111.984 601.943 611.987 611.981 602.980 612.981 Motortyp R4-Ottomotor R4-Dieselmotor R5-Dieselmotor Anzahl Ventile pro Zylinder 4 2 4 2 4 Ventilsteuerung DOHC, Kette OHC, Kette DOHC, Kette OHC, Kette DOHC, Kette Gemischaufbereitung Saugrohreinspritzung Vorkammer-einspritzung Common-Rail-Einspritzung Direkteinspritzung Common-Rail-Einspritzung Motoraufladung – Turbolader Turbolader, Ladeluftkühler Kühlung Wasserkühlung Bohrung × Hub 90,9 mm × 88,4 mm 89,0 mm × 92,4 mm 88,0 mm × 88,3 mm 89,0 mm × 92,4 mm 88,0 mm × 88,3 mm Hubraum 2295 cm³ 2299 cm³ 2148 cm³ 2874 cm³ 2685 cm³ Verdichtungsverhältnis10,4:1 22,0:1 18,0:1 19,5:1 18,0:1 max. Leistung bei min−1 105 kW(143 PS)/5000 58 kW(79 PS)/3800 60 kW(82 PS)/3800 80 kW(109 PS)/3800 95 kW(129 PS)/3800 75 kW(102 PS)/3400 90 kW(122 PS)/3800 115 kW(156 PS)/3800 max. Drehmoment bei min−1 210 Nm/4000 215 Nm/3200–4700 152 Nm/2300–3000 200 Nm/1400–2600 270 Nm/1400–2400 300 Nm/1600–2400 250 Nm/2000 280 Nm/2000–2300 330 Nm/1400–2400 Kraftübertragung Antrieb, serienmäßig Hinterradantrieb Antrieb, optional – Allradantrieb – Allradantrieb – Allradantrieb Getriebe, serienmäßig 5-Gang-Schaltgetriebe Getriebe, optional 4-Stufen-Automatikgetriebe – 6-Stufen-Sprintshift 4-Stufen-Automatikgetriebe 6-Stufen-Sprintshift,5-Stufen-Automatikgetriebe Messwerte Höchstgeschwindigkeit 136–169 km/h 150–160 km/h 110–137 km/h 120–135 km/h 135–145 km/h 150–155 km/h 130–145 km/h 119–160 km/h 145–160 km/h Kraftstoffverbrauch auf 100 km (kombiniert) 12,6 l Super 10,7 l Diesel 8,5–8,9 l Diesel 8,7 l Diesel CO2-Emission (kombiniert) 301 g/km 282 g/km 224–236 g/km 228 g/km Die Verfügbarkeit der Motoren war von Modell, Ausstattung und Markt abhängig.

Mercedes-Benz Sprinter T1N Russland 2013–2018 Am 22. Juni 2012 gab Mercedes-Benz bekannt, ab Mitte 2013 jährlich bis zu 25.000 Einheiten des Sprinter T1N von Gorkowski Awtomobilny Sawod (GAZ) in deren Hauptwerk für den russischen Markt bauen zu lassen. Diese sollen über das russische Mercedes-Benz-Händlernetz vertrieben werden. Bis Anfang Juni 2016 wurden 10.000 Sprinter Classic in Nischni Nowgorod gefertigt.group-media.mercedes-benz.com. 2018 wurde die Produktion nach knapp 30.000 Fahrzeugen eingestellt.automobilwoche.de.

NCV 3 2006–2018 (W 906)

Allgemeines NCV 3 (New Concept Van) ist die interne Bezeichnung für die zweite Generation des Mercedes-Benz Sprinter, der von April 2006 bis Anfang 2018 produziert wurde.

Im Mercedes-Benz Werk Düsseldorf werden seit 2006 die Baureihen der Kastenfahrzeuge und Kombis (geschlossene Baumuster) produziert. Die so genannten „offenen Baumuster“ (Fahrerhaus und Doppelkabine) des Sprinters werden bei der Mercedes-Benz Ludwigsfelde GmbH südlich von Berlin produziert. Bei einem offenen Baumuster wird auf dem hinteren Teil des Fahrwerks eine Pritsche oder ein beliebiger anderer Aufbau montiert.

Ferner werden alle vier Baumuster im Mercedes-Benz-Werk González Catán in Argentinien gebaut. In der Volksrepublik China produziert Mercedes-Benz Commercial Vehicle als einziger europäischer Transporterhersteller mit eigener Produktion in China den Sprinter. Im Karosserie- und Montagewerk der Fujian Benz Automotive, einem Joint Venture von Mercedes-Benz Vans und Fujian Motors Group, wird der Sprinter in Fuzhou hergestellt. Zu den dort produzierten Produkten gehören die Produkte Mercedes-Benz Vito, Viano und Sprinter in der Busvariante. Außerdem werden gemeinsam mit autorisierten Aufbauherstellern verschiedene Branchenlösungen angeboten bzw. montiert, zum Beispiel Krankentransportfahrzeuge (Ambulance) oder Polizeifahrzeuge (Police Car). Der Vertrieb der Fahrzeuge erfolgt nicht über das Mercedes-Benz-Pkw-Vertriebsnetzwerk, sondern über einen chinesischen Partner, der über ein separates, nur für Mercedes-Benz-Transporter-Produkte spezialisiertes Händlernetz verfügt.

Varianten Der Mercedes-Benz Sprinter ist in verschiedenen Karosserievarianten erhältlich: mit drei Radständen (3250/3665/4325 mm) und in vier Längen von 5243 bis 7343 mm; die Kastenaufbauten gibt es mit Normaldach, Hochdach und dem neuen Superhochdach. Mit 3,0 bis 5,0 Tonnen Gesamtgewicht deckt der neue Sprinter alle wesentlichen Segmente seiner Klasse ab. An offenen Baumustern werden unter anderem Pritschen-Fahrgestelle für ein zulässiges Gesamtgewicht von drei bis fünf Tonnen und Fahrgestelle für Sonderaufbauten (wie beispielsweise für Krankentransportwagen oder den Paketdienst) sowie Tiefrahmen für Wohnmobile angeboten. Die Aufbauten kommen oft von Fremdherstellern, die zum Teil darauf spezialisiert sind.

Weitere Variationsmöglichkeiten bei der Konfiguration eines Sprinters sind Normal- oder Doppelkabine, das Vorhandensein einer Kabinenrückwand, ein so genannter Doppelfahrernebensitz sowie verschiedene Hinterachsübersetzungen und Blattfedervarianten an der Hinterachse.

Aus den unterschiedlichen Radständen, Längen, Höhen, Gewichten, Aufbau- und Motor- sowie Getriebekonfigurationen ergeben sich rund 1000 mögliche Grundkonfigurationen ab Werk.

Ein erheblicher Vorteil gegenüber dem Vorgänger ist die breitere und höhere Laderaumschiebetür, die es ermöglicht, Europaletten quer einzuladen, wodurch der Laderaum besser ausgenutzt wird. Gegen Aufpreis ist die Schiebetür auch elektrisch zu betätigen.

Angeboten wird der Sprinter mit 4- oder 6-Zylinder-Dieselmotoren sowie einem V6-Ottomotor. Als Getriebe stehen ein 6-Gang-Schaltgetriebe und ein 5-Stufen-Automatikgetriebe zur Wahl. ESP ist Serienausstattung. Seit Mai 2008 ist in Europa auch der Mercedes-Benz Sprinter 316 NGT, ein Erdgasfahrzeug mit bivalentem Antrieb, auf dem Markt.

Modellpflege Zum Frühsommer 2009 wurden die 4-Zylinder-Dieselmotoren der Baureihe OM 646 durch den aus C- und E-Klasse bekannten OM 651 ersetzt, der an ein speziell für Nutzfahrzeuge konzipiertes Sechsgang-Handschaltgetriebe (EcoGear 360 bei Vierzylinder, EcoGear 480 bei Sechszylinder) gekoppelt ist. Während die beiden stärkeren Varianten in 313 CDI und 316 CDI von zwei Turboladern mit verstellbaren Turbinenleitschaufeln aufgeladen werden, hat das kleine Modell 309 CDI nur einen lastabhängigen Lader. Mit der Umstellung auf die neue Vierzylinder-Generation entfiel die Variante mit 80 kW (109 PS). Die Leistung der Sechszylinder OM 642 wurde leicht auf 140 kW (190 PS) angehoben, während bei den Ottomotoren keine Veränderungen vorgenommen wurden. Zusammen mit den CDI-Dieselmotoren ist seit dem ersten Quartal 2012 ein 7-Stufen-Automatikgetriebe (7G-Tronic) lieferbar. Dieses Getriebe verwendet Mercedes-Benz bereits in diversen anderen Fahrzeugen der Marke.

Im September 2013 wurden alle Sprinter-Modelle überarbeitet. Merkmale dieser Modellpflege sind die geänderte Front sowie verbesserte Motoren, die nun alle die Abgasnorm Euro 6 erfüllen und deren Verbrauch unter anderem durch eine Absenkung des Aufbaus um 30 mm verringert werden konnte. Fortan serienmäßig ist ein Seitenwind-Assistent, der den Fahrer beim Halten der Spur unterstützen soll. Das Assistenzsystem Collision Prevention Assist warnt einen abgelenkten Fahrer optisch und akustisch und bereitet den adaptiven Bremsassistenten auf eine anstehende Bremsung vor. Teil der Serienausstattung ist die Wartungsintervallanzeige Assyst. Bei den Diesel-Varianten wurde das Wartungsintervall auf bis zu 60.000 Kilometer verlängert.

Ab September 2016 wird der Sprinter zusätzlich in einer 5,5-Tonnen-Version angeboten, wodurch die Nutzlast um bis zu 450 kg steigt. Die maximale Leistung der beiden kleineren Motorvarianten des OM-651-Dieselmotors wurde erhöht. Die bisherige 70-kW-Version (95 PS, 250 Nm) erstarkte auf 84 kW (114 PS, 300 Nm), die 95-kW-Variante (129 PS, 305 Nm) auf 105 kW (143 PS, 350 Nm). Die anderen Dieselmotoren (120 kW/163 PS, OM 651 und 140 kW/190 PS, OM 642) blieben unverändert erhalten.Vgl. dazu Thorsten Seibt: Mercedes Sprinter 2016 – Mehr Power für den Sprinter. In: Auto, Motor und Sport online, 3. Mai 2016, abgerufen am 3. Mai 2016; sowie Mehr Gewicht im Programm. In: AUTOHAUS, 2. Mai 2016, abgerufen am 3. Mai 2016.

Der Sprinter ist mit verschiedenen Aufbauvarianten von Fremdherstellern und ab Herstellerwerk Dortmund als Minibus in den Varianten Mobility, Transfer, Travel und City mit bis zu dreißig Sitzplätzen lieferbar.

Motoren